Die 50-30-20-Regel: Ein einfaches System für deine Finanzen
In dieser Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast, tauchen Lia und Finanzexperte Maik Marx tief in die 50-30-20-Regel ein. Du erfährst, wie du dein Netto-Einkommen sinnvoll in Bedürfnisse, Wünsche und Sparen aufteilst und wie du die Regel an deine persönliche Lebenssituation anpasst. Mit konkreten Rechenbeispielen für Berufseinsteiger, Familien und Selbstständige bekommst du einen klaren Fahrplan, mit dem du sofort loslegen kannst, ganz egal, wie viel du verdienst.
Was die 50-30-20-Regel überhaupt bedeutet
Die 50-30-20-Regel ist eine erstaunlich einfache Methode, dein Netto-Einkommen in drei Töpfe aufzuteilen: 50 Prozent für Bedürfnisse, also alles, was du zum Leben wirklich brauchst, 30 Prozent für Wünsche, die dein Leben schöner machen, und 20 Prozent für Sparen und Investieren. Die Regel geht auf die Harvard-Professorin Elizabeth Warren zurück und hat sich weltweit bewährt, weil sie ohne komplizierte Tabellen auskommt. Du musst nicht jede einzelne Ausgabe akribisch erfassen, sondern behältst nur drei große Kategorien im Blick. Genau diese Einfachheit macht sie so alltagstauglich. Die wichtigsten Bausteine einer gesunden Finanzplanung findest du kompakt in unserem Wissensbereich.
Die 50 Prozent für deine Bedürfnisse
Bedürfnisse sind alle Ausgaben, die notwendig sind, um dein Leben aufrechtzuerhalten. Die größte Position ist meist die Miete oder bei Eigentümern die Kreditrate plus Nebenkosten. Dazu kommen Lebensmittel, wirklich wichtige Versicherungen wie Kranken-, Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung, der Transport zur Arbeit, Strom, Wasser, Heizung sowie grundlegende Kleidung. Hast du Schulden, gehören auch die Mindestzahlungen hierher. All das zusammen sollte idealerweise nicht mehr als die Hälfte deines Netto-Einkommens ausmachen. In teuren Städten wie München, Hamburg oder Berlin ist das oft schwer, denn schon die Miete frisst hier nicht selten 40 Prozent. Genau deshalb lohnt es sich, mit unseren Rechnern ehrlich nachzurechnen, wo dein Geld landet.
Die 30 Prozent für deine Wünsche
Wünsche sind all die Dinge, die dein Leben angenehmer machen, auf die du theoretisch aber verzichten könntest: Essen gehen, der Kaffee to go, Streaming-Dienste, Hobbys, das Fitnessstudio, Urlaub, Shopping und das neueste Smartphone. Die 50-30-20-Regel sagt ausdrücklich: Gönn dir das! Es geht nicht darum, asketisch zu leben, sondern bewusst zu genießen. Wichtig ist nur, dass du innerhalb deiner 30 Prozent bleibst. Bei 2.000 Euro netto sind das 600 Euro, bei 4.000 Euro netto schon 1.200 Euro. Wer mehr verdient, darf sich mehr leisten, muss es aber nicht. Vielleicht entscheidest du dich bewusst, nur 25 Prozent für Wünsche auszugeben und dafür mehr zu sparen. Das ist und bleibt deine persönliche Entscheidung.
Die 20 Prozent für deine Zukunft
Diese 20 Prozent sichern deine finanzielle Zukunft und haben gleich mehrere Aufgaben. Zuerst geht es um den Aufbau deines Notgroschens von drei bis sechs Monatsausgaben als eiserne Reserve. Solange dieser nicht steht, fließt ein Teil deines Sparbetrags genau dorthin. Danach folgt die Tilgung teurer Schulden über die Mindestzahlung hinaus. Erst wenn dein Notgroschen voll ist und du keine teuren Schulden mehr hast, geht das Geld in den echten Vermögensaufbau, also in ETFs, Aktien oder die Altersvorsorge. Diese Reihenfolge ist entscheidend, weil sie dich zuerst absichert und dann aufbaut. Welche Anlageformen sich für welches Ziel eignen, zeigt dir unsere Anlage-Übersicht.
1. Mini-Notgroschen von 1.000 € als Puffer für echte Notfälle. 2. Teure Schulden abbauen, etwa per Schneeball- oder Lawinen-Methode. 3. Notgroschen auf drei bis sechs Monatsausgaben ausbauen. 4. Erst jetzt für Altersvorsorge und Vermögensaufbau investieren. So landest du beim ersten Rückschlag nicht wieder bei null.
Beispiel Berufseinsteiger: 2.000 Euro netto
Nehmen wir jemanden mit 23 Jahren, 2.000 Euro netto, der in einer WG lebt. Das wären 1.000 Euro für Bedürfnisse, etwa 500 Euro Warmmiete, 250 Euro Lebensmittel, 100 Euro Transport, 100 Euro Versicherungen und 50 Euro für Handy und Internet. Dazu 600 Euro für Wünsche, ein ordentliches Budget für Ausgehen, Hobbys und Urlaub. Und 400 Euro fürs Sparen. Zuerst wandert dieses Geld in den Notgroschen, der bei rund 1.600 Euro monatlichen Ausgaben in etwa einem Jahr steht. Danach geht es in einen ETF-Sparplan. Wer mit 400 Euro im Monat startet und langfristig dabei bleibt, baut über die Jahrzehnte ein beachtliches Vermögen auf. Das ist die Macht des frühen Anfangens.
Familien und Selbstständige: die Regel anpassen
Bei einer jungen Familie mit zwei Kindern und 4.500 Euro Haushaltseinkommen wären das 2.250 Euro für Bedürfnisse, 1.350 Euro für Wünsche und 900 Euro fürs Sparen. Gerade Familien stecken einen Teil davon sinnvoll in ein Depot für die Kinder. Selbstständige sind ein Spezialfall: Weil ihr Einkommen schwankt, sollten sie mit dem niedrigsten Monatswert der letzten sechs Monate planen und die Sparquote eher auf 30 Prozent anheben, da sie ohne gesetzliche Rente komplett selbst vorsorgen. Auch der Notgroschen darf hier größer ausfallen, mindestens sechs, besser zwölf Monatsausgaben. Wichtige Fachbegriffe rund um Vorsorge und Anlage erklärt dir unser Finanzlexikon.
Wenn 50-30-20 einfach nicht passt
Die Regel ist kein starres Gesetz, sondern ein flexibler Rahmen. Wenn deine Miete schon 45 Prozent verschlingt, hast du drei Hebel: die Wohnkosten senken, das Einkommen erhöhen oder die Aufteilung anpassen, etwa zu 60-25-15. Das ist nicht ideal, aber 15 Prozent zu sparen ist immer noch deutlich besser als gar nichts. Am anderen Ende gibt es die FIRE-Bewegung, kurz für Financial Independence, Retire Early, deren Anhänger 50 bis 70 Prozent sparen, um früh finanziell frei zu sein. Die 50-30-20-Regel ist also eher ein gut gewählter Mindeststandard als eine Obergrenze.
Unregelmäßige Ausgaben und Konten
Ein häufiger Grund, warum Budgets scheitern, sind unregelmäßige Ausgaben wie die jährliche Kfz-Versicherung, Weihnachtsgeschenke oder der Sommerurlaub. Der Trick: Rechne aus, was du im Jahr dafür ausgibst, und teile den Betrag durch zwölf. Aus 600 Euro Versicherung werden 50 Euro im Monat, aus 1.200 Euro Urlaub werden 100 Euro. Dieses Geld legst du jeden Monat auf ein separates Tagesgeldkonto, sodass die große Rechnung dich nie überrascht und sich dein Sparen nicht mit dem täglichen Ausgeben vermischt. Automatisiere außerdem, was geht: Ein Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang sorgt dafür, dass gespart wird, bevor du das Geld überhaupt vermisst. Welche Konten und Sparpläne sich gerade lohnen, zeigt dir unser Vergleich. Neutrale, werbefreie Hilfe bieten zudem die Verbraucherzentrale, das Portal Finanztip und die Deutsche Bundesbank.
Fazit: einfach anfangen und dranbleiben
Die 50-30-20-Regel ist einfach, flexibel und funktioniert, weil sie dir Struktur gibt, ohne dich einzuengen. Du musst nicht von heute auf morgen perfekt sein: Fang ruhig mit 10 Prozent Sparquote an und steigere dich Monat für Monat. Wichtig ist allein, dass du überhaupt beginnst und dranbleibst. Nimm dein letztes Monatsgehalt, teile es nach der Regel auf und passe sie an deine Situation an. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und mach den ersten Schritt. In der nächsten Folge geht es um die Inflation: warum dein Geld weniger wert wird und wie du dich wirksam dagegen schützt.
Shownotes zu dieser Folge +
In der fünften Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast tauchen Lia und Finanzexperte Maik Marx tief in die 50-30-20-Regel ein. Diese einfache Budgetierungs-Methode hilft dir, dein Geld optimal aufzuteilen – aber wie wendest du sie in deiner persönlichen Situation an?
Erfahre im Detail, was genau zu Bedürfnissen, Wünschen und Sparen gehört. Maik zeigt dir anhand konkreter Beispiele, wie die Regel für Berufseinsteiger, Familien, Selbstständige und Menschen mit unterschiedlichen Einkommen funktioniert. Du lernst, wie du die Regel flexibel anpassen kannst, wenn deine Lebensumstände nicht dem Standard entsprechen.
Mit praktischen Rechenbeispielen für verschiedene Einkommensstufen (von 1.500 bis 4.500 Euro) und klaren Prioritäten beim Sparen (erst Notgroschen, dann Schulden, dann Vermögensaufbau) bekommst du einen kompletten Fahrplan für deine finanzielle Zukunft. Besonders wertvoll: Tipps für unregelmäßige Ausgaben und die FIRE-Bewegung.
- ✓ Was genau zu den 50% Bedürfnissen gehört (Miete, Lebensmittel, Versicherungen...)
- ✓ Was zu den 30% Wünschen zählt (Essen gehen, Hobbys, Urlaub, Streaming...)
- ✓ Wie du die 20% für Sparen priorisierst (Notgroschen Schulden Vermögensaufbau)
- ✓ Konkrete Beispiele für Berufseinsteiger, Familien und Selbstständige
- ✓ Wie du die Regel anpasst, wenn 50-30-20 nicht passt (z.B. 60-25-15)
- ✓ Umgang mit unregelmäßigen Ausgaben (Versicherungen, Weihnachten, Urlaub)
- ✓ Was die FIRE-Bewegung ist und warum manche 50%+ sparen
- ✓ Warum du mit 400€/Monat in 30 Jahren Millionär werden kannst
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Herzlich willkommen zurück bei Finanzpost.de, der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Ich bin Lia und ich freue mich riesig, dass du auch heute wieder dabei bist. In der letzten Folge haben wir über Budgetplanung gesprochen und die 50-30-20-Regel kennengelernt. Heute wollen wir noch tiefer in diese Regel eintauchen und schauen, wie du sie für deine persönliche Situation optimal anpassen kannst. Und natürlich ist wieder mein Finanzguru an meiner Seite. Der Mann, der mir Woche für Woche die Augen öffnet für die Welt der Finanzen. Herzlich willkommen, Maik Marx.
Maik Marx: Danke, Lia. Es freut mich sehr, dass du die 50-30-20-Regel als so wertvoll empfindest. Heute wollen wir wirklich ins Detail gehen und schauen, wie diese einfache Regel in verschiedenen Lebenssituationen funktioniert und wo man sie anpassen muss.
Lia: Genau, Maik. Lass uns zur Erinnerung noch einmal kurz wiederholen. Was war die 50-30-20-Regel?
Maik Marx: Sehr gerne. Die 50-30-20-Regel ist eine einfache Methode, dein Nettoeinkommen in drei Kategorien aufzuteilen. 50% für Bedürfnisse, also alles, was du zum Leben brauchst. 30% für Wünsche, also Dinge, die dein Leben schöner machen. Und 20% für Sparen und Investieren, also für deine finanzielle Zukunft. Diese Regel stammt ursprünglich von der Harvard-Professorin Elizabeth Warren und hat sich weltweit bewährt, weil sie so einfach und gleichzeitig so effektiv ist.
Lia: Okay, das haben wir letzte Woche gelernt. Heute wollen wir schauen, wie diese Regel in der Praxis funktioniert. Maik, lass uns mit den 50% für Bedürfnisse anfangen. Was genau fällt alles in diese Kategorie?
Maik Marx: Bedürfnisse sind alle Ausgaben, die notwendig sind, um dein Leben aufrecht zu erhalten. Die größte Position ist meistens die Miete oder bei Eigentümern die Kreditrate plus Nebenkosten. Dann kommen Lebensmittel und Haushaltswaren. Versicherungen, die wirklich wichtig sind, wie Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung. Transport zur Arbeit, also Benzin, öffentliche Verkehrsmittel oder die Leasingrate fürs Auto, wenn du es für den Arbeitsweg brauchst. Strom, Wasser, Heizung, grundlegende Kleidung, Medikamente und Arztkosten, die nicht von der Versicherung übernommen werden. Und wenn du Schulden hast, die Mindestzahlungen auf diese Schulden. All das zusammen sollte idealerweise nicht mehr als 50% deines Nettoeinkommens ausmachen.
Lia: Das ist eine ganze Menge. Was ist, wenn meine Miete alleine schon 40 oder 45% meines Einkommens frisst? Das ist ja in vielen Städten Realität.
Maik Marx: Das ist ein sehr wichtiger Punkt und du hast recht. In teuren Städten wie München, Hamburg, Frankfurt oder Berlin ist es für viele Menschen unmöglich, mit 50% für alle Bedürfnisse auszukommen. Wenn deine Miete schon 40% kostet und du dann noch Lebensmittel, Transport und Versicherungen dazurechnest, landest du schnell bei 60% oder 65%. In diesem Fall hast du drei Optionen. Erstens, du senkst deine Wohnkosten. Das kann bedeuten, in eine günstigere Wohnung zu ziehen, eine WG zu gründen oder sogar in eine günstigere Stadt zu ziehen, wenn das beruflich möglich ist. Zweitens, du erhöhst dein Einkommen durch eine Gehaltserhöhung, einen Jobwechsel oder einen Nebenjob. Oder drittens, du passt die Regel an. Statt 50, 30, 20 machst du vielleicht 60, 25, 15. Das ist nicht ideal, aber es ist besser, 15% zu sparen als gar nichts.
Lia: Okay, die Regel ist also flexibel. Das ist gut zu wissen. Lass uns über die 30% für Wünsche sprechen. Was fällt da alles rein?
Maik Marx: Wünsche sind alle Ausgaben, die dein Leben schöner und angenehmer machen, auf die du aber theoretisch verzichten könntest. Essen gehen, Lieferdienste, der tägliche Kaffee to go, Streamingdienste wie Netflix, Spotify, Disney Plus, Hobbys, Fitnessstudio, Sportvereine, Urlaub und Reisen, Shopping, also Kleidung und Schuhe, die über das Notwendige hinausgehen. Elektronik, das neuste Smartphone oder Tablet. Konzerte, Kino, Theater, Geschenke für Freunde und Familie. All diese Dinge machen das Leben lebenswert. Und die 50-30-20-Regel sagt ausdrücklich, gönn dir das. 30% deines Einkommens darfst und sollst du für diese Dinge ausgeben. Das ist kein Verzicht, das ist bewusster Genuss.
Lia: Das finde ich so wichtig. Es geht nicht darum, asketisch zu leben, sondern bewusst zu genießen. Aber Maik, 30% können je nach Einkommen sehr unterschiedlich sein. Bei 2.000 Euro netto sind das 600 Euro, bei 4.000 Euro netto sind es 1.200 Euro. Macht das einen Unterschied?
Maik Marx: Absolut. Und das ist auch in Ordnung. Jemand, der mehr verdient, kann sich auch mehr Wünsche erfüllen. Wichtig ist, dass du innerhalb deiner 30% bleibst. Wenn du 600 Euro für Wünsche hast, musst du Prioritäten setzen. Vielleicht verzichtest du auf drei Streaming-Dienste und behältst nur einen. Vielleicht gehst du zweimal im Monat essen statt viermal. Vielleicht machst du einen günstigen Camping-Urlaub statt einer Fernreise. Wenn du 1200 Euro hast, hast du mehr Spielraum, aber auch hier gilt, bewusst entscheiden. Nur weil du es dir leisten kannst, musst du es nicht ausgeben. Vielleicht entscheidest du dich, nur 25% für Wünsche auszugeben und 25% zu sparen. Das ist eine persönliche Entscheidung.
Lia: Das macht Sinn. Jetzt kommen wir zu den 20% für Sparen und Investieren. Das ist ja der Teil, der deine finanzielle Zukunft sichert. Was genau fällt da alles rein?
Maik Marx: Diese 20% sind extrem wichtig und sie haben mehrere Aufgaben. 1. Der Aufbau deines Notgroschens. Wie wir in Folge 2 besprochen haben, solltest du 3 bis 6 Monatsausgaben als eiserne Reserve haben. Solange dieser Notgroschen nicht vollständig aufgebaut ist, fließt ein Teil deiner 20% dorthin. 2. Die Tilgung von Schulden über die Mindestzahlung hinaus Wie wir in Folge 3 gelernt haben, solltest du Schulden so schnell wie möglich abbauen 3. Sobald dein Notgroschen steht und du keine Schulden mehr hast, geht das Geld in den Vermögensaufbau Das bedeutet investieren in ETFs, Aktien, Immobilien oder andere Anlagen 4. Altersvorsorge Wenn du angestellt bist, kann das eine betriebliche Altersvorsorge sein. Wenn du selbstständig bist, musst du komplett selbst vorsorgen. All das zusammen sind deine 20%.
Lia: Das ist eine Menge. Und ich stelle mir gerade vor, jemand hat noch Schulden, keinen Notgroschen und muss auch fürs Alter vorsorgen. Wie teilt man diese 20% dann auf?
Maik Marx: Sehr gute Frage. Es gibt eine klare Prioritätenfolge. Schritt 1. Baue einen Mini-Notgroschen von 1000 Euro auf. Das ist ein absolutes Minimum für Notfälle. Schritt 2. Zahle alle Schulden ab, außer vielleicht einem sehr günstigen Immobilienkredit. Nutze die Schneeball- oder Lawinenmethode, die wir in Folge 3 besprochen haben. Schritt 3. Baue deine Notgroschen auf die vollen 3-6 Monatsausgaben aus. Schritt 4. Jetzt erst fängst du an, für die Altersvorsorge und den Vermögensaufbau zu investieren. Diese Reihenfolge ist wichtig, weil sie dich zuerst absichert und dann aufbaut.
Lia: Das ist eine superklare Struktur. Danke, Maik. Lass uns jetzt mal schauen, wie die 50-30-20-Regel in verschiedenen Lebenssituationen aussieht. Fangen wir mit einem Berufseinsteiger an. Sagen wir, jemand ist 23 Jahre alt, verdient 2000 Euro netto und lebt in einer WG. Wie würde die Regel hier aussehen?
Maik Marx: Perfektes Beispiel. Bei 2.000 Euro netto wären das 1.000 Euro für Bedürfnisse. Wenn du in einer WG wohnst, zahlst du vielleicht 500 Euro Mietewarm, 250 Euro für Lebensmittel, 100 Euro für Transport, 100 Euro für Versicherungen, 50 Euro für Handy und Internet. Das sind 1000 Euro, passt perfekt. 600 Euro für Wünsche. Das ist ein ordentliches Budget für Ausgehen, Hobbys, Kleidung, Urlaub und 400 Euro für Sparen. Als Berufseinsteiger würde ich empfehlen, erst den Notgroschen aufzubauen. Bei monatlichen Ausgaben von etwa 1.600 Euro wären drei Monate 4.800 Euro. Mit 400 Euro Sparrate hast du das in einem Jahr geschafft. Danach kannst du anfangen zu investieren. Mit 400 Euro im Monat in einen ETF-Sparplan bist du nach 30 Jahren bei 7% Rendite Millionär. Das ist die Macht des frühen Anfangens.
Lia: Wow, Millionär mit 400 Euro im Monat. Das ist wirklich motivierend. Lass uns ein anderes Beispiel nehmen. Eine junge Familie, zwei Kinder, ein Hauptverdiener mit 3.500 Euro netto, der Partner arbeitet Teilzeit und verdient 1.000 Euro. Wie sieht es hier aus?
Maik Marx: Bei einem Haushaltseinkommen von 4.500 Euro netto wären das 2.250 Euro für Bedürfnisse. Das wird bei einer Familie knapp. Miete für eine größere Wohnung, vielleicht 1.200 Euro. Lebensmittel für vier Personen 600 Euro, Auto 200 Euro, Versicherungen 150 Euro, Strom, Handy, Internet 100 Euro. Das sind schon 2.250 Euro. 1.350 Euro für Wünsche. Das klingt nach viel, aber Kinder kosten Geld. Kleidung, Spielzeug, Geburtstage, Ausflüge, vielleicht ein Familienurlaub. Diese 1.350 Euro sind schnell weg und 900 Euro für Sparen. Das ist eine ordentliche Summe. Hier würde ich empfehlen, einen Teil in einen Notgroschen zu stecken, einen Teil in die Altersvorsorge und vielleicht auch einen Teil in ein Depot für die Kinder, damit sie später ein Startkapital haben.
Lia: Das ist ein gutes Beispiel. Familien haben andere Prioritäten. Was ist mit Selbstständigen? Die haben ja oft schwankende Einkommen.
Maik Marx: Selbstständige sind ein Spezialfall. Wenn dein Einkommen schwankt, empfehle ich, mit dem niedrigsten Monatseinkommen der letzten sechs Monate zu rechnen. Sagen wir, du verdienst zwischen 2.000 und 4.000 Euro, dann plane mit 2.000 Euro. Alles, was darüber kommt, ist ein Bonus. Und bei Selbstständigen würde ich die 20% für Sparen eher auf 30% erhöhen, weil du keine gesetzliche Rentenversicherung hast und komplett selbst vorsorgen musst. Außerdem brauchst du einen größeren Notgroschen. Mindestens sechs Monate, besser zwölf Monate, weil dein Einkommen unsicherer ist.
Lia: Das ist ein wichtiger Hinweis. Selbstständige müssen mehr vorsorgen. Maik, was ist mit Menschen, die sehr wenig verdienen? Sagen wir, jemand verdient nur 1.500 Euro netto. Kann man da überhaupt die 50-30-20-Regel anwenden?
Maik Marx: Bei 1.500 Euro wird es sehr eng. 750 Euro für Bedürfnisse ist in vielen Städten kaum machbar. Hier muss man kreativ werden, vielleicht eine WG, vielleicht aufs Auto verzichten, vielleicht bei Discountern einkaufen. 450 Euro für Wünsche und 300 Euro für Sparen. Ehrlich gesagt, bei diesem Einkommen ist die Priorität, das Einkommen zu erhöhen. Durch Weiterbildung einen Jobwechsel, einen Nebenjob. 1.500 Euro netto ist langfristig zu wenig, um finanziell frei zu werden. Aber selbst wenn du nur 100 Euro im Monat sparen kannst, ist das besser als nichts. Jeder Anfang zählt.
Lia: Das ist ein wichtiger Punkt. Manchmal muss man erst an der Einkommensseite arbeiten. Maik, gibt es auch Menschen, die mehr als 20% sparen sollten?
Maik Marx: Absolut. Wenn du gut verdienst und deine Fixkosten niedrig sind, kannst du problemlos 30, 40 oder sogar 50% sparen. Es gibt eine Bewegung, die sich FIRE nennt, Financial Independence, Retire Early. Menschen, die finanziell unabhängig werden und früh in Rente gehen wollen. Die sparen oft 50 bis 70 Prozent ihres Einkommens. Das ist nicht für jeden, aber es zeigt, was möglich ist. Die 50-30-20-Regel ist ein Mindeststandard. Wenn du mehr sparen kannst, ohne deine Lebensqualität zu sehr einzuschränken, dann tu es.
Lia: Das ist inspirierend. Maik, lass uns noch über einen wichtigen Punkt sprechen. Wie gehe ich mit unregelmäßigen Ausgaben um? Dinge wie Versicherungen, die jährlich bezahlt werden, oder Weihnachtsgeschenke.
Maik Marx: Sehr wichtig! Unregelmäßige Ausgaben sind ein häufiger Grund, warum Budgets scheitern. Die Lösung ist, sie zu monatlichen Ausgaben zu machen. Rechne aus, wie viel du im Jahr für diese Dinge ausgibst und teile es durch 12. Sagen wir, du zahlst 600 Euro Kfz-Versicherung im Jahr, das sind 50 Euro im Monat. Du gibst 50 Null Euro für Weihnachtsgeschenke aus, das sind etwa 42 Euro im Monat. Du machst einen Urlaub für 1200 Euro, das sind 100 Euro im Monat. Diese Beträge legst du jeden Monat auf ein separates Konto oder in separate Kategorien in deinem Budget. B. Wenn dann die Rechnung kommt oder Weihnachten vor der Tür steht, hast du das Geld bereits zurückgelegt.
Lia: Das ist ein super Tipp. So wird man nicht von großen Ausgaben überrascht. Maik, was würdest du jemandem sagen, der jetzt denkt, die 50-30-20-Regel klingt gut, aber ich schaffe es einfach nicht, mich daran zu halten?
Maik Marx: Ich würde sagen, fang klein an. Du musst nicht von heute auf morgen perfekt sein. Vielleicht schaffst du am Anfang nur 10% zu sparen statt 20. Das ist okay. Wichtig ist, dass du anfängst und dass du dich Monat für Monat verbesserst. Automatisiere, was du kannst. Richte einen Dauerauftrag ein, der direkt nach Gehaltseingang Geld auf dein Sparkonto überweist. Was du nicht siehst, vermisst du nicht. Und sei nicht zu hart zu dir selbst. Wenn du in einem Monat mal über dein Budget kommst, ist das kein Weltuntergang. Analysiere, warum es passiert ist und mach im nächsten Monat weiter. Budgetieren ist eine Fähigkeit, die man lernen muss. Mit jedem Monat wirst du besser.
Lia: Das ist so ermutigend, Maik. Vielen Dank für diese detaillierte Erklärung der 50-30-20-Regel. Ich fühle mich jetzt wirklich gut vorbereitet, mein eigenes Budget nach dieser Regel aufzustellen.
Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. Und ich bin sicher, unsere Zuhörerinnen und Zuhörer fühlen sich genauso. Die 50-30-20-Regel ist ein wunderbares Werkzeug. Sie ist einfach, sie ist flexibel und sie funktioniert.
Lia: Absolut. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, probiert es aus. Nehmt euer letztes Monatsgehalt und teilt es nach der 50-30-20-Regel auf. Schaut, ob es passt und passt es an eure Situation an. In unserer nächsten Folge sprechen wir über Inflation. Warum dein Geld weniger wert wird und wie du dich dagegen schützen kannst. Das wird super spannend. Seid also unbedingt wieder dabei.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren. Beachtet bitte auch unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Impressum. Alle Links und Shownotes findet ihr wie immer auch auf unserer Webseite.