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Folge 10 ·17:02 ·27. Jan. 2026

Risiko und Rendite - Der Zusammenhang erklärt

⚖️ Höhere Rendite = Höheres Risiko - Das musst du wissen!

Risiko und Rendite: Warum beides untrennbar zusammengehört

In dieser Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast, nehmen dich Lia und Finanzexperte Maik Marx mit zu einem der wichtigsten Prinzipien der Geldanlage: dem Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite. Du erfährst, warum höhere Renditechancen immer mit höherem Risiko erkauft werden, was die Risikoprämie damit zu tun hat und wie du herausfindest, welcher Anlegertyp du bist. Außerdem klären wir, warum selbst das vermeintlich sichere Tagesgeldkonto ein Risiko birgt. So triffst du künftig bewusstere Anlageentscheidungen.

Rendite: der Lohn fürs Investieren

Maik startet mit der Grundlage: Rendite ist der Gewinn, den du mit einer Anlage erzielst, ausgedrückt als Prozentsatz deines eingesetzten Kapitals. Legst du 1.000 Euro an und hast nach einem Jahr 1.070 Euro, sind das 70 Euro Gewinn und damit 7 Prozent Rendite. Diese Erträge stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen: Zinsen bei Anleihen, Dividenden bei Aktien, Kursgewinne bei ETFs oder Mieteinnahmen bei Immobilien. Rendite ist im Kern das, was dein Geld für dich arbeiten lässt. Welche Anlageform welche Renditen liefert, kannst du in unserer Anlage-Übersicht nachvollziehen.

Risiko bedeutet Unsicherheit, nicht Verlust

Risiko ist die Unsicherheit darüber, wie sich deine Anlage entwickelt, also die Möglichkeit, dass du weniger Rendite bekommst als erhofft oder Geld verlierst. Gemessen wird es oft als Volatilität, der Schwankungsbreite der Kurse: Hohe Volatilität bedeutet starke Ausschläge nach oben und unten, niedrige einen ruhigeren Verlauf. Wichtig ist Maiks Klarstellung: Risiko bedeutet nicht automatisch Verlust, sondern Unsicherheit. Genau diese Unsicherheit ist der Preis, den du für die Chance auf höhere Renditen zahlst. Wer das verinnerlicht, gerät bei Kursschwankungen seltener in Panik.

Risiko und Rendite stehen immer in einem Gleichgewicht.

Das Risiko-Rendite-Prinzip

Hier liegt der Kern der Folge: Je höher das Risiko, desto höher die potenzielle Rendite, und je niedriger das Risiko, desto niedriger die Rendite. Das ist das Risiko-Rendite-Prinzip. Eine sehr sichere Anlage wie ein Tagesgeldkonto oder eine Bundesanleihe bringt nur eine niedrige Rendite, vielleicht 1 bis 3 Prozent. Eine riskantere Anlage wie Aktien bietet die Chance auf deutlich mehr, vielleicht 7 bis 10 Prozent, aber eben auch das Risiko fallender Kurse. Maik bringt es auf den Punkt: Es gibt kein Free Lunch. Hohe Renditen ohne Risiko gibt es nicht, und wer dir das verspricht, ist unseriös. Seriöse, neutrale Grundlagen dazu liefert die Deutsche Bundesbank.

Die Risikoprämie: warum es sich lohnt

Warum bekommst du für mehr Risiko überhaupt mehr Rendite? Weil Anleger dafür entschädigt werden wollen. Maik stellt die entscheidende Frage: Würdest du eine schwankende Aktie wählen, wenn sie dieselbe Rendite brächte wie das sichere Tagesgeldkonto? Natürlich nicht, du nimmst das sichere Konto. Damit Menschen trotzdem in Aktien investieren, muss die erwartete Rendite höher liegen als bei sicheren Anlagen. Genau dieser zusätzliche Gewinn ist die Risikoprämie, deine Belohnung dafür, dass du Unsicherheit aushältst. Sie ist der Grund, warum sich Investieren über lange Zeiträume auszahlt.

Waage im Gleichgewicht mit Risiko auf der einen und Rendite auf der anderen Seite
Je mehr Risiko, desto mehr Renditechance: das Grundprinzip.
Das Risiko-Rendite-Profil verschiedener Anlagen

Tagesgeld: sehr sicher, ca. 1 bis 2 Prozent. Bundesanleihen: niedriges Risiko, ca. 2 bis 3 Prozent. Unternehmensanleihen: mittleres Risiko, ca. 3 bis 5 Prozent. Aktien stabiler Konzerne: höheres Risiko, langfristig ca. 6 bis 8 Prozent. Kleine Wachstumsaktien und Kryptowährungen: sehr hohes Risiko und Verlustpotenzial. Das Muster ist klar: Je höher du auf der Risikoskala kletterst, desto größer die Renditechance.

Zeithorizont und Risikotoleranz

Heißt das, du solltest immer die riskanteste Anlage wählen? Auf keinen Fall, betont Maik. Die richtige Wahl hängt von deinem Zeithorizont, deinen Zielen und deiner Risikotoleranz ab. Brauchst du dein Geld in einem Jahr fürs Auto, gehört es nicht in Aktien, denn die Kurse könnten gerade tief stehen. Sparst du dagegen 30 Jahre für die Rente, kannst du mehr Risiko eingehen und Schwankungen aussitzen. Risikotoleranz ist deine Bereitschaft, solche Schwankungen zu ertragen: Manche schlafen schon bei minus 10 Prozent schlecht, andere bleiben bei minus 30 Prozent gelassen. Sie hängt von Alter, Einkommen und Erfahrung ab und kann sich mit der Zeit verändern. Passende Rechenwege findest du in unseren Rechnern.

Risiko und Rendite – Der Zusammenhang erklärt · Finanzpost auf YouTube

Die fünf Anlegertypen und die Aktienquote

Ein gängiges Modell teilt Anleger in fünf Typen ein: konservativ (Tagesgeld, Festgeld, Anleihen), sicherheitsorientiert (etwa 30 Prozent Aktien), ausgewogen (rund 50 zu 50), wachstumsorientiert (etwa 70 Prozent Aktien) und spekulativ (bis 100 Prozent Aktien, teils Krypto und Einzelwerte). Welcher Typ passt, hängt vor allem von deiner Lebensphase ab. Jungen Menschen mit 30 oder 40 Jahren bis zur Rente rät Maik zu wachstumsorientiert, weil sie Rückgänge aussitzen können und sich die Märkte historisch immer erholt haben. Wer kurz vor der Rente steht, braucht mehr Sicherheit, sollte aber nie ganz auf Aktien verzichten, sonst frisst die Inflation die Kaufkraft. Eine Faustregel: 100 minus dein Alter ergibt die Aktienquote in Prozent. Eine gute Orientierung liefert das unabhängige Portal Finanztip.

Diversifikation: das einzige Free Lunch

Diversifikation ist Maiks wichtigster Hebel, um Risiko zu senken, ohne auf Rendite zu verzichten: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Investierst du alles in eine einzige Aktie und das Unternehmen geht pleite, ist dein Geld weg. Verteilst du es auf 100 Aktien, kostet dich eine Pleite nur 1 Prozent. Breite Streuung über Unternehmen, Branchen und Länder reduziert das unsystematische Risiko einzelner Firmen, ohne die erwartete Rendite zu schmälern. ETFs sind dafür perfekt, weil sie automatisch in Hunderte oder Tausende Unternehmen investieren. Das ist das einzige Free Lunch der Finanzwelt: mehr Sicherheit ohne Renditeverzicht.

Geldregen in einem Wohnzimmer als Sinnbild für Rendite und Vermögensaufbau
Wer Risiko und Zeit klug kombiniert, lässt Vermögen wachsen.

Auch Nichtstun ist ein Risiko

Was sagt Maik jemandem, der alles aufs Tagesgeldkonto legt, um jedes Risiko zu vermeiden? Dass auch das ein Risiko ist, nämlich das Inflationsrisiko. Geld auf dem Tagesgeldkonto verliert durch die Inflation nahezu garantiert an Kaufkraft, das ist ein schleichender, aber sicherer Verlust. Aktien schwanken kurzfristig, bieten langfristig aber sehr gute Chancen, die Inflation zu schlagen und dein Vermögen real zu vermehren. Die Frage ist also nicht, ob du Risiko eingehst, sondern welches: das Risiko von Schwankungen oder das Risiko des Kaufkraftverlusts. Tiefer einsteigen kannst du in unserem Wissensbereich, unabhängige Hilfe bietet die Verbraucherzentrale.

Fazit: zwei Seiten einer Medaille

Risiko und Rendite sind wie zwei Seiten einer Medaille, die du nicht trennen kannst. Wer das Prinzip versteht, die eigene Risikotoleranz kennt und die Anlage zum persönlichen Zeithorizont passend wählt, trifft langfristig bessere Entscheidungen. Begriffe wie Volatilität, Risikoprämie oder Diversifikation findest du kompakt erklärt in unserem Finanzlexikon, und welche Konten und ETFs sich lohnen, zeigt dir unser Vergleich. Hör dir jetzt die ganze Folge an und abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst. In der nächsten Folge geht es um ETFs: was sie sind, wie sie funktionieren und warum sie für die meisten Menschen die beste Anlageform sind.

Shownotes zu dieser Folge +

In der zehnten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast erklären dir Lia und Finanzexperte Maik Marx eines der fundamentalsten Prinzipien der Finanzwelt: den Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite. Wer das versteht, kann bessere Anlageentscheidungen treffen!

Erfahre, was Rendite und Risiko wirklich bedeuten und warum sie untrennbar miteinander verbunden sind. Maik zeigt dir das Risiko-Rendite-Prinzip: Je höher das Risiko, desto höher die potenzielle Rendite – und umgekehrt. Mit konkreten Beispielen für verschiedene Anlageformen (Tagesgeld 1-2%, Bundesanleihen 2-3%, Aktien 6-8%, Kryptowährungen sehr hoch) wird das Prinzip greifbar.

Du lernst die fünf Anlegertypen kennen (konservativ, sicherheitsorientiert, ausgewogen, wachstumsorientiert, spekulativ) und erfährst, welcher Typ zu deiner Lebenssituation passt. Besonders wichtig: Die 100-minus-Alter-Regel für die Aktienquote, warum Diversifikation das Risiko reduziert ohne Rendite zu opfern, und warum auch Nichtstun ein Risiko ist (Inflationsrisiko!).

In dieser Folge erfährst du
  • Was Rendite ist (Gewinn als Prozentsatz) und was Risiko ist (Unsicherheit)
  • Das Risiko-Rendite-Prinzip: Höheres Risiko = höhere potenzielle Rendite
  • Konkrete Beispiele: Tagesgeld, Anleihen, Aktien, Krypto im Vergleich
  • Was ist die Risikoprämie und warum gibt es sie?
  • Risikotoleranz: Wie viel Schwankung kannst du ertragen?
  • Die 5 Anlegertypen: Von konservativ bis spekulativ
  • Die 100-minus-Alter-Regel für die Aktienquote
  • Warum junge Menschen mehr Risiko eingehen sollten
  • Diversifikation: Risiko reduzieren ohne Renditeverzicht ⏰
  • Inflationsrisiko: Auch Nichtstun ist riskant!
Komplettes Transkript dieser Folge +

Lia: Herzlich willkommen zurück bei Finanzpost.de, der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Ich bin Lia und ich freue mich sehr, dass du auch heute wieder dabei bist. In den letzten Folgen haben wir viel über Investieren, Zinseszins und Vermögensaufbau gesprochen. Heute widmen wir uns einem fundamentalen Prinzip, das jeder Anleger verstehen muss. Dem Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite Diese beiden Faktoren sind untrennbar miteinander verbunden und wer das versteht, kann bessere Anlageentscheidungen treffen. Und natürlich ist wieder mein Finanzexperte an meiner Seite, der mir diesen Zusammenhang erklären wird. Herzlich Willkommen, Maik Marx.

Maik Marx: Danke, Lia. Das Thema Risiko und Rendite ist wirklich zentral. Es ist eines der wichtigsten Prinzipien in der Finanzwelt und trotzdem wird es oft missverstanden oder ignoriert. Heute wollen wir das ändern.

Lia: Perfekt. Maik, lass uns ganz grundsätzlich anfangen. Was ist Rendite?

Maik Marx: Rendite ist der Gewinn, den du mit einer Anlage erzielst, ausgedrückt als Prozentsatz deines eingesetzten Kapitals. Wenn du 1000 Euro investierst und nach einem Jahr 1070 Euro hast, hast du 70 Euro Gewinn gemacht. Deine Rendite beträgt 7%. Rendite kann aus verschiedenen Quellen kommen. Zinsen bei Anleihen oder Sparkonten, Dividenden bei Aktien, Kursgewinne bei Aktien oder ETFs, Mieteinnahmen bei Immobilien. Rendite ist das, was dein Geld für dich arbeiten lässt.

Lia: Okay, Rendite ist der Gewinn. Und was ist Risiko?

Maik Marx: Risiko ist die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung deiner Anlage. Es ist die Möglichkeit, dass du weniger Rendite bekommst als erwartet oder sogar Geld verlierst. Risiko wird oft als Volatilität gemessen, also als Schwankung der Kurse. Eine Anlage mit hoher Volatilität kann in kurzer Zeit stark steigen oder stark fallen. Eine Anlage mit niedriger Volatilität bewegt sich stabiler. Risiko bedeutet aber nicht automatisch Verlust. Es bedeutet Unsicherheit. Und diese Unsicherheit ist der Preis, den du für die Chance auf höhere Renditen zahlst.

Lia: Das ist eine wichtige Unterscheidung. Risiko bedeutet Unsicherheit, nicht automatisch Verlust. Maik, wie hängen Risiko und Rendite zusammen?

Maik Marx: Das ist das fundamentale Prinzip. Je höher das Risiko, desto höher die potenzielle Rendite. Und umgekehrt, je niedriger das Risiko, desto niedriger die Rendite. Das nennt man das Risikorendite-Prinzip. Wenn du eine sehr sichere Anlage wählst, zum Beispiel ein Tagesgeldkonto oder eine Bundesanleihe, bekommst du nur eine niedrige Rendite, vielleicht 1 bis 3%. Wenn du eine riskantere Anlage wählst, zum Beispiel Aktien, hast du die Chance auf deutlich höhere Renditen, vielleicht 7 bis 1,0%, aber auch das Risiko, dass die Kurse fallen und du Geld verlierst. Es gibt kein Free Lunch. Du kannst nicht hohe Renditen ohne Risiko bekommen.

Lia: Das leuchtet ein. Höhere Rendite bedeutet höheres Risiko. Kannst du das an konkreten Beispielen zeigen?

Maik Marx: Sehr gerne. Nehmen wir verschiedene Anlageformen und schauen uns ihr Risikorendite-Profil an. Tagesgeldkonto, sehr sicheres Risiko, sehr niedrige Rendite, aktuell vielleicht 1-2%. Bundesanleihen, niedriges Risiko, niedrige Rendite, vielleicht 2-3%. Unternehmensanleihen, mittleres Risiko, mittlere Rendite, vielleicht 3-5%. Aktien. Großer, stabiler Unternehmen, höheres Risiko, höhere Rendite, langfristig vielleicht 6 bis 8 Prozent. Aktien. Kleiner, wachstumsstarker Unternehmen, hohes Risiko, potenziell sehr hohe Rendite, aber auch hohes Verlustrisiko. Kryptowährungen, sehr hohes Risiko, potenziell extrem hohe Rendite, aber auch extrem hohes Verlustrisiko. Du siehst das Muster. Je weiter du auf der Risikoskala nach oben gehst, desto höher ist die potenzielle Rendite.

Lia: Das ist eine sehr klare Übersicht. Aber Maik, warum ist das so? Warum bekomme ich für höheres Risiko mehr Rendite?

Maik Marx: Weil Anleger für das Eingehen von Risiko entschädigt werden wollen. Stell dir vor, du kannst dein Geld entweder auf ein Tagesgeldkonto legen mit 1% Zinsen und 0 Risiko oder du kannst es in eine Aktie investieren, die schwankt und wo du Geld verlieren könntest. Warum solltest du die Aktie wählen, wenn die Rendite die gleiche wäre? Du würdest das Tagesgeldkonto wählen, weil es sicherer ist. Damit Menschen bereit sind, in Aktien zu investieren, muss die erwartete Rendite höher sein als bei sicheren Anlagen. Das ist die Risikoprämie. Die Risikoprämie ist der zusätzliche Gewinn, den du für das Eingehen von Risiko erwarten kannst.

Lia: Ah, die Risikoprämie. Das macht Sinn. Anleger wollen für Risiko belohnt werden. Maik, bedeutet das, dass ich immer die riskanteste Anlage wählen sollte, um die höchste Rendite zu bekommen?

Maik Marx: Nein, auf keinen Fall. Das ist ein häufiges Missverständnis. Die richtige Anlage hängt von deiner persönlichen Situation ab, deinem Anlagehorizont, deinen Zielen und deiner Risikotoleranz. Wenn du in einem Jahr ein Auto kaufen willst und dafür 10.000 Euro brauchst, solltest du dieses Geld nicht in Aktien investieren. Auch wenn die höhere Rendite verlockend ist. Denn die Kurse könnten in einem Jahr gefallen sein und dann hast du nur noch 8.000 Euro. Für kurzfristige Ziele brauchst du sichere Anlagen. Wenn du aber für die Rente in 30 Jahren sparst, kannst und solltest, du mehr Risiko eingehen, weil du Zeit hast, Schwankungen auszusitzen und von der höheren Rendite zu profitieren.

Lia: Das ist ein wichtiger Punkt. Die richtige Anlage hängt vom Zeithorizont ab. Lass uns über Risikotoleranz sprechen. Was ist das?

Maik Marx: Risikotoleranz ist deine persönliche Fähigkeit und Bereitschaft, Schwankungen und potenzielle Verluste zu ertragen. Manche Menschen können nachts nicht schlafen, wenn ihr Depot um 10% gefallen ist. Andere bleiben gelassen, selbst wenn es 30% runtergeht. Deine Risikotoleranz hängt von mehreren Faktoren ab, deiner finanziellen Situation, deinem Alter, deiner Persönlichkeit, deinen Erfahrungen. Wenn du jung bist, ein stabiles Einkommen hast und noch nie eine Finanzkrise erlebt hast, hast du wahrscheinlich eine höhere Risikotoleranz. Wenn du kurz vor der Rente stehst und auf dein Erspartes angewiesen bist, ist deine Risikotoleranz wahrscheinlich niedriger.

Lia: Wie finde ich heraus, welche Risikotoleranz ich habe?

Maik Marx: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Viele Banken und Finanzberater bieten Risikoprofiltests an, wo du Fragen beantwortest und am Ende eine Einstufung bekommst. Konservativ, moderat, ausgewogen, wachstumsorientiert oder spekulativ. Du kannst dich aber auch selbst fragen. Wie würde ich reagieren, wenn mein Depot morgen 20% weniger wert wäre? Würde ich in Panik verkaufen? Würde ich gelassen bleiben? Würde ich sogar nachkaufen, weil die Kurse günstig sind? Deine ehrliche Antwort zeigt deine Risikotoleranz. Und ganz wichtig, deine Risikotoleranz kann sich im Laufe des Lebens ändern. Mit 25 bist du vielleicht risikofreudig, mit 60 vorsichtiger.

Lia: Das macht Sinn. Risikotoleranz ist individuell und kann sich ändern. Maik, lass uns über verschiedene Anlegertypen sprechen. Welche gibt es?

Maik Marx: Es gibt verschiedene Modelle, aber ein gängiges teilt Anleger in fünf Typen ein. Erstens, der konservative Anleger. Er will vor allem Sicherheit und ist bereit, dafür niedrige Renditen zu akzeptieren. Seine Anlagen sind hauptsächlich Tagesgeld, Festgeld, Bundesanleihen. 2. Der sicherheitsorientierte Anleger Er will auch Sicherheit, ist aber bereit, ein kleines Risiko einzugehen für etwas mehr Rendite. Vielleicht 70% sichere Anlagen, 30% Aktien. 3. Der ausgewogene Anleger Er sucht eine Balance zwischen Sicherheit und Rendite. Vielleicht 50% sichere Anlagen, 50% Aktien. Viertens, der wachstumsorientierte Anleger. Er will vor allem Rendite und ist bereit, dafür mehr Risiko einzugehen. Vielleicht 70% Aktien, 30% sichere Anlagen und fünftens der spekulative Anleger. Er sucht maximale Rendite und nimmt dafür hohes Risiko in Kauf. Vielleicht 100% Aktien oder sogar riskantere Anlagen wie Kryptowährungen oder Einzelaktien kleiner Unternehmen.

Lia: Das ist eine gute Übersicht. Zu welchem Typ würdest du jungen Menschen raten?

Maik Marx: Für junge Menschen, die noch 30, 40 Jahre bis zur Rente haben, würde ich zu wachstumsorientiert oder sogar spekulativ raten. Warum? Weil sie Zeit haben. Wenn die Kurse fallen, können sie aussitzen und warten, bis sie sich erholen. Und historisch gesehen haben sich die Kurse immer erholt. Mit einem langen Anlagehorizont ist das Risiko von Aktien deutlich geringer als kurzfristig. Und die höhere Rendite macht über die Jahre einen riesigen Unterschied durch den Zinseszinseffekt, den wir in der letzten Folge besprochen haben. Wenn du jung bist und nur in sichere Anlagen investierst, verschenkst du enormes Wachstumspotenzial.

Lia: Das leuchtet ein. Jung und langfristiger Horizont bedeutet, mehr Risiko ist okay. Was ist mit älteren Menschen?

Maik Marx: Für Menschen, die kurz vor der Rente stehen oder schon in Rente sind, ist Sicherheit wichtiger. Sie haben nicht mehr die Zeit, große Verluste auszusitzen. Deshalb sollten sie konservativer oder sicherheitsorientiert sein. Vielleicht 60 bis 70 Prozent in sicheren Anlagen, 30 bis 40 Prozent in Aktien. Aber auch im Alter sollte man nicht komplett auf Aktien verzichten, weil man sonst die Inflation nicht schlägt und die Kaufkraft verliert. Es geht um die richtige Balance.

Lia: Verstehe. Die Aufteilung hängt vom Alter und der Lebenssituation ab. Maik, gibt es eine Faustregel für die Aktienquote?

Maik Marx: Ja, eine alte Faustregel lautet 100 minus dein Alter gleich Aktienquote in Prozent. Wenn du 30 Jahre alt bist, solltest du 70% in Aktien haben. Wenn du 60 bist, 40%. Diese Regel ist sehr einfach und nicht perfekt, aber sie gibt eine gute Orientierung. In Zeiten niedriger Zinsen und längerer Lebenserwartung sagen manche Experten sogar, 110 oder 120 minus Alter, um die Aktienquote etwas höher zu halten.

Lia: Das ist eine praktische Faustregel. Maik, lass uns über Diversifikation sprechen. Wie hilft sie beim Risikomanagement?

Maik Marx: Diversifikation ist eine der wichtigsten Strategien, um Risiko zu reduzieren, ohne auf Rendite zu verzichten. Die Idee ist, lege nicht alle Eier in einen Korb. Wenn du dein gesamtes Geld in eine einzelne Aktie investierst und dieses Unternehmen geht pleite, verlierst du alles. Wenn du aber in 100 verschiedene Aktien investierst und eine geht pleite, verlierst du nur 1%. Diversifikation bedeutet, breit zu streuen, über verschiedene Unternehmen, Branchen, Länder, Anlageklassen. ETFs sind ein perfektes Werkzeug für Diversifikation, weil sie automatisch in hunderte oder tausende Unternehmen investieren.

Lia: Das macht total Sinn. Diversifikation reduziert das Risiko. Aber reduziert sie nicht auch die Rendite?

Maik Marx: Das ist ein häufiges Missverständnis. Diversifikation reduziert das unsystematische Risiko, also das Risiko einzelner Unternehmen, aber nicht das systematische Risiko, also das allgemeine Marktrisiko. Und sie reduziert nicht die erwartete Rendite. Im Gegenteil, durch Diversifikation kannst du ein besseres Risikorenditeverhältnis erreichen. Du bekommst die durchschnittliche Marktrendite mit weniger Risiko. Das ist ein Free Lunch, wenn es so etwas in der Finanzwelt gibt.

Lia: Das ist ein wichtiger Punkt. Diversifikation ist kein Verzicht auf Rendite, sondern eine Optimierung des Risikorenditeverhältnisses. Maik, was würdest du jemandem sagen, der sagt …

Maik Marx: Ich würde sagen, du gehst trotzdem ein Risiko ein, nämlich das Inflationsrisiko. Wie wir in Folge 6 gelernt haben, verliert Geld auf dem Tagesgeldkonto durch Inflation garantiert an Kaufkraft. Das ist ein sicherer Verlust. Wenn du in Aktien investierst, hast du kurzfristige Schwankungen, aber langfristig sehr gute Chancen, die Inflation zu schlagen und dein Vermögen real zu vermehren. Die Frage ist nicht, ob du Risiko eingehst, sondern welches Risiko du eingehen willst. Das Risiko von Schwankungen oder das Risiko von Kaufkraftverlust.

Lia: Das ist eine starke Aussage. Es gibt kein risikofreies Nichtstun. Maik, vielen Dank für diese klare Erklärung des Zusammenhangs zwischen Risiko und Rendite. Ich habe jetzt wirklich verstanden, dass beides zusammengehört und dass ich meine Anlagen nach meiner persönlichen Situation wählen sollte.

Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Risiko und Rendite sind wie zwei Seiten einer Medaille. Wer das versteht, kann bessere Entscheidungen treffen und langfristig erfolgreich sein.

Lia: Absolut. Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, überlegt euch. Welcher Anlegertyp seid ihr? Wie hoch ist eure Risikotoleranz? Und passt eure Anlagestrategie zu eurer Zerlebenssituation? In unserer nächsten Folge sprechen wir über ETFs, was sie sind, wie sie funktionieren und warum sie für die meisten Menschen die beste Anlageform sind. Das wird super spannend. Seid also unbedingt wieder dabei.

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