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Folge 15 ·14:11 ·3. März 2026

Anleihen - Sichere Geldanlage oder Renditefalle

In dieser Episode wird die Funktionsweise und Risiko von Anleihen besprochen, sowie deren aktuelle Attraktivität und strategische Nutzung im Portfolio. Nächste Folge: Immobilien als Geldanlage.

Anleihen verstehen: Sichere Geldanlage oder versteckte Renditefalle?

Willkommen zur fünfzehnten Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. Lia und Finanzexperte Maik Marx nehmen heute ein Produkt mit eisernem Ruf unter die Lupe: die Anleihe. Stell dir vor, du leihst dem deutschen Staat 10.000 Euro und bekommst sie in zehn Jahren samt Zinsen zurück. Klingt sicher, oder? Doch genau hier liegt der Denkfehler, der vielen Anlegern zuletzt reale Kaufkraft gekostet hat. Du erfährst, was eine Anleihe wirklich ist, welche drei Risiken in ihr stecken und wann sie in deinem Depot Sinn ergibt. Diese Folge räumt mit dem Mythos auf, dass sicher und sinnvoll dasselbe wären.

Was eine Anleihe wirklich ist

Maik bringt es einfach auf den Punkt: Eine Anleihe ist nichts anderes als ein Kredit, den du einem Staat oder Unternehmen gibst. Braucht Deutschland Geld für eine Autobahn, geht es nicht zur Bank, sondern gibt Anleihen aus. Du kaufst ein Papier für 1.000 Euro, bekommst über die Laufzeit jedes Jahr Zinsen und am Ende dein Geld zurück. Anders als ein privates Darlehen kannst du eine Anleihe jederzeit an der Börse weiterverkaufen, denn sie ist ein handelbares Wertpapier. Im Fachjargon heißt sie Schuldverschreibung oder Rentenpapier, wobei Rente hier nicht die Altersrente meint, sondern die regelmäßigen Erträge. Die wichtigsten Bausteine findest du kompakt in unserem Wissensbereich.

Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen?

Es gibt zwei große Gruppen von Schuldnern. Staatsanleihen geben Regierungen aus, etwa als deutsche Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen. Sie gelten als sehr sicher, vor allem aus stabilen Ländern wie Deutschland, den USA oder der Schweiz. Unternehmensanleihen kommen von Firmen wie BMW oder Siemens, die sich so Kapital besorgen. Sie sind riskanter, weil ein Unternehmen pleitegehen kann, zahlen dafür aber höhere Zinsen als ein solider Staat. Es gilt die eiserne Grundregel der Geldanlage: Mehr Sicherheit bedeutet weniger Rendite, mehr Risiko die Aussicht auf mehr Rendite. Schau dir die Schuldner also genau an, statt nur auf den Zinssatz zu starren. Wie sich die Anlageklassen einordnen, zeigt dir unsere Anlage-Übersicht.

Die Anleihe als Urkunde: ein Kredit an Staat oder Unternehmen.

Wie hoch die Zinsen wirklich ausfallen

Wie viel eine Anleihe abwirft, hängt von drei Faktoren ab: vom Schuldner, von der Laufzeit und vom Zinsniveau. Deutschland zahlt mit 2 bis 3 Prozent wenig, wackeligere Länder oder kleine Firmen müssen 7 bis 8 Prozent bieten. Längere Laufzeiten bringen meist einen Aufschlag, und steigende Leitzinsen heben auch die Zinsen neuer Anleihen. Wichtig ist der Unterschied zwischen Nominalzins und Rendite. Der Nominalzins, auch Kupon genannt, steht fest auf dem Papier. Die Rendite berücksichtigt zusätzlich deinen Kaufkurs: Bekommst du eine Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert für nur 900 Euro, liegt deine echte Verzinsung über dem Kupon. Diese tatsächliche Verzinsung ist die entscheidende Kennzahl, die du mit unseren Rechnern durchspielen kannst.

Stapel von Wertpapierunterlagen und Formularen als Sinnbild für Anleihen und ihre Bedingungen
Hinter jeder Anleihe steckt ein Schuldner mit eigenem Risikoprofil.

Die drei großen Risiken der Anleihe

Anleihen sind keineswegs automatisch sicher, sie tragen drei Risiken. Beim Ausfallrisiko gilt: Geht der Schuldner pleite, ist dein Geld weg, was bei Bundesanleihen extrem unwahrscheinlich, bei schwachen Staaten oder Firmen aber höher ist. Das Zinsänderungsrisiko hast du in der Box gesehen: Steigende Marktzinsen drücken die Kurse bestehender Anleihen, vor allem bei langen Laufzeiten. Das dritte und oft unterschätzte ist das Inflationsrisiko. Liegt die Teuerung höher als dein Zins, verlierst du real Kaufkraft, selbst wenn dein Konto nominal wächst. Genau das geschah in den 2010er Jahren: Die Zinsen waren mickrig, teils negativ, und die Inflation fraß den Rest auf. Anleihen haben damals real Geld vernichtet. Eine neutrale Einordnung liefert die Deutsche Bundesbank.

Steigende Zinsen, fallender Kurs

Du hast eine Anleihe mit 2 % Kupon gekauft. Dann steigen die Marktzinsen, und neue Papiere zahlen 4 %. Niemand zahlt dir für deine alte 2-Prozent-Anleihe noch den vollen Preis, also fällt ihr Kurs. Hältst du sie bis zum Laufzeitende durch, bekommst du dennoch deine 1.000 Euro zurück. Musst du aber vorher verkaufen, machst du echten Verlust. Genau diese Mechanik überrascht die meisten Einsteiger.

Negativzinsen: Als das Geld-Verleihen Geld kostete

Es klingt absurd, aber es gab tatsächlich eine Zeit, in der manche Staatsanleihen negative Renditen hatten: Du hast dem Staat Geld geliehen und am Ende weniger zurückbekommen. Nach der Finanzkrise 2008 und besonders während der Corona-Pandemie waren die Zinsen so tief gefallen, dass dieses Phänomen Realität wurde. Warum macht jemand das freiwillig? Manche institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds sind gesetzlich verpflichtet, einen Teil ihres Kapitals in sichere Anleihen zu stecken. Andere spekulierten auf weiter fallende Zinsen und dadurch steigende Kurse, wieder andere wollten schlicht maximale Sicherheit und nahmen die kleinen Verluste als Parkgebühr in Kauf. Diese Phase zeigt: Auch das vermeintlich sicherste Produkt kann im falschen Umfeld zur Falle werden.

Anleihen – Sichere Geldanlage oder Renditefalle · Finanzpost auf YouTube

Wann Anleihen für dich Sinn ergeben

Trotz aller Kritik haben Anleihen ihre Berechtigung, und zwar in vier Situationen. Erstens, wenn du sehr risikoavers bist und starke Schwankungen nicht aushältst, denn Anleihen wackeln weniger als Aktien. Zweitens, wenn du dein Geld bald brauchst und keinen Wertverlust riskieren darfst: Dann sind kurzlaufende Anleihen oder Festgeld die ruhigere Wahl. Drittens zur Diversifikation, denn ein Mischportfolio mit 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Anleihen läuft ruhiger als ein reines Aktiendepot. Und viertens, wenn die Zinsen wieder attraktiv sind: Zahlen Anleihen 5 oder 6 Prozent bei niedriger Inflation, sind sie real positiv, wie es nach den jüngsten Zinserhöhungen teilweise der Fall war. Wie sich die Konditionen unterscheiden, siehst du in unserem Vergleich.

Hausschlüssel als Symbol für das nächste Anlagethema Immobilien
Sicherheit hat ihren Preis: Anleihen sind ein Baustein, kein Allheilmittel.

ETF kaufen und richtig gewichten

Kaufen kannst du Anleihen über dein normales Wertpapierdepot, genau wie Aktien. Für die meisten Privatanleger ist allerdings ein Anleihen-ETF die klügere Lösung, weil er das Geld auf viele Schuldner verteilt und sofort Diversifikation liefert, sodass kein einzelnes pleitegehendes Unternehmen ein Loch ins Depot reißt. Wie hoch deine Anleihenquote sein sollte, hängt von deiner Lebenssituation ab: Bist du jung und kannst Schwankungen aussitzen, reichen 100 Prozent Aktien oder eine Beimischung von 10 Prozent Anleihen. Kurz vor der Rente dürfen es ruhig 40 oder 50 Prozent sein. Die alte Faustregel "Alter in Prozent gehört in Anleihen" gilt vielen Fachleuten heute als zu konservativ, denn Menschen werden älter und ihr Geld braucht mehr Wachstum. Verlässliche, verkaufsfreie Hilfe bieten das Portal Finanztip und die Verbraucherzentrale. Unverzichtbare Fachbegriffe erklärt dir unser Finanzlexikon.

Fazit: Anleihen mit offenen Augen einsetzen

Anleihen sind weder die felsenfeste Sicherheit, für die sie viele halten, noch grundsätzlich eine Renditefalle. Sie sind ein Werkzeug, das in bestimmten Situationen sehr nützlich ist und in anderen Kaufkraft kostet. Entscheidend ist, dass du Ausfall-, Zins- und Inflationsrisiko kennst und bewusst entscheidest, statt blind dem Sicherheitsversprechen zu vertrauen. Hör dir die ganze Folge an und abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst. In der nächsten Ausgabe geht es um Immobilien als Geldanlage: Betongold oder überbewerteter Traum? Sei unbedingt wieder dabei.

Shownotes zu dieser Folge +

In der fünfzehnten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast decken Lia und Finanzexperte Maik Marx die unbequeme Wahrheit über Anleihen auf! Sind sie wirklich so sicher, wie alle behaupten? Oder eine versteckte Renditefalle?

Erfahre, was Anleihen wirklich sind (ein Kredit an Staaten oder Unternehmen), wie sie funktionieren und warum sie auch Rentenpapiere heißen (wegen regelmäßiger Erträge, nicht Altersrente!). Maik erklärt die 3 großen Risiken von Anleihen: 1) Ausfallrisiko (Pleite), 2) Zinsänderungsrisiko (steigende Zinsen = fallende Kurse), 3) Inflationsrisiko (Kaufkraftverlust). Du lernst, warum viele Anleger in den letzten Jahren real Geld verloren haben, obwohl Anleihen als "sicher" galten!

Du verstehst den Unterschied zwischen Staatsanleihen (sicherer, niedrige Zinsen) und Unternehmensanleihen (riskanter, höhere Zinsen), was Nominalzins vs. Rendite bedeutet, und warum es tatsächlich Negativzinsen gab (du zahlst dafür, Geld zu verleihen!). Plus: Wann Anleihen trotzdem Sinn machen (Risikoaversion, kurzfristiger Bedarf, Diversifikation, attraktive Zinsen) und die Faustregel: Alter in Prozent = Anleihenquote (aber eher konservativ!).

In dieser Folge erfährst du
  • Was Anleihen wirklich sind: Ein Kredit an Staaten oder Unternehmen
  • Warum sie Rentenpapiere heißen (regelmäßige Erträge, nicht Altersrente!)
  • Die 3 großen Risiken: Ausfallrisiko, Zinsänderungsrisiko, Inflationsrisiko
  • Warum steigende Zinsen die Kurse bestehender Anleihen fallen lassen
  • Warum viele Anleger real Geld verloren haben (Inflation > Zinsen)
  • Staatsanleihen vs. Unternehmensanleihen: Sicherheit vs. Rendite
  • Wie hoch sind Zinsen bei Anleihen? (2-8% je nach Risiko)
  • Nominalzins vs. Rendite: Was ist der Unterschied?
  • Negativzinsen erklärt: Warum jemand dafür zahlt, Geld zu verleihen ⏰
  • Wann Anleihen trotzdem Sinn machen (4 Situationen)
  • Anleihen-ETFs: Die einfachere Alternative zu Einzelanleihen
  • Die Faustregel: Alter in Prozent = Anleihenquote (eher konservativ)
Komplettes Transkript dieser Folge +

Lia: Stell dir vor, du leihst dem deutschen Staat 10.000 Euro und er verspricht dir, das Geld in 10 Jahren zurückzuzahlen. Plus Zinsen. Klingt sicher, oder? Aber was, wenn ich dir sage, dass du am Ende weniger Kaufkraft hast als am Anfang? Genau das ist vielen Anlegern in den letzten Jahren mit Anleihen passiert. Sind Anleihen wirklich so sicher, wie alle behaupten? Oder sind sie eine versteckte Renditefalle? Das klären wir heute hier bei finanzpost.de, der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Ich bin Lia und ich muss ehrlich sagen, Anleihen haben mich lange verwirrt. Aktien verstehe ich. Ich kaufe ein Stück von einem Unternehmen. Aber Anleihen? Was ist das genau? Zum Glück habe ich meinen Finanzexperten Maik Marx hier, der mir heute endlich Klarheit verschaffen wird. Maik, ich hoffe, du kannst mir helfen, denn ich habe das Gefühl, dass viele Menschen Anleihen missverstehen.

Maik Marx: Absolut, Lia. Anleihen sind tatsächlich eines der am meisten missverstandenen Finanzprodukte. Viele denken, sie sind automatisch sicher. Aber das stimmt nicht immer. Heute werden wir verstehen, was Anleihen wirklich sind, wie sie funktionieren, welche Risiken sie haben und wann sie sinnvoll sind.

Lia: Perfekt. Dann lass uns direkt einsteigen. Maik, was ist eine Anleihe?

Maik Marx: Eine Anleihe ist im Grunde ein Kredit, den du einem Staat oder einem Unternehmen gibst. Stell dir vor, Deutschland braucht Geld, um eine Autobahn zu bauen. Statt zur Bank zu gehen, gibt Deutschland Anleihen aus. Du kaufst so eine Anleihe für 1.000 Euro. Deutschland verspricht dir, das Geld nach 10 Jahren zurückzuzahlen und dir in der Zwischenzeit jedes Jahr Zinsen zu zahlen, zum Beispiel 2%, also 2.0 Euro pro Jahr. Nach 10 Jahren bekommst du deine 1.000 Euro zurück und hast insgesamt 2.0 Euro Zinsen verdient. Das ist das Grundprinzip.

Lia: Okay, ich gebe einen Kredit und bekomme Zinsen. Das klingt einfach. Aber warum heißt es Anleihe und nicht einfach Kredit?

Maik Marx: Weil eine Anleihe ein handelbares Wertpapier ist. Wenn du einem Freund 1000 Euro leihst, kannst du diesen Kredit nicht einfach an jemand anderen verkaufen. Aber eine Anleihe kannst du an der Börse verkaufen, bevor sie fällig wird. Das macht Anleihen flexibler als normale Kredite. Anleihen werden auch Schuldverschreibungen oder Rentenpapiere genannt. Rentenpapiere nicht, weil sie mit der Altersrente zu tun haben, sondern weil sie regelmäßige Erträge, also Renten, abwerfen.

Lia: Ah, Rentenpapiere wegen der regelmäßigen Erträge. Nicht wegen der Altersrente. Das ist verwirrend. Maik, wer gibt Anleihen aus?

Maik Marx: Es gibt zwei Hauptgruppen, Staaten und Unternehmen. Staatsanleihen werden von Regierungen ausgegeben. Deutsche Bundesanleihen, US-Staatsanleihen, italienische Staatsanleihen. Staatsanleihen gelten oft als sehr sicher, besonders von wirtschaftlich stabilen Ländern wie Deutschland, USA, Schweiz. Unternehmensanleihen werden von Firmen ausgegeben. Wenn BMW oder Siemens Geld braucht, kann es Anleihen ausgeben. Unternehmensanleihen sind riskanter als Staatsanleihen, weil Unternehmen pleite gehen können. Dafür zahlen Sie höhere Zinsen.

Lia: Staatsanleihen sicherer, Unternehmensanleihen riskanter, aber höhere Zinsen. Das ergibt Sinn. Maik, wie hoch sind die Zinsen bei Anleihen?

Maik Marx: Das hängt von mehreren Faktoren ab. Erstens, wer gibt die Anleihe aus? Deutschland zahlt niedrige Zinsen, vielleicht 2 bis 3 Prozent, weil es als sehr sicher gilt. Griechenland oder Italien zahlen höhere Zinsen, vielleicht 4 bis 5 Prozent, weil sie als riskanter gelten. Ein großes, stabiles Unternehmen wie Apple zahlt vielleicht 3 Prozent. Ein kleines, riskantes Unternehmen zahlt vielleicht 7 oder 8 Prozent. Zweitens, wie lange läuft die Anleihe? Längere Laufzeiten zahlen oft höhere Zinsen, weil du dein Geld länger bindest. Und drittens, wie ist die allgemeine Zinslage? Wenn die Zentralbank die Zinsen erhöht, steigen auch die Zinsen bei neuen Anleihen.

Lia: Also Sicherheit, Laufzeit und Zinslage bestimmen die Höhe der Zinsen. Maik, du hast am Anfang gesagt, Anleihen sind nicht immer sicher. Was meinst du damit?

Maik Marx: Es gibt mehrere Risiken. Das erste ist das Ausfallrisiko. Wenn der Staat oder das Unternehmen pleite geht, bekommst du dein Geld nicht zurück. Bei deutschen Staatsanleihen ist dieses Risiko extrem niedrig. Bei griechischen Staatsanleihen oder Anleihen von schwachen Unternehmen ist es höher. Das zweite Risiko ist das Zinsänderungsrisiko. Wenn die Zinsen steigen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Warum? Stell dir vor, du hast eine Anleihe mit 2% Zinsen gekauft. Dann steigen die Zinsen und neue Anleihen zahlen 4%. Niemand will deine alte Anleihe mit 2% zum vollen Preis kaufen. Der Kurs fällt. Wenn du die Anleihe bis zum Ende hältst, bekommst du trotzdem dein Geld zurück. Aber wenn du vorher verkaufen musst, machst du Verlust.

Lia: Ah, steigende Zinsen lassen die Kurse fallen. Das ist kontraintuitiv. Was ist das dritte Risiko?

Maik Marx: Das dritte Risiko ist das Inflationsrisiko. Wenn die Inflation höher ist als die Zinsen, verlierst du Kaufkraft. Stell dir vor, du kaufst eine Anleihe mit 2% Zinsen. Aber die Inflation ist 3%. Real verlierst du 1% pro Jahr. Nach 10 Jahren hast du zwar nominal mehr Geld, aber du kannst dir weniger davon kaufen. Das ist genau das Problem, das viele Anleger in den letzten Jahren hatten. Die Zinsen waren sehr niedrig, oft sogar negativ, und die Inflation war höher. Anleihen haben real Geld vernichtet.

Lia: Wow, das ist krass. Anleihen galten als sicher. haben aber real Geld vernichtet. Maik, wann machen Anleihen dann überhaupt Sinn?

Maik Marx: Anleihen machen Sinn in bestimmten Situationen. Erstens, wenn du sehr risikoavers bist und Schwankungen nicht ertragen kannst. Anleihen schwanken weniger als Aktien. Zweitens, wenn du in naher Zukunft Geld brauchst und es nicht riskieren kannst, dass der Wert fällt. Dann sind kurzlaufende Anleihen oder Festgeld besser als Aktien. Drittens zur Diversifikation. Anleihen entwickeln sich oft anders als Aktien. Wenn Aktien fallen, steigen Anleihen manchmal. Ein Portfolio mit 70% Aktien und 30% Anleihen schwankt weniger als ein reines Aktienportfolio. Und viertens, wenn die Zinsen wieder attraktiv sind. Wenn Anleihen 5 oder 6 Prozent Zinsen zahlen und die Inflation niedrig ist, sind sie wieder interessant.

Lia: Risikoaversion, kurzfristiger Bedarf, Diversifikation, attraktive Zinsen. Das sind gute Gründe. Maik, wie kaufe ich Anleihen?

Maik Marx: Du kannst Anleihen über dein Wertpapierdepot kaufen, genau wie Aktien. Du suchst nach der Isin der Anleihe und kaufst sie. Es gibt aber auch Anleihen-ETFs, die in viele verschiedene Anleihen investieren. Das ist für die meisten Menschen die einfachere und bessere Wahl, weil du sofort Diversifikation hast. Es gibt ETFs auf Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, kurzlaufende Anleihen, langlaufende Anleihen. Du kannst genau wählen, was zu deiner Strategie passt.

Lia: Anleihen-ETFs klingen einfacher. Maik, was ist der Unterschied zwischen Nominalzins und Rendite?

Maik Marx: Gute Frage. Der Nominalzins, auch Coupon genannt, ist der Zinssatz, der auf der Anleihe steht. Wenn eine Anleihe 3% Coupon hat, bekommst du jedes Jahr 3% des Nennwerts ausgezahlt. Die Rendite ist etwas anderes. Sie berücksichtigt auch, zu welchem Preis du die Anleihe gekauft hast. Wenn du eine Anleihe mit 1000 Euro Nennwert und 3% Coupon für nur 900 Euro kaufst, ist deine Rendite höher als 3%, weil du weniger bezahlt hast. Wenn du sie für 1100 Euro kaufst, ist deine Rendite niedriger. Die Rendite ist die wichtigere Kennzahl, weil sie deine tatsächliche Verzinsung zeigt.

Lia: Nominalzins steht drauf. Rendite ist die tatsächliche Verzinsung. Verstanden. Maik, was ist mit Negativzinsen? Gab es das wirklich?

Maik Marx: Ja, das gab es tatsächlich. In den Jahren nach der Finanzkrise 2008 und besonders während der Corona-Pandemie waren die Zinsen so niedrig, dass manche Staatsanleihen negative Renditen hatten. Das bedeutet, du hast dem Staat Geld geliehen und am Ende weniger zurückbekommen. Klingt verrückt, oder? Warum sollte jemand das tun? Es gab mehrere Gründe. Manche institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds sind gesetzlich verpflichtet, in sichere Anleihen zu investieren. Andere hofften, dass die Zinsen noch weiter fallen und die Kurse steigen. Und manche wollten einfach Sicherheit, selbst wenn es sie etwas kostet.

Lia: Negativzinsen. Das ist wirklich verrückt. Maik, wie sieht es aktuell mit Anleihen aus? Sind sie wieder attraktiv?

Maik Marx: Das hängt davon ab, wann du diese Folge hörst. Aber generell kann ich sagen, nachdem die Zentralbanken die Zinsen stark erhöht haben, um die Inflation zu bekämpfen, sind Anleihen wieder attraktiver geworden. Staatsanleihen zahlen wieder 3, 4 oder 5 Prozent. Unternehmensanleihen zahlen noch mehr. Wenn die Inflation sinkt und bei 2% bleibt, sind das reale, positive Renditen. Anleihen sind also nicht mehr die Renditefalle, die sie in den 2010er Jahren waren. Aber sie sind immer noch nicht so renditestark wie Aktien langfristig.

Lia: Anleihen sind wieder besser, aber Aktien sind langfristig stärker. Maik, sollte ich Anleihen in meinem Portfolio haben?

Maik Marx: Das hängt von deiner Situation ab. Wenn du jung bist, einen langen Anlagehorizont hast und Schwankungen ertragen kannst, brauchst du keine oder nur wenige Anleihen. 100% Aktien oder 90% Aktien und 10% Anleihen reichen. Wenn du älter bist, kurz vor der Rente stehst oder sehr risikoavers bist, machen Anleihen mehr Sinn. Vielleicht 40 oder 50 Prozent Anleihen. Eine alte Faustregel lautet, dein Alter in Prozent sollte in Anleihen sein. Mit 30 Jahren 30 Prozent Anleihen, mit 60 Jahren 60 Prozent. Aber diese Regel ist sehr konservativ. Viele Experten sagen heute, dass man weniger Anleihen braucht, weil Menschen länger leben und mehr Wachstum brauchen.

Lia: Alter in Prozent ist eine Faustregel, aber eher konservativ. Maik, vielen Dank für diese klare Erklärung zu Anleihen. Ich habe jetzt wirklich verstanden, dass Anleihen nicht automatisch sicher sind und dass sie nur in bestimmten Situationen Sinn machen.

Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Anleihen haben ihren Platz, aber sie sind kein Muss. Für die meisten jungen Menschen sind Aktien die bessere Wahl.

Lia: Genau. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, überlegt euch gut, ob Anleihen zu eurer Strategie passen. Wenn ihr jung seid und langfristig investiert, konzentriert euch auf Aktien. Wenn ihr Sicherheit braucht oder kurz vor der Rente steht, können Anleihen sinnvoll sein. In unserer nächsten Folge sprechen wir über Immobilien als Geldanlage. Betongold oder überbewerteter Traum? Das wird spannend, seid also unbedingt wieder dabei.

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