Das Weltportfolio: Geografische Streuung richtig gemacht
Willkommen zu Folge 26 von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. Lia hat ihren ersten ETF-Sparplan eingerichtet und steht prompt vor der nächsten Frage: Was bedeutet eigentlich global? Wie viel USA, wie viel Europa, wie viel Asien gehören in ein Aktienportfolio, und braucht man wirklich Schwellenländer? Gemeinsam mit Finanzexperte Maik Marx klärt sie, warum geografische Streuung so entscheidend ist, wie die Weltwirtschaft aufgeteilt ist und wie du dein globales Aktiendepot konkret aufbaust. Am Ende weißt du genau, wie dein Weltportfolio aussehen sollte.
Home Bias: der Fehler mit dem Heimatmarkt
Viele Anleger investieren überproportional in ihrem Heimatland, weil sie sich dort sicherer fühlen. In der Fachsprache heißt das Home Bias, also Heimatmarkt-Verzerrung, und es ist ein teurer Fehler. Deutschland macht nur etwa drei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus. Wer ausschließlich hier investiert, verpasst rund siebenundneunzig Prozent der weltweiten Chancen. Die größten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt sitzen nicht in Deutschland, sondern überwiegend in den USA. Hinzu kommt: Du bist ohnehin schon stark von Deutschland abhängig. Dein Job, deine Rente, deine mögliche Immobilie, dein soziales Umfeld, alles ist hier verankert. Setzt du auch noch dein gesamtes Vermögen auf diese eine Karte, ist das das Gegenteil von Diversifikation. Die Grundlagen dazu findest du kompakt in unserem Wissensbereich.
Warum Streuung dein Risiko senkt
Investierst du nur in einer Region, konzentrierst du dein Risiko. Gerät die deutsche Wirtschaft in eine Krise, leidet dein gesamtes Portfolio mit. Bist du dagegen weltweit aufgestellt, gleichen sich regionale Schwächen aus: Schwächelt Europa, läuft vielleicht Asien gut. Haben die USA eine Rezession, wachsen womöglich die Schwellenländer. Genau dieser Ausgleich ist der Kern eines Weltportfolios, das die ganze Welt abbildet, statt auf einzelne Märkte zu wetten. Es geht nicht darum, den besten Markt vorherzusagen, sondern an allen gleichzeitig beteiligt zu sein. Wie sich verschiedene Gewichtungen langfristig auswirken, kannst du mit unseren Rechnern selbst durchspielen.
Wie die Weltwirtschaft aufgeteilt ist
Die Weltwirtschaft wird üblicherweise in zwei große Kategorien eingeteilt: Industrieländer und Schwellenländer. Die Industrieländer, auf Englisch Developed Markets, sind die wirtschaftlich entwickelten, stabilen Länder mit hohem Lebensstandard, starken Institutionen und funktionierenden Rechtssystemen. Dazu zählen Nordamerika, Westeuropa sowie entwickelte Länder im Raum Asien-Pazifik wie Japan, Australien oder Singapur. Sie machen etwa achtundachtzig Prozent der globalen Börsenkapitalisierung aus. Die Schwellenländer, auf Englisch Emerging Markets, befinden sich noch in der Entwicklung. Sie bieten oft höheres Wachstum, aber auch höhere Risiken durch weniger stabile politische Systeme. Dazu gehören China, Indien, Brasilien, Südafrika oder Mexiko. Sie machen rund zwölf Prozent aus, wobei China mit dreißig bis vierzig Prozent dominiert. Die genauen Definitionen erklärt dir unser Finanzlexikon.
Warum die USA so dominant sind
Innerhalb der Industrieländer dominieren die USA mit etwa siebzig Prozent ihrer Kapitalisierung, also rund sechzig Prozent der gesamten Weltkapitalisierung. Europa kommt auf etwa fünfzehn Prozent, Japan auf rund sechs Prozent, der Rest auf etwa neun Prozent. Diese Dominanz wirft eine berechtigte Frage auf: Sollte dein Weltportfolio wirklich zu sechzig Prozent aus US-Aktien bestehen? Die Antwort hängt von deiner gewählten Strategie ab. Wichtig ist zu verstehen, dass die hohe US-Quote kein Zufall ist, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger wirtschaftlicher Stärke. Ob das in Zukunft so bleibt, weiß allerdings niemand. Eine Übersicht über die verschiedenen Anlagewege bietet dir unsere Anlage-Übersicht.
Bei der Marktkapitalisierungsgewichtung gewichtest du jede Region nach ihrer Größe: rund 60 % USA, 15 % Europa, 6 % Japan, 7 % übrige Industrieländer, 12 % Schwellenländer. Das verfolgen ETFs wie der MSCI World oder FTSE All-World. Bei der angepassten Gewichtung reduzierst du bewusst die USA, etwa 40 % USA, 30 % Europa, 10 % Japan, 10 % übrige, 10 % Schwellenländer. Für die meisten Anleger gilt: einfach der Marktkapitalisierung folgen.
Brauchst du Schwellenländer?
Ganz klar: Ja. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien gehören mit etwa zehn bis fünfzehn Prozent in ein echtes Weltportfolio. Sie bieten höheres Wachstumspotenzial und sorgen für zusätzliche Streuung, weil sie sich nicht immer im Gleichschritt mit den Industrieländern bewegen. Wer sie ganz weglässt, bildet eben nicht die ganze Welt ab, sondern nur deren entwickelten Teil. Gleichzeitig solltest du sie nicht übergewichten, denn die höheren Renditechancen gehen mit höheren politischen und währungsbezogenen Risiken einher. Eine Beimischung im genannten Rahmen ist der sinnvolle Mittelweg zwischen Chance und Sicherheit. Welche Produkte sich dafür eignen, zeigt dir unser Vergleich.
Ein-ETF- oder Zwei-ETF-Lösung?
Für die praktische Umsetzung gibt es zwei elegante Wege. Die Ein-ETF-Lösung mit einem Vanguard FTSE All-World oder einem iShares MSCI ACWI deckt Industrie- und Schwellenländer in einem einzigen Produkt ab, inklusive automatischer Gewichtung nach Marktkapitalisierung. Das ist simpel, kostengünstig und wartungsarm. Die Zwei-ETF-Lösung kombiniert einen MSCI World für die Industrieländer mit einem MSCI Emerging Markets und gibt dir die Freiheit, die Schwellenländer-Quote selbst zu steuern. Small Caps, also kleinere Unternehmen, sind eine optionale Ergänzung, aber keineswegs notwendig. Achte zudem auf vier Punkte: Währungsrisiko, steuerliche Behandlung, Geduld und regelmäßiges Investieren per Sparplan. Neutrale Informationen findest du bei der Verbraucherzentrale, bei Finanztip und bei der Deutschen Bundesbank.
Fazit: Die ganze Welt in deinem Depot
Geografische Streuung ist kein Detail, sondern das Fundament eines robusten Aktienportfolios. Lege den Home Bias ab, bilde die ganze Welt ab und entscheide dich für eine Strategie, die zu dir passt, sei es die einfache Ein-ETF-Lösung oder die flexible Zwei-ETF-Variante. Wichtig ist vor allem, dass du anfängst und konsequent dabei bleibst. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und mach den nächsten Schritt. In der kommenden Folge sprechen wir darüber, wie du dein Portfolio mit Rebalancing langfristig in Balance hältst.
Shownotes zu dieser Folge +
26 - Das Weltportfolio - Geografische Streuung richtig gemacht
In der sechsundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast zeigen dir Lia und Finanzexperte Maik Marx, wie du ein perfektes Weltportfolio aufbaust! Wie viel USA, Europa, Asien und Schwellenländer brauchst du?
Erfahre, warum geografische Streuung so wichtig ist (Home Bias vermeiden, Deutschland ist nur drei Prozent!), wie die Weltwirtschaft aufgeteilt ist (achtundachtzig Prozent Industrieländer, zwölf Prozent Schwellenländer), warum die USA so dominant sind (sechzig Prozent der Weltkapitalisierung), und was Schwellenländer sind (China, Indien, Brasilien – höheres Wachstum, höheres Risiko).
- ✓ Warum geografische Streuung so wichtig ist (Home Bias)
- ✓ Deutschland macht nur drei Prozent der Weltwirtschaft aus
- ✓ Wie die Weltwirtschaft aufgeteilt ist
- ✓ Industrieländer: Achtundachtzig Prozent (USA, Europa, Japan)
- ✓ Schwellenländer: Zwölf Prozent (China, Indien, Brasilien)
- ✓ Warum die USA sechzig Prozent ausmachen
- ✓ Marktkapitalisierungsgewichtung vs. gleichgewichtete Gewichtung
- ✓ Brauchst du Schwellenländer? (Ja, zehn bis fünfzehn Prozent!)
- ✓ Ein-ETF-Lösung: Vanguard FTSE All-World oder iShares MSCI ACWI ⏰
- ✓ Zwei-ETF-Lösung: MSCI World plus MSCI Emerging Markets
- ✓ Brauchst du Small Caps? (Optional, nicht notwendig)
- ✓ Vier wichtige Punkte: Währungsrisiko, Steuern, Geduld, regelmäßig investieren
Komplettes Transkript dieser Folge +
Hallo zusammen. Schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Hier ist Lia von Finanzpost.de. Ich muss euch sagen, ich bin gerade total motiviert. Letzte Woche haben wir über Asset Allocation gesprochen und ich habe direkt angefangen, mein Portfolio aufzubauen. Ich habe meinen ersten ETF-Sparplan eingerichtet. 60% Aktien, 40% Anleihen. Das fühlt sich so gut an, endlich aktiv zu werden. Aber beim Einrichten ist mir eine Frage gekommen. Maik hat gesagt, ich brauche einen globalen Aktien-ETF. Aber was bedeutet global genau? Wie viel USA, wie viel Europa, wie viel Asien sollte da drin sein? Und brauche ich wirklich Schwellenländer? Heute sprechen wir über das Weltportfolio, wie du geografisch richtig streust. Maik, ich bin gespannt.
Maik Marx: Hallo Lia, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Ich freue mich sehr, dass du den ersten Schritt gemacht hast, Lia. Das ist großartig. Und deine Frage ist absolut berechtigt. Geografische Diversifikation ist ein extrem wichtiger Teil deiner Anlagestrategie. Heute werden wir klären, warum geografische Streuung so wichtig ist, wie die Weltwirtschaft aufgeteilt ist, welche Regionen es gibt und wie du sie gewichtest, was Schwellenländer sind und ob du sie brauchst und welche konkreten ETFs für ein Weltportfolio geeignet sind. Am Ende wirst du genau wissen, wie dein globales Aktienportfolio aussehen sollte.
Perfekt! Lass uns mit der Grundfrage starten. Warum ist geografische Streuung überhaupt wichtig? Reicht es nicht einfach in deutsche oder europäische Aktien zu investieren? Ich kenne mich hier ja aus. Ich lebe hier. Ich verstehe die Wirtschaft.
Maik Marx: Das ist ein sehr häufiger Gedanke, Lia, und er heißt in der Fachsprache Home Bias, also Heimatmarktverzerrung. Viele Menschen investieren überproportional in ihrem Heimatland. Weil sie sich dort sicherer fühlen. Aber das ist ein großer Fehler. Warum? Erstens, Deutschland macht nur etwa 3% der globalen Wirtschaftsleistung aus. Wenn du nur in Deutschland investierst, verpasst du 97% der weltweiten Chancen. Die größten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt sitzen nicht in Deutschland, sondern in den USA. Apple, Microsoft, Amazon, Google, Tesla. 2. Du konzentrierst dein Risiko Wenn die deutsche Wirtschaft in eine Krise gerät, leidet dein gesamtes Portfolio. Wenn du aber weltweit investiert bist, gleichen sich regionale Schwächen aus. Wenn Europa schwächelt, läuft vielleicht Asien gut. Wenn die USA eine Rezession haben, wachsen vielleicht die Schwellenländer. 3. Du bist bereits stark von Deutschland abhängig. Dein Job, deine Rente, deine Immobilie, dein soziales Umfeld, alles ist in Deutschland. Wenn du auch noch dein gesamtes Vermögen in Deutschland investierst, setzt du alles auf eine Karte. Das ist das Gegenteil von Diversifikation. Deshalb ist geografische Streuung so wichtig. Du brauchst ein Weltportfolio, das die ganze Welt abbildet.
Home Bias, das ist ein gutes Wort. Ich gebe zu, ich hatte auch diesen Gedanken. Aber du hast recht, das macht keinen Sinn. Also, wie ist die Weltwirtschaft denn aufgeteilt? Welche Regionen gibt es?
Maik Marx: Sehr gute Frage. Die Weltwirtschaft wird üblicherweise in zwei große Kategorien eingeteilt. Industrieländer und Schwellenländer. Die Industrieländer, auf Englisch developed markets, sind die wirtschaftlich entwickelten, stabilen Länder mit hohem Lebensstandard, starken Institutionen, funktionierenden Rechtssystemen und entwickelten Kapitalmärkten. Dazu gehören Nordamerika, also USA und Kanada, Westeuropa, also Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweiz und so weiter und entwickelte Länder in Asien-Pazifik, also Japan, Australien, Neuseeland, Singapur, Hongkong. Die Industrieländer machen etwa 88% der globalen Börsenkapitalisierung aus. Innerhalb der Industrieländer dominieren die USA mit etwa 70% der Industrieländerkapitalisierung, also etwa 60% der gesamten Weltkapitalisierung. Europa macht etwa 15% aus, Japan etwa 6%, der Rest etwa 9%. Die Schwellenländer, auf Englisch Emerging Markets, sind Länder, die sich noch in der wirtschaftlichen Entwicklung befinden. Sie haben oft höheres Wachstum, aber auch höhere Risiken, weniger stabile politische Systeme, schwächere Institutionen. Dazu gehören China, Indien, Brasilien, Russland, Südafrika, Mexiko, Taiwan, Südkorea und viele andere. Die Schwellenländer machen etwa 12% der globalen Börsenkapitalisierung aus. Innerhalb der Schwellenländer dominiert China mit etwa 30 bis 40%.
88% Industrieländer. 12% Schwellenländer. Und die USA allein machen 60% aus. Das ist ja wirklich dominant. Bedeutet das, dass mein Weltportfolio zu 60% aus USA bestehen sollte?
Maik Marx: Das ist eine sehr gute Frage, Lia. Und genau hier gibt es unterschiedliche Ansätze. Es gibt zwei Hauptstrategien. Marktkapitalisierungsgewichtung und gleichgewichtete oder angepasste Gewichtung. Bei der Marktkapitalisierungsgewichtung gewichtest du jedes Land genau nach seiner Größe am Weltmarkt. Das bedeutet 60% USA, 15% Europa, 6% Japan, 7% restliche Industrieländer, 12% Schwellenländer. Das ist die Strategie, die die meisten globalen ETFs wie der MSCI World oder der FTSE All World verfolgen. Der Vorteil ist, dass du automatisch die erfolgreichsten Unternehmen und Regionen höher gewichtest. Wenn die USA gut laufen, profitierst du überproportional. Der Nachteil ist, dass du sehr stark von einer Region abhängig bist. Wenn die USA eine Krise haben, leidet dein Portfolio stark. Bei der gleichgewichteten oder angepassten Gewichtung reduzierst du bewusst die Dominanz der USA und erhöhst andere Regionen. Zum Beispiel 40% USA, 30% Europa, 10% Japan, 10% restliche Industrieländer, 10% Schwellenländer. Der Vorteil ist, dass du breiter gestreut bist und weniger abhängig von einer Region. Der Nachteil ist, dass du möglicherweise Rendite liegen lässt, wenn die USA weiterhin der Motor der Weltwirtschaft bleiben. Welche Strategie ist besser? Es gibt keine eindeutige Antwort. Historisch hat die Marktkapitalisierungsgewichtung gut funktioniert, weil die USA über Jahrzehnte sehr erfolgreich waren. Aber niemand weiß, ob das in Zukunft so bleibt. Meine Empfehlung für die meisten Anleger ist, folge der Marktkapitalisierungsgewichtung mit einem globalen ETF. Das ist einfach, kostengünstig und du musst dich nicht um Anpassungen kümmern. Wenn du aber bewusst weniger USA-Abhängigkeit willst, kannst du einen MSCI World mit einem Schwellenländer-ETF kombinieren und die Gewichtung selbst steuern.
Marktkapitalisierungsgewichtung oder angepasste Gewichtung Das ist eine wichtige Entscheidung. Ich glaube, ich würde erstmal der Marktkapitalisierung folgen, also einfach einen globalen ETF nehmen. Aber lass uns noch über Schwellenländer sprechen. Brauche ich die wirklich? Sind die nicht viel riskanter?
Maik Marx: Ja, Lia, Schwellenländer sind definitiv riskanter als Industrieländer. Sie haben höhere politische Risiken, schwächere Rechtssysteme, weniger transparente Unternehmen, höhere Währungsrisiken. Die Schwankungen sind deutlich größer, aber sie haben auch höheres Wachstumspotenzial. China, Indien, Brasilien, das sind die Wachstumsmotoren der Zukunft. Die Bevölkerung wächst, die Mittelschicht wächst, die Wirtschaft wächst schneller als in den Industrieländern. Historisch haben Schwellenländer Aktien langfristig ähnliche oder sogar leicht höhere Renditen erzielt als Industrieländer. Allerdings mit deutlich höheren Schwankungen. Die Frage ist, brauchst du Schwellenländer in deinem Portfolio? Die Antwort hängt von deinem ETF ab. Wenn du einen FTSE All World oder einen MSCI Acqui ETF kaufst, sind Schwellenländer bereits enthalten, mit ihrer natürlichen Gewichtung von etwa 10 bis 12%. Du musst nichts weiter tun. Wenn du aber einen MSCI World ETF kaufst, sind Schwellenländer nicht enthalten. Der MSCI World enthält nur Industrieländer. Dann hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du lässt es dabei und verzichtest bewusst auf Schwellenländer. Das ist völlig legitim. Dein Portfolio ist dann etwas stabiler, aber du verpasst das Wachstumspotenzial. Oder du ergänzt deinen MSCI World mit einem Schwellenländer ETF, zum Beispiel einem MSCI Emerging Markets ETF mit einer Gewichtung von 10 bis 20%. Meine Empfehlung, wenn du jung bist und einen langen Anlagehorizont hast, nimm Schwellenländer mit rein. 10 bis 15 Prozent sind eine gute Beimischung. Wenn du älter bist und Stabilität bevorzugst, kannst du auf Schwellenländer verzichten.
Okay, das macht Sinn. Ich bin jung, also würde ich Schwellenländer mitnehmen. Aber dann ist die Frage, nehme ich einen All-World-ETF, der schon alles enthält? Oder einen MSCI World plus einen Emerging Markets ETF? Was ist besser?
Maik Marx: Beides funktioniert hervorragend, Lia. Es ist eher eine Frage der Präferenz. Die Ein-ETF-Lösung. Du kaufst einen FETC All-World oder einen MSCI Azwi. Diese eine ETF enthält Industrieländer und Schwellenländer in der richtigen Gewichtung. Fertig. Das ist die einfachste Lösung. Du hast nur einen ETF, nur eine Position, nur eine Abrechnung. Der Nachteil ist, dass du die Gewichtung nicht selbst steuern kannst. Wenn der ETF sagt, 12% Schwellenländer, dann sind es 12%. Die 2-ETF-Lösung. Du kaufst einen MSCI World mit 80 bis 90% und einen MSCI Emerging Markets mit 10 bis 20%. Der Vorteil ist, dass du die Gewichtung selbst bestimmen kannst. Wenn du mehr Schwellenländer willst, nimmst du 20%. Wenn du weniger willst, nimmst du 10%. Der Nachteil ist, dass du zwei Positionen hast und beim Rebalancing beide anpassen musst. Welche Lösung ist besser? Für Anfänger empfehle ich die Ein-ETF-Lösung. Sie ist einfacher. Du kannst nichts falsch machen. Für fortgeschrittene Anleger, die mehr Kontrolle wollen, ist die Zwei-ETF-Lösung besser. Ich persönlich nutze die Zwei-ETF-Lösung, weil ich gerne die Kontrolle habe. Aber für dich, Lia, würde ich die Ein-ETF-Lösung empfehlen.
Ein-ETF-Lösung für Anfänger Zwei ETF-Lösungen für Fortgeschrittene Das ist eine klare Empfehlung. Ich glaube, ich starte mit der Ein-ETF-Lösung. Welchen ETF würdest du mir konkret empfehlen?
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Für die Ein-ETF-Lösung gibt es zwei hervorragende Optionen. Option 1. Der Vanguard FTSE All World ETF. ISIN, IE0BKMFBQT80. Dieser ETF enthält über 3.700 Aktien aus Industrieländern und Schwellenländern, deckt etwa 90% der globalen Marktkapitalisierung ab. Die laufenden Kosten liegen bei 0,22% pro Jahr. Er ist thesaurierend, das heißt, Dividenden werden automatisch reinvestiert. Das ist perfekt für den langfristigen Vermögensaufbau. Option 2, der iShares MSCI Axvi ETF. Isin IE0 B650. Dieser ETF enthält über 2.400 Aktien aus Industrieländern und Schwellenländern, deckt etwa 85% der globalen Marktkapitalisierung ab. Die laufenden Kosten liegen bei 0,20% pro Jahr. Er ist ebenfalls thesaurierend. Beide ETFs sind hervorragend. Der Vanguard ist etwas breiter gestreut, der iShares ist minimal günstiger. Du kannst nichts falsch machen. Ich persönlich würde den Vanguard FTC All World nehmen, weil er etwas mehr Unternehmen enthält und Vanguard als Anbieter sehr anlegerfreundlich ist.
Vanguard Fits All World. Das ist mein ETF. Ich werde ihn mir gleich nach der Aufnahme anschauen und meinen Sparplan anpassen. Aber eine Frage habe ich noch. Was ist mit Small Caps? Ich habe gelesen, dass kleine Unternehmen langfristig höhere Renditen erzielen. Sollte ich die auch ins Portfolio nehmen?
Maik Marx: Das ist eine sehr gute Frage, Lia. Small Caps, also kleine Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung, haben historisch tatsächlich leicht höhere Renditen erzielt als Large Caps, also große Unternehmen. Das nennt man den Small Cap Premium oder Size-Effekt. Der Grund ist, dass kleine Unternehmen oft schneller wachsen können, aber auch riskanter sind. Die Frage ist, brauchst du Small Caps in deinem Portfolio? Die Antwort ist, es ist optional, aber nicht notwendig. Die meisten globalen ETFs wie der FTSE All World oder der MSCI Aqua enthalten bereits Large Caps und Mid Caps, also große und mittelgroße Unternehmen. Das deckt etwa 90% der Marktkapitalisierung ab. Small Caps machen nur etwa 10% aus. Wenn du Small Caps hinzufügen willst, kannst du das mit einem Small Cap ETF tun, zum Beispiel einem MSCI World Small Cap ETF, mit einer Gewichtung von 5 bis 10%. Das erhöht deine Diversifikation und möglicherweise deine Rendite, aber auch deine Schwankungen. Meine Empfehlung, für den Anfang brauchst du keine Small Caps. Konzentriere dich auf einen guten globalen ETF. Wenn du in ein paar Jahren mehr Erfahrung hast und dein Portfolio optimieren willst, kannst du Small Caps als Beimischung hinzufügen. Aber es ist kein Muss.
Okay, Small Caps sind optional. Ich lasse sie erstmal weg und konzentriere mich auf meinen Vanguard FTSE All World. Maik, ich glaube, ich habe jetzt ein sehr klares Bild von meinem Weltportfolio. Gibt es noch etwas, das ich beachten sollte?
Maik Marx: Ja, Lia, ein paar wichtige Punkte gibt es noch. Erstens, Währungsrisiko. Wenn du in einen globalen ETF investierst, investierst du automatisch in viele verschiedene Währungen. US-Dollar, Euro, Yen, Pfund und so weiter. Wenn der Euro gegenüber dem Dollar schwächer wird, profitierst du, weil deine US-Aktien in Euro mehr wert sind. Wenn der Euro stärker wird, verlierst du. Das ist das Währungsrisiko. Aber langfristig gleicht sich das aus und du solltest es nicht überbewerten. 2. Steuern In Deutschland sind Kapitalerträge steuerpflichtig. Du zahlst 25% Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer auf Gewinne und Dividenden. Aber du hast einen Freibetrag von 1000 Euro pro Jahr bei verheirateten 2000 Euro. Bis dahin zahlst du keine Steuern. Stelle sicher, dass du einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank eingerichtet hast. Drittens, Geduld. Ein Weltportfolio ist eine langfristige Strategie. Du wirst Schwankungen erleben, du wirst Jahre mit Verlusten erleben. Aber langfristig, über 15, 20, 30 Jahre, wirst du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine gute Rendite erzielen. Bleib dabei, verkaufe nicht in Panik und vertraue auf die Weltwirtschaft. Und viertens, regelmäßiges Investieren. Ob Sparplan oder Einmalanlage, das Wichtigste ist, dass du regelmäßig investierst. Jeden Monat, jedes Quartal, jedes Jahr. Der Zinseszinseffekt ist dein bester Freund, aber er braucht Zeit und Kontinuität.
Währungsrisiko, Steuern, Geduld, regelmäßiges Investieren. Das sind vier sehr wichtige Punkte. Ich werde mir einen Freistellungsauftrag einrichten und meinen Sparplan auf den Vanguard FTSE Allworld umstellen. Maik, vielen Dank für diese unglaublich wertvolle Folge. Ich fühle mich jetzt wirklich bereit, mein Weltportfolio aufzubauen.
Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. Und ich bin mir sicher, dass du das großartig machen wirst. Und auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wünsche ich viel Erfolg beim Aufbau eures Weltportfolios. Denkt daran, ein einziger globaler ETF reicht aus, um an der Entwicklung der gesamten Weltwirtschaft teilzuhaben. Es muss nicht kompliziert sein.
Absolut. In unserer nächsten Folge, Folge 27, sprechen wir über Rebalancing, wie du dein Portfolio im Gleichgewicht hältst und warum das so wichtig ist. Das wird super spannend. Bis nächste Woche. Bleibt investiert und denkt global.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.
Moment Maik, bevor wir zum Ende kommen, habe ich noch eine Frage, die mir gerade durch den Kopf geht. Was ist eigentlich mit Sektorengewichtung? Ich meine, die USA sind ja so dominant, weil dort die großen Tech-Unternehmen sitzen. Ist mein Weltportfolio dann nicht automatisch sehr Tech-lastig? Ist das ein Problem?
Maik Marx: Eine ausgezeichnete Frage, Lia. Du hast absolut recht. Die USA dominieren nicht nur geografisch, sondern auch sektoral. Die größten Unternehmen im MSCI World oder FTC All World sind Tech-Giganten. Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla, Nvidia. Zusammen machen diese sieben Unternehmen etwa 15 bis 20 Prozent des gesamten Index aus. Der Technologiesektor insgesamt macht etwa 25 bis 30 Prozent aus. Ist das ein Problem? Es kommt darauf an, wie du es siehst. Einerseits ist es ein Konzentrationsrisiko. Wenn der Tech-Sektor einbricht, wie es zum Beispiel im Jahr 2000 während der Dotcom-Blase passiert ist, leidet dein gesamtes Portfolio überproportional. Andererseits sind diese Unternehmen so dominant, weil sie erfolgreich sind, weil sie die Zukunft gestalten, weil sie hohe Gewinne erzielen. Wenn du sie ausschließt oder untergewichtest, verpasst du möglicherweise Rendite. Meine Meinung ist, für die meisten Anleger ist die Sektorengewichtung im Weltportfolio völlig in Ordnung. Sie spiegelt die Realität der Weltwirtschaft wider. Wenn du aber bewusst weniger Tech-Konzentration willst, hast du zwei Möglichkeiten. Erstens, du kaufst einen gleichgewichteten ETF, einen sogenannten Equal Weight ETF, der alle Unternehmen gleichgewichtet, unabhängig von ihrer Größe. Oder zweitens, du ergänzt dein Portfolio mit Sektor-ETFs aus defensiven Bereichen wie Gesundheit, Konsum oder Versorger. Aber das macht dein Portfolio komplexer. Für den Anfang würde ich sagen, akzeptiere die Sektorengewichtung des Weltportfolios. Sie ist das Ergebnis von Marktmechanismen und hat sich historisch bewährt.
Okay, das beruhigt mich. Ich akzeptiere die Tech-Dominanz. Eine letzte Frage noch. Was ist mit Dividendenstrategien? Ich habe gehört, dass manche Leute gezielt in dividendenstarke Aktien investieren, um passives Einkommen zu generieren. Sollte ich das auch tun?
Maik Marx: Auch das ist eine sehr gute Frage, Lia. Dividendenstrategien sind ein eigenes Thema, das wir in einer früheren Folge schon besprochen haben. Kurz gesagt, Dividenden sind Gewinnausschüttungen von Unternehmen an ihre Aktionäre. Manche Unternehmen schütten hohe Dividenden aus, andere reinvestieren ihre Gewinne lieber ins Wachstum. Dividendenstarke Aktien findet man oft in defensiven Sektoren wie Versorger, Telekommunikation, Konsumgüter. Die Frage ist, brauchst du eine Dividendenstrategie? Das hängt von deinem Ziel ab. Wenn du bereits in Rente bist oder kurz davor stehst und regelmäßiges passives Einkommen aus deinem Portfolio brauchst, dann können Dividendenaktien oder Dividenden-ETFs sinnvoll sein. Wenn du aber noch im Vermögensaufbau bist, wie du, LIA, dann sind thesaurierende ETFs besser. Warum? Weil Dividenden in Deutschland steuerpflichtig sind. Wenn du Dividenden ausgezahlt bekommst, zahlst du sofort Steuern darauf. Wenn die Dividenden aber automatisch reinvestiert werden, zahlst du erst Steuern, wenn du irgendwann verkaufst. Das ist der Steuerstundungseffekt und er ist sehr wertvoll. Deshalb empfehle ich für den Vermögensaufbau thesaurierende ETFs ohne spezielle Dividenden-Fokussierung. Wenn du später in der Entnahmephase passives Einkommen brauchst, kannst du immer noch auf ausschüttende ETFs oder Dividendenaktien umschichten. Aber das ist Zukunftsmusik.
Thesaurierend für den Vermögensaufbau, ausschüttend für die Entnahmephase. Das macht total Sinn. Maik, ich glaube, jetzt habe ich wirklich alle meine Fragen beantwortet. Ich bin bereit, mein Weltportfolio zu starten.
Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. Du hast in den letzten Wochen unglaublich viel gelernt und ich bin sehr stolz auf dich. Du hast jetzt da alle Werkzeuge, die du brauchst. Du kennst deine Ziele, du kennst dein Risikoprofil, du kennst deine Asset Allocation und du kennst jetzt auch dein Weltportfolio. Der nächste Schritt ist, einfach anzufangen. Richte deinen Sparplan ein, investiere regelmäßig und dann heißt es, Geduld haben und langfristig denken.
Genau das werde ich tun. Und ich bin mir sicher, dass auch viele unserer Zuhörerinnen und Zuhörer jetzt motiviert sind, ihr eigenes Weltportfolio aufzubauen. Vielen Dank, Maik, für diese fantastische Folge.
Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Und euch allen da draußen wünsche ich viel Erfolg auf eurer Reise zur finanziellen Freiheit. Denkt daran, die Welt ist groß, die Chancen sind vielfältig. Und mit einem Weltportfolio seid ihr an allem beteiligt. Bleibt investiert, bleibt geduldig und bleibt global.
Perfekt gesagt. In unserer nächsten Folge, Folge 27, sprechen wir über Rebalancing. Wie du dein Portfolio im Gleichgewicht hältst, wann du es machen solltest und wie du es praktisch umsetzt. Das wird ein sehr wichtiges Thema. Bis nächste Woche. Macht's gut und investiert klug.
Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren. Vielen Dank.