Rebalancing: Wie du dein Portfolio dauerhaft im Gleichgewicht hältst
Willkommen zurück bei Finanzpost.de! In Folge 27 sprechen Lia und Finanzexperte Maik Marx über ein Thema, das viele Anleger sträflich vernachlässigen: das Rebalancing. Lia hat ihr Risikoprofil bestimmt, ihre Asset Allocation festgelegt und ihren ersten ETF-Sparplan eingerichtet, doch jetzt beschäftigt sie eine Frage: Wie hält man ein Portfolio langfristig im Gleichgewicht? Du erfährst, was Rebalancing genau ist, warum es für Risiko und Rendite entscheidend ist, wie oft du es machen solltest und mit welchen fünf Schritten du dein Depot ohne Stress wieder auf Kurs bringst. Diese Folge macht dich zum disziplinierten Investor.
Was Rebalancing überhaupt bedeutet
Rebalancing heißt auf Deutsch schlicht Wiederherstellung des Gleichgewichts. Es ist der Prozess, bei dem du dein Portfolio regelmäßig wieder auf deine ursprüngliche Zielallokation zurücksetzt. Maik erklärt es an einem Beispiel: Du entscheidest dich für eine Sechzig-vierzig-Strategie, also sechzig Prozent Aktien und vierzig Prozent Anleihen. Von zehntausend Euro investierst du sechstausend in einen Aktien-ETF und viertausend in einen Anleihen-ETF. Nach einem starken Aktienjahr mit plus zwanzig Prozent sind deine Aktien siebentausendzweihundert Euro wert, die Anleihen stabil bei viertausend. Plötzlich machen die Aktien vierundsechzig Prozent aus, dein Portfolio ist riskanter geworden, als du es wolltest. Beim Rebalancing verkaufst du einen Teil der Aktien und kaufst Anleihen nach, bis wieder sechzig-vierzig steht. Die Grundlagen zu Anlageklassen findest du kompakt in unserem Wissensbereich.
Warum Rebalancing so wichtig ist
Wenn deine Aktien gut laufen, ist das doch positiv, oder? Hier liegt der Knackpunkt, denn es gibt drei starke Gründe für Rebalancing. Erstens die Risikokontrolle: Steigen deine Aktien immer weiter, wird dein Portfolio schleichend riskanter, aus sechzig werden achtzig oder neunzig Prozent. Kommt dann ein Crash, verlierst du mehr, als du emotional verkraften kannst. Rebalancing hält dein Risiko konstant auf dem Niveau, das du bewusst gewählt hast. Zweitens die Renditeoptimierung: Du handelst automatisch antizyklisch, verkaufst also teuer gewordene Anlagen und kaufst günstige nach. Genau das tun erfolgreiche Investoren. Und drittens die Disziplin: Rebalancing zwingt dich, rational zu handeln, wenn die Emotionen hochkochen. Wie viel du überhaupt umschichten müsstest, kannst du mit unseren Rechnern durchspielen.
Wie oft du rebalancen solltest
Die Frage nach dem richtigen Rhythmus ist entscheidend, und es gibt drei Hauptmethoden. Beim zeitbasierten Rebalancing setzt du dir einen festen Termin, zum Beispiel jeden ersten Januar. Das ist einfach und planbar, du musst dein Depot nicht ständig überwachen. Der Nachteil: Du rebalancst manchmal zu oft oder zu selten. Beim schwellenwertbasierten Rebalancing legst du eine Toleranzgrenze fest, meist fünf Prozentpunkte. Weicht deine Aktienquote von sechzig Prozent so stark ab, dass sie unter fünfundfünfzig oder über fünfundsechzig Prozent liegt, greifst du ein. So handelst du nur, wenn es wirklich nötig ist, musst dein Portfolio aber regelmäßig im Blick behalten. Welche Grenzen zu welcher Strategie passen, erklärt dir unser Finanzlexikon.
Die beste Methode für Privatanleger
Maiks Favorit ist die Kombination aus beiden Ansätzen: Du schaust einmal pro Jahr nach deinem Portfolio und rebalancst nur, wenn die Abweichung mehr als fünf Prozentpunkte beträgt. Das ist einfach, effizient und kostet dich kaum Zeit. Für die allermeisten Privatanleger ist genau das der Königsweg, weil er Disziplin und Bequemlichkeit verbindet. Du vermeidest hektisches Dauergrübeln über tägliche Kursbewegungen und triffst gleichzeitig nur dann Entscheidungen, wenn es sich lohnt. Setze dir am besten einen festen Kalendertermin, etwa im Januar, und mach das Rebalancing zu einem jährlichen Ritual. So wird aus einer komplizierten Aufgabe eine ruhige Routine. Welche Anlagemischung dabei zu deinem Ziel passt, zeigt dir unsere Anlage-Übersicht.
Die fünf Schritte zum Rebalancing
In der Praxis läuft Rebalancing in fünf klaren Schritten ab. Erstens: Verschaffe dir einen Überblick über den aktuellen Stand deiner Anlagen, also über den Wert jeder Position. Zweitens: Berechne, welchen prozentualen Anteil jede Anlageklasse aktuell ausmacht. Drittens: Vergleiche diese Ist-Werte mit deiner Zielallokation und prüfe, ob die Abweichung über deiner Toleranzgrenze liegt. Viertens: Ermittle, wie viel du verkaufen und nachkaufen musst, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Fünftens: Führe die Transaktionen aus und dokumentiere sie, damit du beim nächsten Mal einen sauberen Ausgangspunkt hast. Diese Struktur nimmt dir die Unsicherheit und macht das Ganze zu einer nüchternen Rechenaufgabe statt einer Bauchentscheidung. Passende Broker und Depots vergleichst du in unserem Vergleich.
Ziel: 60 % Aktien, 40 % Anleihen. Start mit 10.000 € (6.000 € Aktien, 4.000 € Anleihen). Nach einem Aktienjahr von +20 % stehen 7.200 € Aktien und 4.000 € Anleihen, gesamt 11.200 €. Die Aktienquote liegt jetzt bei 64,3 % statt 60 %. Du verkaufst rund 480 € Aktien und kaufst dafür Anleihen nach: 6.720 € Aktien und 4.480 € Anleihen ergeben wieder exakt 60/40.
Kosten sparen beim Rebalancing
Rebalancing kann Steuern und Transaktionskosten verursachen, wenn du Anteile verkaufst. Deshalb gibt es einen cleveren Trick: Nutze neue Einzahlungen und Entnahmen, um dein Portfolio in Balance zu bringen, statt gleich zu verkaufen. Wenn deine Aktienquote zu hoch ist, lenkst du deine nächsten Sparraten einfach verstärkt in Anleihen, bis die Zielallokation wieder stimmt. So rebalancst du fast nebenbei, ohne Verkäufe und ohne dadurch ausgelöste Steuern. Gerade in der Ansparphase mit laufendem Sparplan ist dieser Weg besonders effizient. Für neutrale, unabhängige Grundlagen zu Kosten und Anlegerschutz lohnt sich ein Blick auf die Verbraucherzentrale, das Portal Finanztip und die Deutsche Bundesbank.
Die passenden Werkzeuge
Für das Rebalancing brauchst du keine teure Software. Die einfachste Variante ist der Blick in dein Broker-Depot, das dir die aktuellen Werte und oft auch die prozentuale Aufteilung anzeigt. Wer es genauer mag, nutzt kostenlose Programme wie Portfolio Performance, die dein gesamtes Vermögen über mehrere Konten hinweg auswerten und die Zielallokation im Auge behalten. Und wenn du es ganz schlicht magst, reicht eine selbstgebaute Excel-Tabelle, in der du deine Positionen und Zielwerte einträgst. Wichtig ist nicht das Werkzeug, sondern dass du überhaupt regelmäßig hinschaust und konsequent handelst. Ein klarer Prozess schlägt jedes noch so ausgefeilte Tool, das du nie benutzt.
Fazit: Ruhe schlägt Aktionismus
Rebalancing hält dein Risiko konstant, optimiert langfristig deine Rendite und zwingt dich zu Disziplin, statt Emotionen entscheiden zu lassen. Einmal pro Jahr schauen, ab fünf Prozentpunkten Abweichung handeln und neue Sparraten geschickt einsetzen: Mehr braucht es meist nicht. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und setze dir gleich einen jährlichen Rebalancing-Termin in den Kalender. In der nächsten Folge geht es weiter mit den nächsten Bausteinen deiner Anlagestrategie.
Shownotes zu dieser Folge +
27 - Rebalancing - Wie du dein Portfolio im Gleichgewicht hältst
Einmal pro Jahr, eine Stunde Zeit – so bleibt dein Portfolio perfekt!
In der siebenundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast zeigen dir Lia und Finanzexperte Maik Marx, wie du dein Portfolio langfristig im Gleichgewicht hältst! Was ist Rebalancing und warum ist es so wichtig?
- ✓ Was Rebalancing ist (Wiederherstellung der Zielallokation)
- ✓ Warum Rebalancing so wichtig ist
- ✓ Risikokontrolle: Verhindert unkontrolliertes Risiko
- ✓ Renditeoptimierung: Verkaufe teuer, kaufe günstig
- ✓ Disziplin: Handel rational statt emotional
- ✓ Wie oft du rebalancen solltest
- ✓ Zeitbasiertes Rebalancing: Einmal pro Jahr
- ✓ Schwellenwertbasiertes Rebalancing: Bei fünf Prozent Abweichung
- ✓ Kombination: Einmal pro Jahr schauen, bei fünf Prozent rebalancen ⏰
- ✓ Die fünf Schritte zum Rebalancing
- ✓ Kosten sparen: Neue Einzahlungen und Entnahmen nutzen
- ✓ Tools: Broker, Portfolio Performance, Excel
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Willkommen zurück bei Finanzpost.de. Ich bin Lia und freue mich riesig, dass ihr wieder dabei seid. Die letzten Wochen waren unglaublich lehrreich für mich. Ich habe mein Risikoprofil bestimmt, meine Asset Allocation festgelegt und ich habe sogar schon meinen ersten ETF-Sparplan eingerichtet. Den Vanguard FTC All World. Ich fühle mich richtig gut damit. Aber letzte Woche hat Maik etwas erwähnt, das mich seitdem beschäftigt. Rebalancing. Er hat gesagt, ich sollte mein Portfolio etwa einmal pro Jahr überprüfen und gegebenenfalls wieder auf meine Zielallokation zurücksetzen. Aber wie genau macht man das? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Und warum ist das überhaupt wichtig? Heute klären wir alle Fragen rund um Rebalancing. Maik, ich bin bereit.
Maik Marx: Hallo Lia. Hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Schön, dass du so motiviert bist, Lia. Rebalancing ist tatsächlich ein sehr wichtiges Thema, das viele Anleger vernachlässigen. Heute werden wir klären, was Rebalancing genau ist, warum es so wichtig ist, wann und wie oft du rebalancen solltest, welche Methoden es gibt und welche Fehler du vermeiden solltest. Am Ende wirst du genau wissen, wie du dein Portfolio langfristig im Gleichgewicht hältst.
Lia: Perfekt. Lass uns mit der Grundfrage starten. Was ist Rebalancing überhaupt? Ich habe eine vage Vorstellung. Aber eine klare Definition wäre super.
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Rebalancing bedeutet auf Deutsch Wiederherstellung des Gleichgewichts. Es ist der Prozess, bei dem du dein Portfolio regelmäßig wieder auf deine ursprüngliche Zielallokation zurücksetzt. Lass mich das an einem Beispiel erklären. Angenommen, du hast dich für eine 60-40-Strategie entschieden. 60% Aktien, 40% Anleihen Am Anfang des Jahres investierst du 10.000 Euro, 6.000 Euro in einen Aktien-ETF, 4.000 Euro in einen Anleihen-ETF. Jetzt läuft ein Jahr, die Aktienmärkte haben ein fantastisches Jahr und steigen um 20%. Deine Aktien sind jetzt 7.200 Euro wert. Die Anleihen sind stabil geblieben bei 4.000 Euro. Dein Gesamtvermögen ist jetzt 11.200 Euro. Aber die Aufteilung ist nicht mehr 60-40. Deine Aktien machen jetzt 64,3% aus. Deine Anleihen nur noch 35,7%. Dein Portfolio ist risikoreicher geworden, als du es eigentlich wolltest. Beim Rebalancing verkaufst du jetzt einen Teil der Aktien und kaufst dafür Anleihen, um wieder auf 60-40 zu kommen. Du verkaufst etwa 480 Euro Aktien und kaufst dafür 480 Euro Anleihen. Jetzt hast du wieder 6720 Euro in Aktien und 4480 Euro in Anleihen. Das ist wieder 60-40. Das ist Rebalancing.
Lia: Ah, jetzt verstehe ich. Rebalancing bedeutet, dass ich mein Portfolio wieder auf die ursprüngliche Aufteilung zurücksetze. Aber warum ist das wichtig? Wenn meine Aktien gut gelaufen sind, ist das doch eigentlich positiv, oder?
Maik Marx: Das ist eine sehr gute Frage, Lia. Und genau hier liegt der Knackpunkt. Es gibt drei Hauptgründe, warum Rebalancing wichtig ist. Erstens Risikokontrolle. Wenn deine Aktien stark steigen und du nicht rebalancst, wird dein Portfolio immer risikoreicher. Aus 60% Aktien werden 70, dann 80, vielleicht sogar 90%. Du bist dann viel stärker von den Aktienmärkten abhängig, als du es eigentlich wolltest. Wenn dann ein Crash kommt, verlierst du viel mehr, als du emotional verkraften kannst. Du erinnerst dich an unseren Workshop zum Risikoprofil. Du hast gesagt, bei einem Verlust von 30% würdest du in Panik geraten. Wenn dein Portfolio durch fehlendes Rebalancing zu aktienlastig geworden ist, ist die Wahrscheinlichkeit für solche Verluste viel höher. Rebalancing hält dein Risiko konstant auf dem Niveau, das du dir ausgesucht hast. 2. Renditeoptimierung Das klingt paradox, aber Rebalancing kann langfristig deine Rendite erhöhen. Warum? Weil du automatisch antizyklisch handelst. Du verkaufst Anlagen, die gut gelaufen sind und teuer geworden sind und kaufst Anlagen, die schlecht gelaufen sind und günstig geworden sind. Du verkaufst teuer und kaufst günstig. Das ist genau das, was erfolgreiche Investoren tun. Studien zeigen, dass Portfolios mit regelmäßigem Rebalancing langfristig oft besser abschneiden als Portfolios ohne Rebalancing. Und drittens Disziplin. Rebalancing zwingt dich, rational zu handeln, auch wenn die Emotionen hochkochen. In einem Bullenmarkt, wenn alle euphorisch sind, verkaufst du Aktien. In einem Bärenmarkt, wenn alle panisch sind, kaufst du Aktien. Das ist das Gegenteil von dem, was die meisten Menschen tun. Und genau deshalb ist es so wertvoll.
Lia: Risikokontrolle, Renditeoptimierung und Disziplin. Das sind drei sehr überzeugende Argumente. Aber wie oft sollte ich denn rebalancen? Einmal pro Jahr? Einmal pro Monat? Oder nur, wenn die Abweichung besonders groß ist?
Maik Marx: Auch das ist eine sehr gute Frage, Lia. Es gibt verschiedene Ansätze und welcher für dich am besten ist, hängt von deiner Situation ab. Die drei Hauptmethoden sind zeitbasiertes Rebalancing, schwellenwertbasiertes Rebalancing und eine Kombination aus beidem. Beim zeitbasierten Rebalancing setzt du dir einen festen Rhythmus, zum Beispiel einmal pro Jahr, immer am 1. Januar. Oder einmal pro Halbjahr, immer am 1. Januar und am 1. Juli. Du schaust dann, wie dein Portfolio aussieht und setzt es wieder auf deine Zielallokation zurück. Egal wie groß die Abweichung ist. Der Vorteil ist, dass es sehr einfach und planbar ist. Du musst nicht ständig dein Portfolio überwachen. Der Nachteil ist, dass du möglicherweise zu oft oder zu selten rebalancst. Wenn die Märkte sehr ruhig sind, rebalancst du vielleicht, obwohl es nicht nötig wäre. Wenn die Märkte sehr volatil sind, wartest du vielleicht zu lange. Beim Schwellenwert basierten Rebalancing setzt du dir eine Toleranzgrenze. Zum Beispiel 5%. Wenn deine Aktienquote um mehr als 5% Punkte von deiner Zielallokation abweicht, rebalancst du. Wenn deine Zielallokation 60% Aktien ist, rebalancst du, sobald deine Aktienquote unter 55 oder über 65% steigt. Der Vorteil ist, dass du nur dann rebalancst, wenn es wirklich nötig ist. Der Nachteil ist, dass du dein Portfolio regelmäßig überwachen musst, was Zeit und Aufmerksamkeit kostet. Die Kombination aus beidem ist mein Favorit. Du schaust einmal pro Jahr nach deinem Portfolio und du rebalanzt nur, wenn die Abweichung mehr als 5 Prozentpunkte beträgt. Das ist einfach, effizient und kostet nicht zu viel Zeit. Für die meisten Privatanleger ist das die beste Methode.
Lia: Einmal pro Jahr schauen und nur rebalancen, wenn die Abweichung mehr als 5 Prozentpunkte beträgt. Das klingt nach einem sehr praktischen Ansatz. Aber wie genau mache ich das? Welche Schritte muss ich durchgehen?
Maik Marx: Lass uns das Schritt für Schritt durchgehen. Schritt 1. Bestandsaufnahme. Du loggst dich in dein Depot ein und schaust, wie viel Geld du in welchen Positionen hast. Notiere dir den aktuellen Wert jeder Position und berechne den Gesamtwert deines Portfolios. Schritt 2. Ist-Allokation berechnen Du berechnest, wie viel Prozent jede Position aktuell ausmacht. Wenn du 10.000 Euro Gesamtvermögen hast, davon 7.000 Euro in Aktien und 3.000 Euro in Anleihen, ist deine Ist-Allokation 70% Aktien und 30% Anleihen. Schritt 3. Abweichung prüfen Du vergleichst deine Ist-Allokation mit deiner Soll-Allokation. Deine Soll-Allokation ist 60% Aktien, 40% Anleihen. Die Abweichung ist also plus 10% Punkte bei Aktien, minus 10% Punkte bei Anleihen. Das ist mehr als deine Toleranzgrenze von 5% Punkten, also musst du rebalancen. Schritt 4. Rebalancing Bedarf berechnen Du berechnest, wie viel du verkaufen und kaufen musst, um wieder auf 60-40 zu kommen. Bei 10.000 Euro Gesamtvermögen solltest du 6.000 Euro in Aktien und 4.000 Euro in Anleihen haben. Du hast aber 7.000 Euro in Aktien und 3.000 Euro in Anleihen. Du musst also 1.000 Euro Aktien verkaufen und für 1.000 Euro Anleihen kaufen. Schritt 5. Rebalancing durchführen. Du verkaufst 1000 Euro deines Aktien-ETFs und kaufst für 1000 Euro deinen Anleihen-ETF. Fertig. Dein Portfolio ist wieder im Gleichgewicht.
Lia: Das klingt eigentlich ziemlich einfach. Fünf Schritte und ich bin fertig. Aber was ist mit den Kosten? Jedes Mal, wenn ich kaufe oder verkaufe, fallen doch Gebühren an, oder?
Maik Marx: Absolut richtig, Lia. Rebalancing kostet Geld. Und das ist ein wichtiger Punkt, den du beachten musst. Es gibt zwei Arten von Kosten. Transaktionskosten und Steuern. Transaktionskosten sind die Gebühren, die deine Bank oder dein Broker für jeden Kauf und Verkauf verlangt. Bei vielen modernen Online-Brokern sind ETF-Käufe und Verkäufe relativ günstig, oft zwischen 0 und 10 Euro pro Transaktion. Aber wenn du ein kleines Portfolio hast, können diese Kosten ins Gewicht fallen. Wenn du zum Beispiel nur 2000 Euro hast und 10 Euro Gebühren zahlst, sind das 0,5% deines Portfolios. Das ist viel. Deshalb ist es bei kleinen Portfolios oft besser, seltener zu rebalancen oder die Toleranzgrenze höher zu setzen, zum Beispiel auf 10 Prozentpunkte. Steuern sind noch wichtiger. In Deutschland zahlst du Abgeltungssteuer auf Gewinne, wenn du verkaufst. Wenn du Aktien verkaufst, die im Wert gestiegen sind, musst du 25 Prozent Steuern auf den Gewinn zahlen. Das reduziert deine Rendite. Deshalb solltest du versuchen, Rebalancing so steuerschonend wie möglich zu gestalten. Wie? Indem du nicht verkaufst, sondern nur neue Einzahlungen nutzt. Wenn du einen monatlichen Sparplan hast, kannst du einfach deine neuen Einzahlungen in die untergewichtete Anlageklasse stecken, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt ist. Das kostet keine Steuern. oder du nutzt Verluste aus anderen Positionen, um Gewinne auszugleichen. Das nennt man Tax Loss Harvesting. Aber das ist ein fortgeschrittenes Thema.
Lia: Rebalancing durch neue Einzahlungen statt durch Verkäufe. Das ist ein super Tipp. Das spart Steuern und Gebühren. Aber was ist, wenn ich keine neuen Einzahlungen habe? Wenn ich zum Beispiel schon in Rente bin und von meinem Portfolio lebe?
Maik Marx: Dann musst du tatsächlich verkaufen und kaufen, Lia. Aber auch hier gibt es einen Trick. Du kannst deine regelmäßigen Entnahmen nutzen, um zu rebalancen. Angenommen, du entnimmst jeden Monat 500 Euro aus deinem Portfolio, um deinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Wenn deine Aktien übergewichtet sind, entnimmst du die 500 Euro nur aus deinen Aktien. Wenn deine Anleihen übergewichtet sind, entnimmst du nur aus den Anleihen. So rebalancst du automatisch, ohne extra zu kaufen. Das ist sehr elegant. Aber wenn du weder Einzahlungen noch Entnahmen hast, musst du tatsächlich verkaufen und kaufen. Dann solltest du darauf achten, dass die Abweichung groß genug ist, dass sich die Kosten lohnen. Eine Faustregel. Rebalancing lohnt sich, wenn die Abweichung mindestens 5 Prozentpunkte beträgt und dein Portfolio mindestens 10.000 Euro groß ist.
Lia: Das macht Sinn. Rebalancing durch Einzahlungen oder Entnahmen ist am effizientesten. Aber was ist mit meinem Sparplan? Muss ich den auch rebalancen?
Maik Marx: Ja, Lia, auch bei Sparplänen solltest du regelmäßig schauen, ob die Aufteilung noch stimmt. Wenn du zum Beispiel zwei Sparpläne hast, einen für Aktien mit 180 Euro pro Monat und einen für Anleihen mit 120 Euro pro Monat, ist das eine 60-40-Aufteilung. Wenn sich deine Zielallokation ändert oder wenn eine Anlageklasse stark gestiegen ist, kannst du die Sparplanraten anpassen. Wenn deine Aktien stark gestiegen sind und übergewichtet sind, reduzierst du den Aktiensparplan auf 150 Euro und erhöhst den Anleihensparplan auf 150 Euro. So rebalancst du automatisch mit deinen neuen Einzahlungen. Das ist sehr effizient.
Lia: Sparplanraten anpassen, das ist eine elegante Lösung. Maik, ich glaube, ich habe jetzt ein gutes Verständnis von Rebalancing. Gibt es noch häufige Fehler, die ich vermeiden sollte?
Maik Marx: Ja. Lia, es gibt ein paar klassische Fehler. Fehler Nummer 1, zu häufig rebalancen. Manche Menschen schauen jeden Monat ins Depot und rebalancen bei jeder kleinen Abweichung. Das kostet zu viel Gebühren und Steuern und bringt kaum Mehrwert. Einmal pro Jahr reicht völlig aus. Fehler. Nummer 2. Gar nicht rebalancen. Das ist das andere Extrem. Manche Menschen setzen ihr Portfolio einmal auf und schauen dann 10 Jahre nicht mehr hin. Das ist gefährlich, weil das Risiko unkontrolliert steigen kann. Fehler Nummer 3. Emotionales Rebalancing. Manche Menschen rebalancen nicht nach Plan, sondern nach Gefühl. Wenn die Aktienmärkte crashen, verkaufen sie in Panik ihre Aktien und kaufen Anleihen. Wenn die Aktienmärkte boomen, kaufen sie euphorisch mehr Aktien. Das ist das Gegenteil von dem, was du tun solltest. Rebalancing muss nach einem festen Plan erfolgen, nicht nach Emotionen. Fehler Nummer 4 Die Toleranzgrenze zu eng setzen Wenn du sagst, du rebalancst schon bei 1% Abweichung, wirst du ständig rebalancen und zu viele Kosten haben. 5-10% sind eine gute Toleranzgrenze. Und Fehler Nummer 5 Die Steuern ignorieren Rebalancing kann teuer werden, wenn du nicht auf die Steuern achtest. Nutze Freibeträge, nutze neue Einzahlungen und verkaufe nur, wenn es wirklich nötig ist.
Lia: Fünf klassische Fehler. Ich werde versuchen, sie alle zu vermeiden. Vor allem der Punkt mit den Emotionen ist wichtig. Ich muss nach Plan handeln, nicht nach Gefühl. Maik, eine letzte Frage. Was ist, wenn sich meine Lebenssituation ändert und ich meine Zielallokation anpassen will? Ist das auch Rebalancing?
Maik Marx: Nein, das ist kein Rebalancing im eigentlichen Sinne, sondern eine Anpassung deiner Strategie. Rebalancing bedeutet, dass du zu deiner ursprünglichen Zielallokation zurückkehrst. Wenn du aber deine Zielallokation änderst, weil du älter geworden bist, weil sich dein Risikoprofil geändert hat oder weil sich deine Ziele geändert haben, dann ist das eine strategische Neuausrichtung. Zum Beispiel, du bist jetzt 30 und hast eine 60-40-Strategie. In 20 Jahren bist du 50 und möchtest vielleicht auf eine 50-50-Strategie wechseln, weil du näher an der Rente bist. Das ist keine Rückkehr zur alten Allokation, sondern eine neue Allokation. Aber der Prozess ist ähnlich. Du verkaufst 10% deiner Aktien und kaufst dafür Anleihen. Der Unterschied ist die Absicht. Rebalancing erhält deine Strategie, strategische Neuausrichtung ändert deine Strategie. Beides ist wichtig und richtig, aber du solltest den Unterschied kennen.
Lia: Rebalancing erhält die Strategie, strategische Neuausrichtung ändert die Strategie. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Vielen Dank, Maik. Ich fühle mich jetzt wirklich bereit, mein Portfolio langfristig im Gleichgewicht zu halten.
Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. Und ich bin mir sicher, dass du das großartig machen wirst. Und auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wünsche ich viel Erfolg beim Rebalancing. Denkt daran. Rebalancing ist keine Raketenwissenschaft. Einmal pro Jahr schauen, Abweichung prüfen, gegebenenfalls anpassen. Das ist alles. Aber es ist eine der wichtigsten Disziplinen für langfristigen Anlageerfolg.
Lia: Absolut. In unserer nächsten Folge, Folge 28, sprechen wir über Sektorenwetten versus breite Streuung. Sollte man gezielt in bestimmte Branchen investieren oder ist ein breit gestreuter Welt-ETF besser? Das wird spannend. Bis nächste Woche. Bleib diszipliniert und rebalance it klug.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.
Lia: Moment Maik, bevor wir zum Ende kommen, habe ich noch eine praktische Frage. Gibt es Tools oder Apps, die mir beim Rebalancing helfen? Oder muss ich das alles manuell mit Taschenrechner und Excel machen?
Maik Marx: Eine sehr praktische Frage, Lia. Nein, du musst das nicht alles manuell machen. Es gibt viele Tools, die dir helfen können. Erstens, dein Broker oder deine Bank. Die meisten modernen Online-Broker zeigen dir in der Depotübersicht automatisch an, wie dein Portfolio aufgeteilt ist. Du siehst auf einen Blick. 70% Aktien, 30% Anleihen. Manche Broker bieten sogar eine Rebalancing-Funktion an, die dir genau sagt, wie viel du verkaufen und kaufen musst. 2. Portfolio-Tracker-Apps Es gibt kostenlose Apps wie Portfolio Performance, Paket oder GetQuin, die dein Portfolio analysieren und dir Rebalancing-Vorschläge machen. Du gibst deine Zielallokation ein, die App zeigt dir die Abweichung und sagt dir genau, was du tun musst. 3. Excel oder Google Sheets Wenn du es gerne selbst machst, kannst du dir eine einfache Tabelle bauen. Spalte 1, Position, Spalte 2, aktueller Wert, Spalte 3, Prozent, Spalte 4, Zielprozent, Spalte 5, Abweichung, Spalte 6, Rebalancing, Bedarf. Das dauert 10 Minuten einmalig und dann kannst du es jedes Jahr wiederverwenden. Mein Tipp, nutze die Tools deines Brokers, das ist am einfachsten. Wenn du mehr Kontrolle willst, nutze Portfolio Performance. Das ist ein kostenloses, sehr mächtiges Tool für Privatanleger.
Lia: Portfolio Performance. Das klingt interessant. Ich werde mir das mal anschauen. Und noch eine Frage. Was ist mit automatischem Rebalancing? Ich habe gehört, dass manche Robo-Advisor das automatisch machen. Ist das eine gute Option?
Maik Marx: Ja, Lia. Robo-Advisor wie Scalable Capital, Quarion oder Oscar bieten automatisches Rebalancing an. Du gibst dein Risikoprofil an, der Robo-Advisor erstellt ein Portfolio für dich. Und er rebalanzet automatisch, wenn die Abweichung zu groß wird. Du musst dich um nichts kümmern. Das ist sehr bequem, aber es hat auch Nachteile. 1. Kosten Robo-Advisor verlangen eine Gebühr, oft 0,5 bis 1 Prozent pro Jahr zusätzlich zu den ETF-Kosten. Das klingt wenig, aber über 30 Jahre macht das einen riesigen Unterschied. Bei 100.000 Euro sind das 500 bis 1.000 Euro pro Jahr. 2. Weniger Kontrolle. Du kannst nicht selbst entscheiden, wann und wie Rebalance it wird. Der Robo-Advisor macht das nach seinen Regeln. 3. Weniger Lernen. Wenn du alles automatisierst, lernst du nichts über deine Finanzen. Du bleibst abhängig vom Robo-Advisor. Meine Meinung, für absolute Anfänger, die sich gar nicht mit Finanzen beschäftigen wollen, können Robo-Advisor eine gute Lösung sein. Aber für jemanden wie dich, Lia, der lernen will und sich weiterentwickeln will, ist es besser, selbst zu rebalancen. Es ist wirklich nicht schwer und du sparst viel Geld.
Lia: Selbst rebalancen statt Robo-Advisor. Das macht Sinn. Ich will ja lernen und verstehen, was ich tue. Maik, eine allerletzte Frage. Gibt es Situationen, in denen ich nicht rebalancen sollte?
Maik Marx: Ja, Lia, es gibt tatsächlich Situationen, in denen Rebalancing nicht sinnvoll ist oder sogar schädlich sein kann. Erstens, wenn dein Portfolio sehr klein ist, wenn du nur 2.000 Euro hast und die Transaktionskosten 10 Euro betragen, kostet dich das Rebalancing 0,5% deines Portfolios. Das ist zu viel. Warte, bis dein Portfolio größer ist, mindestens 10.000 Euro. 2. Wenn die Abweichung sehr klein ist Wenn deine Aktienquote statt 60% bei 61% liegt, lohnt sich Rebalancing nicht. Die Kosten sind höher als der Nutzen. Halte dich an deine Toleranzgrenze von 5 Prozentpunkten. Drittens, wenn du kurz vor einem großen steuerlichen Ereignis stehst. Wenn du zum Beispiel nächstes Jahr in Rente gehst und dein Steuersatz sinkt, kann es sinnvoll sein, mit dem Rebalancing zu warten, bis dein Steuersatz niedriger ist. Dann zahlst du weniger Steuern auf die Gewinne. Und viertens, wenn du in einer extremen Marktsituation bist. Wenn die Märkte gerade um 50% gecrashed sind und du emotional am Ende bist, ist es vielleicht besser, ein paar Wochen zu warten, bis du dich beruhigt hast, bevor du rebalancst. Rebalancing sollte eine rationale, geplante Entscheidung sein, keine emotionale Panikreaktion.
Lia: Sehr klein Portfolio, sehr kleine Abweichung, steuerliche Überlegungen, extreme Marktsituation. Das sind vier gute Ausnahmen. Vielen Dank, Maik. Jetzt habe ich wirklich alle meine Fragen beantwortet. Ich werde mir einen festen Termin im Kalender setzen, zum Beispiel immer am 1. Januar. Und dann schaue ich mein Portfolio an und prüfe, ob ich rebalancen muss.
Maik Marx: Das ist eine ausgezeichnete Idee, Lia. Ein fester Termin im Kalender ist perfekt. Mach es zu einem Ritual wie den Frühjahrsputz oder die Steuererklärung. Einmal pro Jahr, eine Stunde Zeit und du hast dein Portfolio im Griff. Das ist alles, was du brauchst.
Lia: Perfekt. Vielen Dank, Maik, für diese super hilfreiche Folge. Ich fühle mich jetzt wirklich bereit, mein Portfolio langfristig erfolgreich zu managen.
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Und auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wünsche ich viel Erfolg. Rebalancing ist eine der einfachsten und gleichzeitig wirkungsvollsten Strategien für langfristigen Anlageerfolg. Nutzt sie!
Lia: Absolut. In unserer nächsten Folge, Folge 28, sprechen wir über Sektorenwetten versus breite Streuung. Sollte man gezielt in Technologie, Gesundheit oder erneuerbare Energien investieren? Oder ist ein breit gestreuter Welt-ETF die bessere Wahl? Das wird super spannend. Bis nächste Woche. Bleibt investiert und rebalance it klug.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.