ETFs einfach erklärt: Warum börsengehandelte Indexfonds so beliebt sind
In der elften Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast, tauchen Lia und Finanzexperte Maik Marx endlich in die Welt der ETFs ein. ETFs, die börsengehandelten Indexfonds, haben die Geldanlage demokratisiert und ermöglichen es jedem, mit kleinen Beträgen breit gestreut in die Weltwirtschaft zu investieren. Du erfährst, was ETFs sind, wie sie funktionieren, warum sie so günstig sind und wie du deinen ersten Sparplan einrichtest.
Was bedeutet ETF überhaupt?
ETF steht für Exchange Traded Fund, auf Deutsch börsengehandelter Indexfonds. In diesem einen Begriff stecken drei wichtige Informationen. Erstens ist es ein Fonds, also eine Sammlung vieler Wertpapiere. Zweitens bildet er einen Index ab, zum Beispiel den DAX oder den MSCI World. Und drittens wird er an der Börse gehandelt wie eine Aktie, sodass du ihn während der Börsenöffnungszeiten jederzeit kaufen und verkaufen kannst. Maik bringt es auf den Punkt: Ein ETF ist kein exotisches Spezialprodukt, sondern ein einfaches, transparentes Werkzeug, mit dem du auf einen Schlag in Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen investierst. Die wichtigsten Bausteine dazu findest du kompakt erklärt in unserem Wissensbereich.
Fonds, Index und der Aha-Effekt
Ein Fonds ist wie ein großer Topf, in den viele Anleger ihr Geld einzahlen. Dieses Geld kauft verschiedene Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe. Kaufst du einen Anteil am Fonds, gehört dir ein kleiner Teil von allem darin. So investierst du mit einem einzigen Kauf breit gestreut, statt jede Aktie einzeln kaufen zu müssen. Ein Index wiederum ist eine Liste von Wertpapieren, die einen Markt abbildet. Der DAX enthält die 40 größten deutschen Unternehmen, der S&P 500 die 500 größten US-Konzerne und der MSCI World über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Ein ETF kauft nun genau diese Aktien in genau dieser Gewichtung und bildet so die Entwicklung des Index eins zu eins ab.
Passiv schlägt aktiv: das stärkste Argument
Ein ETF versucht nicht, besser zu sein als der Markt, sondern einfach mitzuhalten. Das nennt man passives Investieren. Das Gegenteil sind aktiv verwaltete Fonds, bei denen ein Fondsmanager durch geschickte Auswahl den Markt schlagen will. Das klingt zunächst attraktiv, hat aber zwei Haken. Erstens schaffen es laut Studien über 80 bis 90 Prozent der aktiven Fonds langfristig nicht, ihren Vergleichsindex zu übertreffen. Zweitens sind aktive Fonds deutlich teurer, weil das Management bezahlt werden muss, und diese Kosten fressen die Rendite auf. Wer die Marktrendite passiv mitnimmt, steht am Ende meist besser da als jemand, der auf den vermeintlich klugen Stockpicker setzt. Wie sich verschiedene Anlageformen über die Zeit entwickeln, kannst du in der Anlage-Übersicht nachvollziehen.
Warum niedrige Kosten alles verändern
Die laufenden Kosten eines ETFs, die sogenannte TER (Total Expense Ratio), liegen oft zwischen 0,1 und 0,5 Prozent pro Jahr. Ein MSCI World ETF kostet häufig nur 0,2 Prozent. Aktive Fonds verlangen dagegen oft 1,5 bis 2,5 Prozent jährlich. Der Unterschied wirkt winzig, entfaltet über Jahrzehnte aber eine enorme Hebelwirkung, weil die gesparten Kosten Jahr für Jahr mitwachsen und vom Zinseszins profitieren. Genau hier entscheidet sich ein großer Teil deines späteren Vermögens, ganz ohne dass du mehr sparen oder mehr Risiko eingehen müsstest. Mit unseren Rechnern kannst du selbst durchspielen, wie stark sich unterschiedliche Kostensätze über die Jahre auf dein Endvermögen auswirken.
MSCI World, FTSE All-World und Co.
ETFs gibt es in vielen Varianten: Aktien-, Anleihen-, Immobilien- und Rohstoff-ETFs sowie thematische ETFs für Branchen wie Technologie oder erneuerbare Energien. Für Einsteiger empfiehlt Maik aber klar breit gestreute Welt-ETFs. Der MSCI World enthält über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern, jedoch keine Schwellenländer. Der FTSE All-World deckt mit über 4.000 Unternehmen Industrie- und Schwellenländer ab und ist damit noch breiter aufgestellt. Auch der MSCI ACWI (All Country World Index) bezieht Schwellenländer ein. Welchen dieser drei du wählst, ist fast zweitrangig: Alle bilden die Weltwirtschaft breit gestreut ab und eignen sich hervorragend als Basisinvestment. Welcher Anbieter und welche Variante zu dir passt, zeigt dir unser Vergleich.
Du investierst 30 Jahre lang 300 € monatlich bei 7 % Rendite. Bei einem günstigen ETF mit 0,2 % laufenden Kosten landest du bei rund 360.000 €. Bei einem teuren aktiven Fonds mit 2 % Kosten bleiben nur etwa 260.000 € übrig. Allein die Kostendifferenz kostet dich rund 100.000 € – Geld, das still und leise in fremde Taschen wandert.
So kaufst du deinen ersten ETF
Um einen ETF zu kaufen, brauchst du ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Anbieter wie Trade Republic, Scalable Capital oder ING sind oft besonders günstig. Im Depot suchst du den ETF über seinen Namen oder die ISIN, gibst die Stückzahl oder den Betrag ein und kaufst. Das ist kaum komplizierter als Online-Shopping. Noch entspannter ist ein Sparplan: Du legst einmal fest, dass jeden Monat automatisch ein fester Betrag, etwa 100 Euro, in den ETF fließt. Oft geht das schon ab 25 Euro im Monat. So baust du diszipliniert und ohne emotionales Timing Vermögen auf. Begriffe wie ISIN, TER oder Thesaurierung erklärt dir bei Bedarf unser Finanzlexikon.
Thesaurierend oder ausschüttend?
Wenn Unternehmen Gewinne machen, zahlen sie oft Dividenden, die auch im ETF landen. Hier scheiden sich zwei Typen. Bei einem ausschüttenden ETF werden diese Dividenden an dich ausgezahlt, etwa vierteljährlich oder jährlich, und du kannst das Geld ausgeben oder neu anlegen. Bei einem thesaurierenden ETF werden die Dividenden automatisch wieder im Fonds angelegt, sodass dein Anteil von allein wächst. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind thesaurierende ETFs meist die bessere Wahl, weil der Zinseszinseffekt ungebremst wirkt. Wer dagegen regelmäßige Einnahmen möchte, etwa im Ruhestand, ist mit ausschüttenden ETFs gut bedient. Beide Varianten sind solide, es geht nur darum, was besser zu deinem Ziel passt.
Die häufigsten Bedenken entkräftet
Viele Einsteiger haben Angst, ausgerechnet den falschen ETF zu erwischen. Maik beruhigt: Wer sich an breit gestreute Welt-ETFs hält, kann kaum etwas falsch machen, denn ein MSCI World von einem Anbieter unterscheidet sich kaum von dem eines anderen. Achte auf eine niedrige TER unter 0,3 Prozent und ein Fondsvolumen von mindestens 100 Millionen Euro, dann ist der ETF ausreichend groß und stabil. Natürlich schwankt auch ein ETF mit dem Markt, und du bekommst die Marktrendite, nicht mehr. Aber genau das ist langfristig der zuverlässigste Weg. Wer unabhängige, verkaufsfreie Informationen sucht, findet sie bei der Verbraucherzentrale, beim Portal Finanztip und bei der Deutschen Bundesbank.
Dein erster Schritt: einfach anfangen
Der größte Fehler ist nicht der falsche ETF, sondern gar nicht erst anzufangen, weil man auf den perfekten Moment oder das perfekte Produkt wartet. Perfekt ist hier der Feind von gut. Mit einem breit gestreuten Welt-ETF, niedrigen Kosten und einem automatischen Sparplan hast du alle Zutaten für einen soliden Vermögensaufbau bereits in der Hand. Schon kleine monatliche Beträge bringen über die Jahre dank Zinseszins erstaunlich viel. Wenn du dir eine ehrliche, persönliche Einschätzung wünschst, kannst du jederzeit ein kostenloses Erstgespräch mit Maik buchen, ganz ohne Provisionsdruck und Verkaufsgespräch.
Fazit: Einfach, günstig, effektiv
ETFs sind eines der besten Werkzeuge für den langfristigen Vermögensaufbau: breit gestreut, transparent, flexibel und vor allem günstig. Sie nehmen dir die Qual der Aktienauswahl ab und lassen den Markt für dich arbeiten. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und richte deinen ersten ETF-Sparplan ein. In der nächsten Folge zeigen Lia und Maik dir, wie du aus der großen Auswahl den richtigen ETF für deine Situation findest und worauf es bei den Auswahlkriterien wirklich ankommt.
Shownotes zu dieser Folge +
In der elften Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast tauchen Lia und Finanzexperte Maik Marx endlich in die Welt der ETFs ein! Exchange Traded Funds haben die Geldanlage revolutioniert und ermöglichen es jedem, mit kleinen Beträgen breit gestreut in die Weltwirtschaft zu investieren.
Erfahre, was ETF bedeutet (Exchange Traded Fund = börsengehandelter Indexfonds) und wie ETFs funktionieren. Maik erklärt den Unterschied zwischen passivem und aktivem Investieren und zeigt dir, warum 80-90% der aktiven Fonds schlechter abschneiden als der Index. Du lernst, warum niedrige Kosten so wichtig sind: 0,2% vs. 2% Kosten = 100.000€ Unterschied nach 30 Jahren!
Du erfährst die 7 Vorteile von ETFs (Diversifikation, niedrige Kosten, Transparenz, Flexibilität, keine Mindestanlage, gute Rendite, Einfachheit), lernst die wichtigsten Welt-Indizes kennen (MSCI World, FTSE All-World, MSCI ACWI) und verstehst den Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs. Mit praktischen Tipps zum ETF-Kauf und Sparplan-Einrichtung bist du bereit für deinen ersten ETF!
- ✓ Was ETF bedeutet: Exchange Traded Fund (börsengehandelter Indexfonds)
- ✓ Was ein Fonds, ein Index und passives Investieren ist
- ✓ Warum 80-90% der aktiven Fonds schlechter sind als der Index
- ✓ Kostenvergleich: 0,2% vs. 2% = 100.000€ Unterschied nach 30 Jahren!
- ✓ Die wichtigsten Welt-Indizes: MSCI World, FTSE All-World, MSCI ACWI
- ✓ Wie du einen ETF kaufst und einen Sparplan einrichtest
- ✓ Die 7 Vorteile von ETFs im Detail
- ✓ Thesaurierend vs. ausschüttend: Was passt zu dir?
- ✓ Worauf achten: TER unter 0,3%, Fondsvolumen über 100 Mio. € ⏰
- ✓ Warum Anfangen wichtiger ist als der perfekte ETF
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Herzlich willkommen zurück bei Finanzpost.de, der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Ich bin Lia und ich freue mich riesig, dass du auch heute wieder dabei bist. In den letzten Folgen haben wir viel über die Grundlagen des Investierens gesprochen. Inflation, Zinseszins, Risiko und Rendite. Heute kommen wir endlich zu einem konkreten Anlageprodukt, das defizit... Das wir schon mehrfach erwähnt haben. ETFs. ETFs sind in den letzten Jahren unglaublich beliebt geworden. Und das aus gutem Grund. Und natürlich ist wieder mein Finanzexperte an meiner Seite, der mir alles über ETFs erklären wird. Herzlich willkommen, Maik Marx.
Maik Marx: Danke, Lia. ETFs sind wirklich eines der besten Finanzprodukte, die je erfunden wurden. Sie haben die Geldanlage demokratisiert und ermöglichen es jedem, mit kleinen Beträgen breit gestreut in die Weltwirtschaft zu investieren. Heute wollen wir verstehen, was ETFs sind, wie sie funktionieren und warum sie so beliebt sind.
Lia: Das klingt vielversprechend. Maik, fangen wir ganz am Anfang an. Was bedeutet ETF?
Maik Marx: ETF steht für Exchange Traded Fund, auf Deutsch Börsengehandelter Indexfonds. Das sind drei wichtige Informationen in einem Wort. Erstens, es ist ein Fonds, also eine Sammlung von Wertpapieren. Zweitens, er bildet einen Index ab, zum Beispiel den DAX oder den MSCI World. Und drittens, er wird an der Börse gehandelt wie eine Aktie. Du kannst ihn jederzeit während der Börsenöffnungszeiten kaufen und verkaufen.
Lia: Okay, ein börsengehandelter Indexfonds. Lass uns das Schritt für Schritt aufdröseln. Was ist ein Fonds?
Maik Marx: Ein Fonds ist wie ein großer Topf, in den viele Anleger ihr Geld einzahlen. Dieses Geld wird dann verwendet, um verschiedene Wertpapiere zu kaufen. Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe. Wenn du einen Anteil an einem Fonds kaufst, gehört dir ein kleiner Teil von all diesen Wertpapieren. Der Vorteil ist, dass du mit einem einzigen Kauf in viele verschiedene Wertpapiere investieren kannst, statt jedes einzeln kaufen zu müssen. Das nennt man Diversifikation und wir haben in der letzten Folge gelernt, wie wichtig das ist.
Lia: Verstehe. Ein Fonds ist eine Sammlung von Wertpapieren und ich kaufe einen Anteil daran. Was ist dann ein Index?
Maik Marx: Ein Index ist eine Liste von Wertpapieren, die einen bestimmten Markt oder eine bestimmte Branche repräsentieren. Der bekannteste deutsche Index ist der DAX, der die 40 größten deutschen Unternehmen enthält. Der bekannteste amerikanische Index ist der S&P 500, der die 500 größten US-Unternehmen enthält. Und der bekannteste weltweite Index ist der MSCI World, der über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern enthält. Ein Index ist wie ein Maßstab für die Entwicklung eines Marktes. Wenn der DAX steigt, bedeutet das, dass die deutschen Aktien im Durchschnitt gestiegen sind.
Lia: Okay, ein Index ist eine Liste von Unternehmen, die einen Markt repräsentieren. Und ein ETF bildet diesen Index ab. Was bedeutet das genau?
Maik Marx: Das bedeutet, der ETF kauft genau die Aktien, die im Index enthalten sind, in der gleichen Gewichtung. Wenn der DAX 40 Unternehmen enthält und SAP 10% des Index ausmacht, dann sind auch 10% des DAX ETFs SAP Aktien. Der ETF versucht nicht besser zu sein als der Index, sondern einfach die gleiche Entwicklung zu haben. Wenn der DAX um 5% steigt, steigt auch der DAX-ETF um etwa 5%. Das nennt man passive Verwaltung oder passives Investieren.
Lia: Ah, passivs Investieren. Der ETF versucht nicht, den Markt zu schlagen, sondern einfach mitzuhalten. Was ist das Gegenteil davon?
Maik Marx: Das Gegenteil ist aktives Investieren. Bei aktiv verwalteten Fonds versucht ein Fondsmanager durch geschickte Auswahl von Aktien besser abzuschneiden als der Markt. Er kauft Aktien, von denen er glaubt, dass sie steigen werden. Und verkauft Aktien, von denen er glaubt, dass sie fallen werden. Das klingt erstmal gut, aber es gibt zwei Probleme. Erstens, die meisten aktiven Fondsmanager schaffen es langfristig nicht, besser zu sein als der Markt. Studien zeigen, dass über 80 bis 90 Prozent der aktiven Fonds schlechter abschneiden als ihr Vergleichsindex. Zweitens, aktive Fonds sind viel teurer, weil der Fondsmanager bezahlt werden muss. Diese hohen Kosten fressen die Rendite auf.
Lia: Wow. IT bis 90% der aktiven Fonds sind schlechter als der Index. Das ist ein starkes Argument für passive ETFs. Wie viel günstiger sind ETFs?
Maik Marx: ETFs sind deutlich günstiger. Die laufenden Kosten eines ETFs, die sogenannte TER, Total Expense Ratio, liegen oft zwischen 0,1 und 0,5% pro Jahr. Ein MSCI World ETF kostet zum Beispiel oft nur 0,2% pro Jahr. Aktive Fonds kosten oft 1,5 bis 2,5% pro Jahr, manchmal sogar mehr. Der Unterschied klingt klein, aber über die Jahre macht er einen riesigen Unterschied. Wenn du 30 Jahre lang 30.0 Euro monatlich investierst und 7% Rendite erzielst, hast du bei 0,2% Kosten am Ende etwa 360.000 Euro. Bei 2% Kosten hast du nur etwa 260.000 Euro. Das sind 100.000 Euro Unterschied. Nur wegen der Kosten.
Lia: 100.000 Euro Unterschied. Das ist gewaltig. Niedrige Kosten sind also extrem wichtig. Maik, wie funktioniert ein ETF technisch? Wer erstellt ihn?
Maik Marx: ETFs werden von großen Fondsgesellschaften erstellt. Zum Beispiel iShares von BlackRock, X-Trackers von DWS, Vanguard, Amundi, Luxor. Diese Gesellschaften kaufen die Aktien, die im Index enthalten sind und geben dann ETF-Anteile aus, die diese Aktien repräsentieren. Wenn viele Menschen den ETF kaufen wollen, gibt die Gesellschaft mehr Anteile aus und kauft mehr Aktien. Wenn viele verkaufen wollen, werden Anteile zurückgenommen und Aktien verkauft. Das funktioniert automatisch über sogenannte Market Maker, die dafür sorgen, dass der ETF-Preis immer nah am Wert der enthaltenen Aktien bleibt.
Lia: Das klingt komplex, aber im Prinzip kauft die Fondsgesellschaft die Aktien. Und ich kaufe einen Anteil daran. Maik, welche Arten von ETFs gibt es?
Maik Marx: Es gibt viele verschiedene Arten. Die häufigsten sind Aktien-ETFs, die einen Aktienindex abbilden. Dann gibt es Anleihen-ETFs, die in Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen investieren. Immobilien-ETFs, die in Rates investieren. Rohstoff-ETFs, die in Gold, Öl oder andere Rohstoffe investieren. Und es gibt auch thematische ETFs, die in bestimmte Branchen oder Trends investieren, zum Beispiel Technologie, erneuerbare Energien oder künstliche Intelligenz. Für Anfänger empfehle ich aber breit gestreute Aktien-ETFs wie den MSCI World oder den FTSE All World.
Lia: MSCI World und FTSE All World, die hast du schon mehrfach erwähnt. Was ist der Unterschied?
Maik Marx: Beide sind sehr ähnlich. Der MSCI World enthält über 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Aber keine Schwellenländer. Der FDSE All World enthält über 4000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Damit ist der FDSE All World noch breiter gestreut. Beide sind hervorragende Basis-Investments. Ein dritter beliebter Index ist der MSCI ACQUI All Country World Index, der auch Schwellenländer enthält. Welchen du wählst, ist fast egal. Alle drei sind breit gestreut und bilden die Weltwirtschaft ab.
Lia: Okay, für Anfänger sind MSCI World, FTSE All World oder MSCI ACQUI die besten Optionen. Maik, wie kaufe ich einen ETF?
Maik Marx: Du brauchst ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Viele Banken bieten Depots an, aber Online-Broker wie Trade Republic, Scalable Capital oder ING sind oft günstiger. Sobald du ein Depot hast, suchst du nach dem gewünschten ETF, zum Beispiel über die ISIN, die internationale Wertpapierkennnummer, oder über den Namen. Dann gibst du an, wie viele Anteile du kaufen möchtest oder wie viel Geld du investieren willst und kaufst. Das ist nicht komplizierter als Online-Shopping. Noch einfacher ist ein Sparplan. Du legst fest, dass jeden Monat automatisch ein bestimmter Betrag, zum Beispiel 100 Euro, in den ETF investiert wird. Das ist die beste Methode für langfristigen Vermögensaufbau.
Lia: Ein Sparplan klingt super praktisch. Einfach einmal einrichten und dann läuft es automatisch. Maik, was sind die Vorteile von ETFs? Lass uns das nochmal zusammenfassen.
Maik Marx: Sehr gerne. Erstens, breite Diversifikation. Mit einem einzigen ETF investierst du in hunderte oder tausende Unternehmen. Zweitens, niedrige Kosten. ETFs sind viel günstiger als aktive Fonds. Drittens, Transparenz. Du weißt jederzeit, welche Aktien im ETF enthalten sind. Viertens, Flexibilität. Du kannst jederzeit kaufen und verkaufen. Fünftens, keine Mindestanlage. Du kannst mit kleinen Beträgen anfangen, oft schon ab 25 Euro im Monat. Sechstens, langfristig gute Rendite. ETFs bilden den Markt ab und der Markt ist langfristig gestiegen. Und siebtens, einfach. Du musst keine Aktien auswählen, kein Timing betreiben. Du kaufst einfach den Markt.
Lia: Das sind wirklich überzeugende Vorteile. Gibt es auch Nachteile?
Maik Marx: Ja, aber sie sind überschaubar. Erstens, ETFs schwanken mit dem Markt. Wenn der Markt fällt, fällt auch dein ETF. Das ist kein Nachteil, sondern einfach die Realität des Investierens. Zweitens, du kannst nicht besser sein als der Markt. Du bekommst die Marktrendite nicht mehr. Aber wie wir gelernt haben, schaffen es die meisten aktiven Fonds ohnehin nicht, besser zu sein. Drittens, es gibt so viele ETFs, dass die Auswahl überwältigend sein kann. Aber wenn du dich auf breit gestreute Welt-ETFs konzentrierst, ist die Auswahl einfach.
Lia: Die Nachteile sind also überschaubar. Maik, was ist der Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs?
Maik Marx: Das ist eine wichtige Frage. Wenn Unternehmen Gewinne machen, zahlen sie oft Dividenden an ihre Aktionäre. Diese Dividenden fließen auch in den ETF. Bei einem ausschüttenden ETF werden diese Dividenden an dich ausgezahlt. Zum Beispiel vierteljährlich oder jährlich. Du bekommst das Geld auf dein Konto und kannst es ausgeben oder reinvestieren. Bei einem thesaurierenden ETF werden die Dividenden automatisch wieder im ETF angelegt. Du bekommst kein Geld ausgezahlt, aber dein ETF-Anteil wächst. Für den langfristigen Vermögensaufbau sind thesaurierende ETFs besser, weil der Zinseszinseffekt stärker wirkt. Für Menschen, die regelmäßige Einnahmen wollen, zum Beispiel im Ruhestand, sind ausschüttende ETFs besser.
Lia: Verstehe. Thesaurierend für Wachstum, ausschüttend für Einkommen. Maik, was würdest du jemandem sagen, der jetzt denkt, ETFs klingen gut, aber ich habe Angst, dass ich den Falschen auswähle?
Maik Marx: Ich würde sagen, es ist fast unmöglich, den Falschen zu wählen, wenn du dich an breit gestreute Welt-ETFs hältst. Ein MSCI World ETF von iShares ist nicht wesentlich anders als ein MSCI World ETF von X-Trackers. Achte auf niedrige Kosten, also eine TR unter 0,3% und darauf, dass der ETF groß genug ist, also mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen. Und dann fang einfach an. Der größte Fehler ist, gar nicht anzufangen, weil man Angst hat, einen Fehler zu machen.
Lia: Das ist ein wichtiger Punkt. Perfekt ist der Feind von gut. Einfach anfangen ist wichtiger, als den perfekten ETF zu finden. Maik, vielen Dank für diese klare und verständliche Erklärung von ETFs. Ich fühle mich jetzt bereit, meinen ersten ETF-Sparplan einzurichten.
Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. ETFs sind wirklich ein fantastisches Werkzeug für den Vermögensaufbau. Einfach, günstig, transparent und effektiv.
Lia: Absolut. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn ihr noch keinen ETF-Sparplan habt, dann ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, damit anzufangen. In unserer nächsten Folge sprechen wir darüber, wie du den richtigen ETF auswählst und worauf du achten musst. Wir werden uns verschiedene Indizes anschauen und die wichtigsten Auswahlkriterien besprechen. Seid also unbedingt wieder dabei.
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