Den richtigen ETF auswählen: Mit sechs Kriterien zur perfekten Wahl
Willkommen zur zwölften Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. In der letzten Folge habt ihr mit Lia und Finanzexperte Maik Marx gelernt, was ETFs sind und warum sie so beliebt sind. Heute geht es einen Schritt weiter: Wie wählst du aus Tausenden von ETFs den richtigen aus? Die schiere Menge wirkt schnell überwältigend und sorgt dafür, dass viele Menschen gar nicht erst anfangen. Dabei ist die Auswahl mit den richtigen Kriterien gar nicht so schwer. Maik führt dich durch die sechs entscheidenden Punkte und nennt am Ende konkrete ETFs, mit denen du nichts falsch machen kannst.
Die wichtigste Entscheidung: der richtige Index
Der erste und wichtigste Schritt ist die Wahl des Index, denn er bestimmt, in welche Unternehmen und Märkte du investierst. Für Anfänger und als solides Basisinvestment empfiehlt Maik einen breit gestreuten Weltindex. Drei sind besonders beliebt: der MSCI World mit über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern, der FTSE All-World mit über 4.000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern sowie der MSCI ACWI, der ebenfalls Schwellenländer abdeckt. Alle drei sind hervorragende Fundamente für deinen Vermögensaufbau. Welcher es genau wird, ist gar nicht so kritisch, solange es ein breit gestreuter Weltindex ist. Die wichtigsten Bausteine findest du kompakt erklärt in unserem Wissensbereich.
Industrieländer oder Schwellenländer?
Ein Begriffspaar, das immer wieder auftaucht, ist Industrieländer und Schwellenländer. Industrieländer sind wirtschaftlich entwickelte Staaten mit stabilen politischen Systemen, zum Beispiel die USA, Deutschland oder Japan. Schwellenländer, auch Emerging Markets genannt, entwickeln sich schnell, haben aber das Niveau der Industrieländer noch nicht erreicht, etwa China, Indien oder Brasilien. Sie bieten höheres Wachstumspotenzial, bringen aber auch mehr Risiko durch politische Instabilität und Währungsschwankungen mit. Wer nur in den MSCI World investiert, lässt Schwellenländer außen vor. Wer sie dabeihaben möchte, greift zum FTSE All-World oder MSCI ACWI.
Kosten und Fondsvolumen genau prüfen
Hast du dich für einen Index entschieden, gibt es oft zehn oder zwanzig ETFs verschiedener Anbieter wie iShares, Xtrackers, Vanguard oder Amundi, die genau diesen Index abbilden. Jetzt kommen die objektiven Auswahlkriterien ins Spiel, und die ersten beiden sind Kosten und Fondsvolumen. Die laufenden Kosten werden als TER, also Total Expense Ratio, angegeben. Ein Welt-ETF sollte eine TER von maximal 0,3 Prozent haben, besser noch 0,2 Prozent oder weniger. Über die Jahre macht das einen riesigen Unterschied. Beim Fondsvolumen gilt: mindestens 100 Millionen Euro, besser 500 Millionen oder mehr. Große ETFs sind liquider, lassen sich jederzeit handeln und werden seltener geschlossen. Wie sich Kostenunterschiede konkret auswirken, rechnest du dir mit unseren Rechnern aus.
Fondsalter und Replikationsmethode
Das nächste Kriterium ist das Fondsalter. Ein ETF sollte mindestens ein Jahr alt sein, besser deutlich älter. Sehr junge Fonds haben noch nicht bewiesen, dass sie den Index zuverlässig nachbilden, und tragen häufig ein kleines Volumen, das eine Schließung wahrscheinlicher macht. Erprobte ETFs mit fünf oder zehn Jahren Historie sind stabiler. Auch die Replikationsmethode ist wichtig: Physisch replizierende ETFs kaufen die im Index enthaltenen Aktien tatsächlich, sind transparent und leicht verständlich. Synthetische ETFs bilden den Index über ein Swap-Geschäft nach, was komplizierter ist. Für Anfänger empfiehlt Maik daher physisch replizierende ETFs.
1. Breit gestreuter Weltindex (MSCI World, FTSE All-World oder MSCI ACWI). 2. Niedrige Kosten, TER unter 0,3 Prozent. 3. Fondsvolumen mindestens 100 Millionen Euro. 4. Mindestens ein Jahr alt, besser älter. 5. Physisch replizierend für mehr Transparenz. 6. Thesaurierend (Acc) für den Vermögensaufbau. Wer diese sechs Punkte beachtet, kann kaum etwas falsch machen.
Thesaurierend oder ausschüttend?
Das letzte der sechs Kernkriterien ist die Ertragsverwendung. Thesaurierende ETFs legen die Dividenden automatisch wieder an, ausschüttende zahlen sie an dich aus. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind thesaurierende ETFs die bessere Wahl, weil der Zinseszinseffekt stärker wirkt und du dich um nichts kümmern musst. Im Namen erkennst du das am Kürzel „Acc" für accumulating, also thesaurierend, oder „Dist" für distributing, also ausschüttend. Ein fortgeschrittenes Zusatzkriterium ist die Tracking Difference, die Abweichung zwischen ETF und Index. Sie sollte nah an der TER liegen. Für Anfänger ist sie aber kein Muss: Wer sich an große, etablierte ETFs hält, fährt hier ohnehin gut. Welche Anlageformen sonst noch zu dir passen, zeigt die Anlage-Übersicht.
Konkrete ETFs, mit denen du nichts falsch machst
Damit es nicht nur graue Theorie bleibt, nennt Maik drei konkrete Beispiele. Der iShares Core MSCI World UCITS ETF USD Acc (ISIN IE00B4L5Y983) bildet den MSCI World ab, hat eine TER von 0,20 Prozent, ein Volumen von über 70 Milliarden Euro, existiert seit 2009, ist physisch replizierend und thesaurierend. Ebenso solide sind der Xtrackers MSCI World UCITS ETF 1C mit einer TER von 0,19 Prozent und für den FTSE All-World der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF USD Acc mit 0,22 Prozent. Alle drei sind erstklassig, der Unterschied ist langfristig kaum spürbar. Begriffe wie TER, ISIN oder Thesaurierung erklärt dir bei Bedarf unser Finanzlexikon.
Vergleichen und seriös informieren
Um ETFs selbst zu vergleichen, gibt es sehr gute kostenlose Portale wie JustETF und extraETF. Dort suchst du nach einem Index, filterst nach Kosten, Fondsvolumen, Replikationsmethode und Ertragsverwendung und siehst auf einen Blick die wichtigsten Kennzahlen samt Tracking Difference und Performance. Für neutrale Grundlagen ohne Verkaufsinteresse lohnt sich zusätzlich ein Blick zur Verbraucherzentrale, zum Ratgeberportal Finanztip und zur Deutschen Bundesbank.
Ein ETF reicht, und der Sparplan macht den Rest
Zwei Fragen tauchen am Ende fast immer auf. Erstens: ein ETF oder mehrere? Für Anfänger reicht ein einziger breit gestreuter Welt-ETF völlig aus, denn ein FTSE All-World enthält bereits mehrere Tausend Unternehmen. Keep it simple lautet die Devise. Zweitens: Sparplan oder Einmalanlage? Für die meisten Menschen ist der monatliche Sparplan ideal. Du investierst automatisch, profitierst vom Cost-Average-Effekt und musst nie den perfekten Einstiegszeitpunkt erraten, denn Market Timing funktioniert nicht. Eine große Summe kannst du auch auf einmal anlegen, doch psychologisch fällt vielen das gestaffelte Investieren leichter. Vergleiche dazu verschiedene Sparplan-Konditionen in unserem Vergleich.
Fazit: Anfangen schlägt Perfektion
Die ETF-Auswahl ist nicht so kompliziert, wie viele befürchten. Mit den sechs Kriterien und einem Blick auf JustETF oder extraETF findest du schnell einen hervorragenden Fonds. Viel wichtiger als der perfekte ETF ist, dass du überhaupt startest und langfristig dabeibleibst, denn Perfektionismus ist der Feind des Fortschritts. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und richte deinen ersten Sparplan ein. In der nächsten Folge geht es um Einzelaktien: wann sie sinnvoll sind und wie du sie auswählst.
Shownotes zu dieser Folge +
In der zwölften Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast zeigen dir Lia und Finanzexperte Maik Marx, wie du aus Tausenden von ETFs den richtigen auswählst. Mit klaren Kriterien und konkreten Beispielen wird die Auswahl zum Kinderspiel!
Erfahre, welche Weltindizes am besten sind (MSCI World, FTSE All-World, MSCI ACWI) und was der Unterschied zwischen Industrieländern und Schwellenländern ist. Maik erklärt dir die 6 wichtigsten Auswahlkriterien: 1) Breit gestreuter Weltindex, 2) TER unter 0,3%, 3) Fondsvolumen über 100 Mio. €, 4) Mindestens 1 Jahr alt, 5) Physisch replizierend, 6) Thesaurierend für Vermögensaufbau.
Du lernst, was Tracking Difference ist, wie du ETFs auf JustETF und extraETF vergleichst, und bekommst konkrete ETF-Empfehlungen (iShares Core MSCI World, Xtrackers MSCI World, Vanguard FTSE All-World). Plus: Warum ein einziger ETF ausreicht und warum ein monatlicher Sparplan besser ist als Market Timing. Mit dieser Folge bist du bereit für deine erste ETF-Investition!
- ✓ Welche Weltindizes am besten sind: MSCI World, FTSE All-World, MSCI ACWI
- ✓ Unterschied Industrieländer vs. Schwellenländer (Emerging Markets)
- ✓ Die 6 wichtigsten Auswahlkriterien im Detail
- ✓ TER unter 0,3%, besser unter 0,2% - warum Kosten so wichtig sind
- ✓ Fondsvolumen mindestens 100 Mio. €, besser 500 Mio. € oder mehr
- ✓ Physisch vs. synthetisch: Warum physisch besser für Anfänger ist
- ✓ Thesaurierend (Acc) vs. ausschüttend (Dist) für Vermögensaufbau
- ✓ Was ist Tracking Difference und warum ist sie wichtig?
- ✓ Konkrete ETF-Empfehlungen mit ISIN-Nummern ⏰
- ✓ JustETF und extraETF: Wie du ETFs vergleichst
- ✓ Warum ein ETF ausreicht und Sparplan besser ist als Einmalanlage
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Herzlich willkommen zurück bei Finanzpost.de, der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Ich bin Lia und ich freue mich sehr, dass du auch heute wieder dabei bist. In der letzten Folge haben wir gelernt, was ETFs sind und warum sie so beliebt sind. Heute gehen wir einen Schritt weiter. Wie wähle ich den richtigen ETF aus? Es gibt tausende von ETFs auf dem Markt und das kann überwältigend sein. Aber keine Sorge, mit den richtigen Kriterien ist die Auswahl gar nicht so schwer. Und natürlich ist wieder mein Finanzexperte an meiner Seite, der mir zeigen wird, worauf ich achten muss. Herzlich willkommen, Maik Marx.
Maik Marx: Danke, Lia. Die ETF-Auswahl ist wirklich ein wichtiges Thema. Viele Menschen sind paralysiert von der riesigen Auswahl und fangen deshalb gar nicht erst an. Heute wollen wir das ändern und dir eine klare Anleitung geben, wie du den richtigen ETF findest.
Lia: Perfekt. Maik, fangen wir mit der Grundfrage an. Welchen Index sollte ich wählen?
Maik Marx: Das ist die wichtigste Entscheidung. Der Index bestimmt, in welche Unternehmen und Märkte du investierst. Für Anfänger und als Basis-Investment empfehle ich breit gestreute Weltindizes. Die drei beliebtesten sind 1. Der MSCI World. Er enthält über 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Etwa 70% sind US-Unternehmen, 30% aus Europa, Japan und anderen Industrieländern. Zweitens, der FTSC All World. Er enthält über 4000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Damit ist er noch breiter gestreut. Und drittens, der MSCI Axwi All Country World Index. Er ist ähnlich wie der FTSC All World und enthält auch Schwellenländer. Alle drei sind hervorragende Basis-Investments.
Lia: Okay. MSCI World, FCI All World oder MSCI Aquaei. Was ist der Unterschied zwischen Industrieländern und Schwellenländern?
Maik Marx: Industrieländer sind wirtschaftlich entwickelte Länder mit stabilen politischen Systemen. Zum Beispiel USA, Deutschland, Japan, Kanada, Australien. Schwellenländer, auch Emerging Markets genannt, sind Länder, die sich wirtschaftlich schnell entwickeln, aber noch nicht das Niveau von Industrieländern erreicht haben, zum Beispiel China, Indien, Brasilien, Südafrika. Schwellenländer bieten höheres Wachstumspotenzial, aber auch höheres Risiko durch politische Instabilität oder Währungsschwankungen. Wenn du nur in den MSCI World investierst, hast du keine Schwellenländer. Wenn du auch Schwellenländer willst, wählst du den FTC All World oder kombinierst den MSCI World mit einem Emerging Markets ETF.
Lia: Verstehe. MSCI World, nur Industrieländer. FTSE All World und MSCI AQUI, auch Schwellenländer. Welchen würdest du empfehlen?
Maik Marx: Für die meisten Menschen ist der FDSE All World oder MSCI Arquai die beste Wahl, weil sie die gesamte Weltwirtschaft abbilden. Aber auch der MSCI World ist völlig in Ordnung. Der Unterschied in der Performance ist langfristig nicht riesig. Wichtiger als die Wahl zwischen diesen drei ist, dass du überhaupt anfängst und langfristig dabei bleibst.
Lia: Okay, das beruhigt mich. Die Wahl ist nicht so kritisch. solange es ein breit gestreuter Weltindex ist. Maik, es gibt ja mehrere ETFs auf den gleichen Index. Zum Beispiel verschiedene MSCI World ETFs. Wie wähle ich zwischen denen?
Maik Marx: Genau, das ist der nächste Schritt. Wenn du dich für einen Index entschieden hast, gibt es oft 10 oder 20 verschiedene ETFs, die diesen Index abbilden. Von verschiedenen Anbietern wie iShares, X-Trackers, Lyxor, Amundi, Vanguard. Jetzt kommen die objektiven Auswahlkriterien ins Spiel. Die wichtigsten sind Kosten, Fondsvolumen, Fondsalter, Replikationsmethode und Ertragsverwendung.
Lia: Das sind viele Kriterien. Lass uns die einzeln durchgehen. Erstens Kosten. Worauf muss ich achten?
Maik Marx: Die Kosten eines ETFs werden als TER angegeben, Total Expense Ratio, also Gesamtkostenquote. Das sind die jährlichen laufenden Kosten in Prozent. Ein MSCI World ETF sollte eine TR von maximal 0,3% haben, besser noch 0,2% oder weniger. Es gibt ETFs mit 0,12% und ETFs mit 0,5%. Wähle immer den günstigeren, wenn die anderen Kriterien ähnlich sind. Wie wir in der letzten Folge gelernt haben, machen niedrige Kosten über die Jahre einen riesigen Unterschied.
Lia: Okay, Tear unter 0,3 Prozent, besser unter 0,2 Prozent. Zweitens. Fondsvolumen. Was ist das und warum ist es wichtig?
Maik Marx: Das Fondsvolumen ist die Gesamtsumme aller Gelder, die in den ETF investiert sind. Ein ETF mit 5 Billion Euro Fondsvolumen ist viel größer als einer mit 50 Million Euro. Warum ist das wichtig? 1. Große ETFs sind liquider. Das heißt, du kannst sie jederzeit problemlos kaufen und verkaufen. 2. Große ETFs sind wirtschaftlicher für die Fondsgesellschaft und es ist unwahrscheinlicher, dass sie geschlossen werden. Wenn ein kleiner ETF geschlossen wird, ist das kein Weltuntergang, du bekommst dein Geld zurück. Aber es ist umständlich. Als Faustregel gilt, wähle einen ETF mit mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen. Besser noch 500 Millionen oder mehr.
Lia: Verstehe. Mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen. 3. Fondalter. Warum ist das wichtig?
Maik Marx: Ein ETF sollte mindestens ein Jahr alt sein, besser älter. Warum? Weil sehr junge ETFs noch nicht bewiesen haben, dass sie den Index gut nachbilden. Außerdem haben sie oft noch ein kleines Fondsvolumen und könnten geschlossen werden, wenn sie nicht genug Anleger anziehen. ETFs, die schon 5 oder 10 Jahre existieren, sind erprobt und stabil.
Lia: Okay, mindestens ein Jahr alt, besser älter. Viertens, Replikationsmethode. Was ist das?
Maik Marx: Die Replikationsmethode beschreibt, wie der ETF den Index nachbildet. Es gibt zwei Hauptmethoden, physische Replikation und synthetische Replikation. Bei physischer Replikation kauft der ETF tatsächlich die Aktien, die im Index enthalten sind. Das ist transparent und einfach zu verstehen. Bei synthetischer Replikation kauft der ETF andere Wertpapiere und tauscht deren Rendite über ein Swap-Geschäft gegen die Rendite des Index. Das klingt kompliziert und ist es auch. Für Anfänger empfehle ich physisch replizierende ETFs, weil sie transparenter und einfacher sind.
Lia: Physisch ist also besser für Anfänger. Wie erkenne ich, ob ein ETF physisch oder synthetisch ist?
Maik Marx: Das steht in den Produktinformationen des ETFs. Oft steht im Namen auch Physical oder Swap. Physische ETFs haben oft Physical im Namen oder gar nichts Besonderes. Synthetische ETFs haben oft Swap im Namen. Auf Vergleichsportalen wie JustETF oder ExtraETF kannst du nach Replikationsmethode filtern.
Lia: Super, das ist hilfreich. Fünftens, Ertragsverwendung. Das hatten wir schon kurz in der letzten Folge. Tesaurierend oder ausschüttend richtig?
Maik Marx: Genau. Tesaurierende ETFs legen die Dividenden automatisch wieder an. Ausschüttende ETFs zahlen die Dividenden an dich aus. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind tesaurierende ETFs besser, weil der Zinseszinseffekt stärker wirkt. Im Namen steht oft AXS für Accumulating, also Thesaurierend, oder DIST für Distributing, also Ausschüttend.
Lia: Okay, für Vermögensaufbau Thesaurierend, also AXS-XS. Maik, gibt es noch andere Kriterien?
Maik Marx: Ja, es gibt noch ein paar. Die Tracking Difference ist interessant. Das ist die Abweichung zwischen der Wertentwicklung des ETFs und der Wertentwicklung des Index. Idealerweise sollte der ETF genauso gut performen wie der Index. In der Realität gibt es kleine Abweichungen, weil der ETF Kosten hat. Ein guter ETF hat eine Tracking Difference nahe der TER. Wenn die TER 0,2% ist, sollte die Tracking Difference auch etwa 0,2% sein. Wenn sie deutlich höher ist, bildet der ETF den Index nicht gut nach.
Lia: Tracking Difference sollte also nah an der TER sein. Wie finde ich diese Information?
Maik Marx: Auf Vergleichsportalen wie JustETF oder ExtraETF wird die Tracking Difference oft angezeigt. Aber ehrlich gesagt, für Anfänger ist das ein fortgeschrittenes Kriterium. Wenn du dich an große, etablierte ETFs von bekannten Anbietern hältst, ist die Tracking Difference in der Regel gut.
Lia: Okay, das ist ein nice to have, aber nicht kritisch. Maik, lass uns das zusammenfassen. Welche Kriterien sind wirklich wichtig?
Maik Marx: Die wichtigsten Kriterien sind 1. Wähle einen breit gestreuten Weltindex wie MSCI World, FDSE All World oder MSCI Acquie. 2. Achte auf niedrige Kosten, TER, unter 0,3%. 3. Wähle einen ETF mit mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen. 4. Wähle einen ETF, der mindestens ein Jahr alt ist. 5. Bevorzuge physisch replizierende ETFs 6. Für Vermögensaufbau wähle thesaurierende ETFs. Wenn du diese sechs Kriterien beachtest, kannst du nichts falsch machen.
Lia: Das ist eine klare Checkliste. Maik, kannst du mir ein konkretes Beispiel geben? Welcher ETF erfüllt all diese Kriterien?
Maik Marx: Sehr gerne. Ein sehr beliebter ETF ist der iShares Core MSCI World UCETS ETF USD ACE. Er bildet den MSCI World Index ab, hat eine TER von 0,20%, ein Fondsvolumen von über 70 Milliarden Euro, existiert seit 2009, ist physisch replizierend und thesaurierend. Die ISIN ist IE00B4L5983. Das ist einer der größten und beliebtesten ETFs weltweit. Ein anderes Beispiel ist der X-Trackers MSCI World UCTS ETF 1C mit einer TER von 0,19%. Oder für den FTSE All World, der Vanguard FTSE All World UCATS ETF USD AC mit einer TER von 0,22%. Alle drei sind hervorragende Wahl.
Lia: Das sind konkrete Namen, die ich mir merken kann. Maik, wo finde ich diese Informationen? Wie vergleiche ich ETFs?
Maik Marx: Es gibt sehr gute kostenlose Vergleichsportale. Die bekanntesten sind JustETF und ExtraETF. Dort kannst du nach Index suchen, zum Beispiel MSCI World, und bekommst eine Liste aller ETFs auf diesen Index. Dann kannst du nach Kosten, Fondsvolumen, Replikationsmethode und Ertragsverwendung filtern und sortieren. Du siehst auch die Tracking Difference, die historische Performance und viele andere Details. Diese Portale sind extrem hilfreich.
Lia: Super. Just TF und Extra ETF. Maik, was würdest du jemandem sagen, der jetzt denkt, das ist immer noch zu kompliziert? Ich weiß nicht, welchen ich wählen soll.
Maik Marx: Ich würde sagen, nimm einfach einen der drei ETFs, die ich gerade genannt habe. Der iShares Core MSCI World, der X-Trackers MSCI World oder der Vanguard FTSC All World. Alle drei sind erstklassig. Du kannst nichts falsch machen. Der Unterschied zwischen ihnen ist so minimal, dass es langfristig kaum eine Rolle spielt. Viel wichtiger ist, dass du anfängst und regelmäßig investierst. Perfektionismus ist der Feind des Fortschritts.
Lia: Das ist ein wichtiger Punkt. Einfach anfangen ist wichtiger, als den perfekten ETF zu finden. Maik, sollte ich in einen ETF investieren oder in mehrere?
Maik Marx: Für Anfänger reicht ein einziger breit gestreuter Welt-ETF völlig aus. Der FTSE All World oder MSCI Agway enthält schon über 3.000 oder 4.000 Unternehmen weltweit. Das ist extrem breit gestreut. Du brauchst nicht fünf verschiedene ETFs. Wenn du später mehr Erfahrung hast, kannst du überlegen, ob du zusätzlich in Schwellenländer, Small Caps oder bestimmte Branchen investieren willst. Aber am Anfang gilt, keep it simple, ein ETF reicht.
Lia: Ein ETF reicht. Das ist beruhigend. Maik, was ist mit Sparplan versus Einmalanlage? Sollte ich monatlich investieren oder einmal eine große Summe?
Maik Marx: Für die meisten Menschen ist ein monatlicher Sparplan die beste Wahl. Warum? Erstens, du investierst regelmäßig und automatisch, ohne darüber nachdenken zu müssen. Zweitens, du profitierst vom Cost-Average-Effekt. Wenn die Kurse hoch sind, kaufst du weniger Anteile. Wenn die Kurse niedrig sind, kaufst du mehr Anteile. Langfristig glättet das die Schwankungen. Drittens, du musst nicht den perfekten Einstiegszeitpunkt finden. Market Timing funktioniert nicht. Wenn du eine große Summe hast, zum Beispiel 10.000 Euro, könntest du sie auch auf einmal investieren. Studien zeigen, dass das langfristig oft besser ist, als gestaffelt zu investieren, weil der Markt langfristig steigt. Aber psychologisch ist es für viele Menschen einfacher, gestaffelt zu investieren.
Lia: Cost-Average-Effekt und psychologische Erleichterung. Das macht Sinn. Maik, vielen Dank für diese klare Anleitung zur ETF-Auswahl. Ich fühle mich jetzt wirklich bereit, meinen ersten ETF auszuwählen und einen Sparplan einzurichten.
Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. Die ETF-Auswahl ist wirklich nicht so kompliziert, wie viele denken. Mit den richtigen Kriterien und ein bisschen Recherche findest du schnell einen hervorragenden ETF.
Lia: Absolut. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, jetzt habt ihr alle Werkzeuge, um euren ersten ETF auszuwählen. Geht auf Just ETF oder Extra ETF, filtert nach den Kriterien, die wir besprochen haben, und wählt einen ETF. Und dann richtet einen Sparplan ein und fangt an. In unserer nächsten Folge sprechen wir über Einzelaktien. Wann machen sie Sinn und wie wählt man sie aus? Seid also unbedingt wieder dabei.
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