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Folge 25 ·25:47 ·17. Juni 2026

Asset Allocation - Die richtige Vermögensaufteilung finden

Die Episode behandelt Asset Allocation und die 60-40-Strategie. Themen sind Diversifikation, konkrete Schritte mit ETFs, Rebalancing, Anpassungen an Lebenssituationen und häufige Anlegerfehler.

Asset Allocation: Die richtige Vermögensaufteilung finden

Willkommen zur fünfundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. Lia hat im letzten Workshop herausgefunden, dass sie ein ausgewogener Anlegertyp ist und eine Sechzig-vierzig-Strategie zu ihr passt. Doch jetzt kommt die spannende Frage: Wie setzt du das konkret um? Gemeinsam mit Finanzexperte Maik Marx tauchst du heute in die Königsdisziplin der Geldanlage ein, die Asset Allocation. Du erfährst, warum über neunzig Prozent deiner langfristigen Rendite von der richtigen Vermögensaufteilung abhängen, welche Anlageklassen es gibt und wie du sie sinnvoll kombinierst, bis hin zu einem konkreten Musterportfolio.

Was Asset Allocation eigentlich bedeutet

Maik bringt es klar auf den Punkt: Asset Allocation bedeutet auf Deutsch nichts anderes als Vermögensaufteilung. Es ist die strategische Entscheidung, wie du dein Gesamtvermögen auf verschiedene Anlageklassen verteilst, also auf Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe und Bargeld. Jede dieser Klassen hat eigene Eigenschaften, unterschiedliche Renditechancen, unterschiedliche Risiken und sie reagieren verschieden auf wirtschaftliche Ereignisse. Das Ziel ist es, diese Bausteine so zu kombinieren, dass du bei einem für dich akzeptablen Risiko die bestmögliche Rendite erzielst. Spannend ist: Diese Entscheidung ist wichtiger als die Auswahl einzelner Aktien oder das perfekte Timing. Studien zeigen, dass über neunzig Prozent der langfristigen Rendite eines Portfolios durch die Asset Allocation bestimmt werden. Die Grundlagen dazu findest du kompakt in unserem Wissensbereich.

Vermögen sinnvoll aufteilen: jede Anlageklasse hat ihren Platz.

Warum Diversifikation alles verändert

Vielleicht fragst du dich, warum du nicht einfach alles in einen guten Welt-ETF stecken kannst. Die Antwort liegt in einem der wichtigsten Prinzipien der Geldanlage: der Diversifikation. Du kennst den Spruch, lege nicht alle Eier in einen Korb. Wenn dein gesamtes Vermögen in Aktien steckt, bist du zu hundert Prozent von den Aktienmärkten abhängig. Crasht der Markt, crasht dein gesamtes Vermögen. Hast du aber auch Anleihen im Portfolio, die sich oft gegenläufig entwickeln, federn diese die Verluste ab und dein Depot wird stabiler. Hinzu kommt die Renditeoptimierung: Die moderne Portfoliotheorie von Harry Markowitz besagt, dass es für jedes Risikoniveau ein optimales Portfolio aus mehreren Anlageklassen gibt. Durch die richtige Kombination kannst du mehr Rendite bei gleichem Risiko erzielen oder dein Ziel mit weniger Risiko erreichen. Wie viel dein Geld über die Jahre wachsen kann, zeigt dir unser Rechner.

Aktien und Anleihen: die beiden Pfeiler

Aktien sind die wichtigste Anlageklasse. Du wirst Miteigentümer an Unternehmen und profitierst langfristig von den höchsten Renditechancen, historisch etwa sieben bis acht Prozent pro Jahr nach Inflation. Der Preis dafür ist hohe Volatilität: In schlechten Jahren können Aktien um dreißig, vierzig oder sogar fünfzig Prozent fallen. Deshalb eignen sie sich vor allem, wenn dein Anlagehorizont mindestens zehn Jahre beträgt. Anleihen sind das Gegengewicht. Hier gibst du Staaten oder Unternehmen einen Kredit und bekommst dafür einen festen Zinssatz und am Laufzeitende dein Geld zurück. Besonders Staatsanleihen von Ländern mit sehr guter Bonität sind deutlich sicherer als Aktien, werfen aber meist nur zwei bis drei Prozent pro Jahr ab. Anleihen dienen der Stabilisierung deines Portfolios und dem Kapitalerhalt. Eine Übersicht verschiedener Anlageformen findest du in unserer Anlage-Übersicht.

Reihe von Sparschweinen als Sinnbild für verschiedene Anlageklassen
Mehrere Töpfe statt nur einer: so funktioniert Diversifikation.

Immobilien, Rohstoffe und Bargeld

Neben Aktien und Anleihen gibt es drei weitere Bausteine. Immobilien sind Sachwerte, die langfristig im Wert steigen und Mieteinnahmen generieren können, mit einer historischen Rendite von etwa vier bis sechs Prozent pro Jahr. Du kannst direkt investieren oder indirekt über REITs und Immobilien-ETFs, und du profitierst von Inflationsschutz und Diversifikation. Rohstoffe wie Gold, Silber, Öl oder Industriemetalle werfen keine laufenden Erträge ab, dienen aber als Inflationsschutz und Krisenabsicherung. Gold etwa steigt oft, wenn Aktienmärkte fallen. Bargeld und Tagesgeld schließlich sind die sicherste, aber renditeschwächste Klasse: Die Verzinsung liegt häufig unter der Inflationsrate, du verlierst also real Geld. Bargeld eignet sich daher vor allem für deinen Notgroschen und kurzfristige Ziele. Begriffe wie REIT oder Bonität erklärt dir unser Finanzlexikon.

Die klassischen Portfoliomodelle

Drei Modelle dienen als Orientierung: Achtzig-zwanzig (80 % Aktien, 20 % Anleihen) für offensive Anleger mit langem Horizont, Siebzig-dreißig als gute Mischung und Sechzig-vierzig für ausgewogene Typen wie Lia. Eine einfache Faustregel ist Hundert minus Lebensalter: Mit 30 Jahren also rund 70 % Aktien. Je länger dein Anlagehorizont, desto höher darf der Aktienanteil sein.

Wie du es konkret umsetzt

Die gute Nachricht: Du brauchst kein kompliziertes Depot mit Dutzenden Positionen. Eine durchdachte Asset Allocation lässt sich oft mit nur zwei bis vier ETFs abbilden, etwa ein breit gestreuter Welt-Aktien-ETF, ein Anleihen-ETF und optional ein wenig Gold. Entscheidend ist die Frage, ob du eine Einmalanlage oder einen Sparplan wählst. Wenn du bereits eine größere Summe hast, kann eine Einmalanlage sinnvoll sein, während ein Sparplan dir erlaubt, Monat für Monat automatisch und diszipliniert zu investieren, unabhängig von der Marktlage. Welche Broker und ETFs sich dafür lohnen, zeigt dir unser Vergleich. Wichtig bleibt, dass die Aufteilung zu deinem Anlegertyp und deinem Zeithorizont passt.

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Wann du deine Aufteilung anpassen solltest

Eine Asset Allocation ist nicht in Stein gemeißelt. Sie sollte sich mit deiner Lebensphase verändern: Je näher du deinem Ziel kommst, etwa dem Ruhestand, desto stärker darf der sichere Anteil aus Anleihen und Bargeld werden. Außerdem verschieben sich die Gewichte über die Zeit von allein, weil Aktien stärker wachsen als Anleihen. Mit einem sogenannten Rebalancing stellst du die ursprüngliche Aufteilung regelmäßig wieder her, indem du gut gelaufene Positionen reduzierst und schwächere aufstockst. Das diszipliniert dich und sorgt dafür, dass dein Risiko nicht unbemerkt steigt. Seriöse und unabhängige Informationen ohne Verkaufsinteresse findest du bei der Verbraucherzentrale, beim Portal Finanztip und bei der Deutschen Bundesbank.

Verschiedene Geldscheine und Münzen als Sinnbild für gestreute Erträge
Aus vielen Quellen schöpfen: gestreute Erträge senken das Risiko.

Fazit: deine wichtigste Entscheidung

Die Asset Allocation ist die Königsdisziplin und die wichtigste Entscheidung deiner gesamten Geldanlage, weil sie über neunzig Prozent deiner langfristigen Rendite bestimmt. Du musst dafür kein Profi sein: Mit wenigen ETFs, einer Aufteilung, die zu deinem Typ passt, und einem regelmäßigen Rebalancing legst du ein solides Fundament. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und überlege, welche Aufteilung zu dir passt. In der nächsten Folge gehen wir noch tiefer und bauen gemeinsam ein konkretes Musterportfolio Schritt für Schritt zusammen.

Shownotes zu dieser Folge +

25 - Asset Allocation - Die richtige Vermögensaufteilung finden

In der fünfundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast zeigen dir Lia und Finanzexperte Maik Marx die Königsdisziplin der Geldanlage: Asset Allocation! Wie verteilst du dein Vermögen optimal auf verschiedene Anlageklassen?

Erfahre, was Asset Allocation genau ist (Vermögensaufteilung auf Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Bargeld), warum über neunzig Prozent deiner langfristigen Rendite davon abhängen, welche fünf Anlageklassen es gibt und wie sie sich unterscheiden (Rendite, Risiko, Schwankungen), und welche klassischen Portfoliomodelle es gibt (sechzig-vierzig, siebzig-dreißig, achtzig-zwanzig).

In dieser Folge erfährst du
  • Was Asset Allocation ist (Vermögensaufteilung)
  • Warum über neunzig Prozent deiner Rendite davon abhängen
  • Die fünf wichtigsten Anlageklassen im Detail
  • Aktien: Höchste Rendite, höchstes Risiko (sieben bis acht Prozent)
  • Anleihen: Stabilität und Kapitalerhalt (zwei bis drei Prozent)
  • Immobilien: Inflationsschutz (vier bis sechs Prozent)
  • Rohstoffe: Krisenabsicherung (Gold, Silber, Öl)
  • Bargeld: Notgroschen und kurzfristige Ziele
  • Klassische Portfoliomodelle: Sechzig-vierzig, siebzig-dreißig, achtzig-zwanzig ⏰
  • Wie du Asset Allocation konkret umsetzt: Nur zwei bis vier ETFs!
  • Einmalanlage vs. Sparplan: Was passt zu dir?
  • Wann du deine Asset Allocation anpassen solltest
Komplettes Transkript dieser Folge +

Guten Morgen und Willkommen zurück. Hier ist wieder Lia von Finanzpost.de. Ich hoffe, ihr hattet eine gute Woche und habt die letzte Folge schon verdaut. Ich muss sagen, ich bin noch ganz begeistert von unserem Workshop. Ich weiß jetzt endlich, dass ich ein ausgewogener Anlegertyp bin und dass eine 60-40-Strategie perfekt zu mir passt. 60% Aktien 40% Anleihen Das fühlt sich richtig an. Aber jetzt kommt die nächste Frage, die mich die ganze Woche beschäftigt hat. Was bedeutet das konkret? Wie setze ich das um? Welche Aktien? Welche Anleihen? Wie viel Deutschland? Wie viel USA? Wie viel Schwellenländer? Heute sprechen wir über Asset Allocation. Die Kunst, dein Vermögen richtig aufzuteilen. Und Maik, ich bin schon sehr gespannt, denn das klingt nach der Königsdisziplin.

Maik Marx: Hallo Lia, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Du hast absolut recht, Lia. Asset Allocation ist tatsächlich die Königsdisziplin. Es ist die wichtigste Entscheidung, die du als Anlegerin treffen wirst. Wichtiger als die Auswahl einzelner Aktien, wichtiger als das perfekte Timing. Studien zeigen, dass über 90% der langfristigen Rendite eines Portfolios durch die Asset Allocation bestimmt werden, nicht durch die Auswahl einzelner Wertpapiere. Heute werden wir dieses Thema Schritt für Schritt durchgehen. Wir klären, was Asset Allocation genau ist, warum sie so wichtig ist, welche Anlageklassen es gibt, wie du sie sinnvoll kombinierst und am Ende erstellen wir gemeinsam ein konkretes Musterportfolio für dich.

Das klingt nach einem vollgepackten Programm. Lass uns mit den Basics starten. Was genau ist Asset Allocation? Ich habe den Begriff schon oft gehört, aber eine klare Definition fehlt mir noch.

Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Asset Allocation bedeutet auf Deutsch Vermögensaufteilung oder Vermögensstrukturierung. Es ist die strategische Entscheidung, wie du dein Gesamtvermögen auf verschiedene Anlageklassen verteilst. Die wichtigsten Anlageklassen sind Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe und Bargeld. Jede dieser Anlageklassen hat unterschiedliche Eigenschaften. Unterschiedliche Renditechancen, unterschiedliche Risiken, unterschiedliche Schwankungen und sie reagieren unterschiedlich auf wirtschaftliche Ereignisse. Das Ziel der Asset Allocation ist es, diese Anlageklassen so zu kombinieren, dass du bei einem für dich akzeptablen Risiko die bestmögliche Rendite erzielst. Es geht darum, das optimale Verhältnis zu finden. Ein Beispiel. Ein junger Mensch mit 30 Jahren und einem langen Anlagehorizont könnte ein Portfolio mit 70% Aktien, 20% Anleihen und 10% Rohstoffe haben. Ein Rentner mit 65 Jahren könnte ein Portfolio mit 30% Aktien, 60% Anleihen und 10% Bargeld haben. Beide Portfolios sind richtig, aber für völlig unterschiedliche Lebenssituationen.

Okay, das leuchtet ein. Asset Allocation ist also die Aufteilung meines Vermögens auf verschiedene Anlageklassen. Aber warum ist das so wichtig? Warum kann ich nicht einfach alles in einen guten Welt-ETF stecken und fertig?

Maik Marx: Das ist eine sehr gute Frage, Dia. Und eine, die viele Menschen stellen. Die Antwort hat mit einem der wichtigsten Prinzipien der Geldanlage zu tun. Diversifikation. Du kennst sicher den Spruch, lege nicht alle Eier in einen Korb. Genau darum geht es. Wenn du dein gesamtes Vermögen in Aktien investierst, auch in einen breit gestreuten Welt-ETF, bist du zu 100% von der Entwicklung der Aktienmärkte abhängig. Wenn die Aktienmärkte crashen, crasht dein gesamtes Vermögen. Wenn du aber auch Anleihen im Portfolio hast, die sich oft gegenläufig zu Aktien entwickeln, federt das die Verluste ab. Dein Portfolio wird stabiler, die Schwankungen werden geringer. Das ist besonders wichtig, wenn du dein Geld in den nächsten 5 bis 10 Jahren brauchst. Ein weiterer Grund ist die Optimierung der Rendite. Es gibt eine Theorie, die moderne Portfolio-Theorie von Harry Markowitz, die besagt, dass es für jedes Risikoniveau ein optimales Portfolio gibt, das die höchste Rendite bei diesem Risiko erzielt. Dieses Portfolio besteht nicht aus einer, sondern aus mehreren Anlageklassen. Durch die richtige Kombination kannst du also mehr Rendite bei gleichem Risiko erzielen oder das gleiche Renditeziel bei geringerem Risiko erreichen. Das ist der Grund, warum Asset Allocation so wichtig ist.

Diversifikation und Optimierung. Das macht Sinn. Aber welche Anlageklassen gibt es denn genau? Und wie unterscheiden sie sich?

Maik Marx: Sehr gute Frage. Lass uns die wichtigsten Anlageklassen durchgehen. Die erste und wichtigste Anlageklasse sind Aktien. Aktien sind Anteile an Unternehmen. Wenn du eine Aktie kaufst, wirst du Miteigentümer dieses Unternehmens. Aktien bieten langfristig die höchsten Renditechancen, historisch etwa 7 bis 8 Prozent pro Jahr nach Inflation. Aber sie sind auch sehr volatil, also schwankungsanfällig. In schlechten Jahren können Aktien um 30, 40 oder sogar 50 Prozent fallen. Aktien eignen sich für den langfristigen Vermögensaufbau, wenn du einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren hast. Die zweite Anlageklasse sind Anleihen. Anleihen sind Kredite, die du Staaten oder Unternehmen gibst. Du bekommst dafür einen festen Zinssatz und am Ende der Laufzeit dein Geld zurück. Anleihen sind deutlich sicherer als Aktien, vor allem Staatsanleihen von Ländern mit sehr guter Bonität wie Deutschland oder die USA. Die Rendite ist aber auch deutlich niedriger, oft nur 2-3% pro Jahr. Anleihen eignen sich zur Stabilisierung des Portfolios und für den Kapitalerhalt. Die dritte Anlageklasse sind Immobilien. Immobilien sind Sachwerte, die langfristig im Wert steigen und Mieteinnahmen generieren. Du kannst direkt in Immobilien investieren, also eine Wohnung oder ein Haus kaufen, oder indirekt über REITs oder Immobilien-ETFs. Die Rendite liegt historisch bei etwa 4-6% pro Jahr. Immobilien bieten Inflationsschutz und Diversifikation. Die vierte Anlageklasse sind Rohstoffe. Dazu gehören Gold, Silber, Öl, Industriemetalle, Agrarrohstoffe. Rohstoffe werfen keine laufenden Erträge ab, aber sie können als Inflationsschutz und Krisenabsicherung dienen. Gold zum Beispiel steigt oft, wenn Aktienmärkte fallen. Die Rendite ist langfristig aber eher gering. Und die fünfte Anlageklasse ist Bargeld oder Tagesgeld. Das ist die sicherste, aber auch die Rendite schwächste Anlageklasse. Die Rendite liegt oft unter der Inflationsrate, du verlierst also real Geld. Bargeld eignet sich für deine Notgroschen und für kurzfristige Ziele.

Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, Bargeld. Das sind die fünf Hauptanlageklassen. Und wie kombiniere ich die jetzt sinnvoll? Gibt es da eine Faustregel?

Maik Marx: Ja, Lia. Es gibt mehrere Faustregeln und klassische Portfoliomodelle, die dir als Orientierung dienen können. Die einfachste Faustregel ist die 100-Lebensalter-Regel, die wir letzte Woche schon besprochen haben. Dein Aktienanteil sollte maximal 100-Dein Lebensalter betragen. Mit 30 Jahren wären das 70% Aktien, mit 60 Jahren nur noch 40%. Rest geht in Anleihen. Das ist eine sehr einfache, aber erstaunlich gute Regel für den Anfang. Ein weiteres klassisches Modell ist das 60-40-Portfolio. 60% Aktien, 40% Anleihen. Das ist das Portfolio für den ausgewogenen Anlegertyp, also genau das, was für dich passt, Lia. Historisch hat dieses Portfolio eine Rendite von etwa 6% pro Jahr bei moderaten Schwankungen erzielt. Es ist ein sehr guter Kompromiss zwischen Rendite und Sicherheit. Dann gibt es das 70-30-Portfolio für wachstumsorientierte Anleger. 70% Aktien, 30% Anleihen. Höhere Rendite, aber auch höhere Schwankungen. Und für sehr konservative Anleger gibt es das 40-60-Portfolio. 40% Aktien, 60% Anleihen. Sehr stabil, aber auch geringere Rendite. Neben Aktien und Anleihen kannst du noch Beimischungen machen. 5 bis 10 Prozent Immobilien über Rates, 5 bis 10 Prozent Rohstoffe über einen Rohstoff-ETF, vor allem Gold. Das erhöht die Diversifikation weiter.

Okay, ich verstehe das Prinzip. Aber wie setze ich das konkret um? Welche ETFs kaufe ich? Wie viele? Wird das nicht total kompliziert?

Maik Marx: Nein, Lia, das ist viel einfacher als du denkst. Du brauchst für ein perfekt diversifiziertes Portfolio nur 2 bis 4 ETFs. Nicht 20, nicht 30, sondern wirklich nur 2 bis 4. Lass uns das an deinem Beispiel durchgehen. Du bist 30 Jahre alt, ausgewogener Anlegertyp, 60% Aktien, 40% Anleihen. Für die 60% Aktien kaufst du einen einzigen globalen Aktien-ETF, zum Beispiel den iShares Core MSCI World oder den Vanguard FTC All World. Dieser eine ETF investiert in über 1500 Unternehmen aus über 50 Ländern weltweit. Du bist damit bereits perfekt diversifiziert über alle Branchen, alle Länder, alle Unternehmensgrößen. Für die 40% Anleihen kaufst du einen Anleihen-ETF, zum Beispiel den iShares Core Euro Government Bond oder den X-Trackers Eurozone Government Bond. Dieser ETF investiert in sichere Staatsanleihen von Ländern der Eurozone. Fertig. Mit zwei ETFs hast du ein perfektes 60-40-Portfolio. Wenn du noch etwas mehr Diversifikation willst, kannst du noch einen dritten ETF hinzufügen. Einen Schwellenländer-Aktien-ETF mit 10% Gewichtung oder einen Gold-ETF mit 5%. Aber das ist optional. Die Basis sind zwei ETFs.

Zwei ETFs. Das ist ja wirklich einfach. Ich dachte, das wäre viel komplizierter. Und wie kaufe ich die? Einmalig oder als Sparplan?

Maik Marx: Beides ist möglich, Lia. Wenn du bereits eine größere Summe angespart hast, zum Beispiel 20.000 Euro, kannst du diese einmalig investieren. Du kaufst dann für 12.000 Euro den Aktien-ETF und für 8.000 Euro den Anleihen-ETF. Fertig. Wenn du noch kein großes Vermögen hast, aber monatlich Geld sparen kannst, richtest du einen Sparplan ein. Sagen wir, du sparst 300 Euro pro Monat, dann richtest du einen Sparplan ein, der automatisch jeden Monat 180 Euro in den Aktien-ETF und 120 Euro in den Anleihen-ETF investiert. Das ist die 60-40-Aufteilung. Der Vorteil des Sparplans ist, dass du den Cost-Average-Effekt nutzt. Du kaufst automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind und weniger Anteile, wenn die Kurse hoch sind. Das glättet deine Einstiegskosten über die Zeit und du musst dich nicht um das Timing kümmern. Du investierst einfach jeden Monat, egal was an den Märkten passiert.

Cost-Average-Effekt. Das hatten wir schon mal. Das ist der Durchschnittskosteneffekt. Das klingt wirklich entspannt. Aber eine Frage habe ich noch. Muss ich mein Portfolio regelmäßig anpassen oder kann ich es einfach laufen lassen?

Maik Marx: Sehr gute Frage, Lia. Das Stichwort hier ist Rebalancing. Und das werden wir in einer der nächsten Folgen noch ausführlich besprechen. Aber kurz gesagt, ja, du solltest dein Portfolio etwa einmal pro Jahr überprüfen und gegebenenfalls wieder auf deine Zielallokation zurücksetzen. Was passiert nämlich? Angenommen, du startest mit 60% Aktien und 40% Anleihen. Nach einem Jahr sind die Aktienmärkte stark gestiegen, die Anleihen sind stabil geblieben. Jetzt hast du plötzlich 70% Aktien und nur noch 30% Anleihen. Dein Portfolio ist risikoreicher geworden, als du es eigentlich wolltest. Beim Rebalancing verkaufst du einen Teil der Aktien und kaufst dafür Anleihen, um wieder auf 60-40 zu kommen. Das klingt kontraintuitiv, weil du ja die Gewinner verkaufst, aber es ist sehr wichtig. Es zwingt dich, teuer zu verkaufen und günstig zu kaufen. Und es hält dein Risikoprofil konstant. Aber wie gesagt, das ist ein eigenes Thema für eine spätere Folge.

Rebalancing gemerkt. Das schauen wir uns dann genauer an. Maik, ich glaube, ich habe jetzt ein ziemlich gutes Verständnis von Asset Allocation. Können wir zum Abschluss nochmal ein konkretes Beispiel durchgehen? Vielleicht für verschiedene Lebenssituationen.

Maik Marx: Aber sehr gerne, Lia. Lass uns drei typische Beispiele durchgehen. Beispiel 1. Die junge Berufseinsteigerin. 25 Jahre alt. Sie hat einen langen Anlagehorizont von 40 Jahren bis zur Rente, ein stabiles Einkommen, keine Schulden, einen Notgroschen. Sie ist wachstumsorientiert. Ihre Asset Allocation, 80% globaler Aktien-ETF, 20% Anleihen-ETF. Sie spart 300 Euro pro Monat per Sparplan. Nach 40 Jahren bei einer durchschnittlichen Rendite von 7% hat sie etwa 800.000 Euro angespart. Beispiel 2. Der Familienvater, 45 Jahre alt. Er hat noch 20 Jahre bis zur Rente, ein gutes Einkommen, zwei Kinder, ein abbezahltes Haus. Er ist ausgewogen. Seine Asset Allocation, 60% globaler Aktien-ETF, 30% Anleihen-ETF, 10% Immobilienrate. Er investiert eine Einmalanlage von 50.000 Euro und spart zusätzlich 500 Euro pro Monat. Nach 20 Jahren bei einer durchschnittlichen Rendite von 6% hat er etwa 300.000 Euro. Beispiel 3. Die Rentnerin, 70 Jahre alt. Sie ist bereits in Rente, lebt von ihrer gesetzlichen Rente und möchte ihr Erspartes von 200.000 Euro sicher anlegen, um gelegentlich darauf zugreifen zu können. Sie ist konservativ. Ihre Asset Allocation, 30% globaler Aktien-ETF, 60% Anleihen-ETF, 10% Tagesgeld. Sie entnimmt jährlich etwa 8000 Euro für besondere Ausgaben. Das Portfolio bleibt über die Jahre stabil.

Drei perfekte Beispiele für drei völlig unterschiedliche Lebenssituationen. Das zeigt wirklich, wie individuell Asset Allocation ist. Vielen Dank, Maik. Ich fühle mich jetzt wirklich bereit, mein eigenes Portfolio aufzubauen.

Maik Marx: Das freut mich sehr, Lia. Und ich hoffe, auch ihr, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, habt jetzt ein klares Bild davon, wie ihr euer Vermögen sinnvoll aufteilen könnt. Denkt daran, Asset Allocation ist die wichtigste Entscheidung. Nehmt euch Zeit, euer Risikoprofil zu bestimmen, wählt eine passende Aufteilung, setzt sie mit wenigen guten ETFs um und bleibt langfristig dabei. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Absolut. In unserer nächsten Folge sprechen wir über das Weltportfolio. Wie du geografisch richtig streust und ob du Schwellenländer brauchst oder nicht. Das wird spannend. Bis nächste Woche.

Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.

Moment, Maik. Bevor wir zum Ende kommen, habe ich noch eine wichtige Frage. Was ist, wenn sich meine Lebenssituation ändert? Wenn ich zum Beispiel meinen Job verliere? Oder wenn ich ein Kind bekomme? Oder wenn ich plötzlich erbe? Muss ich dann meine Asset Allocation komplett über den Haufen werfen? Was ist das?

Maik Marx: Eine sehr wichtige Frage, Lia. Die Antwort ist, es kommt darauf an. Deine Asset Allocation sollte grundsätzlich langfristig stabil bleiben. Du solltest sie nicht jedes Jahr ändern, nur weil die Märkte sich bewegen oder weil du eine neue Strategie gelesen hast. Das wäre kontraproduktiv. Aber es gibt bestimmte Lebensereignisse, bei denen du deine Asset Allocation überprüfen und gegebenenfalls anpassen solltest. Erstens, wenn sich dein Anlagehorizont verkürzt, zum Beispiel, wenn du in fünf Jahren ein Haus kaufen willst. Dann solltest du das Geld für die Anzahlung aus Aktien in sichere Anleihen oder Tagesgeld umschichten. Zweitens, wenn sich deine Einkommenssituation dramatisch verschlechtert. Wenn du deinen Job verlierst und unsicher bist, wie es weitergeht, solltest du vielleicht vorübergehend etwas defensiver werden. Drittens, wenn sich dein Vermögen stark verändert. Wenn du zum Beispiel 200.000 Euro erbst, solltest du überlegen, wie du dieses Geld sinnvoll in deine bestehende Strategie integrierst. Und viertens, wenn sich deine Risikobereitschaft ändert. Vielleicht merkst du nach ein paar Jahren, dass du die Schwankungen besser verkraftest als gedacht und möchtest den Aktienanteil erhöhen. Oder umgekehrt, du merkst, dass du nachts nicht mehr schlafen kannst und möchtest defensiver werden. All das sind legitime Gründe, deine Asset Allocation anzupassen. Aber es sollten immer bewusste, durchdachte Entscheidungen sein, keine Panikreaktion auf kurzfristige Marktschwankungen.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Asset Allocation ist also nicht starr, sondern passt sich an mein Leben an. Aber nicht an die Märkte. Verstanden. Und noch eine letzte Frage. Was sind die häufigsten Fehler, die Menschen bei der Asset Allocation machen?

Maik Marx: Oder gibt es einige klassische Fehler, Lia? Fehler Nummer 1. Zu kompliziert denken. Viele Menschen glauben, sie brauchen 20 verschiedene ETFs, um gut diversifiziert zu sein. Das stimmt nicht. 2 bis 4 ETFs reichen völlig aus. Mehr ist nicht besser. Es macht dein Portfolio nur unübersichtlich und teurer. Fehler Nummer 2. Die Asset Allocation nicht zum Risikoprofil passt. Jemand ist eigentlich konservativ, liest aber überall, dass man mindestens 80% Aktien haben sollte und zwingt sich dazu. Bei der nächsten Krise verkauft er in Panik und macht Verluste. Die Asset Allocation muss zu dir passen, nicht zu irgendwelchen Ratgebern. Fehler Nummer 3. Kein Rebalancing. Das Portfolio wird einmal aufgesetzt und dann nie wieder angefasst. Nach 10 Jahren ist die ursprüngliche Aufteilung völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Einmal pro Jahr solltest du dein Portfolio überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Fehler Nummer 4. Emotionale Entscheidungen. Die Märkte crashen und aus Angst wird die gesamte Aktienquote auf Null reduziert. Oder die Märkte boomen und aus Gier wird die Aktienquote auf 100% erhöht. Beides ist falsch. Halte dich an deine Strategie, egal was passiert. Fehler Nummer 5. Zu viel Heimatliebe. Viele Deutsche investieren nur in deutsche Aktien oder nur in europäische Aktien. Das ist viel zu wenig diversifiziert. Du brauchst ein globales Portfolio, das die ganze Welt abdeckt. Und Fehler. Nummer 6. Die Kosten ignorieren Manche Menschen zahlen 2% Gebühren pro Jahr für aktiv gemanagte Fonds. Obwohl ein ETF mit 0,2% Gebühren die gleiche oder sogar bessere Leistung bringt. Über 30 Jahre macht das einen Unterschied von 100.000 Euro oder mehr. Achte auf niedrige Kosten.

Sechs klassische Fehler. Ich werde versuchen, sie alle zu vermeiden. Vor allem der Punkt mit den emotionalen Entscheidungen ist wichtig. Ich muss lernen, in Krisen cool zu bleiben.

Maik Marx: Genau, Lia. Und das ist eine Fähigkeit, die du mit der Zeit entwickeln wirst. Je mehr Erfahrung du sammelst, je mehr Krisen du durchlebst und siehst, dass es danach immer wieder aufwärts geht, desto gelassener wirst du. Deshalb ist es auch so wichtig, früh anzufangen. Nicht nur wegen des Zinseszinseffekts, sondern auch wegen der emotionalen Erfahrung.

Das ist ein wunderbarer Abschluss, Maik. Vielen Dank für diese unglaublich wertvolle Folge. Ich fühle mich jetzt wirklich bereit, mein Portfolio aufzubauen. Zwei ETFs, 60-40, einmal pro Jahr Rebalancing, langfristig dabei bleiben. Das ist mein Plan.

Maik Marx: Perfekt, Lia. Und ich bin mir sicher, dass du das großartig machen wirst. Und auch euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wünsche ich viel Erfolg beim Aufbau eures Portfolios. Denkt daran. Der wichtigste Schritt ist der erste. Fangt an, auch wenn es nur mit kleinen Beträgen ist. Die Zeit ist euer größter Verbündeter.

Absolut. In unserer nächsten Folge, Folge 26, sprechen wir über das Weltportfolio. Wie du geografisch richtig streust, ob du Schwellenländer brauchst und wie viel Heimatmarkt sinnvoll ist. Das wird super spannend. Bis nächste Woche. Bleibt neugierig und investiert klub.

Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.

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