Was ist die Riester-Rente?
Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte private Altersvorsorge, eingeführt 2002 als Reaktion auf die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus durch die rot-grüne Bundesregierung. Benannt nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester. Ziel: Eigene Vorsorge zusätzlich zur gesetzlichen Rente, mit staatlicher Hilfe.
Der Hintergrund war ein politisches Versprechen: Wer ergänzend privat vorsorgt, soll dafür Geld vom Staat bekommen. Damals galt es als Konsens, dass die gesetzliche Rente alleine nicht mehr ausreicht, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Riester sollte diese Lücke schließen, durch eine Kombination aus eigenen Sparbeiträgen und staatlichen Zuschüssen.
Du schließt einen Vertrag mit einem zertifizierten Anbieter (Versicherung, Bank, Fondsgesellschaft) ab. Du zahlst monatliche Beiträge ein. Der Staat schüttet dafür Zulagen aus und gewährt zusätzlich Steuervorteile. In der Auszahlphase (ab 62/67) wird das angesparte Kapital lebenslang verrentet, versteuert mit deinem persönlichen Steuersatz.
Wichtig zur Einordnung: Riester ist nicht zu verwechseln mit der Rürup-Rente (für Selbständige) oder der betrieblichen Altersvorsorge (über den Arbeitgeber). Riester richtet sich speziell an sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Beamte, Soldaten und über deren Ehepartner auch an einige weitere Gruppen. Selbständige sind ausgeschlossen, sie können stattdessen die Rürup-Rente nutzen.
Auch interessant: Riester war jahrelang das politische Lieblings-Vorsorgeprodukt. Inzwischen ist die Bilanz gemischt. Hohe Vertragskosten, komplizierte Förderlogik und schlechte Performance bei klassischen Versicherungs-Riestern haben dem Produkt einen schlechten Ruf eingebracht. Trotzdem gibt es Lebenslagen, in denen Riester nach wie vor das wirtschaftlich beste Produkt ist, vor allem für Familien mit niedrigem bis mittlerem Einkommen.
So funktioniert die Förderung
Die Riester-Förderung besteht aus zwei Komponenten: Zulagen (direktes Geld vom Staat) und Steuervorteile (Sonderausgabenabzug bis 2.100 €/Jahr). Das Finanzamt prüft automatisch, was für dich besser ist: die sogenannte Günstigerprüfung. Dabei vergleicht das Amt deine Steuerersparnis mit der Summe deiner Zulagen und gewährt automatisch die für dich günstigere Variante.
Die Zulagen bekommst du immer, unabhängig vom Einkommen. Der Sonderausgabenabzug greift dagegen nur, wenn deine Steuerersparnis höher ist als die Zulagen. Das ist meist erst ab einem zu versteuernden Einkommen oberhalb von rund 30.000 € der Fall. Bei Geringverdienern und Familien mit mehreren Kindern dominieren fast immer die Zulagen, bei Gut- und Spitzenverdienern dominiert in der Regel der Steuervorteil.
| Förderart | Höhe / Jahr | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundzulage (Erwachsene) | 175 € | Bei min. 4 % vom Vorjahresbrutto Einzahlung (min. 60 €) |
| Kinderzulage (geb. nach 2007) | 300 € | Pro Kind, an die Person, die Kindergeld erhält |
| Kinderzulage (geb. vor 2008) | 185 € | Pro Kind |
| Berufseinsteiger-Bonus | 200 € einmalig | Vor 25. Lebensjahr beim ersten Vertragsabschluss |
Um die volle Zulage zu erhalten, musst du jährlich mindestens 4 % deines Vorjahresbruttoeinkommens in deinen Riester-Vertrag einzahlen, abzüglich der Zulagen, mindestens jedoch 60 € (Sockelbeitrag). Wer weniger einzahlt, bekommt die Zulage anteilig gekürzt. Diese Kürzung greift schneller als viele denken: Wer statt 4 % nur 3 % einzahlt, verliert ein Viertel der Zulage. Das ist einer der häufigsten Fehler in der Praxis.
Ein zentrales Detail: Der Mindesteigenbeitrag bezieht sich auf das Vorjahresbrutto, nicht auf das aktuelle. Wer im Vorjahr 40.000 € verdient hat, muss in diesem Jahr 1.600 € (4 %) einzahlen, auch wenn das aktuelle Einkommen höher oder niedriger ist. Bei Eltern in Elternzeit oder Selbständigen mit schwankendem Einkommen führt das oft zu Überraschungen. Faustregel: Brutto-Bescheinigung des Vorjahres rechtzeitig prüfen.
Die Zulagen werden nicht automatisch ausgezahlt, du musst sie aktiv beantragen. Am einfachsten geht das mit dem Dauerzulagenantrag: Du erteilst deinem Anbieter einmalig eine Vollmacht, dann übernimmt der das jedes Jahr automatisch. Ohne diesen Antrag musst du die Zulagen Jahr für Jahr selbst beantragen, und viele vergessen das. Geld, das einfach verloren geht.
Die Rentenlücke verstehen
Wer eine zusätzliche Vorsorge braucht, sollte die Rentenlücke kennen. Beispiel: Mittleres Bruttoeinkommen 4.000 €/Monat. Gesetzliche Rentenprognose ca. 1.700 €. Wunsch-Lebensstandard im Alter: ca. 2.500 €. Die Lücke beträgt monatlich 800 €, über 25 Rentenjahre rund 240.000 €.
Diese Lücke entsteht nicht aus politischer Bösartigkeit, sondern aus einem strukturellen Problem: Die gesetzliche Rente ist umlagefinanziert. Das bedeutet: Heutige Beiträge werden direkt zur Auszahlung an heutige Rentner verwendet. Mit immer weniger Beitragszahlern und immer mehr Rentnern reicht das System mathematisch nicht mehr. Das Rentenniveau ist deshalb seit 2002 schrittweise gesunken, von rund 53 % auf heute 48 % vor Steuern. Tendenz: weiter fallend.
Datenstand Mai 2026 · Annahme: Standardrentner mit 45 Beitragsjahren, Durchschnittsverdienst. Quelle: Deutsche Rentenversicherung, Rentenniveau 2026 ca. 48 % vor Steuer.
Die Rentenlücke ist der Maßstab für deine private Vorsorge. Je größer sie ist, desto wichtiger wird ein Vorsorgeprodukt: Riester, ETF-Sparplan, Immobilien-Eigentum oder eine Kombination. Wichtig zu verstehen: Die obige Rechnung ist eine Brutto-Rechnung. Auf die gesetzliche Rente fallen Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge an (rund 11 %), und ein Teil ist einkommensteuerpflichtig. Die tatsächliche Netto-Lücke ist also noch etwas größer, als die Zahl auf dem Rentenbescheid vermuten lässt.
Was die Rechnung außerdem nicht zeigt: Inflation. Wenn du heute mit 2.500 € im Monat auskommen würdest, brauchst du in 30 Jahren bei nur 2 % Inflation rund 4.500 € Kaufkraft. Die gesetzliche Rente wird zwar dynamisiert (jährliche Rentenerhöhung), aber meist langsamer als die echte Inflation. Auch deshalb braucht es eine private Komponente, die im Idealfall ebenfalls inflationsgekoppelt ist: Aktien, ETFs oder Immobilien sind hier deutlich besser geeignet als reine Versicherungs-Riester mit Garantieverzinsung.
Wer seine eigene Rentenlücke kennen will, fordert die Rentenauskunft der Deutschen Rentenversicherung an (kostenlos, online unter deutsche-rentenversicherung.de). Dort steht eine konkrete Prognose deiner gesetzlichen Rente, basierend auf deinen bisherigen Beitragsjahren, Hochrechnung auf 67. Diese Zahl ist der Ausgangspunkt jeder seriösen Vorsorge-Planung.
Drei reale Beispielrechnungen
Wir haben drei typische Lebenslagen durchgerechnet, jeweils mit echten Förderbeträgen, Eigenanteilen und der Förderquote. Die Förderquote ist die wichtigste Zahl: Sie zeigt, wie viel Prozent deiner gesamten Einzahlung der Staat dazugibt.
Faustregel: Über 50 % Förderquote ist Riester schwer zu schlagen. Zwischen 20 und 50 % ist es eine ehrliche Abwägung gegen den ETF-Sparplan. Unter 20 % verschenkst du mit Riester meist Geld an die Vertragskosten.
Sara, 32, alleinerziehend, 2 Kinder
- Bruttoeinkommen
- 32.000 €
- Eigenanteil
- 1.080 €/Jahr (4 % vom Brutto, abzüglich Zulagen)
- Staatliche Zulagen
- 175 € + 2 × 300 € = 775 €
- Effektiv
- 305 € Eigeneinzahlung, 775 € vom Staat
Hier lohnt Riester fast immer. Förderquote über 70 %.
Saras Lage ist das Lehrbuch-Beispiel: niedriges Einkommen plus Kinder. Hier holt jede einzelne Kinderzulage richtig viel heraus. Tims Situation sieht ganz anders aus: Single, kein Kind, mittleres Einkommen. Schauen wir, was bei ihm passiert:
Tim, 28, Single, kinderlos, 45.000 € Brutto
- Bruttoeinkommen
- 45.000 €
- Eigenanteil
- 1.800 € / Jahr (4 % vom Brutto, abzügl. Zulage)
- Staatliche Zulagen
- 175 € Grundzulage
- Effektiv
- 1.625 € Eigeneinzahlung, 175 € vom Staat
Riester lohnt selten. Hohe Vertragskosten + nur Grundzulage = ETF-Sparplan ist meist die ehrlichere Variante.
Bei Tim bleibt fast nichts vom Förder-Versprechen übrig: 175 € Zulage gegen über 1.600 € eigene Einzahlung. Bei Familie Müller dreht sich das Bild noch einmal: zwei Erwachsene, zwei Kinder, doppelte Grundzulage plus zwei Kinderzulagen. Das ändert die Rechnung deutlich:
Familie Müller, 2 Kinder, beide voll berufstätig
- Bruttoeinkommen
- 85.000 € gemeinsam
- Eigenanteil
- 3.400 € (2× 4 % minus Zulagen)
- Staatliche Zulagen
- 2 × 175 € + 2 × 300 € = 950 €
- Effektiv
- 2.450 € Eigeneinzahlung, 950 € vom Staat
Mit Kindern lohnt sich der Riester häufig. Aber beide Verträge: Vorsicht vor doppelter Kostenstruktur.
Die drei Lebenslagen zeigen klar: Riester ist kein Pauschal-Produkt. Ob es sich für dich lohnt, hängt fast komplett von deiner Familienkonstellation und deinem Bruttoeinkommen ab. Wer keine Kinder hat, sollte die Förderquote ehrlich ausrechnen und sich nicht vom Versicherungsvertreter mit der Grundzulage blenden lassen.
Anbieter im Vergleich
Es gibt vier Riester-Varianten: Klassisch (Versicherung mit garantierter Verzinsung), Fonds-Riester (Aktienfonds oder ETFs), Bank-Riester (Banksparplan, kaum noch verfügbar), und Wohn-Riester (Eigenheim-Förderung). Jede Variante hat ihre eigene Logik und ihre eigenen Schwächen.
Klassisch-Riester wird von Versicherungen angeboten und garantiert dir mindestens deine Beiträge plus Zulagen zum Rentenbeginn, keinen Cent mehr, aber auch keinen weniger. Die Garantieverzinsung liegt 2026 bei rund 1 %. Das klingt sicher, ist es aber nicht: Die Inflation frisst diese Sicherheit komplett auf. Klassisch-Riester ist heute fast immer die schlechteste Wahl, vor allem für junge Menschen mit langer Laufzeit.
Fonds-Riester investiert deine Beiträge in Aktien- oder ETF-Fonds. Höhere Rendite-Chancen, aber auch Schwankungen. Die Mehrheit der Anbieter steuert das Risiko über sogenannte „Lifecycle-Modelle": Anfangs viel Aktien, mit zunehmendem Alter mehr Anleihen. Inzwischen gibt es auch ETF-basierte Fonds-Riester mit transparenten Kosten, eine erst seit 2022 erlaubte Variante.
Bank-Riester als reiner Banksparplan ist 2026 praktisch ausgestorben: die niedrigen Zinsen haben das Modell für Banken unattraktiv gemacht. Vereinzelt findet man noch Restbestände, aber kaum noch neue Verträge. Wohn-Riester ist eine Sonderform: Du nutzt deine Riester-Beiträge zur Tilgung eines Eigenheim-Kredits oder zum Eigenheim-Kauf. Macht Sinn für alle, die ohnehin eine selbstgenutzte Immobilie planen.
Mai 2026: die wichtigsten Anbieter im Überblick:
| Anbieter | Typ | Kosten | Min. Rate | Flexibel | Hinweis |
|---|---|---|---|---|---|
| fairr Riester (DWS) | Fonds-Riester | 0,50 % p. a. | 20 €/Mon. | ✓ | Aktive Fonds, auch ETF-basiert verfügbar |
| Allianz RiesterRente Klassik | Klassisch | ca. 2,5 % p. a. effektiv | 25 €/Mon. | – | Hohe Garantie, niedrige Rendite |
| Union FairRiester (UniProfiRente) | Fonds-Riester | ~1,5 % p. a. inkl. Fonds | 50 €/Mon. | ✓ | Marktführer bei Fonds-Riester |
| DWS RiesterRente Premium | Fonds-Riester | ~1,8 % p. a. | 50 €/Mon. | ✓ | Klassisches Fonds-Modell |
| Wohn-Riester (Bauspar) | Eigenheim-Förderung | unterschiedlich | variabel | – | Nur für Immobilienkauf/-kredit |
Ein wichtiger Begriff: das Produktinformationsblatt (PIB). Anbieter sind verpflichtet, dir vor Vertragsabschluss ein PIB auszuhändigen, in dem die Effektivkosten ausgewiesen sind. Lies dieses Blatt sorgfältig, die Kosten sind oft erschreckend hoch (2–3 % p. a. sind keine Seltenheit). Diese Kosten fressen die staatliche Förderung schneller auf, als die meisten denken.
Was das in Zahlen heißt: Bei einem Vertrag mit 2,5 % Effektivkosten und 30 Jahren Laufzeit gehen rund 30 % deiner Einzahlungen für Kosten drauf. Bei 1 % Effektivkosten sind es nur etwa 13 %. Diese Differenz von 17 Prozentpunkten ist mehr, als die meisten Riester-Sparer:innen jemals an Zulagen bekommen. Kostenvergleich ist deshalb wichtiger als der Vergleich von Renditeversprechen.
Riester vs. ETF-Sparplan
Der direkte Vergleich über 30 Jahre, 100 € pro Monat eigene Einzahlung, 5 % p. a. Rendite, Single-Erwachsener mit mittlerem Einkommen. Ohne Kinderzulagen.
| Kriterium | Riester (Fonds) | ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Eigeneinzahlung | 36.000 € | 36.000 € |
| Staatliche Zulagen | 5.250 € (Grundzulage über 30 J.) | 0 € |
| Steuerersparnis Einzahlphase | ca. 8.000 € (mittl. Einkommen) | 0 € |
| Brutto-Vermögen nach 30 J. (5 % p. a.) | ca. 75.000 € | ca. 80.000 € |
| Netto nach Steuern in Auszahlphase | ca. 56.000 € (volle Versteuerung) | ca. 75.000 € (Sparerpauschb. + Teilfreistellung) |
| Flexibilität | Verrentung Pflicht, frühestens 62 | Frei verfügbar, jederzeit |
| Vererbbarkeit | Eingeschränkt (an Ehepartner mit Kosten) | Vollständig vererbbar |
Im Beispiel hat der ETF-Sparplan netto 19.000 € mehr Endvermögen, bei voller Flexibilität und besserer Vererbbarkeit. Sobald aber Kinderzulagen ins Spiel kommen, dreht sich das Bild oft. Mit zwei Kindern und 6.000 € zusätzlicher Förderung über 20 Jahre liegt Riester häufig vorne.
Was die Tabelle nicht abbildet, ist der psychologische Effekt: Riester ist eine Verbindlichkeit, ein ETF-Sparplan ist eine Entscheidung, die du jeden Monat neu trifft. Genau das ist Riesters heimlicher Vorteil: wer zur Aufschieberitis neigt, spart mit der Vertrags-Pflicht oft konsequenter. Wer Disziplin hat, verschenkt mit dem Vertrag dagegen Flexibilität.
Ein zweiter Punkt, der gern übersehen wird: die Hartz-IV-Klausel. Riester-Guthaben ist im Bürgergeld-Bezug geschützt, der Staat darf es nicht antasten. ETF-Guthaben dagegen muss bis auf den Schonbetrag aufgebraucht werden, bevor es Bürgergeld gibt. Für Berufe mit hohem Arbeitslosen-Risiko (Kreative, Soloselbständige in unsicheren Branchen) ist das ein echtes Argument für Riester.
Drittens: Steuerstundung. Du sparst die Riester-Beiträge vor Steuern, im Alter zahlst du sie nach Steuern zurück. Wenn dein Steuersatz im Alter deutlich niedriger liegt als heute (häufig der Fall), entsteht ein echter Steuervorteil. Bleibt der Steuersatz gleich, ist es ein Nullsummenspiel: dann zählen nur Zulagen und Kosten.
Wie du vorgehst: in 5 Schritten
- 01
Förderquote berechnen
Schau, wie viel Prozent deiner Einzahlung der Staat dazugibt. Über 50 %: Riester lohnt fast immer. Unter 20 %: ETF-Sparplan ist meist besser.
- 02
Anbieter vergleichen
Stiftung Warentest, Finanztest, finanztip.de. Achte auf Effektivkosten unter 1 % p. a. und auf Fonds-Riester (statt klassisch).
- 03
Vertrag prüfen
Vor Unterschrift Wechselgebühren-Klausel checken, Mindestbeitrag, Auszahlungsoptionen. Lass dir die Effektivkosten schriftlich geben.
- 04
Zulagen aktivieren
Dauerzulagenantrag stellen, sonst bekommst du sie nicht jedes Jahr automatisch. Einmal anlegen, gilt für die ganze Laufzeit.
- 05
Jährlich Steuererklärung
In der Anlage AV deklarieren. Das Finanzamt prüft automatisch, ob Zulagen oder Steuervorteile besser sind ("Günstigerprüfung").
5 häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Vertrag mit zu hohen Effektivkosten abschließen
Über 2 % p. a. ist die staatliche Förderung wieder weg. Effektivkosten in der Vertragsofferte explizit erfragen.
Dauerzulagenantrag vergessen
Viele bekommen nur in den ersten Jahren die Zulagen, weil sie den Antrag jedes Jahr neu stellen müssten. Mit Dauerzulagenantrag erledigt sich das automatisch.
Beitrag zu niedrig wählen
Wer weniger als 4 % vom Vorjahresbrutto einzahlt, bekommt die Zulagen anteilig gekürzt. Vorjahres-Brutto kennen!
Zu viele parallele Verträge
Mit zwei Riester-Verträgen werden die Zulagen aufgeteilt. Selten sinnvoll, oft kostspielig.
In der Auszahlphase überrascht werden
Die Riester-Rente wird voll versteuert. Wer das in seine Renten-Planung nicht einrechnet, hat plötzlich 30 % weniger Netto im Alter als gedacht.
Steuern in der Auszahlphase
In der Einzahlphase profitierst du von der Förderung. In der Auszahlphase muss diese Förderung an den Staat zurück, über die nachgelagerte Versteuerung. Konkret: Deine Riester-Rente wird mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
Beispiel: Du bekommst im Rentenalter 300 €/Monat aus Riester. Bei einem Steuersatz von 20 % im Alter sind das 60 € Steuern monatlich, also 240 € netto. Über 25 Jahre Rente: 18.000 € Steuern auf deine Riester-Rente.
Aussteigen: was kostet es?
Wenn du aus deinem Riester-Vertrag aussteigst, gibt es zwei Möglichkeiten: Beitragsfreistellung (du zahlst nicht mehr ein, der Vertrag läuft weiter) oder Kündigung (du beendest den Vertrag).
Bei der Kündigung musst du sämtliche staatlichen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die übriggebliebene Restsumme bekommst du ausbezahlt, oft nur etwa 30–60 % deiner Einzahlungen, weil zusätzlich Vertragskosten und Stornogebühren abgezogen werden.
Faustregel: Beitragsfreistellung ist fast immer besser als Kündigung. Du hörst auf einzuzahlen, die Zulagen-Rückforderung entfällt, das Kapital läuft weiter (mit Kostenabzug). Erst zur Rente gibt's eine kleine Auszahlung.
Vertiefend im Podcast
Vorsorge-Themen wie Riester sind komplex. Eine 12-Minuten-Podcast-Folge gibt dir oft die Tonart, die ein geschriebener Artikel nicht treffen kann. In unserem Lia & Maik Podcast sprechen wir regelmäßig über Riester, Rürup, ETF-Sparpläne und alternative Vorsorgemodelle.
Hör links direkt rein. Falls die aktuelle Folge gerade ein anderes Geld-Thema behandelt (z. B. Rohstoffe oder Aktien), abonniere die Show, dann verpasst du keine kommende Riester- oder Rürup-Episode.
Lia & Maik · Finanzpost-Podcast, überall, wo es Podcasts gibt.
Häufig gestellte Fragen
Die 10 wichtigsten Fragen aus der Finanzpost-Community
-
Lohnt sich die Riester-Rente noch?
Ja, aber sehr selektiv. Für Familien mit mehreren Kindern und niedrigem bis mittlerem Einkommen liegt die Förderquote oft über 50 %, dann lohnt es sich. Für Singles mit höherem Einkommen ist meist ein ETF-Sparplan die bessere Alternative. -
Wer ist riester-berechtigt?
Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamte, Soldaten, Geringverdiener-Ehepartner. Selbständige sind ausgeschlossen, für sie ist die Rürup-Rente die Alternative. -
Wie hoch sind die Zulagen 2026?
175 € Grundzulage pro Erwachsenem, 300 € pro Kind (geboren ab 2008) bzw. 185 € pro Kind (vor 2008). Berufseinsteiger unter 25 erhalten einmalig 200 € extra. -
Was ist der "Mindesteigenbeitrag"?
Um die volle Zulage zu erhalten, musst du 4 % deines Vorjahresbruttoeinkommens einzahlen, abzüglich der Zulagen, mindestens aber 60 € pro Jahr ("Sockelbeitrag"). -
Kann ich Riester-Beiträge von der Steuer absetzen?
Ja, bis 2.100 € pro Jahr als Sonderausgaben. Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Steuerersparnis oder die Zulagen für dich besser sind ("Günstigerprüfung"). -
Muss ich die Riester-Rente versteuern?
Ja, in der Auszahlphase mit dem persönlichen Steuersatz. Da der Steuersatz im Alter meist niedriger ist als im Berufsleben, profitierst du in dieser Phase. Trotzdem reduziert es die Netto-Rente erheblich. -
Was passiert, wenn ich aus Riester aussteige?
Du musst alle staatlichen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Eigene Einzahlungen bekommst du abzüglich der Vertragskosten zurück. In der Regel ein Verlustgeschäft, Beitragsfreistellung ist meist die bessere Alternative. -
Was ist Wohn-Riester?
Du nutzt deine Riester-Beiträge für die Tilgung eines Eigenheim-Kredits oder den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie. Sonderform mit eigenen Regeln und nachgelagerter Versteuerung. -
Kann ich meinen Riester-Vertrag wechseln?
Ja, aber Vorsicht vor Wechselgebühren. Beim Anbieterwechsel gehen oft mehrere hundert Euro verloren. Lohnt sich nur bei sehr kostspieligen Altverträgen. -
Was passiert bei Tod vor Rentenbeginn?
Das angesparte Kapital geht an Ehepartner (steuerfrei in dessen Riester) oder kindergeldberechtigte Kinder. Andere Erben müssen Zulagen + Steuervorteile zurückzahlen.
Quellen & weiterführend
- → BMAS: Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Riester-Rente
- → BMF: Bundesministerium der Finanzen: Altersvorsorge
- → Stiftung Warentest: Riester-Vergleich (kostenpflichtig)
- → Deutsche Rentenversicherung: Renten-Prognose
- → Finanzpost-Lexikon: Riester, Rürup, bAV erklärt
- → Finanzpost-Rechner: Sparrechner für Riester-Alternative