Zinsen und Zinseszins: Die mÀchtigsten KrÀfte beim Vermögensaufbau
Willkommen zur neunten Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. Lia und Finanzexperte Maik Marx widmen sich heute dem, was Albert Einstein angeblich das achte Weltwunder nannte: dem Zinseszinseffekt. Du erfĂ€hrst, was Zinsen ĂŒberhaupt sind, wie aus ihnen der mĂ€chtige Zinseszins entsteht und warum dein Vermögen ĂŒber lange ZeitrĂ€ume nicht linear, sondern exponentiell wĂ€chst. Mit konkreten Rechenbeispielen wird klar, warum Zeit dein wertvollster VerbĂŒndeter ist und wie du diesen Effekt gezielt fĂŒr deinen eigenen Vermögensaufbau einsetzt.
Was Zinsen eigentlich sind
Bevor es um den Zinseszins geht, klĂ€rt Maik den Grundbegriff: Zinsen sind der Preis fĂŒr geliehenes Geld. Legst du Geld aufs Sparkonto, leihst du es der Bank und bekommst dafĂŒr Zinsen. Investierst du in eine Anleihe, leihst du einem Staat oder Unternehmen Geld. Nimmst du einen Kredit auf, zahlst du selbst Zinsen. Angegeben werden sie meist als Prozentsatz pro Jahr. Legst du 1.000 Euro zu 3 Prozent an, hast du nach einem Jahr 30 Euro Zinsen und damit 1.030 Euro. Das ist der einfache Zins, das Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut. Die wichtigsten Grundlagen findest du kompakt in unserem Wissensbereich.
Der Zinseszins: Zinsen auf Zinsen
Der Zinseszins ist der Zins, den du auf deine bereits verdienten Zinsen bekommst. Maik bleibt beim gleichen Beispiel: Aus 1.000 Euro werden zu 3 Prozent nach einem Jahr 1.030 Euro. Im zweiten Jahr bekommst du aber nicht erneut nur 30 Euro, sondern 3 Prozent von 1.030 Euro, also 30,90 Euro. Dein Kapital steigt auf 1.060,90 Euro, im dritten Jahr sind es schon 31,83 Euro Zinsen. Die Zinsen werden jedes Jahr ein wenig mehr, weil sie auf ein wachsendes Kapital berechnet werden. Genau dieser SelbstverstĂ€rkungsmechanismus ist der Zinseszinseffekt, der Grund, warum sich frĂŒhes Anlegen so stark auszahlt. Wie viel aus deinen BetrĂ€gen wird, rechnest du dir mit unseren Rechnern in Sekunden aus.
Kleiner Unterschied, gewaltige Wirkung
Kurzfristig wirkt der Zinseszins fast unscheinbar, langfristig ist er gewaltig. Maik rechnet vor: Legst du 10.000 Euro fĂŒr 30 Jahre zu 5 Prozent an, bekommst du mit einfachem Zins jedes Jahr 500 Euro, nach 30 Jahren also 15.000 Euro, in Summe 25.000 Euro. Mit Zinseszins sind es nach 30 Jahren rund 43.200 Euro. Das sind 33.200 Euro Zinsen und damit 18.200 Euro mehr als bei der einfachen Variante, ganz ohne zusĂ€tzliche Einzahlung. Dieser Unterschied entsteht allein dadurch, dass die Zinsen selbst wieder Zinsen verdienen. Genau deshalb lohnt es sich, ErtrĂ€ge nicht auszugeben, sondern konsequent wieder anzulegen.
Zeit schlÀgt Höhe der BetrÀge
Die zentrale Lektion lautet: Zeit ist beim Zinseszins der wichtigste Faktor. Je lĂ€nger dein Geld arbeiten darf, desto stĂ€rker wirkt der Effekt, weil das exponentielle Wachstum erst nach vielen Jahren richtig Fahrt aufnimmt. Maik bringt es mit einem Sprichwort auf den Punkt: Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren, der zweitbeste ist heute. Genauso ist es beim Investieren. Entscheidend ist nicht, mit welcher Summe du startest, sondern dass du ĂŒberhaupt anfĂ€ngst und dranbleibst. Schon kleine, regelmĂ€Ăige BetrĂ€ge entfalten ĂŒber Jahrzehnte eine enorme Wirkung. Welche Anlageformen sich dafĂŒr eignen, zeigt dir die Anlage-Ăbersicht.
Mit 25 jeden Monat 200 ⏠in einen ETF zu 7 % Rendite: nach 40 Jahren rund 478.000 ⏠aus 96.000 ⏠Einzahlung. Wer erst mit 35 startet, zahlt 30 Jahre lang ein und kommt auf etwa 227.000 âŹ. Nur 24.000 ⏠weniger eingezahlt, aber rund 251.000 ⏠weniger Endkapital. Diese 10 Jahre Verzögerung kosten eine Viertelmillion Euro. Deshalb gilt: lieber frĂŒh und klein als spĂ€t und groĂ.
Die Mathematik und die 72er-Regel
Hinter dem Zinseszins steckt eine einfache Formel: Endkapital gleich Anfangskapital mal eins plus Zinssatz hoch Anzahl der Jahre. Auswendig kennen musst du sie nicht, dafĂŒr gibt es kostenlose Zinseszinsrechner. Praktischer im Alltag ist die 72er-Regel: Teilst du 72 durch den Zinssatz, erhĂ€ltst du ungefĂ€hr die Jahre, bis sich dein Geld verdoppelt. Bei 6 Prozent sind das 12 Jahre, bei 8 Prozent 9 Jahre, bei 4 Prozent 18 Jahre. Eine schnelle Faustformel, mit der du die Kraft des Zinseszinses sofort abschĂ€tzen kannst. Begriffe wie Rendite oder thesaurierend erklĂ€rt dir bei Bedarf unser Finanzlexikon.
Rendite und der negative Zinseszins
Nicht nur die Zeit, auch die Höhe der Rendite hat enorme Hebelwirkung. Investierst du 30 Jahre lang monatlich 300 Euro, kommst du bei 4 Prozent auf rund 208.000 Euro, bei 8 Prozent auf etwa 429.000 Euro, ein Unterschied von 221.000 Euro bei identischer Einzahlung. Das spricht fĂŒr renditestarke, breit gestreute Anlagen statt niedrig verzinster Sparkonten. Gleichzeitig warnt Maik vor dem negativen Zinseszins: Bei Kreditkartenschulden mit 15 Prozent arbeitet der Effekt gegen dich. 5.000 Euro Schulden, nur mit der Mindestrate getilgt, ziehen sich ĂŒber sieben Jahre und rund 3.500 Euro Zinsen. Deshalb gilt: Schulden zuerst tilgen, dann Vermögen aufbauen. Welche Konten und SparplĂ€ne sich lohnen, zeigt dir unser Vergleich.
Strategien und Steuern
FĂŒnf einfache Strategien holen das Maximum aus dem Zinseszins heraus: so frĂŒh wie möglich starten, regelmĂ€Ăig per Sparplan investieren, alle ErtrĂ€ge wieder anlegen, geduldig bleiben und renditestarke Anlagen wĂ€hlen. Auch Steuern bremsen den Effekt nur, sie stoppen ihn nicht. In Deutschland fĂ€llt auf KapitalertrĂ€ge die Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer an, doch bis 1.000 Euro pro Jahr und Person bleibt alles steuerfrei. Bei thesaurierenden ETFs wird der GroĂteil der Steuer erst beim Verkauf fĂ€llig, sodass dein Geld lĂ€nger ungebremst weiterwĂ€chst. Neutrale Informationen ohne Verkaufsinteresse findest du bei der Verbraucherzentrale, bei Finanztip und bei der Deutschen Bundesbank.
Es ist nie zu spÀt
Auch wenn du nicht mehr 25 bist, lohnt sich der Start sofort. Wer mit 50 Jahren beginnt und 15 Jahre lang monatlich 500 Euro investiert, hat mit 65 bei 7 Prozent Rendite rund 158.000 Euro. Von den 90.000 Euro Einzahlung sind etwa 68.000 Euro allein durch den Zinseszins entstanden, eine beachtliche Summe fĂŒr die Altersvorsorge. Der beste Zeitpunkt zu starten ist immer jetzt, unabhĂ€ngig vom Alter. Wenn du eine ehrliche, persönliche EinschĂ€tzung deiner Situation möchtest, kannst du jederzeit ein kostenloses ErstgesprĂ€ch mit Maik buchen, ganz ohne Provisionsdruck und VerkaufsgesprĂ€ch.
Fazit: Lass die Zeit fĂŒr dich arbeiten
Der Zinseszins ist die mĂ€chtigste Kraft beim Vermögensaufbau, weil er dein Geld exponentiell wachsen lĂ€sst und kleine BetrĂ€ge ĂŒber die Jahre zu echtem Vermögen macht. Du musst kein Mathematiker sein, um ihn zu nutzen, du musst nur frĂŒh anfangen, regelmĂ€Ăig investieren und geduldig bleiben. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und mach den ersten Schritt. In der nĂ€chsten Folge geht es um Risiko und Rendite: wie diese beiden Faktoren zusammenhĂ€ngen und wie viel Risiko wirklich zu dir passt.
Shownotes zu dieser Folge +
Zinsen und Zinseszins - Die mÀchtigsten KrÀfte beim Vermögensaufbau
Das achte Weltwunder - So vermehrst du dein Geld exponentiell!
In der neunten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast erklĂ€ren dir Lia und Finanzexperte Maik Marx das achte Weltwunder: den Zinseszinseffekt! Diese mĂ€chtige Kraft kann dein Vermögen exponentiell wachsen lassen â wenn du sie verstehst und nutzt.
- â Was Zinsen sind und wie der Zinseszinseffekt funktioniert
- â Konkretes Beispiel: 10.000âŹ ĂŒber 30 Jahre - einfache Zinsen vs. Zinseszins
- â Warum 10 Jahre frĂŒher anfangen 251.000⏠mehr bringt
- â Die 72er-Regel: Wie lange dauert es, bis sich dein Geld verdoppelt?
- â Exponentielles Wachstum erklĂ€rt: Warum es immer schneller geht
- â Rendite-Vergleich: 4% vs. 8% = 221.000⏠Unterschied bei gleicher Einzahlung
- â Negativer Zinseszins: Wie Schulden durch Zinseszins explodieren
- â 5 Strategien: FrĂŒh starten, regelmĂ€Ăig investieren, ErtrĂ€ge reinvestieren, geduldig sein, renditestarke Anlagen
- â Es ist nie zu spĂ€t: Mit 50 starten und trotzdem 68.000⏠Zinseszins verdienen â°
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Herzlich willkommen zurĂŒck bei Finanzpost.de, der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Ich bin Lia und ich freue mich sehr, dass du auch heute wieder dabei bist. In der letzten Folge haben wir ĂŒber den Unterschied zwischen Sparen und Investieren gesprochen und dabei schon mehrfach den Zinseszinseffekt erwĂ€hnt. Heute wollen wir dieses Thema vertiefen, Denn der Zinseszinseffekt ist wirklich eine der mĂ€chtigsten KrĂ€fte beim Vermögensaufbau. Albert Einstein soll ihn sogar als das achte Weltwunder bezeichnet haben. Und natĂŒrlich ist wieder mein Finanzexperte an meiner Seite, der mir zeigen wird, wie ich diesen Effekt fĂŒr mich nutzen kann. Herzlich willkommen, Maik Marx.
Maik Marx: Danke, Lia. Das Zitat von Einstein ist tatsÀchlich legendÀr, auch wenn nicht ganz sicher ist, ob er es wirklich gesagt hat. Aber es trifft den Kern. Der Zinseszinseffekt ist eine unglaublich mÀchtige Kraft, die dein Vermögen exponentiell wachsen lassen kann. Wer ihn versteht und nutzt, hat einen riesigen Vorteil.
Lia: Das klingt vielversprechend. Maik, lass uns ganz am Anfang beginnen. Was sind ĂŒberhaupt Zinsen?
Maik Marx: Zinsen sind im Grunde genommen der Preis fĂŒr geliehenes Geld. Wenn du Geld auf ein Sparkonto legst, leist du der Bank dieses Geld. Und die Bank zahlt dir dafĂŒr Zinsen. Wenn du in eine Anleihe investierst, leist du einem Staat oder Unternehmen Geld und du bekommst Zinden. Wenn du einen Kredit aufnimmst, leist du dir Geld von der Bank und du zahlst Zinden. Zinsen werden meistens als Prozentsatz pro Jahr angegeben. Wenn du 1.000 Euro auf ein Sparkonto mit 3% Zinsen legst, bekommst du nach einem Jahr 3.0 Euro Zinsen. Dein Kapital ist dann 1.030 Euro.
Lia: Okay, das ist der einfache Zins. Was ist dann der Zinseszins?
Maik Marx: Der Zinseszins ist der Zins, den du auf deine Zinsen bekommst. Lass mich das am gleichen Beispiel erklÀren. Du legst 1000 Euro zu 3% Zinsen an. Nach dem ersten Jahr hast du 1.030 Euro. Im zweiten Jahr bekommst du nicht wieder nur 3.0 Euro Zinsen, sondern 3% von 1.030 Euro, also 3.090 Euro. Dein Kapital ist dann 1.060,90 Euro. Im dritten Jahr bekommst du 3% von 1.060,90 Euro, also 3.1,83 Euro. Dein Kapital ist dann 1.020,73 Euro. Die Zinsen werden also jedes Jahr ein bisschen mehr, weil sie auf das wachsende Kapital berechnet werden. Das ist der Zinseszinseffekt.
Lia: Ah, ich verstehe. Die Zinsen werden mitverzinst und dadurch wÀchst das Kapital schneller. Aber das klingt nach einem kleinen Unterschied. Ist das wirklich so mÀchtig?
Maik Marx: Kurzfristig sieht der Unterschied klein aus. Aber langfristig ist er gewaltig. Lass mich dir ein Beispiel geben. Stell dir vor, du legst 10.000 Euro fĂŒr 30 Jahre zu 5% Zinsen an. Mit einfachen Zinsen, also ohne Zinseszins, wĂŒrdest du jedes Jahr 5.000 Euro Zinsen bekommen. Nach 30 Jahren hĂ€ttest du 1.000 Euro Zinsen verdient, also insgesamt 2.000 Euro. Mit Zinseszins sieht es ganz anders aus. Nach 30 Jahren hĂ€ttest du etwa 43.200 T-Euro. Das sind 33.200 T-Euro Zinsen, also mehr als das Doppelte. Der Unterschied zwischen einfachen Zinsen und Zinseszins betrĂ€gt 18.200 Euro. Das ist die Macht des Zinseszinseffekts.
Lia: Wow, 18.200 Euro Unterschied. Das ist wirklich beeindruckend. Und das nur, weil die Zinsen mitverzinst werden. Maik, kannst du das noch an einem anderen Beispiel zeigen?
Maik Marx: Sehr gerne. Nehmen wir ein Beispiel, das viele junge Menschen betrifft. Stell dir vor, du bist 25 Jahre alt und fĂ€ngst an, jeden Monat 200 Euro in einen ETF zu investieren, der durchschnittlich 7% Rendite pro Jahr bringt. Du machst das 40 Jahre lang bis zu deinem 65. Geburtstag. Du zahlst insgesamt 96.000 Euro ein. Aber durch den Zinseszinseffekt hast du am Ende etwa 478.000 Euro. Das bedeutet, 331.000 Euro sind allein durch den Zinseszinseffekt entstanden. Dein Geld hat sich fast verfĂŒnffacht. Wenn du erst mit 35 anfĂ€ngst, also 10 Jahre spĂ€ter, und die gleichen 200 Euro monatlich investierst, zahlst du in 30 Jahren 72.000 Euro ein und hast am Ende etwa 227.000 Euro. Du hast 24.000 Euro weniger eingezahlt, aber 255.000 Euro weniger Endkapital. Diese 10 Jahre Unterschied kosten dich 250.000 Euro.
Lia: Das ist ja unglaublich. 10 Jahre frĂŒher anfangen macht so einen riesigen Unterschied. Das zeigt wirklich, wie wichtig es ist, frĂŒh anzufangen.
Maik Marx: Genau das ist die Lektion. Zeit ist beim Zinseszinseffekt der wichtigste Faktor. Je lĂ€nger dein Geld arbeiten kann, desto stĂ€rker ist der Effekt. Es gibt ein schönes Sprichwort. Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist heute. Das gilt genauso fĂŒrs Investieren. Fang so frĂŒh wie möglich an, auch wenn es nur kleine BetrĂ€ge sind.
Lia: Das ist eine wichtige Botschaft. Maik, lass uns ĂŒber die Mathematik hinter dem Zinseszins sprechen. Gibt es eine Formel, mit der man das berechnen kann?
Maik Marx: Ja, die gibt es. Die Zinseszinsformel lautet Endkapital gleich Anfangskapital mal 1 plus Zinssatzhochanzahl der Jahre. Wenn du zum Beispiel 1.000 Euro zu 5% fĂŒr 10 Jahre anlegst, rechnest du 1000 mal 1,05 hoch 10. Das ergibt etwa 1629 Euro. Aber ehrlich gesagt, du musst diese Formel nicht auswendig kennen. Es gibt viele kostsinnlose Zinseszinsrechner im Internet, zum Beispiel von Finanzfluss oder Finanztipp. Da gibst du einfach deine Werte ein und siehst sofort das Ergebnis.
Lia: Das ist gut zu wissen. Ich muss nicht selbst rechnen, es gibt Tools dafĂŒr. Maik, du hast vorhin von 7% Rendite bei ETFs gesprochen. Ist das realistisch?
Maik Marx: 7% ist die historische durchschnittliche Rendite des weltweiten Aktienmarktes ĂŒber lange ZeitrĂ€ume. Das bedeutet nicht, dass du jedes Jahr exakt 7% bekommst. In einem Jahr kann es 20% raufgehen, im nĂ€chsten 10% runter. Aber ĂŒber 20, 30, 40 Jahre hat sich der Durchschnitt bei etwa 7% eingependelt. NatĂŒrlich gibt es keine Garantie, dass das in Zukunft genauso ist, aber es ist eine vernĂŒnftige Annahme fĂŒr langfristige Planungen. Wichtig ist, dass du breit gestreut investierst, zum Beispiel in einen MSCI World ETF, der ĂŒber 1600 Unternehmen weltweit enthĂ€lt.
Lia: Verstehe. 7% ist ein langfristiger Durchschnitt. Keine Garantie. Maik, wie wirkt sich die Höhe der Rendite auf den Zinseszinseffekt aus?
Maik Marx: Sehr stark. Kleine Unterschiede in der Rendite machen ĂŒber lange ZeitrĂ€ume riesige Unterschiede im Endkapital. Lass mich dir ein Beispiel geben. Du investierst 30 Jahre lang jeden Monat 30.0 Euro. Bei 4% Rendite hast du am Ende etwa 208.000 Euro. Bei 6% hast du etwa 299.000 Euro, bei 8% hast du etwa 499.000 Euro. Der Unterschied zwischen 4 und 8% Rendite sind 221.000 Euro, obwohl du die gleichen 10.000-8.000 Euro eingezahlt hast. Das zeigt, wie wichtig es ist, in renditestarke Anlagen wie Aktien und ETFs zu investieren, statt in niedrig verzinste Sparkonten.
Lia: Das ist wirklich dramatisch. 221.000 Euro Unterschied, nur wegen 4% mehr Rendite. Maik, gibt es auch einen negativen Zinseszinseffekt? Zum Beispiel bei Schulden.
Maik Marx: Absolut, und das ist ein sehr wichtiger Punkt. Der Zinseszinseffekt funktioniert in beide Richtungen. Wenn du Schulden hast, zum Beispiel auf einer Kreditkarte mit 15% Zinsen, dann arbeitet der Zinseszinseffekt gegen dich. Stell dir vor, du hast 5000 Euro Kreditkartenschulden und zahlst nur die Mindestzahlung von 100 Euro im Monat. Es wĂŒrde ĂŒber sieben Jahre dauern, bis du die Schulden abbezahlt hast und du wĂŒrdest insgesamt etwa 3.500 Euro Zinsen zahlen. Der Zinseszinseffekt lĂ€sst deine Schulden wachsen, wenn du sie nicht schnell abbaust. Deshalb ist es so wichtig, Schulden so schnell wie möglich zu tilgen, wie wir in Folge 3 besprochen haben.
Lia: Das ist ein wichtiger Hinweis. Der Zinseszinseffekt kann Freund oder Feind sein. Je nachdem, ob du Vermögen aufbaust oder Schulden hast. Maik, lass uns ĂŒber Strategien sprechen. Wie kann ich den Zinseszinseffekt optimal fĂŒr mich nutzen?
Maik Marx: Es gibt mehrere Strategien. Erstens, fang so frĂŒh wie möglich an. Wie wir gesehen haben, machen 10 Jahre Unterschied 250.000 Euro aus. Zweitens, investiere regelmĂ€Ăig. Ein monatlicher Sparplan ist besser als unregelmĂ€Ăige Einmalzahlungen, weil du kontinuierlich vom Zinseszinseffekt profitierst. Drittens, reinvestiere alle ErtrĂ€ge. Wenn du Dividenden oder Zinsen bekommst, gib sie nicht aus, sondern investiere sie wieder. So verstĂ€rkst du den Zinseszinseffekt. Viertens, sei geduldig. Der Zinseszinseffekt braucht Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten. Die ersten Jahre sieht das Wachstum noch langsam aus, aber nach 10, 15, 20 Jahren wird es exponentiell. Und fĂŒnftens, wĂ€hle renditestarke Anlagen wie Aktien und ETFs statt niedrig verzinster Sparkonten.
Lia: Das sind klare und praktische Strategien. FrĂŒh anfangen, regelmĂ€Ăig investieren, ErtrĂ€ge reinvestieren, geduldig sein, renditestarke Anlagen wĂ€hlen. Maik, du hast gesagt, der Zinseszinseffekt wird exponentiell. Was bedeutet das genau?
Maik Marx: Exponentielles Wachstum bedeutet, dass das Wachstum selbst immer schneller wird. Am Anfang wĂ€chst dein Vermögen langsam. Aber je gröĂer es wird, desto schneller wĂ€chst es, weil die Zinsen auf ein immer gröĂeres Kapital berechnet werden. Stell dir vor, du hast 10.000 Euro zu 7% angelegt. Im ersten Jahr bekommst du 7 Nullet-Euro-Zinsen. Nach 10 Jahren hast du etwa 20.000 Euro und die Zinsen sind schon 1.400 Euro pro Jahr. Nach 20 Jahren hast du etwa 40.000 Euro und die Zinsen sind 2.800 Euro pro Jahr. Nach 30 Jahren hast du etwa 80.000 Euro und die Zinsen sind 5.600 Euro pro Jahr. Du siehst, die Zinsen verdoppeln sich alle 10 Jahre, obwohl der Zinssatz gleich bleibt. Das ist exponentielles Wachstum.
Lia: Das ist wirklich faszinierend. Das Wachstum beschleunigt sich selbst. Maik, gibt es eine Faustregel, um zu berechnen, wie lange es dauert, bis sich mein Geld verdoppelt?
Maik Marx: Ja, die gibt es. Sie heiĂt die 72er-Regel. Du teilst 72 durch den Zinssatz und das Ergebnis ist die ungefĂ€hre Anzahl der Jahre, bis sich dein Geld verdoppelt. Bei 6% Zinsen dauert es etwa 72 geteilt durch 6, also 12 Jahre. Bei 8% dauert es 9 Jahre. Bei 4% dauert es 1,8 Jahre. Diese Regel ist nicht exakt, aber eine gute Faustformel, um schnell abzuschĂ€tzen, wie lange es dauert.
Lia: Die 72er-Regel, das merke ich mir. Super praktisch. Maik, was wĂŒrdest du jemandem sagen, der jetzt denkt, das klingt alles toll, aber ich bin schon 40 oder 50 Jahre alt. Ist es fĂŒr mich nicht zu spĂ€t, vom Zinseszinseffekt zu profitieren?
Maik Marx: Es ist nie zu spĂ€t. NatĂŒrlich hast du mit 25 mehr Zeit als mit 50, aber auch mit 50 kannst du noch 15, 20, 25 Jahre bis zur Rente investieren. Und in dieser Zeit kann der Zinseszinseffekt immer noch Wunder wirken. Wenn du mit 50 anfĂ€ngst, jeden Monat 50.0 Euro zu investieren und das 15 Jahre lang machst, hast du mit 65 bei 7% Rendite etwa 15.000, 8.000 Euro. Du hast 90.000 Euro eingezahlt und 68.000 Euro sind durch den Zinseszinseffekt entstanden. Das ist eine beachtliche Summe fĂŒr die Altersvorsorge. Der beste Zeitpunkt zu starten ist immer jetzt, egal wie alt du bist.
Lia: Das ist eine ermutigende Botschaft. Es ist nie zu spĂ€t. Maik, lass uns noch ĂŒber ein Thema sprechen. Steuern Wie wirken sich Steuern auf den Zinseszinseffekt aus?
Maik Marx: Steuern können den Zinseszinseffekt bremsen, aber nicht stoppen. In Deutschland werden KapitalertrĂ€ge mit der Abgeltungssteuer von 25% plus SolidaritĂ€tszuschlag und eventuell Kirchensteuer besteuert. Das bedeutet, wenn du 1.000 Euro Zinsen oder Dividenden bekommst, zahlst du etwa 260 bis 280 Euro Steuern. Aber es gibt einen Freibetrag von 1000 Euro pro Person und Jahr bis zu dem KapitalertrĂ€ge steuerfrei sind. Und bei ETFs, die thesaurierend sind, also die ErtrĂ€ge automatisch wieder anlegen, wird die Steuer erst beim Verkauf fĂ€llig. Dadurch kannst du den Zinseszinseffekt lĂ€nger nutzen, bevor Steuern abgezogen werden. Wir werden in einer spĂ€teren Folge ausfĂŒhrlich ĂŒber Steuern sprechen.
Lia: Okay, Steuern sind ein Thema, aber sie verhindern den Zinseszinseffekt nicht. Maik, vielen Dank fĂŒr diese faszinierende ErklĂ€rung des Zinseszinseffekts. Ich habe jetzt wirklich verstanden, warum er so mĂ€chtig ist und wie ich ihn fĂŒr mich nutzen kann.
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Der Zinseszinseffekt ist wirklich das Fundament des Vermögensaufbaus. Wer ihn versteht und nutzt, hat einen riesigen Vorteil.
Lia: Absolut. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich hoffe, ihr seid jetzt genauso begeistert vom Zinseszinseffekt wie ich. Fangt noch heute an zu investieren, auch wenn es nur kleine BetrĂ€ge sind. Jeder Tag zĂ€hlt. In unserer nĂ€chsten Folge sprechen wir ĂŒber Risiko und Rendite. Wie hĂ€ngen diese beiden Faktoren zusammen? Und wie viel Risiko solltest du eingehen? Seid also unbedingt wieder dabei.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr die VollstĂ€ndigkeit, Richtigkeit und AktualitĂ€t der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. FĂŒr verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren. Beachtet bitte auch unsere allgemeinen GeschĂ€ftsbedingungen und das Impressum. Alle Links und Shownotes findet ihr wie immer auch auf unserer Webseite.