Sektorenwetten vs. breite Streuung: Was macht mehr Sinn
Willkommen zu Folge 28 von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. Lia ist gerade hin- und hergerissen: Eine Freundin hat mit reinen Technologie-Aktien wie Apple, Microsoft und Tesla richtig gute Renditen gemacht, gleichzeitig lockt der Megatrend erneuerbare Energien. Sollte man also gezielt auf einzelne Branchen setzen oder lieber beim breit gestreuten Welt-ETF bleiben? Finanzexperte Maik Marx räumt gemeinsam mit Lia auf mit einem der verlockendsten Themen der Geldanlage: Sektorenwetten versus breite Streuung. Du erfährst, was Sektoren überhaupt sind, warum gezielte Wetten so reizvoll wirken und warum für die meisten Anleger am Ende die breite Streuung die klügere Wahl ist.
Was sind Sektoren überhaupt?
Sektoren sind Branchen oder Wirtschaftszweige, in denen Unternehmen tätig sind. Die gängigste Einteilung ist die GICS-Klassifikation, der Global Industry Classification Standard, der die Wirtschaft in elf Hauptsektoren gliedert. Dazu gehören Informationstechnologie mit Firmen wie Apple, Microsoft und Nvidia, das Gesundheitswesen mit Pharma- und Medizintechnik-Konzernen, das Finanzwesen mit Banken und Versicherungen sowie Basis- und Nicht-Basiskonsumgüter. Hinzu kommen Industrie, Kommunikationsdienste, Energie, Versorger, Immobilien und Rohstoffe. Zusammen decken diese elf Sektoren die gesamte Weltwirtschaft ab. Wer versteht, wie diese Bausteine zusammenspielen, trifft bewusstere Entscheidungen. Die Grundlagen dazu findest du kompakt in unserem Wissensbereich.
Sektoren stecken längst in deinem Welt-ETF
Ein wichtiger Punkt, den Maik betont: Ein breit gestreuter Welt-ETF wie der FTSE All-World enthält bereits Unternehmen aus allen elf Sektoren, gewichtet nach ihrer Marktkapitalisierung. Aktuell ist Informationstechnologie der größte Sektor mit etwa fünfundzwanzig bis dreißig Prozent, gefolgt vom Finanzwesen mit rund fünfzehn Prozent und dem Gesundheitswesen mit etwa zwölf Prozent. Das Spannende daran: Diese Gewichtung passt sich automatisch an. Vor zwanzig Jahren war Energie noch deutlich größer, heute dominiert die Technologie. Du musst dafür nichts tun, der Markt korrigiert sich von selbst. Wie sich die Zusammensetzung auf deine Rendite auswirkt, kannst du in der Anlage-Übersicht nachvollziehen.
Warum Sektorenwetten so verlockend sind
Die Versuchung, gezielt auf einzelne Branchen zu setzen, ist groß, und dafür gibt es laut Maik vier Gründe. Erstens die höheren Renditen: Manche Sektoren haben den Gesamtmarkt in der Vergangenheit klar geschlagen, allen voran die Technologie in den letzten zehn Jahren. Zweitens die Überzeugung: Viele Menschen glauben fest daran, dass erneuerbare Energien, Elektromobilität oder künstliche Intelligenz die Zukunft sind, und wollen genau dort investieren. Drittens die Einfachheit: Der Satz "Ich investiere in die Zukunft der Energie" klingt greifbarer als "Ich investiere in dreitausendsiebenhundert Unternehmen weltweit". Und viertens die Aufmerksamkeit: Medien berichten ständig über den nächsten Megatrend, von Wasserstoff bis Blockchain. Das erzeugt FOMO, die Angst, etwas zu verpassen. Bevor du dieser Angst folgst, lohnt ein Blick in unseren Vergleich.
Die fünf großen Risiken von Sektorenwetten
So verlockend die Argumente klingen, Maik ist aus guten Gründen skeptisch. Fünf Risiken solltest du kennen. Erstens die Konzentration: Wer alles auf einen Sektor setzt, riskiert viel. Wer im Jahr 2000 nur auf Technologie setzte, verlor in der Dotcom-Blase bis zu achtzig Prozent. Zweitens das Timing: Wann steigst du ein, wann wieder aus? Oft kauft man, wenn ein Sektor schon teuer ist, weil alle darüber reden, und dann folgt die Korrektur. Drittens die Fehleinschätzung: Niemand kann die Zukunft vorhersagen, technologische Durchbrüche oder neue Regulierung können alles verändern. Viertens die emotionale Achterbahn: Sektorenwetten schwanken stärker, was viele zu Panikverkäufen verleitet. Und fünftens die Opportunitätskosten: Setzt du alles auf Technologie, verpasst du womöglich, dass das Gesundheitswesen in den nächsten Jahren besser läuft.
Stell dir zwei Anleger im Jahr 2000 vor: Der eine steckt alles in Technologie-Aktien, der andere in einen breit gestreuten Welt-ETF. Als die Dotcom-Blase platzt, verliert der Techno-Anleger bis zu 80 Prozent seines Vermögens. Der breit gestreute Anleger verliert deutlich weniger, weil stabile Sektoren wie Versorger und Basiskonsumgüter die Verluste abfedern. Genau das ist der Wert der Streuung: Ein einzelner Einbruch reißt nicht dein ganzes Depot mit.
Wann eine Sektorwette Sinn ergeben kann
Sektorenwetten sind nicht grundsätzlich verboten, sie erfordern nur einen ehrlichen Blick auf dich selbst. Wenn du ein solides, breit gestreutes Fundament hast und mit einem kleinen Teil deines Vermögens, etwa fünf bis zehn Prozent, auf eine Überzeugung setzen möchtest, ist das legitim. Wichtig ist, dass du diesen Teil als Beimischung verstehst und nicht als Kern deiner Altersvorsorge. Auch die emotionale Belastbarkeit spielt eine Rolle: Kannst du starke Schwankungen aushalten, ohne in Panik zu verkaufen? Und hast du wirklich einen Wissensvorsprung oder folgst du nur den Schlagzeilen? Begriffe wie Volatilität oder Marktkapitalisierung erklärt dir unser Finanzlexikon, damit du solche Entscheidungen fundiert triffst.
Warum breite Streuung meist gewinnt
Für die allermeisten Anleger ist die breite Streuung die bessere Wahl, und das aus einem einfachen Grund: Sie erspart dir die schwierigsten Entscheidungen. Du musst nicht raten, welcher Sektor als Nächstes durchstartet, du bist immer dabei. Verliert eine Branche an Kraft, gleichen andere das aus. Du profitierst vom langfristigen Wachstum der gesamten Weltwirtschaft, ohne teure Fehlentscheidungen zu riskieren. Zudem ist der Aufwand minimal: Ein Welt-ETF gewichtet sich selbst neu, du sparst Gebühren und Nerven. Wie stark sich schon kleine monatliche Sparraten über die Jahre entwickeln, zeigen dir unsere Rechner schwarz auf weiß. Unabhängige Informationen ohne Verkaufsinteresse findest du bei der Verbraucherzentrale, beim Portal Finanztip und bei der Deutschen Bundesbank.
Deine Entscheidung: Fundament zuerst
Am Ende läuft alles auf eine klare Reihenfolge hinaus: Zuerst baust du ein solides, breit gestreutes Fundament auf, das den Kern deines Vermögens bildet. Erst wenn dieses Fundament steht, kannst du überlegen, ob du mit einem kleinen Anteil auf eine Überzeugung setzt, mit offenen Augen für die Risiken. Verwechsle Begeisterung für einen Megatrend nicht mit einer echten Anlagestrategie. Die spannendste Story ist nicht automatisch die beste Investition. Wenn du unsicher bist, wie viel Sektorwette dein Depot verträgt, kannst du jederzeit ein kostenloses Erstgespräch mit Maik buchen, ganz ohne Provisionsdruck und Verkaufsgespräch.
Fazit: Streuung schlägt Spekulation
Sektorenwetten wirken verlockend, bergen aber fünf große Risiken von Konzentration bis Opportunitätskosten. Für die meisten Anleger bleibt die breite Streuung der sichere und entspannte Weg zum Vermögensaufbau, weil sie Fehler verzeiht und die gesamte Weltwirtschaft für dich arbeiten lässt. Hör dir die ganze Folge an und abonniere den Podcast, um keine weiteren Themen zu verpassen. In der nächsten Folge geht es weiter mit einem spannenden Baustein deiner Geldanlage. Bleib dran und triff deine Entscheidungen künftig informiert statt aus dem Bauch heraus.
Shownotes zu dieser Folge +
28 - Sektorenwetten vs. breite Streuung - Was macht mehr Sinn
In der achtundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast klären Lia und Finanzexperte Maik Marx die große Frage: Solltest du gezielt in Technologie, Gesundheit oder erneuerbare Energien investieren? Oder ist ein breit gestreuter Welt-ETF die bessere Wahl?
Erfahre, was Sektoren sind (elf Hauptsektoren nach GICS: Technologie, Gesundheit, Finanzen, etc.), warum Sektorenwetten so verlockend sind (höhere Renditen, Überzeugung, Einfachheit, Aufmerksamkeit), welche fünf großen Risiken sie bergen (Konzentration, Timing, Fehleinschätzung, emotionale Achterbahn, Opportunitätskosten), und wann Sektorenwetten als Beimischung Sinn machen können (maximal zehn bis fünfzehn Prozent).
- ✓ Was Sektoren sind (elf Hauptsektoren nach GICS)
- ✓ Technologie, Gesundheit, Finanzen, Konsumgüter, Energie, etc.
- ✓ Warum Sektorenwetten so verlockend sind
- ✓ Höhere Renditen in der Vergangenheit
- ✓ Überzeugung und Einfachheit
- ✓ FOMO: Fear of Missing Out
- ✓ Die fünf großen Risiken von Sektorenwetten
- ✓ Konzentration: Alles auf eine Karte
- ✓ Timing: Wann einsteigen, wann aussteigen? ⏰
- ✓ Fehleinschätzung: Du kannst dich irren
- ✓ Emotionale Achterbahn: Hohe Volatilität
- ✓ Opportunitätskosten: Andere Sektoren verpassen
Komplettes Transkript dieser Folge +
Hey, schön, dass ihr wieder dabei seid. Hier ist Lia von Finanzpost.de. Ich muss euch was gestehen. Ich bin gerade total hin- und hergerissen. Letzte Woche habe ich mit einer Freundin gesprochen, die mir erzählt hat, dass sie nur in Technologieaktien investiert. Sie hat in den letzten Jahren richtig gute Renditen gemacht mit Apple, Microsoft und Tesla. Und dann habe ich einen Artikel gelesen über erneuerbare Energien und wie das die Zukunft ist. Jetzt frage ich mich. Sollte ich auch gezielt in bestimmte Sektoren investieren? Oder ist mein breit gestreuter Welt-ETF die bessere Wahl? Heute klären wir genau diese Frage. Sektorenwetten versus breite Streuung. Maik, ich brauche deine Hilfe.
Maik Marx: Hallo Lia, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Das ist eine ausgezeichnete Frage, Lia, und eine, die viele Anleger beschäftigt. Die Versuchung ist groß, auf den nächsten Megatrend aufzuspringen. Aber ist das wirklich klug? Heute werden wir klären, was Sektoren überhaupt sind, warum Sektorenwetten so verlockend sind, welche Risiken sie bergen, wann Sektorenwetten Sinn machen können und warum breite Streuung für die meisten Anleger die bessere Wahl ist. Am Ende wirst du eine klare Entscheidung treffen können.
Perfekt. Lass uns mit den Grundlagen starten. Was sind Sektoren überhaupt? Ich höre immer wieder von Technologie, Gesundheit, Finanzen. Wie sind die eingeteilt?
Maik Marx: Sektoren sind Branchen- oder Wirtschaftszweige, in denen Unternehmen tätig sind. Die gängigste Einteilung ist die GIGS-Klassifikation. Das steht für Global Industry Classification Standard. Sie teilt die Wirtschaft in elf Hauptsektoren ein. 1. Informationstechnologie. Das sind Unternehmen wie Apple, Microsoft, Google, Facebook, NVIDIA. Sie entwickeln Software, Hardware, Cloud-Dienste. 2. Gesundheitswesen. Das sind Pharmaunternehmen wie Pfizer, Johnson & Johnson, Medizintechnikfirmen, Krankenhäuser. 3. Finanzwesen. Das sind Banken wie J. Morgan, Versicherungen wie Allianz, Kreditkartenfirmen wie Visa. 4. Nicht-Basis-Konsumgüter. Das sind Unternehmen wie Amazon, Tesla, Nike, Starbucks. Produkte, die nicht lebensnotwendig sind. 5. Basiskonsumgüter Das sind Unternehmen wie Procter & Gamble, Coca-Cola, Nestlé Produkte des täglichen Bedarfs, Sechstens, Industrie. Das sind Unternehmen wie Siemens, Boeing, Caterpillar, Maschinen, Infrastruktur, Transport. Siebtens, Kommunikationsdienste. Das sind Unternehmen wie Netflix, Disney, Telekom. Medien, Unterhaltung, Telekommunikation. Achtens, Energie. Das sind Ölkonzerne wie Exxon Mobil, Chevron, aber auch erneuerbare Energien. Neuntens Versorger. Das sind Strom-, Gas- und Wasserversorger. Sehr stabile, defensive Unternehmen. Zehntens Immobilien. Das sind Rates- und Immobilienentwickler. Und elftens Rohstoffe. Das sind Bergbauunternehmen, Stahlproduzenten, Chemiekonzerne. Diese elf Sektoren decken die gesamte Wirtschaft ab.
Elf Sektoren. Das ist eine gute Übersicht. Und wenn ich in einen Welt-ETF wie den FTS All World investiere, sind da alle elf Sektoren drin?
Maik Marx: Genau, Lia. Ein breit gestreuter Welt-ETF enthält Unternehmen aus allen elf Sektoren, gewichtet nach ihrer Marktkapitalisierung. Aktuell ist Informationstechnologie der größte Sektor mit etwa 25 bis 30 Prozent, gefolgt von Finanzwesen mit etwa 15 Prozent, Gesundheitswesen mit etwa 12 Prozent und so weiter. Die Gewichtung ändert sich über die Zeit, je nachdem welche Sektoren wachsen und welche schrumpfen. Vor 20 Jahren war Energie noch viel größer, heute ist Technologie dominant. Das ist das Schöne an einem Welt-ETF. Er passt sich automatisch an die Realität der Wirtschaft an. Du musst nichts tun.
Automatische Anpassung. Das klingt sehr bequem. Aber warum sind dann Sektorenwetten so verlockend? Warum wollen so viele Menschen gezielt in Technologie oder erneuerbare Energien investieren?
Maik Marx: Das hat mehrere Gründe, Lia. Erstens, höhere Renditen. Manche Sektoren haben in der Vergangenheit deutlich besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt. Technologie ist das beste Beispiel. In den letzten zehn Jahren hat der Technologiesektor den breiten Markt deutlich geschlagen. Wer nur in Technologie investiert hat, hat viel mehr Rendite gemacht als jemand, der breit gestreut hat. Das ist verlockend. 2. Überzeugung Manche Menschen glauben fest daran, dass ein bestimmter Sektor die Zukunft ist. Erneuerbare Energien, Elektromobilität, künstliche Intelligenz. Sie wollen nicht nur Geld verdienen, sondern auch in ihre Überzeugung investieren. 3. Einfachheit Es ist einfacher, eine Geschichte zu verstehen. Ich investiere in die Zukunft der Energie, klingt klarer und greifbarer als Ich investiere in 3.700 Unternehmen weltweit. Und viertens, Aufmerksamkeit. Die Medien berichten ständig über die nächsten Megatrends. Wasserstoff, Cannabis, Blockchain. Das erzeugt FOMO, Fear of Missing Out, die Angst, etwas zu verpassen. All das macht Sektorenwetten sehr verlockend.
Höhere Renditen, Überzeugung, Einfachheit, Aufmerksamkeit. Das sind tatsächlich starke Argumente. Aber ich höre schon raus, dass du skeptisch bist. Was sind die Risiken von Sektorenbetten?
Maik Marx: Du hast recht, Lia. Ich bin skeptisch. Und das hat gute Gründe. Es gibt fünf große Risiken. Risiko Nummer eins, Konzentration. Wenn du nur in einen Sektor investierst, setzt du alles auf eine Karte. Wenn dieser Sektor einbricht, verlierst du viel Geld. Beispiel. Wer im Jahr 2000 nur in Technologie investiert hat, hat in der Dotcom-Blase bis zu 80% verloren. Wer breit gestreut war, hat viel weniger verloren. Risiko Nummer 2, Timing. Wann ist der richtige Zeitpunkt, in einen Sektor einzusteigen? Und wann ist der richtige Zeitpunkt, wieder auszusteigen? Das ist extrem schwer zu sagen. Oft steigt man ein, wenn ein Sektor schon sehr teuer ist, weil alle darüber reden. Und dann kommt die Korrektur. Risiko Nummer 3. Fehleinschätzung. Du kannst dich irren. Vielleicht ist erneuerbare Energie nicht die Zukunft, wie du denkst. Vielleicht gibt es technologische Durchbrüche, die alles ändern. Vielleicht sind die regulatorischen Rahmenbedingungen anders als erwartet. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Risiko Nummer 4. Emotionale Achterbahn. Sektorenwetten sind viel volatiler als ein breit gestreutes Portfolio. Du wirst große Schwankungen erleben. Und das kann emotional sehr belastend sein. Viele Menschen verkaufen dann in Panik und realisieren Verluste. Und Risiko Nummer 5, Opportunitätskosten. Wenn du nur in einen Sektor investierst, verpasst du die Renditen aller anderen Sektoren. Vielleicht läuft Gesundheitswesen in den nächsten zehn Jahren besser als Technologie. Aber du bist nicht dabei, weil du alles auf Technologie gesetzt hast.
Fünf große Risiken. Das ist ernüchternd. Konzentration, Timing, Fehleinschätzung, emotionale Achterbahn, Opportunitätskosten. Aber gibt es denn Situationen, in denen Sektorenwetten trotzdem Sinn machen?
Maik Marx: Ja, Lia, es gibt Situationen, in denen Sektorenwetten als Beimischung Sinn machen können. Aber Achtung, als Beimischung, nicht als Kernstrategie. Situation 1. Du hast eine sehr starke, fundierte Überzeugung und bist bereit, das Risiko zu tragen. Wenn du zum Beispiel im Gesundheitswesen arbeitest, die Branche sehr gut kennst und überzeugt bist, dass bestimmte Entwicklungen kommen, dann kann eine Beimischung von 10-15% in Gesundheits-ETFs sinnvoll sein, aber eben nur als Beimischung. Situation 2. Du willst dein Portfolio gezielt ausbalancieren. Wenn dein Welt-ETF sehr tech-lastig ist und du das Risiko reduzieren willst, kannst du defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter oder Versorger beimischen. Das reduziert die Volatilität. Situation 3. Du willst ethisch oder nachhaltig investieren. Wenn dir Nachhaltigkeit wichtig ist, kannst du gezielt in erneuerbare Energien oder ESG-Sektoren investieren. Aber auch hier als Beimischung. Und Situation 4. Du hast ein sehr großes Portfolio und willst optimieren. Wenn du 100.000 Euro oder mehr hast, kannst du mit Sektorenwetten experimentieren, ohne deine finanzielle Sicherheit zu gefährden. Aber für die meisten Menschen, vor allem Anfänger, ist breite Streuung die bessere Wahl.
Als Beimischung, nicht als Kernstrategie. Das ist ein wichtiger Punkt. Aber wie viel Beimischung ist sinnvoll? 5%? 10%? 20%?
Maik Marx: Meine Empfehlung, Lia, maximal 10-15% deines Portfolios sollten in Sektorenwetten gehen. Der Rest sollte breit gestreut sein. Warum? Weil du so das Beste aus beiden Welten bekommst. Du hast die Stabilität und Sicherheit der breiten Streuung, aber du kannst auch deine Überzeugungen und Ideen umsetzen. Wenn du zum Beispiel 10.000 Euro hast, investierst du 8.500 Euro in einen FC All World und 1.500 Euro in einen Sektor-ETF deiner Wahl. So hast du 85% Sicherheit und 15% Experiment. Das ist ein guter Kompromiss.
85% breit gestreut 15% Sektorenwetten Das klingt nach einem vernünftigen Ansatz. Aber welche Sektoren sind denn aktuell interessant? Oder sollte ich diese Frage gar nicht stellen?
Maik Marx: Du solltest diese Frage tatsächlich kritisch hinterfragen, ja. Denn wenn ich dir jetzt sage, welche Sektoren aktuell interessant sind, mache ich genau das, was ich kritisiere. Ich versuche, die Zukunft vorherzusagen. Aber ich kann dir sagen, welche Sektoren historisch unterschiedliche Eigenschaften haben. Defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter, Gesundheitswesen und Versorger sind stabiler, schwanken weniger, haben niedrigere Renditen, aber auch niedrigere Risiken. Sie laufen in Krisen oft besser als der Gesamtmarkt. Zyklische Sektoren wie Technologie, Nicht-Basiskonsumgüter und Industrie schwanken stärker, haben höhere Renditen, aber auch höhere Risiken. Sie laufen in Boom-Phasen besser als der Gesamtmarkt. Wenn du also dein Portfolio stabiler machen willst, mischst du defensive Sektoren bei. Wenn du mehr Risiko und Rendite willst, mischst du zyklische Sektoren bei. Aber welcher Sektor in den nächsten zehn Jahren am besten läuft, das weiß niemand.
Defensive Sektoren für Stabilität. Zyklische Sektoren für Rendite. Das ist eine hilfreiche Unterscheidung. Aber jetzt die große Frage. Was würdest du mir empfehlen? Soll ich bei meinem FTSE All World bleiben oder soll ich Sektorenwetten beimischen?
Maik Marx: Lia, du bist Anfängerin, du bist jung, du hast einen langen Anlagehorizont. Meine klare Empfehlung, bleib bei deinem FTSE All World. 100%. Warum? Weil er dir alles gibt, was du brauchst. Er ist breit gestreut über 3.700 Unternehmen, über 50 Länder, über alle 11 Sektoren. Er passt sich automatisch an die Wirtschaft an. Du musst nichts tun. Keine Entscheidungen, kein Timing, kein Stress. Und langfristig wirst du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine gute Rendite erzielen. Historisch 7 bis 8 Prozent pro Jahr. Wenn du in ein paar Jahren mehr Erfahrung hast, wenn du die Märkte besser verstehst, wenn du ein größeres Portfolio hast, dann kannst du überlegen, ob du Sektorenwetten als Beimischung hinzufügst. Aber jetzt? Bleib einfach. Einfachheit ist eine Tugend beim Investieren.
Bleib einfach. Das ist ein sehr beruhigender Rat. Ich glaube, ich werde genau das tun. Meine FTS All World bleibt mein Kern. Und ich experimentiere nicht mit Sektoren. Zumindest nicht jetzt. Maik, gibt es noch etwas, das ich beachten sollte, wenn ich irgendwann doch Sektorenwetten machen will?
Maik Marx: Ja. Lia, ein paar wichtige Punkte. Erstens, nutze ETFs, keine Einzelaktien. Wenn du in einen Sektor investieren willst, kaufe einen Sektor-ETF, nicht einzelne Aktien. Ein Technologie-ETF enthält 100 oder mehr Technologieunternehmen. Wenn eines pleite geht, ist das kein Problem. Wenn du aber nur Apple und Tesla hast und eines der beiden einbricht, verlierst du viel. 2. Achte auf die Kosten. Manche Sektor-ETFs sind teurer als breit gestreute ETFs. Prüfe die TER, die laufenden Kosten. Sie sollten unter 0,5% liegen. 3. Übertreibe es nicht. Maximal 10 bis 15 Prozent deines Portfolios. Wie gesagt. Viertens. Rebalance auch deine Sektorenwetten. Wenn dein Technologie-ETF sehr gut läuft und plötzlich 30 Prozent deines Portfolios ausmacht, verkaufe einen Teil und investiere in deinen Welt-ETF. Halte deine Zielallokationen ein. Und fünftens. Sei ehrlich zu dir selbst. Wenn du nachts nicht schlafen kannst, weil dein Sektor-ETF 20% im Minus ist, dann sind Sektorenwetten nichts für dich. Verkaufe und gehe zurück zur breiten Streuung. Es gibt keinen Grund, sich zu quälen.
5 wichtige Punkte ETFs statt Einzelaktien Kosten beachten Nicht übertreiben Rebalancen Ehrlich zu sich selbst sein Das sind sehr praktische Ratschläge. Vielen Dank, Maik. Ich glaube, ich habe jetzt eine klare Entscheidung. Ich bleibe bei meinem FTS All World und experimentiere nicht mit Sektoren. Zumindest nicht in den nächsten Jahren.
Maik Marx: Das ist eine sehr kluge Entscheidung, Lia. Und ich bin mir sicher, dass du damit langfristig sehr erfolgreich sein wirst. Einfachheit, Geduld und Disziplin sind die Schlüssel zum Anlageerfolg. Und auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, möchte ich ermutigen. Ihr braucht keine komplizierten Strategien. Ein einziger breit gestreuter ETF reicht aus. Alles andere ist optional.
Absolut. In unserer nächsten Folge, Folge 29, sprechen wir über die größten Geldfallen im Alltag und wie du sie vermeidest. Von Abos, die du vergisst zu kündigen, bis zu teuren Impulskäufen. Das wird super praktisch. Bis nächste Woche. Bleibt klug und investiert einfach.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.
Moment Maik, eine Frage habe ich noch. Was ist mit thematischen ETFs? Ich sehe immer wieder Werbung für ETFs zu Themen wie künstliche Intelligenz, Robotik, Cybersecurity, Wasserstoff. Sind das auch Sektorenwetten oder ist das was anderes?
Maik Marx: Sehr gute Frage, Lia. Thematische ETFs sind eine spezielle Form von Sektorenwetten, aber noch konzentrierter. Ein Sektor-ETF wie ein Technologie-ETF enthält alle Technologieunternehmen, also Apple, Microsoft, aber auch kleinere Softwarefirmen, Halbleiterhersteller, IT-Dienstleister. Ein thematischer ETF wie ein künstlicher Intelligenz-ETF enthält nur Unternehmen, die direkt mit KI zu tun haben. Das können Technologieunternehmen sein, aber auch Gesundheitsunternehmen, die KI in der Diagnostik nutzen oder Autohersteller, die autonomes Fahren entwickeln. entwickeln. Thematische ETFs sind also noch fokussierter, noch konzentrierter und damit noch riskanter. Sie setzen auf einen ganz bestimmten Trend. Wenn dieser Trend sich durchsetzt, kannst du hohe Renditen erzielen. Wenn der Trend sich nicht durchsetzt oder wenn du zu spät einsteigst, kannst du viel Geld verlieren. Meine Meinung zu thematischen ETFs ist noch skeptischer als zu Sektor-ETFs. Sie sind oft sehr teuer, die Kosten liegen oft über 0,5%, manchmal sogar über 1%. Sie sind sehr volatil und sie sind oft Marketingprodukte. Die Anbieter bringen sie genau dann auf den Markt, wenn ein Thema gerade heiß ist und alle darüber reden. Das ist genau der falsche Zeitpunkt zum Einsteigen. Wenn du trotzdem in thematische ETFs investieren willst, dann wirklich nur als kleines Experiment, maximal 5% deines Portfolios und nur, wenn du bereit bist, das Geld zu verlieren.
Thematische ETFs sind noch riskanter als Sektor-ETFs. Verstanden. Ich werde die Finger davon lassen. Aber was ist mit aktiv gemanagten Fonds? Die gezielt in bestimmte Sektoren investieren. Sind die besser als Sektor-ETFs?
Maik Marx: Nein, Lia, im Gegenteil. Aktiv gemanagte Fonds sind in der Regel schlechter als ETFs, egal ob Sektor oder breit gestreut. Warum? Weil sie viel teurer sind. Die laufenden Kosten liegen oft bei 1 bis 2 Prozent pro Jahr, manchmal sogar höher. Dazu kommen oft Ausgabeaufschläge von 5 Prozent beim Kauf. Das sind riesige Kosten, die deine Rendite auffressen. Und Studien zeigen immer wieder, dass die meisten aktiv gemanagten Fonds langfristig schlechter abschneiden als passive ETFs. Warum? Weil die Kosten zu hoch sind, weil die Fondsmanager oft falsche Entscheidungen treffen und weil es sehr schwer ist, den Markt dauerhaft zu schlagen. Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, ein paar sehr gute Fondsmanager, die den Markt langfristig schlagen. Aber die zu finden ist extrem schwer. Und selbst wenn du einen findest, weißt du nicht, ob er in Zukunft weiterhin gut sein wird. Meine klare Empfehlung, Finger weg von aktiv gemanagten Fonds. Nutze passive ETFs. Sie sind günstiger, transparenter und langfristig erfolgreicher.
Aktiv gemanagte Fonds sind teurer und schlechter. Das ist eine klare Ansage. Ich werde mich an ETFs halten. Maik, eine allerletzte Frage. Was ist, wenn ich wirklich fest davon überzeugt bin, dass ein bestimmter Sektor die Zukunft ist? Sagen wir, erneuerbare Energien. Ich glaube wirklich daran. Sollte ich dann nicht mein ganzes Geld da reinstecken?
Maik Marx: Lia, ich verstehe deine Überzeugung. Und es ist gut, dass du an etwas glaubst. Aber investieren ist nicht glauben. Investieren ist Wahrscheinlichkeitsrechnung, Risikomanagement, Diversifikation. Selbst wenn du zu 99% überzeugt bist, dass erneuerbare Energien die Zukunft sind, gibt es immer noch ein Prozent Unsicherheit. Und dieses eine Prozent kann dich alles kosten. Was ist, wenn es einen technologischen Durchbruch in der Kernfusion gibt, der alles ändert? Was ist, wenn die politischen Rahmenbedingungen sich ändern? Was ist, wenn die Unternehmen, in die du investierst, schlecht gemanagt sind und pleite gehen? Du kannst die Zukunft nicht vorhersagen. Niemand kann das. Deshalb ist Diversifikation so wichtig. Du kannst gerne 10 oder 15% deines Portfolios in erneuerbare Energien investieren, um deine Überzeugung auszudrücken. Aber stecke nicht alles da rein. Das ist Glücksspiel, nicht investieren. Und noch etwas. Wenn erneuerbare Energien wirklich die Zukunft sind, dann werden die Unternehmen in diesem Sektor wachsen, ihre Marktkapitalisierung wird steigen und sie werden automatisch einen größeren Anteil in deinem Welt-ETF einnehmen. Du profitierst also auch mit einem breit gestreuten ETF von diesem Trend, ohne alles auf eine Karte zu setzen.
Diversifikation ist wichtiger als Überzeugung. Das ist eine harte, aber wichtige Lektion. Vielen Dank, Maik. Ich glaube, ich habe jetzt wirklich verstanden, warum breite Streuung für mich die richtige Wahl ist.
Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. Und ich bin mir sicher, dass du mit dieser Entscheidung langfristig sehr glücklich sein wirst. Einfachheit, Geduld und Diversifikation sind die Grundpfeiler erfolgreichen Investierens. Halte dich daran und du wirst deine finanziellen Ziele erreichen.
Perfekt. Vielen Dank, Maik, für diese super wichtige Folge. Ich fühle mich jetzt viel sicherer in meiner Strategie.
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Und auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wünsche ich viel Erfolg. Lasst euch nicht von den neuesten Trends und Hypes verführen. Bleibt bei eurer Strategie. Bleibt breit gestreut und bleibt geduldig. Langfristig werdet ihr damit am erfolgreichsten sein.
Absolut. In unserer nächsten Folge, Folge 29, sprechen wir über die größten Geldfallen im Alltag. Von vergessenen Abos, über teure Impulskäufe, bis zu versteckten Gebühren. Wir zeigen euch, wie ihr hunderte Euro pro Jahr sparen könnt. Bis nächste Woche. Bleibt klug und investiert einfach.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.
Ach, und Maik, eine wirklich allerletzte Frage. Meine Freundin, die in Technologieaktien investiert hat, hat mir erzählt, dass sie in den letzten fünf Jahren über 50 Prozent Rendite gemacht hat. Sollte ich nicht auch so viel Rendite machen wollen?
Maik Marx: Lia, das ist eine sehr wichtige Frage und sie berührt ein psychologisches Phänomen, das viele Anleger in die Irre führt. Deine Freundin hat Glück gehabt. Sie hat in den letzten fünf Jahren in Technologie investiert. Und Technologie ist in den letzten fünf Jahren extrem gut gelaufen. Aber das bedeutet nicht, dass sie eine gute Anlegerin ist. Und es bedeutet nicht, dass Technologie in den nächsten fünf Jahren auch so gut laufen wird. Es gibt einen Begriff dafür, Survivorship Bias, auf Deutsch Überlebensverzerrung. Du hörst nur von den Menschen, die Erfolg hatten. Du hörst nicht von den Menschen, die in Energie investiert haben und 50% verloren haben. Du hörst nicht von den Menschen, die in Cannabis-Aktien investiert haben und 80% verloren haben. Die erzählen dir nichts, weil sie sich schämen, aber sie existieren und es sind viel mehr als die Gewinner. Wenn du versuchst, die Rendite deiner Freundin zu kopieren, machst du zwei Fehler. Erstens, du investierst wahrscheinlich zu spät. Technologie ist jetzt schon sehr teuer, weil alle darüber reden. Die besten Renditen macht man, wenn man früh einsteigt, nicht wenn alle schon dabei sind. Und zweitens, du gehst ein viel höheres Risiko ein. Deine Freundin könnte in den nächsten fünf Jahren 50% verlieren. Bist du bereit, das zu akzeptieren? Mein Rat, vergleiche dich nicht mit anderen. Jeder hat eine andere Strategie, ein anderes Risikoprofil, andere Ziele. Deine Strategie ist breit gestreut, langfristig, sicher. Das ist eine sehr gute Strategie. Bleib dabei und du wirst langfristig erfolgreich sein. Vielleicht nicht so spektakulär wie deine Freundin in den letzten fünf Jahren, aber dafür viel sicherer und nachhaltiger.
Survivorship Bias Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Ich höre nur von den Gewinnern, nicht von den Verlierern. und ich sollte mich nicht mit anderen vergleichen. Das ist eine wichtige Lektion. Vielen Dank, Maik. Jetzt bin ich wirklich bereit, meine Strategie durchzuziehen.
Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. Du bist auf einem sehr guten Weg. Bleib dabei, sei geduldig und du wirst deine finanziellen Ziele erreichen. Ich bin mir sicher.