Finanzielle Ziele setzen: Von der vagen Vision zum konkreten Plan
Willkommen zu Folge 23 von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. Lia und Finanzexperte Maik Marx widmen sich heute der vielleicht wichtigsten Frage auf deinem Weg zur finanziellen Souveränität: Wofür sparst du eigentlich? Nach der Drei-Säulen-Strategie der Altersvorsorge geht es diesmal nicht ums Wie, sondern ums Warum. Du erfährst, warum klare Ziele eine enorme psychologische Kraft entfalten, wie du mit der bewährten SMART-Methode aus vagen Träumen wasserdichte Pläne machst und wie du diese Ziele dauerhaft in deinem Finanzplan verankerst. Diese Folge ist dein Kompass für ein selbstbestimmtes Geldleben mit klarer Richtung.
Warum ein Ziel deinem Geld eine Richtung gibt
Maik bringt es mit einem treffenden Bild auf den Punkt: Ohne klare Ziele ist Vermögensaufbau wie eine Schiffsreise ohne Kompass und ohne Hafen. Du treibst umher, mal hierhin, mal dorthin, und kommst am Ende nirgendwo an oder landest dort, wo du gar nicht hinwolltest. Genau dieses Gefühl beschreibt Lia: einfach so vor sich hinsparen, ohne Zieladresse. Finanzielle Ziele sind der Kompass, der dir die Richtung weist, und der Hafen, auf den du zusteuerst. Sie geben deinem täglichen Handeln einen tieferen Sinn und die nötige Kraft, auch durch stürmische Zeiten zu navigieren. Wer weiß, wofür er spart, hält länger durch und trifft bessere Entscheidungen. In unserem Wissensbereich findest du die Grundlagen kompakt erklärt.
Die psychologische Kraft konkreter Ziele
Warum ist ein konkretes Ziel so viel wirksamer als der vage Wunsch, reich zu werden? Das hat mit der Funktionsweise deines Gehirns zu tun. Ein abstraktes Vorhaben wie mehr sparen aktiviert dein Belohnungssystem kaum, es bleibt ein Nebel, mit dem dein Kopf nichts anfangen kann. Ein konkretes Ziel dagegen, etwa in fünf Jahren fünfzigtausend Euro Anzahlung für dein Traumhaus am See, erzeugt ein lebendiges mentales Bild. Du siehst die Fassade, riechst den See, hörst die Vögel, fühlst die Freude auf der Terrasse. Dieses sinnliche Bild setzt Dopamin frei, dein wichtigstes Motivationshormon. So wird aus einem Ich darf nicht ein Ich will nicht, weil ich etwas Besseres will. Ziele verwandeln Verzicht in eine bewusste, positive Entscheidung.
Die SMART-Methode im Detail
Die SMART-Methode verwandelt vage Wünsche in konkrete Handlungsanweisungen, und jeder Buchstabe steht für eine entscheidende Eigenschaft. Das S steht für spezifisch: Nicht ich will mehr sparen, sondern ich erhöhe meine Sparrate von zweihundert auf vierhundert Euro im Monat. Das M steht für messbar, damit du deinen Fortschritt objektiv verfolgen und bei Bedarf nachsteuern kannst. Das A steht für attraktiv: Es muss dein eigenes Ziel sein, nicht das deiner Eltern oder Freunde, denn nur dann bringst du die nötige Disziplin auf. Das R steht für realistisch, also herausfordernd, aber erreichbar, denn unerreichbare Ziele führen nur zu Frust. Und das T steht für terminiert: Jedes Ziel braucht eine feste Deadline, die einen gesunden Druck erzeugt. Unsere Rechner helfen dir, die passenden Zahlen schwarz auf weiss zu sehen.
Vom schlechten zum SMARTen Ziel
Schauen wir uns den Unterschied an einem Beispiel an. Das schlechte Ziel lautet: Ich will für die Rente vorsorgen. Es ist vage, nicht messbar und ohne Termin, dein Gehirn kann damit nichts anfangen. Das SMARTe Ziel formuliert dasselbe ganz anders: Ich will mit fünfundsechzig Jahren eine Rentenlücke von achthundert Euro pro Monat durch private Ersparnisse aus einem ETF-Depot schliessen. Plötzlich ist klar, was zu tun ist, wie viel Vermögen du dafür brauchst und bis wann. Genau diese Präzision macht den Unterschied zwischen einem frommen Wunsch und einem Plan, den du wirklich umsetzen kannst. Je konkreter du wirst, desto leichter fällt der erste Schritt. Welche Konten und Sparformen sich für welches Ziel eignen, zeigt dir unser Vergleich.
Schlecht: Ich will mehr sparen. SMART: Ich erhöhe meine monatliche Sparrate ab dem ersten des nächsten Monats von 200 auf 400 Euro und überprüfe den Stand am Monatsende. Das erste Ziel bleibt ein Wunsch, das zweite ist spezifisch, messbar und terminiert – und damit umsetzbar. Genau deshalb gilt: erst SMART formulieren, dann loslegen.
Kurz-, mittel- und langfristige Ziele
Nicht jedes Ziel ist gleich, und genau das bestimmt, wie du es finanzierst. Kurzfristige Ziele bis etwa drei Jahre, wie der nächste Urlaub oder eine neue Küche, gehören auf sicheres Tagesgeld, denn das Geld muss verlässlich verfügbar sein. Mittelfristige Ziele über drei bis zehn Jahre, etwa die Anzahlung fürs Eigenheim, kannst du mit einem Banksparplan oder einer konservativen Mischung angehen. Langfristige Ziele wie die Altersvorsorge ab zehn Jahren aufwärts profitieren vom Aktienmarkt und dem Zinseszins, weil Schwankungen über lange Zeiträume ausgeglichen werden. Für jedes Ziel braucht es also einen eigenen Topf und einen eigenen Plan. Wie du Anlageformen sinnvoll auf deine Ziele verteilst, kannst du in der Anlage-Übersicht nachvollziehen.
So findest du deine eigenen Ziele
Bevor du SMART formulierst, brauchst du Rohmaterial, und das findest du in vier Schritten. Erstens: Träume bewusst und ohne Zensur, schreibe alles auf, was dir wichtig erscheint, vom Sabbatjahr bis zur frühen Rente. Zweitens: Bring deine Gedanken zu Papier, denn schriftlich fixierte Ziele werden nachweislich häufiger erreicht als nur gedachte. Drittens: Ordne und priorisiere, denn nicht alles lässt sich gleichzeitig erreichen, und ehrliche Prioritäten verhindern teure Umwege. Viertens: Formuliere die wichtigsten Ziele SMART und gib jedem ein Datum und eine Zahl. Die Frage Warum will ich das wirklich? ist dabei dein Treibstoff. Unverzichtbare Fachbegriffe rund um Sparpläne und Anlageprodukte erklärt dir unser Finanzlexikon.
Ziele integrieren und jährlich überprüfen
Ein Ziel ist kein Denkmal, sondern ein lebendiger Teil deines Finanzplans. Sobald du deine SMARTen Ziele hast, übersetzt du sie in feste monatliche Sparraten und richtest am besten automatische Daueraufträge ein, damit das Sparen ohne Willenskraft läuft. Genauso wichtig ist die regelmässige Kontrolle: Setz dir einmal im Jahr einen festen Termin, an dem du jedes Ziel ehrlich überprüfst. Hat sich deine Lebenssituation verändert? Ist ein Ziel nicht mehr wichtig, ein neues dazugekommen? Bist du auf Kurs oder musst du die Rate anpassen? Diese jährliche Inventur hält deinen Plan realistisch und motivierend. Verlässliche, unabhängige Anlaufstellen ohne Verkaufsinteresse sind die Verbraucherzentrale, das Portal Finanztip und die Deutsche Bundesbank, die seriöse Grundlagen und neutrale Daten bereitstellen.
Fazit: Ein Ziel verwandelt Verzicht in Vorfreude
Wer seine finanziellen Ziele klar, SMART und schriftlich festhält, gibt seinem Geld eine Richtung und seinem Sparen einen Sinn. Aus abstraktem Verzicht wird konkrete Vorfreude, und genau das trägt dich auch durch schwierige Phasen. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und formuliere noch heute dein erstes SMARTes Ziel. In der nächsten Folge geht es darum, wie du dein Budget so aufstellst, dass deine Ziele monatlich wie von selbst finanziert werden.
Shownotes zu dieser Folge +
Fünfhunderttausend Euro in zwanzig Jahren – So wird der Traum zur Realität!
In der dreiundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast zeigen dir Lia und Finanzexperte Maik Marx, wie du deine finanziellen Ziele setzt – vom großen Traum zum konkreten Plan! Schluss mit ziellosem Sparen, her mit der klaren Vision!
Erfahre, warum finanzielle Ziele so wichtig sind (Richtung, Motivation, Prioritäten), wie du sie mit der SMART-Methode formulierst (Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert) und ein konkretes Beispiel: "Ich will in zwanzig Jahren fünfhunderttausend Euro aufbauen, um finanziell unabhängig zu sein. Dafür spare ich fünfhundert Euro pro Monat in einen ETF-Sparplan." Maik erklärt die drei Arten von Zielen: kurzfristig (bis ein Jahr), mittelfristig (ein bis fünf Jahre), langfristig (über fünf Jahre).
- ✓ Warum finanzielle Ziele so wichtig sind
- ✓ Die SMART-Methode im Detail: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert
- ✓ Konkretes Beispiel: Vom schlechten Ziel zum SMARTen Ziel
- ✓ Die drei Arten von Zielen: Kurzfristig, mittelfristig, langfristig
- ✓ Wie du deine Ziele findest: Träumen, aufschreiben, ordnen, SMART formulieren
- ✓ Wie du deine Ziele in deinen Finanzplan integrierst
- ✓ Für jedes Ziel ein eigener Plan: Tagesgeld, Banksparplan, ETF
- ✓ Warum du deine Ziele jährlich überprüfen und anpassen solltest
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer brandneuen Folge von Finanzpost.de. Ich bin Lia und ich freue mich riesig, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Wisst ihr, in unserer letzten Folge haben wir die Drei-Säulen-Strategie der Altersvorsorge besprochen. Gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge. Das war wirklich ein Augenöffner für mich. Aber es hat bei mir auch eine ganz grundlegende Frage aufgeworfen, die mich seitdem nicht mehr loslässt. Wofür mache ich das alles eigentlich? Einfach nur genug Geld für später zu haben, fühlt sich so abstrakt an, so leblos. Ich will eine klare Vision, ein Ziel, das mich jeden Tag motiviert, das mich morgens aus dem Bett holt. Deshalb sprechen wir heute darüber, wie man finanzielle Ziele richtig setzt. Vom großen, wagen Traum zum felsenfesten, konkreten Plan, den man wirklich umsetzen kann. Maik, ich muss dir gestehen, ich habe manchmal das Gefühl, ich spare einfach so vor mich hin, ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben. Es ist wie eine Reise ohne Zieladresse. Ich steige ins Auto, fahre los, aber ich weiß gar nicht, wohin ich eigentlich will. Kennst du das Gefühl? Wie fange ich an, das zu ändern?
Maik Marx: Hallo Lia, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Lia, das ist eine der wichtigsten und zugleich häufigsten Erkenntnisse auf dem Weg zur finanziellen Souveränität. Ohne klare Ziele ist es tatsächlich wie eine Schiffsreise ohne Kompass und ohne Hafen. Man treibt einfach umher, mal hierhin, mal dorthin und kommt letztendlich nirgendwo an. Oder noch schlimmer, man landet irgendwo, wo man gar nicht hin wollte. Finanzielle Ziele sind der Kompass, der dir die Richtung weist und der Hafen, auf den du zusteuerst. Sie geben deinem täglichen Handeln einen tieferen Sinn und die nötige Kraft, um auch durch stürmische Zeiten zu navigieren, wenn es mal schwierig wird. Heute werden wir das Thema wirklich von Grund auf beleuchten. Wir werden verstehen, warum Ziele so eine immense psychologische Kraft haben, wie man sie mit der bewährten SMART-Methode wasserdicht formuliert, welche unterschiedlichen Arten von Zielen es gibt und wie du sie als Architekt deines eigenen Finanzplans fest verankerst und in die Praxis umsetzt.
Lia: Das klingt fantastisch, Maik. Psychologische Kraft, das gefällt mir. Lass uns da mal tiefer einsteigen. Warum ist es denn so viel wirksamer, ein konkretes Ziel zu haben, anstatt nur zu sagen, ich will sparen oder ich will reich werden? Was passiert da in unserem Kopf?
Maik Marx: Das hat ganz viel mit der Funktionsweise unseres Gehirns zu tun, Lia. Ein abstraktes Vorhaben wie mehr sparen oder reich werden aktiviert unser Belohnungssystem kaum. Es ist nicht greifbar, nicht emotional, nicht real. Unser Gehirn kann damit nichts anfangen. Es ist wie ein Nebel. Ein konkretes Ziel hingegen, wie zum Beispiel in fünf Jahren eine Anzahlung von 50.000 Euro für mein Traumhaus am See ansparen, erzeugt ein klares, lebendiges, mentales Bild. Du kannst dir das Haus vorstellen, du siehst die Farbe der Fassade, du kannst den See riechen, du hörst die Vögel, du fühlst die Freude, wenn du morgens auf die Terrasse trittst. Dieses emotionale, sinnliche Bild setzt in deinem Gehirn Dopamin frei, unser wichtigstes Motivationshormon. Es macht das Ziel erstrebenswert, attraktiv und gibt uns die Energie und die Willenskraft, die nötigen Opfer zu bringen. Du verzichtest dann nicht auf den teuren Urlaub, weil du musst oder weil es vernünftig ist, sondern weil du es wirklich willst, weil du mit jedem gesparten Euro deinem Traumhaus einen Schritt näher kommst. Ziele transformieren. Verzicht in eine bewusste, positive Entscheidung. Sie machen aus einem Ich-darf-nicht ein, ich will nicht, weil ich etwas Besseres will.
Lia: Wow, das ist wirklich ein starkes Bild. Ich tausche also den kurzfristigen Dopaminkick eines Impulskaufs gegen die langfristige, viel tiefere und nachhaltigere Befriedigung meinem großen Traum näher zu kommen. Das leuchtet total ein. Du hast vorhin die SMART-Methode erwähnt. Das klingt nach einem sehr konkreten Werkzeug, das ich dringend brauche. Kannst du das bitte im Detail erklären? Ich will das wirklich verstehen.
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. SMART ist ein Akronym, also ein Kunstwort aus Anfangsbuchstaben und es ist eine der effektivsten Methoden überhaupt, um Ziele von vagen, nebulösen Wünschen in konkrete, umsetzbare Handlungsanweisungen zu verwandeln. Jeder einzelne Buchstabe steht für eine entscheidende Eigenschaft, die dein Ziel haben muss, damit es wirklich funktioniert.
Lia: Fangen wir mit dem S an. S steht für spezifisch. Dein Ziel muss so klar, so eindeutig und so präzise wie nur irgend möglich sein. Nicht ich will mehr sparen, sondern ich will meine monatliche Sparrate von derzeit 200 Euro auf 400 Euro erhöhen. Nicht, ich will für die Rente vorsorgen, sondern, ich will mit 65 Jahren eine Rentenlücke von 800 Euro pro Monat durch private Ersparnisse aus einem ETF-Depot zu schließen. Je spezifischer, desto besser. Dein Gehirn braucht Klarheit.
Maik Marx: Dann kommt das M. M steht für messbar. Du musst deinen Fortschritt objektiv und regelmäßig verfolgen können. 400 Euro pro Monat ist messbar. Du kannst am Ende jeden Monats auf dein Konto schauen und sehen, habe ich es geschafft oder nicht. Eine Rentenlücke von 800 Euro schließen ist messbar, wenn du weißt, wie viel Vermögen du dafür brauchst. Das gibt dir wichtiges Feedback und die Möglichkeit, bei Bedarf nachzusteuern. Ohne Messbarkeit weißt du nie, ob du auf Kurs bist oder vom Weg abgekommen bist.
Lia: Das A steht für attraktiv oder manchmal auch akzeptiert oder achievable. Das Ziel muss für dich persönlich erstrebenswert sein. Es muss dein eigenes Ziel sein. Nicht das deiner Eltern, nicht das deiner Freunde, nicht das, was die Gesellschaft von dir erwartet. Du musst es wirklich wollen und voll und ganz dahinterstehen. Nur dann wirst du die nötige Disziplin und Ausdauer aufbringen, auch wenn es mal schwierig wird. Die Frage, warum will ich das erreichen, was bedeutet es mir wirklich, ist hier absolut entscheidend. Das ist dein Treibstoff.
Maik Marx: Dann haben wir das R. R steht für realistisch. Das Ziel muss herausfordernd sein, ja, es soll dich aus deiner Komfortzone holen, aber es muss auch erreichbar sein. Wenn du 2000 Euro netto verdienst, ist eine Sparrate von 1500 Euro pro Monat wahrscheinlich völlig unrealistisch und führt nur zu Frustration und am Ende zum Aufgeben. Ein Ziel sollte dich motivieren und anspornen, nicht entmutigen und lähmen. Es ist viel besser klein anzufangen, erste Erfolge zu feiern und sich dann zu steigern, als sich zu übernehmen, zu scheitern und aufzugeben.
Lia: Und schließlich das TT steht für terminiert. Jedes Ziel braucht eine klare, feste Deadline, einen Stichtag. Ein Zieldatum erzeugt einen gesunden, positiven Druck. und verhindert, dass du die Dinge ewig auf die lange Bank schiebst. In fünf Jahren. Bis zum 1. Januar 2030. Bis zu meinem 40. Geburtstag. Ohne Deadline bleibt ein Ziel nur ein schöner Traum, der irgendwann in der Zukunft liegt. Mit Deadline wird es zu einer Verpflichtung.
Maik Marx: Spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Das ist wirklich eine fantastische, klare Struktur. Ich glaube, ich habe bisher immer bei S&M versagt. Meine Ziele waren einfach zu vage, zu schwammig. Kannst du das mal an einem ganz konkreten Beispiel durchspielen, Maik? Sagen wir, mein großer Traum ist es, irgendwann finanziell frei zu sein. Wie mache ich daraus ein Smart-Ziel?
Lia: Ein exzellentes Beispiel, Lia. Und ein Traum, den sehr viele Menschen teilen. Finanziell frei sein ist ein wunderbarer, inspirierender Traum. Aber als Ziel ist er leider völlig unbrauchbar, weil er alle Smart-Kriterien verletzt. Lass uns ihn gemeinsam Schritt für Schritt in ein Smart-Ziel verwandeln.
Maik Marx: Schritt 1. Spezifisch machen. Was bedeutet finanziell frei für dich ganz konkret? Das ist für jeden Menschen etwas anderes. Bedeutet es für dich überhaupt nicht mehr arbeiten zu müssen? Oder nur noch Teilzeit zu arbeiten? Vielleicht 20 Stunden statt 40? Oder bedeutet es einfach nur, dir keine Sorgen mehr um Geld machen zu müssen? Auch wenn du weiter arbeitest? Nehmen wir für unser Beispiel an, für dich bedeutet finanzielle Freiheit, deine aktuellen Lebenshaltungskosten von 2500 Euro pro Monat komplett durch passive Einnahmen aus deinem Kapitalvermögen decken zu können, ohne dass du dafür arbeiten musst.
Lia: Schritt 2. Messbar machen. Jetzt wird es mathematisch. Um 2500 Euro pro Monat, also 30.000 Euro pro Jahr, an passivem Einkommen zu erzielen, brauchst du ein entsprechendes Vermögen. Wenn wir von einer sicheren, nachhaltigen Entnahmerate von 4% pro Jahr ausgehen. Das ist eine Faustregel, die wir in einer späteren Folge noch viel detaillierter besprechen werden. Dann brauchst du ein Vermögen von 750.000 Euro. Die Rechnung ist 30.000 Euro geteilt durch 0,04 gleich 750.000 Euro. Das ist jetzt eine messbare, konkrete Größe. Du weißt genau, worauf du hinarbeitest.
Maik Marx: Schritt 3. Attraktiv machen. Jetzt kommt die emotionale Ebene. Warum willst du das? Was würdest du mit dieser finanziellen Freiheit machen? Um mehr Zeit für deine Familie zu haben? Um die Welt zu bereisen, ohne auf die Urlaubstage achten zu müssen? Um ein Buch zu schreiben? Um dich ehrenamtlich zu engagieren? Um einfach nur morgens aufzuwachen und zu entscheiden, was du heute tun möchtest? Verbinde das Ziel mit deinen tiefsten Werten und Sehnsüchten. Schreibe es auf. Male dir dieses Leben in allen Details aus. Das ist dein emotionaler Treibstoff, der dich durch schwierige Zeiten trägt.
Lia: Schritt 4. Realistisch machen. Ist es realistisch, 750.000 Euro anzusparen? Das hängt natürlich von mehreren Faktoren ab. Von deinem aktuellen Alter, von deinem Einkommen, von deiner möglichen Sparrate und von deinem Anlagehorizont. Wenn du heute 30 Jahre alt bist und dir 35 Jahre Zeit gibst, also bis 65, dann ist das mit einer monatlichen Sparrate von etwa 500 Euro in einem breit gestreuten globalen Aktien-ETF bei einer durchschnittlichen Rendite von 7% pro Jahr absolut realistisch. Wenn du aber schon 50 bist und nur noch 15 Jahre Zeit hast, wird es deutlich anspruchsvoller und du bräuchtest eine höhere Sparrate. Rechne es durch. Es gibt viele gute Online-Rechner dafür.
Maik Marx: Schritt 5. Terminiert machen. Setze dir eine klare, feste Deadline. Zum Beispiel, ich will bis zu meinem 65. Geburtstag, also bis zum 15. März 2060, ein Vermögen von 750.000 Euro aufgebaut haben.
Lia: Und jetzt setzen wir alles zusammen. Fertig ist das Smart-Ziel. Um bis zu meinem 65. Geburtstag am 15. März 2060 finanziell frei zu sein und meine Lebenshaltungskosten von 2.500 Euro pro Monat durch passives Einkommen aus meinem Vermögen decken zu können, werde ich ab dem 1. Des nächsten Monats monatlich 500 Euro in einen globalen Aktien-ETF-Sparplan investieren und diesen Betrag jährlich um die Inflationsrate erhöhen.
Maik Marx: Siehst du den gewaltigen Unterschied, Lia? Das ist kein vager Traum mehr. Das ist ein konkreter, detaillierter, umsetzbarer Plan. Das ist etwas, das du morgen anfangen kannst. Das ist etwas, das du jeden Monat überprüfen kannst. Das gibt dir Kontrolle und Zuversicht.
Lia: Der Unterschied ist wirklich gewaltig. Das fühlt sich plötzlich so real, so greifbar und so machbar an. Ich kann mir das jetzt wirklich vorstellen. Du hast vorhin auch verschiedene Arten von Zielen erwähnt, Maik. Kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele. Warum ist diese Unterscheidung so wichtig? Kann ich nicht einfach alle meine Ziele gleich behandeln?
Maik Marx: Nein, das kannst du leider nicht, Lia. Und das ist ein ganz entscheidender Punkt. Diese Unterscheidung ist absolut entscheidend und zwar aus zwei Gründen. Erstens für die Wahl des richtigen Finanzinstruments, also wo du dein Geld hintust, und zweitens für deine Motivation und deine psychologische Verfassung. Du kannst nicht alle Ziele auf die gleiche Weise erreichen. Man braucht unterschiedliche Strategien, unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Zeiträume. Lass uns das im Detail durchgehen.
Lia: Kurzfristige Ziele sind alles, was du innerhalb der nächsten zwölf Monate, also innerhalb eines Jahres, erreichen willst. Typische Beispiele dafür sind der Aufbau eines Notgroschens von zum Beispiel 5.000 Euro, das Sparen für einen größeren Urlaub, vielleicht eine Fernreise für 3.000 Euro, die Anschaffung eines neuen Laptops für 2.000 Euro oder die Tilgung eines kleinen Konsumkredits. Für diese kurzfristigen Ziele ist Sicherheit das absolut oberste Gebot. Du willst auf keinen Fall, dass dein Geld plötzlich weniger wert ist, wenn du es brauchst, weil die Börse gerade einen schlechten Tag hat. Deshalb ist hier das Tagesgeldkonto oder ein sehr kurz laufendes Festgeld der richtige Ort. Die Rendite ist niedrig. Das stimmt. Vielleicht zwei oder drei Prozent. Aber das Geld ist sicher. Es ist garantiert. Und es ist jederzeit verfügbar, wenn du es brauchst. Das ist hier wichtiger als eine hohe Rendite.
Maik Marx: Mittelfristige Ziele haben einen Zeithorizont von einem bis zu fünf, manchmal auch bis zu sieben Jahren. Klassische Beispiele dafür sind das Sparen für eine Anzahlung auf eine Immobilie, sagen wir 50.000 Euro, der Kauf eines neuen Autos für 30.000 Euro, die Finanzierung einer größeren Weiterbildung, vielleicht ein Masterstudium oder auch das Sparen für eine Hochzeit. Hier hast du schon etwas mehr Zeit und kannst deshalb auch ein etwas höheres Risiko eingehen, um eine bessere Rendite zu erzielen. Je nach deiner persönlichen Risikobereitschaft, die wir in der nächsten Folge bestimmen werden, kommen hier verschiedene Optionen in Frage. Festgeld mit längerer Laufzeit, Anleihen-ETFs mit guter Bonität oder auch eine sehr konservative Mischung aus Aktien-ETFs und Anleihen-ETFs. Vielleicht 30% Aktien und 70% Anleihen. Das hängt wirklich von deiner Risikobereitschaft ab.
Lia: Und dann haben wir die langfristigen Ziele. Das ist alles, was weiter als 7 oder 10 Jahre in der Zukunft liegt. Das klassische, wichtigste Beispiel ist natürlich die Altersvorsorge. Aber auch das Sparen für die Ausbildung deiner Kinder, wenn sie noch klein sind, oder der Aufbau eines großen Vermögens für finanzielle Freiheit gehören dazu. Hier ist dein Anlagehorizont so lang, dass du Schwankungen am Aktienmarkt, auch heftige Schwankungen, nicht nur aushalten kannst, sondern sie sogar zu deinem Vorteil nutzen kannst. Du kannst Crashs aussitzen und danach von der Erholung profitieren. Für diese langfristigen Ziele sind breit gestreute Aktien-ETFs, wie wir sie in früheren Folgen besprochen haben, ganz klar das Mittel der Wahl, da sie langfristig, über Jahrzehnte hinweg, die höchste Rendite versprechen. Historisch gesehen 7-8% pro Jahr im Durchschnitt.
Maik Marx: Diese klare Aufteilung hilft dir enorm, den Überblick zu behalten und für jedes einzelne deiner Ziele die passende, optimale Strategie zu wählen. Es verhindert, dass du dumme Fehler machst, wie zum Beispiel für den Urlaub nächstes Jahr in riskante Einzelaktien zu spekulieren, oder dass du dein Geld für die Rente in 30 Jahren auf dem Tagesgeldkonto von der Inflation langsam auffressen lässt.
Lia: Das ist eine sehr klare, sehr logische und sehr hilfreiche Struktur. Ich sollte also für jedes meiner Ziele einen eigenen Topf mit einer eigenen, maßgeschneiderten Strategie haben. Aber Maik, wie finde ich überhaupt heraus, was meine Ziele sind? Mein Kopf ist gerade voller Möglichkeiten, voller Träume, aber auch voller Unsicherheit. Wo fange ich an?
Maik Marx: Das ist ein wunderbarer Zustand, Lia. Dieser Zustand voller Möglichkeiten ist der Beginn von etwas Großem. Der Prozess der Zielfindung ist eine kreative, sehr persönliche und auch sehr spannende Reise. Ich empfehle meinen Klienten im Coaching oft eine Übung, die ich die Trauminventur nenne. Nimm dir dafür bewusst Zeit, vielleicht an einem ruhigen Wochenende, an einem Ort, an dem du dich wirklich wohlfühlst und ungestört bist. Schalte dein Handy aus, schalte den Fernseher aus und nimm dir nur ein schönes Notizbuch und einen Stift. Kein Computer, kein Tablet, analog. Das ist wichtig.
Lia: 1. Brainstorming ohne Grenzen Schreibe wirklich alles auf, was dir in den Sinn kommt, wenn du an deine Zukunft denkst. Was würdest du tun, wenn Geld überhaupt keine Rolle spielen würde? Wo würdest du leben? In welchem Haus? In welcher Stadt? In welchem Land? Was würdest du arbeiten? Oder würdest du überhaupt arbeiten? Welche Hobbys würdest du haben? Welche Orte würdest du bereisen? Wen würdest du unterstützen? Erlaube dir wirklich groß zu träumen. In dieser Phase gibt es kein unrealistisch, kein unmöglich, kein das kann ich mir nicht leisten. Schreibe einfach. Lass es fließen.
Maik Marx: Zweitens, kategorisieren. Wenn du deine Liste hast, und das können durchaus 20 oder 30 Punkte sein, dann versuche die Punkte zu gruppieren. Gehören sie eher in den Bereich Wohnen, Reisen, Karriere, Familie, Gesundheit, persönliche Entwicklung oder Hobbys? Das hilft dir, Muster zu erkennen und zu sehen, wo deine Schwerpunkte liegen. Vielleicht merkst du, dass ganz viele deiner Träume mit Reisen zu tun haben. Das ist eine wichtige Erkenntnis.
Lia: Drittens. Priorisieren. Jetzt wird es konkret und auch etwas schwieriger. Wähle aus jeder Kategorie die ein bis drei wichtigsten Punkte aus. Was ist dir am allerwichtigsten? Was würde dein Leben am meisten bereichern? Was würdest du am meisten bereuen, wenn du es nicht getan hättest? Sei dabei wirklich ehrlich zu dir selbst. Es geht nicht darum, was andere von dir erwarten oder was du glaubst, tun zu müssen. Es geht um dich.
Maik Marx: Viertens. Quantifizieren und terminieren. Nun nimmst du deine wichtigsten Träume, vielleicht fünf bis zehn Stück, und verwandelst sie in etwas Greifbares. Was kostet die Weltreise? Konkret. Recherchiere. Vielleicht 20.000 Euro. Wie viel Eigenkapital brauchst du für das Haus, das du dir vorstellst? Vielleicht 100.000 Euro. Bis wann willst du das erreicht haben? In 5 Jahren, in 10 Jahren, in 20 Jahren schreibe es auf.
Lia: Fünftens, smart formulieren. Im letzten Schritt nimmst du jedes deiner priorisierten, quantifizierten Ziele und formulierst es nach der Smart-Formel aus. Genau wie wir es vorhin gemeinsam geübt haben. Das ist die Krönung.
Maik Marx: Dieser Prozess kann ein paar Stunden oder sogar ein ganzes Wochenende dauern, aber er ist unglaublich wertvoll. Am Ende hast du eine klare, detaillierte Landkarte für deine finanzielle Zukunft. Du weißt, wohin du willst und du weißt, wie du dorthin kommst.
Lia: Die Trauminventur, Das klingt wirklich nach einem perfekten Plan für mein nächstes Wochenende. Ich werde mir das wirklich vornehmen. Eine allerletzte Frage noch, Maik. Was ist, wenn sich meine Ziele ändern? Was ist, wenn ich in fünf Jahren merke, dass ich doch kein Haus am See will, sondern lieber ein Sabbatical einlegen möchte, um ein Jahr durch Südamerika zu reisen? Habe ich dann versagt? Muss ich dann alles über den Haufen werfen?
Maik Marx: Eine exzellente und sehr, sehr wichtige Frage, Lia. Und die Antwort ist, nein, du hast nicht versagt. Ganz im Gegenteil. Dein Finanzplan ist nicht in Stein gemeißelt. Er ist kein starres Gesetz. Er ist ein lebendiges, atmendes Dokument, das sich mit dir und deinem Leben weiterentwickeln sollte und muss. Es ist absolut normal. Ja, sogar wünschenswert, dass sich Ziele im Laufe des Lebens ändern. Es zeigt, dass du dich weiterentwickelst, dass du neue Erfahrungen machst, dass du dich selbst besser kennenlernst.
Lia: Deshalb ist es entscheidend, dass du deine Ziele regelmäßig überprüfst und hinterfragst. Ich empfehle, dies mindestens einmal im Jahr zu tun. Vielleicht immer an deinem Geburtstag oder am Jahresanfang. Setze dich hin, nimm deine SMART-Ziele zur Hand und frage dich ganz ehrlich, Ist das immer noch das, was ich will? Passen diese Ziele noch zu meinem Leben, zu meinen Werten, zu meiner aktuellen Situation? Wenn ja, wunderbar, dann machst du weiter. Wenn nein, dann passe sie an. Vielleicht entscheidest du, das Ziel, Hauskauf zu streichen oder zumindest zu verschieben und stattdessen ein neues Ziel, Sabbatical in Südamerika, zu definieren. Dann rechnest du neu. Was kostet das Sabbatical? 20.000 Euro? Bis wann will ich es machen? In drei Jahren? Gut, dann passt du deine Sparpläne entsprechend an. Das Geld, das du für das Haus gespart hast, wird dann einfach für das neue Ziel umgewidmet. Kein Problem.
Maik Marx: Flexibilität ist kein Zeichen von Schwäche oder Unentschlossenheit, sondern von Stärke und Selbstkenntnis. Ein guter Finanzplan ist wie ein gutes Segelboot. Es hat ein klares Ziel, einen Kurs. Aber es ist flexibel genug, um auf wechselnde Winde, auf Strömungen und auf Stürme zu reagieren, ohne den Kurs komplett zu verlieren oder zu kentern.
Lia: Das ist ein sehr beruhigender und befreiender Gedanke. Der Plan ist also nicht mein Gefängnis, sondern mein Kompass, den ich bei Bedarf neu ausrichten kann, wenn sich die Landschaft ändert. Maik, ich danke dir von Herzen. Das war unglaublich erhellend und motivierend. Ich fühle mich jetzt nicht mehr verloren oder orientierungslos, sondern ich habe einen klaren Fahrplan. Träumen, aufschreiben, priorisieren, quantifizieren, smart formulieren und jährlich überprüfen. Das werde ich tun. Ich starte dieses Wochenende mit meiner Trauminventur.
Maik Marx: Das freut mich wirklich sehr, Lia. Ein klarer, durchdachter Plan ist der erste und wichtigste Schritt auf dem langen, aber lohnenden Weg zur finanziellen Freiheit und Selbstbestimmung.
Lia: Absolut. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wir hoffen wirklich von Herzen, dass diese Folge euch genauso inspiriert und motiviert hat wie mich. Nehmt euch die Zeit für eure eigene Trauminventur. Es lohnt sich wirklich. Verwandelt eure Wagenwünsche und Träume in glasklare, umsetzbare Ziele. Und macht euch auf den Weg, sie Schritt für Schritt zu erreichen. In unserer nächsten Folge gehen wir den nächsten logischen Schritt und fragen, welcher Anlegertyp bist du? Wir bestimmen gemeinsam euer persönliches Risikoprofil, damit ihr genau wisst, welche Anlagestrategie die richtige für euch ist. Seid also unbedingt wieder dabei.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren. Beachtet bitte auch unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Impressum. Alle Links und Shownotes findet ihr wie immer auch auf unserer Webseite.