ETF Kostenfalle: TER, Tracking Difference und versteckte Gebühren
Willkommen zu Folge 33 von Finanzpost.de! Lia und Finanzexperte Maik Marx nehmen dich heute mit in die Welt der ETF-Kosten. Nachdem in der letzten Folge klar wurde, dass thesaurierende ETFs fuer den langfristigen Vermoegensaufbau die bessere Wahl sind, steht Lia vor der naechsten Frage: Was kostet mich mein ETF eigentlich wirklich? Du erfaehrst, was die TER aussagt, warum sie nur die halbe Wahrheit ist, welche Rolle die Tracking Difference spielt und wie du bei Broker-Gebuehren sparst. Am Ende weisst du genau, worauf du achten musst, damit dir versteckte Kosten nicht die Rendite klauen.
Warum Kosten ueber deinen Anlageerfolg entscheiden
Maik bringt es direkt auf den Punkt: Jeder Euro, den du an Gebuehren zahlst, ist ein Euro, der nicht mehr fuer dich arbeiten kann. Was auf den ersten Blick nach Kleinbetraegen aussieht, summiert sich ueber Jahrzehnte zu erstaunlich grossen Summen, weil dir nicht nur die Gebuehr selbst fehlt, sondern auch der Zinseszins darauf. Genau deshalb sind niedrige Kosten einer der wenigen Faktoren beim Investieren, die du wirklich selbst in der Hand hast. Die Marktrendite kannst du nicht steuern, deine Kostenbelastung aber sehr wohl. Wer hier ein paar Grundlagen kennt, verschafft sich einen echten Vorsprung. Die wichtigsten Bausteine rund um ETFs findest du kompakt erklaert in unserem Wissensbereich.
Die TER: die bekannteste, aber unvollstaendige Kennzahl
Die TER, die Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote, ist die bekannteste Kostenkennzahl bei ETFs. Sie gibt an, wie viel Prozent des Fondsvermoegens pro Jahr fuer die Verwaltung anfallen. Das Praktische: Die TER wird direkt aus dem Fondsvermoegen entnommen, du siehst sie also gar nicht auf deiner Depotabrechnung. Ein Beispiel: Hat ein ETF eine TER von null Komma zwei Prozent und du hast zehntausend Euro investiert, zahlst du pro Jahr zwanzig Euro. Das klingt nach wenig, doch ueber die Jahre laeppert sich das gewaltig. Wichtig ist aber: Die TER ist nicht die ganze Wahrheit. Wie sich solche Prozentwerte auf deine Endsumme auswirken, kannst du mit unseren Rechnern selbst durchspielen.
Die versteckten Kosten hinter der TER
Und hier liegt die Falle, die viele Anleger uebersehen: In der TER sind laengst nicht alle Kosten enthalten. Da sind zum einen die Transaktionskosten innerhalb des ETFs, also die Gebuehren, die entstehen, wenn der Fonds selbst Aktien kauft und verkauft, um den Index nachzubilden. Zum anderen gibt es bei synthetisch replizierenden ETFs die sogenannten Swap-Gebuehren. Diese Kosten tauchen in der TER nicht auf, schmaelern deine Rendite aber trotzdem. Die TER ist damit nur die halbe Miete. Wer sich allein auf sie verlaesst, vergleicht Aepfel mit Birnen und wundert sich spaeter, warum der guenstig aussehende ETF am Ende doch weniger gebracht hat. Die wichtigsten Fachbegriffe rund um diese Kostenarten erklaert dir unser Finanzlexikon.
Die Tracking Difference: die ehrlichste Kennzahl
Die wahren Kosten eines ETFs findest du mit der Tracking Difference, der Abbildungsdifferenz. Sie misst den Unterschied zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite des Index, den er abbildet. Steigt der DAX um zehn Prozent und dein DAX-ETF nur um neun Komma acht Prozent, betraegt die Tracking Difference null Komma zwei Prozent. Das Schoene daran: Diese Kennzahl beruecksichtigt alle Kosten, auch die, die nicht in der TER stehen. Deshalb ist sie die ehrlichste Groesse zum Vergleichen. Manchmal ist die Tracking Difference sogar niedriger als die TER, etwa wenn der ETF durch Wertpapierleihe zusaetzliche Einnahmen erzielt. Das ist aber eher die Ausnahme, und die Wertpapierleihe bringt ein kleines zusaetzliches Risiko mit. Wie ETFs generell in ein durchdachtes Depot passen, zeigt dir unsere Anlage-Uebersicht.
Du legst 30 Jahre lang jeden Monat 200 Euro an, bei 7 Prozent Rendite pro Jahr. Ergebnis: rund 245.000 Euro. Nimmst du stattdessen einen ETF mit 0,5 Prozent hoeheren Kosten, bleiben nur etwa 220.000 Euro uebrig. Das sind 25.000 Euro weniger, allein wegen einer scheinbar winzigen Kostendifferenz. Kosten sind ein echter Rendite-Killer.
Wo du die Tracking Difference findest und wie hoch sie sein darf
Die Tracking Difference findest du auf den grossen ETF-Vergleichsportalen wie justETF oder extraETF. Dort kannst du sie fuer verschiedene ETFs gegenueberstellen und wirst schnell merken, dass sie oft hoeher liegt als die reine TER. Bei einem Standard-Welt-ETF wie einem MSCI World oder FTSE All-World sollte sie nicht viel ueber der TER liegen. Ein guter Wert bewegt sich bei null Komma zwei bis null Komma drei Prozent pro Jahr. Ist die Tracking Difference deutlich hoeher, solltest du hellhoerig werden, denn dann fressen versteckte Kosten deine Rendite. Als Faustregel gilt ausserdem: Die TER eines breiten ETFs sollte nicht ueber null Komma fuenf Prozent liegen. Aktiv gemanagte Fonds mit eins Komma fuenf bis zwei Prozent sind fuer den Langfristanleger meist schlicht zu teuer.
Broker-Kosten: Depot- und Ordergebuehren
Neben den ETF-Kosten fallen auch Gebuehren bei deinem Broker an. Da sind zum einen die Depotgebuehren fuer die Verwahrung deiner Wertpapiere. Viele Online-Broker bieten kostenlose Depots an, achte also darauf, hier nichts zu zahlen. Zum anderen gibt es die Ordergebuehren bei jedem Kauf und Verkauf. Hier sind die Unterschiede gross: mal eine feste Gebuehr pro Order, mal ein prozentualer Anteil. Richtest du einen Sparplan ein, sind die Ordergebuehren oft sehr gering oder fallen ganz weg. Fuer Einsteiger und Sparplan-Anleger sind Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital eine gute Wahl, weil sie kostenlose Depots und guenstige oder kostenlose ETF-Sparplaene bieten. Fuer groessere Einmalanlagen koennen auch Direktbanken wie ING, DKB oder comdirect passen. Welcher Anbieter zu dir passt, zeigt dir unser Vergleich.
So vermeidest du die Kostenfalle
Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Regeln umgehst du die teuersten Fallen. Vergleiche immer die Tracking Difference statt nur die TER, halte dich bei breiten Welt-ETFs an Werte um null Komma zwei bis null Komma drei Prozent und achte auf ein kostenloses Depot mit niedrigen Ordergebuehren. Lass dich nicht von teuren, aktiv gemanagten Produkten mit hohen versteckten Kosten locken. Verlaessliche, unabhaengige Anlaufstellen ohne Verkaufsinteresse sind die Verbraucherzentrale, das Portal Finanztip und die Deutsche Bundesbank, die neutrale Daten und seriose Grundlagen bereitstellen.
Fazit: Niedrige Kosten sind bare Rendite
Kosten sind einer der wenigen Hebel beim Investieren, die du komplett selbst steuern kannst, und genau deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen. Wer Tracking Difference und Broker-Gebuehren vergleicht, spart ueber die Jahre schnell einen fuenfstelligen Betrag, ohne mehr Risiko einzugehen. Hoer dir die ganze Folge an und abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst. In der naechsten Folge 34 geht es um Smart-Beta-ETFs und die spannende Frage, ob sie wirklich besser sind als der breite Markt.
Shownotes zu dieser Folge +
33 - BESCHREIBUNG - ETF Kostenfalle TER und Tracking Difference
ETF Kostenfalle: TER, Tracking Difference und versteckte Gebühren
Wie du die wahren Kosten deines ETFs findest und nicht zu viel bezahlst!
- ✓ Was ist die TER (Total Expense Ratio)? (Gesamtkostenquote)
- ✓ Warum die TER nicht alle Kosten enthält (Transaktionskosten, Swap-Gebühren)
- ✓ Was ist die Tracking Difference? (die ehrlichste Kostenkennzahl)
- ✓ Wo du die Tracking Difference findest (justETF, extraETF)
- ✓ Wie hoch die Tracking Difference sein sollte (null Komma zwei bis null Komma drei Prozent)
- ✓ Welche Broker-Kosten es gibt (Depot- und Ordergebühren)
- ✓ Welche Broker empfehlenswert sind (Trade Republic, Scalable Capital)
- ✓ Warum null Komma fünf Prozent höhere Kosten dich fünfundzwanzigtausend Euro kosten können
- ✓ Was Wertpapierleihe ist und welches Risiko sie birgt ⏰
- ✓ Ab wann die Kosten zu hoch sind (TER nicht über null Komma fünf Prozent)
- ✓ Warum aktiv gemanagte Fonds oft zu teuer sind (eins Komma fünf bis zwei Prozent)
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Finanzpost.de. Ich bin Lia und ich freue mich riesig, dass ihr wieder dabei seid. In unserer letzten Folge haben wir ja geklärt, ob thesaurierende oder ausschüttende ETFs besser sind. Und ich habe gelernt, für den langfristigen Vermögensaufbau sind thesaurierende ETFs die bessere Wahl. Aber kaum hatte ich diese Entscheidung getroffen, stand ich vor der nächsten. Die Kosten. Ich habe gesehen, dass ETFs eine TER haben, aber was bedeutet das genau? Und gibt es noch andere Kosten, die ich beachten muss? Ich habe Angst, dass ich am Ende doch zu viel bezahle und meine Rendite darunter leidet. Maik, bitte hilf mir, die Kostenfalle zu vermeiden.
Maik Marx: Hallo Lia, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Das ist eine exzellente Frage und du bist damit nicht allein. Die Kosten sind ein entscheidender Faktor für deinen langfristigen Anlageerfolg. Jeder Euro, den du an Gebühren zahlst, ist ein Euro, der nicht für dich arbeiten kann. Und über die Jahre summieren sich diese Kosten zu riesigen Beträgen. Aber keine Sorge, es ist gar nicht so kompliziert, wie es klingt. Am Ende dieser Folge wirst du genau wissen, worauf du achten musst, um nicht zu viel zu bezahlen.
Lia: Das klingt super. Lass uns mit den Grundlagen starten. Was ist denn die TER?
Maik Marx: Die TER, die Total Expense Ratio oder Gesamtkostenquote, ist die bekannteste Kostenkennzahl bei ETFs. Sie gibt an, wie viel Prozent des Fondsvermögens pro Jahr für die Verwaltung des ETFs anfallen. Die TER wird direkt aus dem Fondsvermögen entnommen, du siehst sie also nicht auf deiner Depotabrechnung. Wenn ein ETF eine TER von 0,2% hat und du 10.000 Euro investiert hast, dann zahlst du pro Jahr 20 Euro an Gebühren. Das klingt nach wenig, aber über die Jahre läppert sich das.
Lia: 20 Euro pro Jahr, das klingt wirklich nicht viel. Aber du sagst, es gibt noch andere Kosten?
Maik Marx: Ja, und das ist der entscheidende Punkt, den viele Anleger übersehen. Die TER ist nicht die ganze Wahrheit. Es gibt noch andere Kosten, die in der TER nicht enthalten sind. Dazu gehören zum Beispiel die Transaktionskosten innerhalb des ETFs, also die Kosten, die beim Kauf und Verkauf von Aktien innerhalb des Fonds anfallen. Und es gibt die sogenannten Swap-Gebühren bei synthetisch replizierenden ETFs. Diese Kosten sind nicht in der TER enthalten, aber sie schmälern deine Rendite trotzdem.
Lia: Also die TER ist nur die halbe Miete. Das ist ja eine Falle. Wie kann ich denn die Warenkosten eines ETFs herausfinden?
Maik Marx: Die wahre Kostenquote eines ETFs findest du mit der sogenannten Tracking Difference, der Abbildungsdifferenz. Die Tracking Difference misst den Unterschied zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite des Index, den der ETF abbildet. Wenn der DAX also um 10% gestiegen ist und dein DAX-ETF nur um 9,8%, dann beträgt die Tracking Difference 0,2%. Die Tracking Difference ist die ehrlichste Kostenkennzahl, weil sie alle Kosten berücksichtigt, auch die, die nicht in der TER enthalten sind.
Lia: Die Tracking Difference ist also die entscheidende Kennzahl. Wo finde ich die denn?
Maik Marx: Die Tracking Difference findest du auf den großen ETF-Vergleichsportalen wie JustETF oder ExtraETF. Dort kannst du die Tracking Difference für verschiedene ETFs vergleichen. Du wirst sehen, dass die Tracking Difference oft höher ist als die TR. Manchmal ist sie aber auch niedriger. Das kann passieren, wenn der ETF durch Wertpapierleihe zusätzliche Einnahmen generiert. Das ist aber eher die Ausnahme.
Lia: Also ich sollte immer die Tracking Difference vergleichen, nicht die TER. Das ist ein super Tipp. Und wie hoch sollte die Tracking Difference sein?
Maik Marx: Bei einem Standard-Welt-ETF wie einem MSCI World oder FTSE All World sollte die Tracking Difference nicht viel höher sein als die TER. Ein guter Wert liegt bei 0,2 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Wenn die Tracking Difference deutlich höher ist, solltest du vorsichtig sein. Dann gibt es wahrscheinlich versteckte Kosten, die deine Rendite auffressen.
Lia: 0,2 bis 0,3 Prozent. Das merke ich mir. Maik, gibt es noch andere Kosten, die ich beachten muss?
Maik Marx: Ja, es gibt noch die Kosten, die bei deinem Broker anfallen. Das sind die Depotgebühren und die Ordergebühren. Die Depotgebühren sind die Kosten für die Verwahrung deiner Wertpapiere. Viele Onlinebroker bieten mittlerweile kostenlose Depots an. Du solltest also darauf achten, dass du keine Depotgebühren zahlst. Die Ordergebühren sind die Kosten, die bei jedem Kauf und Verkauf anfallen. Hier gibt es große Unterschiede zwischen den Brokern. Bei manchen zahlst du eine feste Gebühr pro Order, bei anderen einen prozentualen Anteil. Wenn du einen Sparplan einrichtest, sind die Ordergebühren oft sehr gering oder fallen ganz weg.
Lia: Also kostenloses Depot und niedrige Ordergebühren. Das ist wichtig. Welche Broker empfiehlst du denn?
Maik Marx: Für Anfänger und Sparplananleger sind die Neo-Broker, wie Trade Republic oder Scalable Capital eine gute Wahl. Sie bieten kostenlose Depots und sehr niedrige Ordergebühren, oft nur einen Euro pro Order. Und ETF-Sparpläne sind bei Ihnen meistens komplett kostenlos. Für größere Einmalanlagen oder für Anleger, die mehr Auswahl und Service wollen, können auch die Direktbanken wie die ING, die DKB oder die Comdirect eine gute Wahl sein. Aber auch hier solltest du die Kosten genau vergleichen.
Lia: Trade Republic und Scalable Capital. Die habe ich schon mal gehört. Maik, eine letzte Frage. Wie wichtig sind die Kosten wirklich? Machen 0,2% wirklich einen so großen Unterschied?
Maik Marx: Ja, Lia, sie machen einen riesigen Unterschied. Lass uns das mal durchrechnen. Sagen wir, du legst 30 Jahre lang jeden Monat 200 Euro in einen ETF an. Bei einer durchschnittlichen Rendite von 7% pro Jahr hast du am Ende 245.000 D-Euro. Wenn du aber einen ETF mit 0,5% höheren Kosten hast, dann hast du am Ende nur 220.000 Euro. Das sind 25.000 Euro weniger. Nur wegen 0,5% höheren Kosten. Du siehst also, die Kosten sind ein Renditekiller. Deshalb ist es so wichtig, auf niedrige Kosten zu achten.
Lia: 25.000 Euro, das ist ja Wahnsinn. Okay, ich habe es verstanden. Ich werde ab jetzt immer auf die Tracking Difference und die Brokerkosten achten. Vielen Dank, Maik, für diese super wichtigen Tipps.
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Und auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, möchte ich ermutigen. Lasst euch nicht von hohen Kosten die Rendite klauen. Vergleicht die ETFs und die Broker genau. Jeder Euro, den ihr spart, ist ein Euro, der für euch arbeiten kann.
Lia: Perfekt. In unserer nächsten Folge, Folge 34, sprechen wir über Smart Beta ETFs besser als der Markt? Das wird super spannend. Bis nächste Woche. Bleibt investiert und bleibt entspannt.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.
Lia: Maik, bevor wir zum Ende kommen, habe ich noch eine praktische Frage. Du hast gesagt, die Tracking Difference ist die wichtigste Kennzahl. Aber was ist, wenn ein ETF eine niedrige TER hat, aber eine hohe Tracking Difference? Und umgekehrt, was ist dann wichtiger?
Maik Marx: Eine sehr gute Frage, Lia. Im Zweifel ist immer die Tracking Difference wichtiger. Sie ist die ehrlichere Kennzahl, weil sie alle Kosten berücksichtigt. Eine niedrige TR ist zwar ein gutes Marketing-Argument, aber wenn die Tracking Difference hoch ist, dann nützt dir die niedrige TR nichts. Dann gibt es versteckte Kosten, die deine Rendite auffressen. Also wenn du die Wahl hast zwischen einem ETF mit 0,1% TR und 0,4% Tracking Difference und einem ETF mit 0,2% TER und 0,3% Tracking Difference, dann solltest du den zweiten ETF wählen.
Lia: Also immer die Tracking Difference priorisieren. Verstanden. Und was ist mit der Wertpapierleihe, die du erwähnt hast? Du hast gesagt, dass ETFs damit zusätzliche Einnahmen generieren können. Ist das nicht riskant?
Maik Marx: Das ist ein berechtigter Einwand. Bei der Wertpapierleihe verleiht der ETF-Anbieter einen Teil der Aktien aus dem ETF an andere Marktteilnehmer, zum Beispiel an Leerverkäufer. Dafür bekommt der ETF eine Leihgebühr, die die Kosten senken kann. Das ist der Grund, warum manche ETFs eine niedrigere Tracking Difference haben als ihre TER. Es gibt aber auch ein kleines Risiko. Wenn derjenige, der die Aktien geliehen hat, pleite geht, dann könnten die Aktien weg sein. Aber dieses Risiko ist sehr gering, weil die ETF-Anbieter Sicherheiten verlangen, die den Wert der verliehenen Aktien übersteigen. Und die Einnahmen aus der Wertpapierleihe werden in der Regel zwischen dem ETF-Anbieter und den Anlegern geteilt. Es ist also eine gängige Praxis, die die Kosten senken kann, aber man sollte sich des kleinen Restrisikos bewusst sein.
Lia: Okay, also Wertpapierleihe ist nicht per se schlecht, aber man sollte es im Hinterkopf behalten. Maik, eine allerletzte Frage. Gibt es einen Punkt, an dem die Kosten zu hoch sind? Wo sagst du, diesen ETF sollte man auf keinen Fall kaufen?
Maik Marx: Ja, den gibt es. Bei einem Standard-Welt-ETF sollte die TER nicht über 0,5% liegen. Alles darüber ist zu teuer. Bei Themen-ETFs oder Smart-Beta-ETFs sind die Kosten oft etwas höher. Aber auch hier sollte man aufpassen, dass man nicht mehr als 0,6 oder 0,7% zahlt. Und bei aktiv gemanagten Fonds, die oft Kosten von 1,5 bis 2% pro Jahr haben, sollte man sehr vorsichtig sein. Die meisten dieser Fonds schaffen es nicht, den Markt zu schlagen und die hohen Kosten fressen die Rendite auf. Also, je niedriger die Kosten, desto besser. Das ist eine der wichtigsten Regeln beim Investieren.
Lia: Je niedriger die Kosten, desto besser. Das ist ein guter Leitsatz. Vielen Dank, Maik, für diese super wichtige Folge.
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Und auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, möchte ich ermutigen, lasst euch nicht von hohen Kosten die Rendite klauen. Vergleicht die ETFs und die Broker genau. Jeder Euro, den ihr spart, ist ein Euro, der für euch arbeiten kann.
Lia: Perfekt. In unserer nächsten Folge, Folge 34, sprechen wir über Smart-Beta-ETFs. Besser als der Markt? Das wird super spannend. Bis nächste Woche. Bleibt investiert und bleibt entspannt.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Www.finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.