Die Drei-Säulen-Strategie der Altersvorsorge: gesetzlich, betrieblich und privat optimal kombiniert
Willkommen zur zweiundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. Lia und Finanzexperte Maik Marx machen es heute konkret: Wie kombinierst du gesetzliche Rente, betriebliche und private Vorsorge so, dass im Alter wirklich genug zusammenkommt? Die Drei-Säulen-Strategie klingt kompliziert, ist im Kern aber ganz einfach. Du erfährst, wie stark jede Säule sein sollte, warum Diversifikation dich schützt und wie aus einem Bruttogehalt von 3.000 Euro am Ende eine Gesamtrente von 3.200 Euro werden kann. Diese Folge ist dein Bauplan für einen finanziell sorgenfreien Ruhestand.
Was die Drei-Säulen-Strategie wirklich bedeutet
Die Drei-Säulen-Strategie bedeutet, dass du deine Altersvorsorge bewusst auf drei voneinander unabhängige Standbeine verteilst, statt alles auf eine Karte zu setzen. Die erste Säule ist die gesetzliche Rente, die zweite die betriebliche Altersvorsorge über deinen Arbeitgeber und die dritte die private Vorsorge, zum Beispiel über einen ETF-Sparplan. Jede Säule hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, und genau das ist der Trick: Fällt eine schwächer aus als erhofft, fangen die anderen beiden das ab. Maik bringt es auf den Punkt: Drei Säulen tragen ein Dach stabiler als eine allein. Die wichtigsten Grundbegriffe rund um Rente und Vorsorge findest du kompakt erklärt in unserem Wissensbereich.
Die optimale Aufteilung: vierzig, zwanzig, vierzig
Wie stark sollte jede Säule sein? Das hängt von deiner Lebenssituation ab. Für Angestellte ist eine bewährte Aufteilung vierzig Prozent gesetzliche Rente, zwanzig Prozent betriebliche Altersvorsorge und vierzig Prozent private Vorsorge. Selbstständige, die keine gesetzliche Rente haben, drehen das Verhältnis: null Prozent gesetzlich, null bis zwanzig Prozent betrieblich falls überhaupt möglich, und achtzig bis hundert Prozent privat. Diese Zahlen sind keine starre Regel, sondern eine Orientierung, die du an dein Einkommen und deine Ziele anpasst. Entscheidend ist der Grundsatz dahinter: Setze niemals alles auf ein einziges Pferd. Mit unseren Rechnern kannst du durchspielen, wie sich verschiedene Aufteilungen über die Jahre auf dein Vermögen auswirken.
Warum Diversifikation dich schützt
Diversifikation ist deshalb so wichtig, weil jede der drei Säulen ein anderes Risiko trägt. Die gesetzliche Rente ist sehr sicher, doch ihr Niveau sinkt seit Jahren ab. Die betriebliche Altersvorsorge hängt am Arbeitgeber: Geht die Firma pleite, kann es Probleme geben. Die private Vorsorge wiederum hängt von den Kapitalmärkten ab und schwankt entsprechend. Hast du alle drei Säulen, bist du gegen jedes einzelne dieser Risiken abgesichert, denn sie treffen praktisch nie alle gleichzeitig zu. Wie unterschiedlich Anlageformen in Sachen Risiko und Rendite ticken, siehst du in unserer Anlage-Übersicht.
Säule eins: die gesetzliche Rente
Die erste Säule baust du als Angestellter ganz automatisch auf. Du zahlst 18,6 Prozent deines Bruttogehalts in die gesetzliche Rentenversicherung ein, wobei dein Arbeitgeber die Hälfte übernimmt. Je länger du einzahlst und je mehr du verdienst, desto höher fällt deine spätere Rente aus. Du musst dafür also nichts tun, außer angestellt zu arbeiten. Selbstständige können freiwillig einzahlen, doch das lohnt sich meist nicht, weil das Geld in den anderen Säulen oft besser arbeitet. Neutrale Daten zum gesetzlichen Rentensystem stellt die Deutsche Bundesbank bereit.
Du verdienst 3.000 € brutto. In die gesetzliche Rente zahlst du automatisch ein. Mit deinem Arbeitgeber vereinbarst du 200 € bAV, er gibt 50 € dazu. Zusätzlich sparst du 300 € monatlich in einen ETF-Sparplan. Nach 40 Jahren: rund 800 € gesetzliche Rente + 400 € aus der bAV + 2.000 € aus dem ETF = 3.200 € im Monat. Das ist mehr als dein letztes Nettoeinkommen.
Säule zwei: die betriebliche Altersvorsorge
Die zweite Säule, die betriebliche Altersvorsorge, läuft über deinen Arbeitgeber. Dabei vereinbarst du, dass ein Teil deines Bruttogehalts direkt in die bAV fließt, also noch vor Steuern und Sozialabgaben. Seit 2019 muss dein Arbeitgeber mindestens 15 Prozent dazugeben, viele Firmen legen freiwillig mehr drauf. Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Frag deinen Arbeitgeber konkret nach, wie hoch sein Zuschuss ausfällt. Gibt er großzügig dazu, ist die bAV ein attraktives Geschenk. Bleibt es beim Mindestzuschuss, investierst du dein Geld oft lieber in die flexiblere dritte Säule. Worauf du bei bAV-Verträgen achten solltest, erklärt ohne Verkaufsinteresse die Verbraucherzentrale.
Säule drei: private Vorsorge mit ETFs
Die dritte Säule baust du komplett selbst auf, am besten mit einem ETF-Sparplan. Du wählst einen breit gestreuten Welt-ETF wie den MSCI World oder den FTSE All-World und sparst Monat für Monat einen festen Betrag, ganz automatisch. Als Richtwert gelten 10 bis 15 Prozent deines Bruttoeinkommens. Diese Säule ist die flexibelste, weil du Höhe und Laufzeit jederzeit anpassen kannst, und über lange Zeiträume meist die renditestärkste. Sie ist damit für die allermeisten das Herzstück der Strategie. Welcher Broker und welcher ETF zu deinen Zielen passen, kannst du in Ruhe in unserem Vergleich prüfen, bevor du startest.
Priorisieren, wenn das Geld knapp ist
Was tust du, wenn das Budget nicht für alle drei Säulen reicht? Dann priorisierst du klug. Erste Priorität ist die gesetzliche Rente, die für Angestellte ohnehin automatisch läuft. Zweite Priorität ist die private Vorsorge mit ETFs, weil sie flexibel und renditestark ist. Erst an dritter Stelle kommt die betriebliche Altersvorsorge, und auch nur dann, wenn dein Arbeitgeber wirklich viel dazugibt. Wichtiger als die perfekte Aufteilung ist, dass du überhaupt anfängst: Schon 50 oder 100 Euro im Monat in einen ETF sind unendlich viel besser als nichts. Verständliche, werbefreie Anleitungen zum Einstieg findest du beim Verbraucherportal Finanztip.
Besonderheiten für Selbstständige
Selbstständige stehen vor einer besonderen Herausforderung: Sie haben in der Regel keine gesetzliche Rente und oft auch keine betriebliche Altersvorsorge. Damit lastet das gesamte Gewicht auf der dritten Säule, die deshalb umso kräftiger ausfallen muss. Maik empfiehlt Selbstständigen, mindestens 20 bis 30 Prozent ihres Einkommens für die Altersvorsorge zurückzulegen, am besten breit gestreut in ETFs. Wer hohe Steuern zahlt, kann zusätzlich die Rürup-Rente nutzen, um Steuervorteile mitzunehmen. So bauen auch Selbstständige ein stabiles Fundament auf, selbst ohne die ersten beiden Säulen. Welche Fachbegriffe wie Rürup, bAV oder Diversifikation genau bedeuten, schlägst du jederzeit in unserem Finanzlexikon nach.
Fazit: drei Säulen, ein sicheres Dach
Die Drei-Säulen-Strategie gibt dir beides, Sicherheit und Flexibilität: die gesetzliche Rente als verlässliche Basis, die betriebliche Vorsorge als Arbeitgeber-Bonus und die private Vorsorge mit ETFs als renditestarkes Herzstück. Wer alle drei Säulen klug kombiniert und früh damit anfängt, kann im Alter mehr herausbekommen als zuletzt verdient. Hör dir die ganze Folge an und abonniere den Podcast, damit du keine Episode verpasst. In der nächsten Folge geht es um Versicherungen: welche du wirklich brauchst und welche du dir getrost sparen kannst.
Shownotes zu dieser Folge +
Die Drei-Säulen-Strategie der Altersvorsorge - Optimal kombiniert
In der zweiundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast zeigen dir Lia und Finanzexperte Maik Marx die Drei-Säulen-Strategie der Altersvorsorge! Wie kombinierst du gesetzliche Rente, betriebliche und private Vorsorge optimal?
Erfahre, was die Drei-Säulen-Strategie ist (gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, private Vorsorge), wie die optimale Aufteilung aussieht (vierzig Prozent gesetzlich, zwanzig Prozent betrieblich, vierzig Prozent privat für Angestellte), warum Diversifikation so wichtig ist (jede Säule hat andere Risiken), und wie du jede Säule aufbaust (gesetzlich automatisch, betrieblich über Arbeitgeber, privat mit ETF-Sparplan).
- ✓ Was die Drei-Säulen-Strategie ist
- ✓ Die drei Säulen: Gesetzlich, betrieblich, privat
- ✓ Optimale Aufteilung: Vierzig-zwanzig-vierzig für Angestellte
- ✓ Warum Diversifikation wichtig ist (unterschiedliche Risiken)
- ✓ Wie du die erste Säule aufbaust: Gesetzliche Rente
- ✓ Wie du die zweite Säule aufbaust: Betriebliche Altersvorsorge
- ✓ Wie du die dritte Säule aufbaust: Private Vorsorge mit ETFs
- ✓ Konkretes Beispiel: Dreitausendzweihundert Euro Gesamtrente
- ✓ Priorisierung bei knappem Budget ⏰
- ✓ Strategie für Selbstständige: Zwanzig bis dreißig Prozent
- ✓ Warum die dritte Säule am flexibelsten ist
Komplettes Transkript dieser Folge +
Hallo zusammen, Lia hier. In der letzten Folge haben wir über die verschiedenen Altersvorsorgeoptionen gesprochen. Heute wird es konkret. Wie kombiniere ich gesetzliche Rente, betriebliche und private Vorsorge optimal? Die Drei-Säulen-Strategie klingt kompliziert, aber Maik wird sie uns heute einfach erklären. Maik, was genau ist diese Drei-Säulen-Strategie?
Maik Marx: Die Drei-Säulen-Strategie bedeutet, dass du deine Altersvorsorge auf drei verschiedene Säulen verteilst. Erste Säule – gesetzliche Rente. Zweite Säule – betriebliche Altersvorsorge. Dritte Säule – private Altersvorsorge. Zum Beispiel ETFs. Durch diese Diversifikation reduzierst du Risiken und baust ein stabiles Fundament für den Ruhestand auf.
Drei Säulen – gesetzlich, betrieblich, privat. Maik, wie stark sollte jede Säule sein?
Maik Marx: Das hängt von deiner Situation ab. Für Angestellte könnte eine gute Aufteilung so aussehen. 40% gesetzliche Rente, 20% betriebliche Altersvorsorge, 40% private Vorsorge. Für Selbstständige, die keine gesetzliche Rente haben, wären es 0% gesetzlich, 0-20% betrieblich, falls möglich, 80-100% privat. Wichtig ist, dass du nicht alles auf eine Karte setzt.
40-20-40 für Angestellte. Maik, warum ist Diversifikation so wichtig?
Maik Marx: Weil jede Säule unterschiedliche Risiken hat. Die gesetzliche Rente ist sicher, aber das Niveau sinkt. Die betriebliche Altersvorsorge hängt vom Arbeitgeber ab. Wenn die Firma pleite geht, kann es Probleme geben. Die private Vorsorge hängt von den Kapitalmärkten ab. Wenn du alle drei Säulen hast, bist du gegen jedes einzelne Risiko abgesichert.
Jede Säule hat andere Risiken. Diversifikation schützt. Maik, wie baue ich die erste Säule auf?
Maik Marx: Die erste Säule, die gesetzliche Rente, baust du automatisch auf, wenn du angestellt bist. Du zahlst 18,6% deines Bruttogehalts in die Rentenversicherung ein, die Hälfte zahlt dein Arbeitgeber. Je länger du einzahlst und je mehr du verdienst, desto höher wird deine Rente. Als Selbstständiger kannst du freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Aber das lohnt sich oft nicht.
Gesetzliche Rente automatisch für Angestellte. 18,6%. Maik, wie baue ich die zweite Säule auf?
Maik Marx: Die zweite Säule, die betriebliche Altersvorsorge, baust du über deinen Arbeitgeber auf. Du vereinbarst mit deinem Arbeitgeber, dass ein Teil deines Bruttogehalts in die BAV fließt. Seit 2019 muss dein Arbeitgeber mindestens 15% dazugeben. Frage deinen Arbeitgeber, ob er mehr dazugibt. Wenn ja, lohnt sich die BAV. Wenn nein, investiere lieber mehr in die dritte Säule.
BAV über Arbeitgeber, 15% Zuschuss. Maik, wie baue ich die dritte Säule auf?
Maik Marx: Die dritte Säule, die private Altersvorsorge, baust du selbst auf. Am besten mit einem ETF-Sparplan. Du wählst einen breit gestreuten Welt-ETF, zum Beispiel den MSCI World oder FTSE All World und sparst monatlich einen festen Betrag. 10 bis 15 Prozent deines Bruttoeinkommens sind ein guter Richtwert. Die dritte Säule ist die flexibelste und oft die renditestärkste.
Dritte Säule mit ETF-Sparplan 10 bis 15 Prozent Maik, kannst du ein konkretes Beispiel geben?
Maik Marx: Sehr gerne. Stell dir vor, du verdienst 3.000 Euro brutto. Du zahlst automatisch in die gesetzliche Rente ein. Du vereinbarst mit deinem Arbeitgeber, dass 200 Euro in die BAV fließen und er gibt 50 Euro dazu. Und du sparst 300 Euro pro Monat in einen ETF-Sparplan. Nach 40 Jahren hast du etwa 800 Euro gesetzliche Rente, 400 Euro aus der BAV und kannst dir 2.000 Euro pro Monat aus dem ETF auszahlen. Insgesamt 3.200 Euro. Mehr als dein letztes Nettoeinkommen.
800 plus 400 plus 2.000 gleich 3.200. Das klingt gut. Maik, was ist, wenn ich mir nicht alle drei Säulen leisten kann?
Maik Marx: Dann priorisiere. Erste Priorität, gesetzliche Rente, wenn du angestellt bist, läuft automatisch. Zweite Priorität, private Vorsorge mit ETFs, weil sie flexibel und renditestark ist. Dritte Priorität, betriebliche Altersvorsorge, nur wenn dein Arbeitgeber viel dazu gibt. Wenn du wenig Geld hast, fang klein an. Auch 50 oder 100 Euro pro Monat in einen ETF sind besser als nichts.
Maik, was ist mit Selbstständigen?
Maik Marx: Selbstständige haben keine gesetzliche Rente und oft keine betriebliche Altersvorsorge. Deshalb müssen sie die dritte Säule besonders stark machen. Selbstständige sollten mindestens 20 bis 30 Prozent ihres Einkommens für die Altersvorsorge sparen. Am besten in ETFs. Zusätzlich können sie Rürup nutzen, wenn sie hohe Steuern zahlen.
Selbstständige 20 bis 30 Prozent in ETFs. Maik, vielen Dank für diese klare Strategie. Ich werde meine drei Säulen jetzt aufbauen.
Maik Marx: Sehr gut, Lia. Die Drei-Säulen-Strategie gibt dir Sicherheit und Flexibilität.
Genau. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, baut eure drei Säulen auf. Gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, wenn sinnvoll und vor allem private Vorsorge mit ETFs. In unserer nächsten Folge sprechen wir über Versicherungen. Welche brauchst du wirklich und welche sind überflüssig? Seid also unbedingt wieder dabei. Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren. Beachtet bitte auch unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Impressum. Alle Links und Shownotes findet ihr wie immer auch auf unserer Webseite.