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Folge 24 ·22:54 ·10. Juni 2026

Risikoprofil bestimmen - Welcher Anlegertyp bist du

In dieser Episode wird eine umsetzbare Anlagestrategie basierend auf persönlichen Zielen und Risikoprofilen vorgestellt. Es werden Anlegertypen und Risikobewertungsmethoden diskutiert, sowie ein interaktiver Workshop zur Risikoprofilbestimm

Risikoprofil bestimmen: Welcher Anlegertyp bist du wirklich?

Willkommen zu Folge 24 von Finanzpost.de! Lia hat ihre SMARTen Ziele festgelegt und steht nun vor der entscheidenden Frage: Wie erreicht sie diese am besten? Soll sie alles auf Aktien setzen oder lieber auf Nummer sicher gehen? Gemeinsam mit Finanzexperte Maik Marx klärt sie in dieser Folge, welcher Anlegertyp sie ist und wie viel Risiko wirklich zu ihr passt. Du erfährst, warum dein persönliches Risikoprofil das Fundament jeder Anlagestrategie ist, lernst den entscheidenden Unterschied zwischen Bauch und Geldbeutel kennen und triffst die fünf klassischen Anlegertypen. Am Ende weißt du, wo du selbst stehst.

Warum dein Risikoprofil das Fundament ist

Maik macht direkt klar, warum dieses Thema so wichtig ist: Dein persönliches Risikoprofil ist die Grundlage für deine gesamte Anlagestrategie. Wenn dieses Fundament nicht stabil ist und nicht zu dir passt, wird das ganze Haus deiner Finanzen früher oder später wackeln. Viele Anleger machen den Fehler, blind einer Rendite hinterherzulaufen, die sie emotional gar nicht aushalten, oder umgekehrt aus Angst so vorsichtig zu sein, dass die Inflation ihr Vermögen langsam auffrisst. Der Schlüssel liegt darin, eine Strategie zu finden, mit der du langfristig ruhig schlafen kannst und gleichzeitig deine Ziele erreichst. Genau deshalb lohnt es sich, ehrlich hinzuschauen, bevor der erste Euro investiert wird. Die wichtigsten Grundlagen dazu findest du kompakt in unserem Wissensbereich.

Bauch gegen Geldbeutel: zwei Waagschalen

Maik erklärt den feinen, aber entscheidenden Unterschied mit einem starken Bild: Stell dir zwei Waagschalen vor. Die eine ist dein Bauch, die andere dein Geldbeutel. Die Risikobereitschaft ist dein Bauchgefühl, also deine emotionale Fähigkeit, mit Schwankungen umzugehen. Wie fühlst du dich, wenn dein Depot mit 100.000 Euro innerhalb von vier Wochen um 20 Prozent fällt? Kannst du noch ruhig schlafen oder verkaufst du in Panik? Diese Reaktion ist Teil deiner Persönlichkeit und völlig wertfrei. Die Risikotragfähigkeit dagegen ist dein Geldbeutel, also deine rein objektive Fähigkeit, Verluste zu verkraften, ohne dass deine existenziellen Ziele in Gefahr geraten. Sie hängt von harten Fakten ab: Alter, Einkommen, Ausgaben, Schulden und Anlagehorizont. Wer mit dreißig einen sicheren Job und 35 Jahre Zeit hat, kann Verluste aussitzen. Wer mit fünfundsechzig vom Geld leben muss, eben nicht.

Bauch oder Geldbeutel: Beide müssen zu deiner Strategie passen.

Wenn Bauch und Geldbeutel nicht zusammenpassen

Das eigentliche Problem, so Maik, ist die Tatsache, dass Bauch und Geldbeutel oft nicht im Einklang stehen. Jemand kann eine hohe Risikotragfähigkeit haben, weil er jung ist und gut verdient, aber eine niedrige Risikobereitschaft, weil er sehr sicherheitsliebend ist. Umgekehrt gibt es Menschen mit niedriger Tragfähigkeit, weil sie wenig Geld und einen kurzen Horizont haben, die aber trotzdem gerne zocken. Beides ist gefährlich: Wer emotional überfordert ist, verkauft im falschen Moment. Wer finanziell überfordert ist, riskiert seine Existenz. Die Kunst besteht darin, eine Strategie zu finden, die zu BEIDEM passt, also zur Psyche und zur objektiven Lage. Mit unseren Rechnern kannst du deinen Anlagehorizont und mögliche Schwankungen einmal schwarz auf weiß durchspielen.

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Erst das Profil bestimmen, dann die passende Anlage wählen.

Die fünf Anlegertypen im Überblick

Maik stellt fünf idealtypische Kategorien vor, zwischen denen es in der Realität viele Abstufungen gibt. Typ eins ist der Sicherheitsorientierte: Verluste vermeiden um jeden Preis, Kapital zu hundert Prozent in Tagesgeld, Festgeld oder erstklassigen Staatsanleihen, auch wenn die Rendite oft unter der Inflation liegt. Typ zwei, der Konservative, akzeptiert kleine Schwankungen und setzt zu siebzig bis achtzig Prozent auf Anleihen und nur einen kleinen Teil auf defensive Aktien. Typ drei, der Ausgewogene, sucht die goldene Mitte mit einer klassischen Fünfzig-Fünfzig-Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen. Typ vier, der Wachstumsorientierte, will hohe Renditen, hält siebzig bis neunzig Prozent Aktien und kann Krisen aussitzen. Typ fünf, der Spekulative, geht nach dem Motto Alles oder nichts ins Risiko, mit Hebelprodukten, Pennystocks oder hochvolatilen Kryptowährungen. Für seriösen Vermögensaufbau ist das keine Anlage mehr, sondern Zockerei. Eine Einordnung der einzelnen Anlageklassen findest du in unserer Anlage-Übersicht.

Die Hundert-minus-Lebensalter-Regel

Eine einfache Faustregel für deinen Aktienanteil: Ziehe dein Alter von 100 ab. Mit 30 Jahren ergibt das 70 Prozent Aktien und 30 Prozent sichere Anlagen, mit 60 Jahren nur noch 40 Prozent Aktien. Die Idee dahinter: Je kürzer dein Anlagehorizont, desto weniger Schwankung solltest du zulassen. Die Regel ist nur ein grober Startpunkt – Anlagehorizont, finanzielle Situation und dein Wissen verfeinern das Bild.

Drei Wege zu deinem Risikoprofil

Wie findest du nun heraus, welcher Typ du bist? Maik nennt drei Bausteine. Erstens die genannte Hundert-minus-Lebensalter-Regel als grobe Orientierung für die Aufteilung. Zweitens die weiteren harten Faktoren: dein konkreter Anlagehorizont, deine finanzielle Situation mit Einkommen, Ausgaben und Notgroschen sowie dein eigenes Wissen über die Märkte. Drittens und besonders wichtig: deine ehrliche emotionale Selbsteinschätzung. Denn die beste Strategie auf dem Papier nützt nichts, wenn du sie im ersten Crash über Bord wirfst. Erst die Kombination aus objektiven Zahlen und ehrlichem Bauchgefühl ergibt ein belastbares Profil. Begriffe wie Volatilität, Bonität oder Diversifikation erklärt dir bei Bedarf unser Finanzlexikon, damit du jede Empfehlung wirklich verstehst.

Risikoprofil bestimmen - Welcher Anlegertyp bist du · Finanzpost auf YouTube

Der Schlaf-gut-Test: drei Szenarien

Im interaktiven Teil der Folge macht Maik mit Lia den Schlaf-gut-Test. Dabei stellst du dir drei Szenarien vor: Dein Depot fällt um zehn Prozent, dann um zwanzig und schließlich um dreißig Prozent. Bei welchem Stand wird dir mulmig, bei welchem bekommst du Schweißausbrüche, und ab wann würdest du in Panik verkaufen? Genau diese Grenze zeigt dir deine tatsächliche Risikobereitschaft – nicht die, die du dir wünschst, sondern die, die du wirklich aushältst. Wer schon bei zehn Prozent nervös wird, sollte einen niedrigeren Aktienanteil wählen, auch wenn die Tragfähigkeit mehr zuließe. Wenn du dir bei der Auswahl konkreter Produkte unsicher bist, hilft dir unser Vergleich bei der Orientierung.

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Schritt für Schritt zur Strategie, die wirklich zu dir passt.

Wo du dich neutral informieren kannst

Gerade beim Thema Risiko ist es entscheidend, sich unabhängig und ohne Verkaufsinteresse zu informieren. Maik empfiehlt seriöse, neutrale Anlaufstellen, die dir bei der Einordnung helfen. Verlässliche Quellen ohne Provisionsdruck sind die Verbraucherzentrale, das Portal Finanztip und die Deutsche Bundesbank. Sie liefern dir verständliche Grundlagen, neutrale Daten und realistische Erwartungen darüber, welche Rendite mit welchem Risiko überhaupt verbunden ist. So vermeidest du, dass dir jemand ein Produkt verkauft, das zwar gute Provisionen bringt, aber nicht zu deinem Profil passt.

Fazit: Erst das Profil, dann die Anlage

Dein Risikoprofil entsteht aus dem Zusammenspiel von Bauch und Geldbeutel, also aus Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit. Nur wenn beides zusammenpasst, hältst du deine Strategie auch in stürmischen Zeiten durch. Mach den Schlaf-gut-Test, sei ehrlich zu dir selbst und wähle den Anlegertyp, der wirklich zu dir passt. Hör dir die ganze Folge an und abonniere den Podcast, damit du keine Episode verpasst. In der nächsten Folge geht es darum, wie du aus deinem Profil eine konkrete, breit gestreute Anlagestrategie machst.

Shownotes zu dieser Folge +

In der vierundzwanzigsten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast helfen dir Lia und Finanzexperte Maik Marx, dein persönliches Risikoprofil zu finden! Bist du sicherheitsorientiert, konservativ, ausgewogen, wachstumsorientiert oder spekulativ?

Erfahre den Unterschied zwischen Risikobereitschaft (emotionale Fähigkeit, der Bauch) und Risikotragfähigkeit (finanzielle Fähigkeit, der Geldbeutel), die fünf Anlegertypen im Detail (von hundert Prozent Tagesgeld bis neunzig Prozent Aktien), und wie du dein eigenes Profil findest: durch Selbsteinschätzung, professionelle Fragebögen und die Hundert-minus-Lebensalter-Regel. Maik erklärt, welche weiteren Faktoren dein Risikoprofil beeinflussen (Anlagehorizont, finanzielle Situation, Kenntnisse).

Du lernst im interaktiven Workshop mit Lia: Der Schlaf-gut-Test (drei Szenarien von minus zwei Prozent bis minus fünfzig Prozent), der Finanz-Check (fünf entscheidende Fragen), und die Synthese (Lias persönliche Strategie: sechzig-vierzig). Plus: Warum die beste Strategie die ist, die du auch in Krisen durchhalten kannst, und warum Bauch und Geldbeutel zusammenpassen müssen.

In dieser Folge erfährst du
  • Was Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit sind
  • Der Unterschied: Bauch vs. Geldbeutel
  • Die fünf Anlegertypen im Detail
  • Typ eins: Sicherheitsorientiert (hundert Prozent sichere Anlagen)
  • Typ zwei: Konservativ (siebzig bis achtzig Prozent Anleihen)
  • Typ drei: Ausgewogen (fünfzig-fünfzig)
  • Typ vier: Wachstumsorientiert (siebzig bis neunzig Prozent Aktien)
  • Typ fünf: Spekulativ (Zockerei, nicht empfohlen)
  • Drei Methoden zur Bestimmung deines Risikoprofils ⏰
  • Die Hundert-minus-Lebensalter-Regel erklärt
  • Weitere Faktoren: Anlagehorizont, finanzielle Situation, Wissen
  • Interaktiver Workshop: Der Schlaf-gut-Test (drei Szenarien)
Komplettes Transkript dieser Folge +

Lia: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Finanzpost.de. Ich bin Lia und ich freue mich, dass ihr wieder dabei seid. Letzte Woche haben wir gelernt, wie unglaublich wichtig es ist, klare, smarte, finanzielle Ziele zu haben. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und meine Trauminventur durchgeführt. Das war wirklich augenöffnend. Ich habe jetzt ein klares Ziel für meine Altersvorsorge, für ein Sabbatical in fünf Jahren und sogar für eine kleine Weltreise in zehn Jahren. Aber jetzt stehe ich vor der nächsten großen Frage. Wie erreiche ich diese Ziele am besten? Soll ich alles in Aktien investieren und auf hohe Renditen hoffen oder lieber auf Nummer sicher gehen? Heute finden wir heraus, welcher Anlegertyp wir sind und wie viel Risiko wir eingehen sollten. Maik, ich bin total unsicher. Einerseits will ich natürlich hohe Renditen. Andererseits habe ich Angst, alles zu verlieren. Was mache ich nur?

Maik Marx: Hallo Lia, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt, Lia. Dein persönliches Risikoprofil ist die Grundlage für deine gesamte Anlagestrategie. Wenn dieses Fundament nicht stabil ist und nicht zu dir passt, wird das ganze Haus deiner Finanzen wackeln. Heute werden wir dieses Thema von allen Seiten beleuchten. Wir werden den entscheidenden Unterschied zwischen Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit verstehen. Die fünf klassischen Anlegertypen kennenlernen und dann machen wir einen interaktiven Workshop, in dem wir dein persönliches Risikoprofil bestimmen.

Lia: Das klingt nach einem fantastischen Plan, Maik. Lass uns mit der Theorie starten. Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit. Das klingt erstmal sehr ähnlich. Wo genau liegt der Unterschied?

Maik Marx: Aber sicher, Lia. Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man es einmal verstanden hat. Stell dir vor, du hast zwei Waagschalen. Die eine ist dein Bauch, die andere ist dein Geldbeutel. Die Risikobereitschaft ist dein Bauchgefühl. Es ist deine emotionale, psychologische Fähigkeit, mit Unsicherheit und Schwankungen an den Finanzmärkten umzugehen. Wie fühlst du dich, wenn dein Depot, in das du 100.000 Euro investiert hast, innerhalb von vier Wochen um 20% fällt, also 20.000 Euro an Wert verliert? Kannst du dann noch ruhig schlafen? Vertraust du weiterhin auf deine Strategie? Oder bekommst du Schweißausbrüche und verkaufst in Panik? Diese emotionale Reaktion, das ist deine Risikobereitschaft. Sie ist Teil deiner Persönlichkeit. Manche Menschen sind von Natur aus gelassener, andere sind ängstlicher. Das ist völlig wertfrei. Die Risikotragfähigkeit hingegen ist dein Geldbeutel. Es ist deine rein finanzielle, objektive Fähigkeit, Verluste zu verkraften, ohne dass deine existenziellen, finanziellen Ziele in Gefahr geraten. Wie viel Geld kannst du theoretisch verlieren, ohne dass du deine Miete nicht mehr zahlen kannst, deine Kinder nicht mehr studieren können oder du deine Rente vergessen kannst. Die Risikotragfähigkeit hängt von harten Fakten ab, deinem Alter. Deinem Einkommen, deinen Ausgaben, deinen Schulden, deinem Anlagehorizont. Wenn du jung bist, sagen wir 30, einen sicheren Job und einen langen Anlagehorizont von 35 Jahren hast, ist deine Risikotragfähigkeit sehr hoch. Du hast Jahrzehnte Zeit, um Verluste wieder aufzuholen. Wenn du aber 65 bist, kurz vor der Rente stehst und von dem Geld leben musst, ist deine Risikotragfähigkeit sehr niedrig. Ein Verlust von 20% wäre eine Katastrophe. Das Problem ist, oft passen Bauch und Geldbeutel nicht zusammen. Jemand kann eine hohe Risikotragfähigkeit haben, weil er jung ist und gut verdient, aber eine niedrige Risikobereitschaft, weil er sehr sicherheitsliebend ist. Oder umgekehrt. Jemand hat eine niedrige Risikotragfähigkeit, weil er wenig Geld und einen kurzen Anlagehorizont hat, aber eine hohe Risikobereitschaft, weil er gerne zockt. Der Schlüssel ist, eine Strategie zu finden, die zu beidem passt.

Lia: Risikobereitschaft ist der Bauch. Risikotragfähigkeit ist der Geldbeutel. Das ist eine super Eselsbrücke. Und die Strategie muss zu beidem passen. Das leuchtet ein. Lass uns doch noch kurz die fünf Anlegertypen durchgehen.

Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Diese Typen sind natürlich idealtypische Kategorien. In der Realität gibt es viele Abstufungen dazwischen. Aber sie geben eine sehr gute Orientierung. Typ 1. Der Sicherheitsorientierte. Sein Motto ist, Verluste vermeiden um jeden Preis. Er will absolut kein Risiko eingehen und bevorzugt Anlagen, bei denen sein Kapital garantiert ist. Rendite ist für ihn absolut zweitrangig. Er investiert ausschließlich in Tagesgeld, Festgeld, Sparbücher oder deutsche Staatsanleihen mit bester Bonität. Die Rendite liegt hier oft unter der Inflationsrate, was bedeutet, dass er real Geld verliert. Aber das nimmt er für die garantierte Sicherheit in Kauf. Sein Portfolio besteht zu 100% aus den sichersten Anlagen. Typ 2, der Konservative. Sein Motto lautet, Sicherheit ist wichtig, aber ein bisschen Rendite darf es schon sein. Er akzeptiert geringe, überschaubare Schwankungen, um eine Rendite leicht über der Inflationsrate zu erzielen. Sein Portfolio besteht hauptsächlich aus sehr sicheren Anlagen, also etwa 70-80% in Anleihen mit guter Bonität und einem kleinen Teil von etwa 20-30% in sehr soliden defensiven Aktien oder Aktien-ETFs. Typ 3. Der Ausgewogene. Sein Motto ist, ich suche die goldene Mitte, die Balance zwischen Sicherheit und Rendite. Er ist bereit, für eine attraktive Rendite auch moderate Schwankungen in Kauf zu nehmen. Er weiß, dass es an der Börse auch mal abwärts gehen kann, vertraut aber auf den langfristigen Aufwärtstrend. Sein Portfolio ist, wie der Name schon sagt, ausgewogen aufgeteilt. Klassischerweise etwa zur Hälfte in Aktien und zur Hälfte in sichere Anleihen. Das ist die klassische 50-50-Strategie. Typ 4, der Wachstumsorientierte. Sein Motto lautet, wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Er will hohe Renditen erzielen, um sein Vermögen schnell zu vermehren und akzeptiert dafür auch hohe Schwankungen und das Risiko von zwischenzeitlich hohen Verlusten. Er hat einen langen Anlagehorizont und weiß, dass er Krisen aussitzen kann. Sein Portfolio besteht hauptsächlich aus Aktien, klassischerweise 70 bis 90 Prozent, oft auch mit einem Anteil an riskanteren Schwellenländeraktien. Der Rest wird in Anleihen investiert, um das Portfolio ein wenig zu stabilisieren. Typ 5. Der Spekulative. Sein Motto ist, alles oder nichts. Er will die maximale Rendite in kürzester Zeit und ist bereit, dafür extrem hohe Risiken bis hin zum Totalverlust seines eingesetzten Kapitals einzugehen. Er investiert oft in sehr riskante Einzelaktien, in Penny-Stocks, in Derivate, in Hebelprodukte oder in sehr volatile Kryptowährungen. Das ist keine Geldanlage mehr, das ist Zockerei. Für den langfristigen seriösen Vermögensaufbau ist dieser Typ absolut ungeeignet.

Lia: Sicherheitsorientiert, konservativ, ausgewogen, wachstumsorientiert und spekulativ. Das ist eine sehr klare Einteilung. Ich glaube, der spekulative Typ bin ich definitiv nicht. Aber wie finde ich jetzt heraus, welcher der anderen Typen ich bin?

Maik Marx: Ja, Lia, es gibt mehrere Wege, um das herauszufinden. Ich empfehle, alle drei Methoden zu kombinieren, um ein möglichst klares Bild zu bekommen. Erstens, die ehrliche Selbsteinschätzung. Das ist der wichtigste, aber auch der schwierigste Teil. Sei absolut ehrlich zu dir selbst. Wie hast du in der Vergangenheit auf Stress oder Verluste reagiert, auch in anderen Lebensbereichen? Wie würdest du dich wirklich fühlen, wenn dein Depot, in das du dein ganzes Erspartes gesteckt hast, um 30% fällt? Stell dir das mal bildlich vor. Dein Depotwert sinkt von 50.000 auf 35.000 Euro. Was tust du? Kannst du das aushalten? Oder würdest du in Panik geraten? Denke auch an deine finanzielle Situation. Wie stabil ist dein Job? Hast du Schulden? Hast du Kinder, für die du verantwortlich bist? All das beeinflusst deine Risikobereitschaft. 2. Professionelle Fragebögen Viele Banken, Online-Broker oder Finanzportale bieten standardisierte Fragebögen an, um dein Risikoprofil zu ermitteln. Das sind die sogenannten WPHG-Bögen, die gesetzlich vorgeschrieben sind. Diese fragen deine Kenntnisse, deine Erfahrungen, deine finanziellen Verhältnisse und deine Reaktion auf hypothetische Szenarien ab. Nimm dir Zeit, diese Fragen zu beantworten und beantworte sie ehrlich. Nicht so, wie du gerne wärst oder wie du denkst, dass ein guter Investor antworten würde. Es geht um dich. 3. Die 100-Lebensalter-Regel. Das ist eine sehr einfache, aber erstaunlich gute Faustregel, um einen ersten Anhaltspunkt für deinen maximalen Aktienanteil zu bekommen. Die Regel besagt, dein Aktienanteil im Portfolio sollte maximal 100-Dein Lebensalter betragen. Wenn du 30 Jahre alt bist, wären das also maximal 70% Aktien. Wenn du 60 Jahre alt bist, wären es nur noch 40% Aktien. Der Gedanke dahinter ist, dass deine Risikotragfähigkeit mit dem Alter abnimmt, weil du weniger Zeit hast, Verluste wieder aufzuholen. Das ist natürlich nur eine grobe Orientierung, aber ein sehr guter Startpunkt.

Lia: Selbsteinschätzung, Fragebögen und die 100-Lebensalterregel. Das ist ein super praktischer Dreiklang. Ich bin 30, also wären nach der Faustregel 70% Aktien für mich drin. Das fühlt sich schon ziemlich wachstumsorientiert an. Aber du hast gesagt, es gibt noch andere Faktoren, die mein Risikoprofil beeinflussen. Welche sind das?

Maik Marx: Genau, Lia. Die Faustregel ist nur der Anfang. Es gibt noch weitere, sehr wichtige Faktoren. Der wichtigste ist dein Anlagehorizont. Das ist die Zeit, die du dein Geld anlegen kannst, ohne darauf zugreifen zu müssen. Je länger dein Anlagehorizont, desto mehr Risiko kannst du eingehen. Wenn du für deine Rente in 35 Jahren sparst, kannst du kurz- und mittelfristige Schwankungen am Aktienmarkt einfach aussitzen. Wenn du aber in fünf Jahren ein Haus kaufen willst, ist dein Anlagehorizont für dieses Ziel viel kürzer und du solltest ein viel geringeres Risiko eingehen. Dann deine finanzielle Gesamtsituation. Wie hoch ist dein Einkommen und wie stabil ist es? Hast du hohe Konsumschulden, die du erst abbezahlen solltest? Wie hoch ist dein Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben? Je stabiler Deine finanzielle Basis, desto höher Deine Risikotragfähigkeit und schließlich Deine Kenntnisse und Erfahrungen. Je mehr Du über Geldanlage, über die Funktionsweise der Börse, über ETFs und Aktien weißt, desto sicherer und gelassener wirst Du in der Regel. Wissen ist das beste Mittel gegen Angst und Panik. Deshalb ist es so wichtig, sich kontinuierlich weiterzubilden, zum Beispiel, indem man diesen Podcast hört.

Lia: Anlagehorizont, finanzielle Situation und Wissen. Das leuchtet ein. Okay, ich glaube, jetzt bin ich bereit für unseren Workshop. Lass uns mein Risikoprofil bestimmen.

Maik Marx: Sehr gut, Lia. Dann lass uns zu Detektiven werden und dein Profil aufdecken. Ich habe dafür einen kleinen interaktiven Workshop vorbereitet, den auch alle Zuhörerinnen und Zuhörer für sich selbst mitmachen können. Er besteht aus drei Teilen. Dem Schlafguttest für deine Risikobereitschaft, dem Finanzcheck für deine Risikotragfähigkeit und am Ende die große Synthese. Teil 1. Der Schlafguttest Lia, stell dir vor, du hast nach reiflicher Überlegung 50.000 Euro in ein breit gestreutes ETF-Portfolio investiert. Es ist ein großer Teil deines Ersparten. Jetzt kommen drei Szenarien. Antworte mir bitte so spontan und ehrlich wie möglich. Szenario A. Du schaust nach einem Monat in dein Depot. Die Märkte sind leicht gefallen. Dein Depot ist nur noch 49.000 Euro wert. Ein Minus von 1.000 Euro oder 2%. Was tust du?

Lia: Hm, also 1.000 Euro sind schon ärgerlich. Aber ich glaube, mein erster Impuls wäre, gar nichts zu tun. Ich habe ja gelernt, dass Manns, dass die Schwankungen normal sind. Also wahrscheinlich einfach abwarten.

Maik Marx: Sehr gut. Szenario B ein halbes Jahr später. Es gab eine kleine Wirtschaftskrise. Dein Depot steht jetzt bei 35.000 Euro. Ein Minus von 15.000 Euro oder 30%. Du machst die Nachrichten an, überall rote Zahlen, Experten warnen vor einer Rezession. Was ist jetzt dein erster Impuls?

Lia: Okay, das ist eine ganz andere Hausnummer. 15.000 Euro. Puh, mein Herz würde wahrscheinlich anfangen zu rasen. Mein erster ehrlicher Impuls wäre, raus hier. Rette, was noch zu retten ist, bevor alles weg ist. Ich hätte wirklich Angst, alles zu verlieren.

Maik Marx: Danke für deine Ehrlichkeit, Lia. Das ist eine sehr wichtige Information. Und genau diese Reaktion haben die meisten Menschen. Szenario C, ein Jahr später. Die Krise hat sich verschärft. Eine große Bank ist pleite gegangen. Es herrscht Panik an den Märkten. Dein Depot steht jetzt bei 25.000 Euro. Die Hälfte deines Geldes ist weg. Was tust du jetzt?

Lia: Ich glaube, jetzt wäre ich schon fast apathisch. Die Panik wäre schon vorbei. Ich würde wahrscheinlich denken, jetzt ist es auch egal. Jetzt zu verkaufen ist das Dümmste, was ich tun kann. Vielleicht würde ich sogar darüber nachdenken, mit zittrigen Händen ein bisschen nachzukaufen, weil ich ja gelernt habe, dass man in der Krise kaufen soll. Aber es würde mich unglaublich viel Überwindung kosten.

Maik Marx: Perfekt. Das ist eine sehr aufschlussreiche Analyse deiner Risikobereitschaft. Du bist bei kleinen Schwankungen entspannt, bei mittleren Verlusten neigst du zu Panik, aber bei extremen Verlusten greift dein rationales Wissen. Das ist ein typisches Profil für jemanden, der die Theorie verstanden hat, aber die emotionale Praxis noch nicht erlebt hat. Das deutet auf eine eher ausgewogene bis leicht unterdurchschnittliche Risikobereitschaft hin. Kommen wir zu Teil 2, der Finanzcheck. Hier geht es um deine Risikotragfähigkeit. Ich stelle dir fünf schnelle Fragen. 1. Dein Anlagehorizont. Wie viele Jahre hast du noch bis zu deinem geplanten Renteneintritt? Mehr als 25 Jahre?

Lia: Ja, definitiv. Eher 35.

Maik Marx: 2. Deine Einkommenssituation. Wie sicher ist dein Einkommen? Hast du einen festen Job, vielleicht sogar im öffentlichen Dienst, oder bist du selbstständig mit stark schwankenden Einnahmen?

Lia: Ich habe einen festen Job in einer großen Firma. Ich würde sagen, mein Einkommen ist ziemlich sicher.

Maik Marx: 3. Deine Schulden. Hast du hochverzinste Konsumschulden, zum Beispiel auf einer Kreditkarte?

Lia: Nein, gar keine. 4.

Maik Marx: Dein Notgroschen. Hast du einen Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben, der mindestens drei bis sechs Monatsausgaben abdeckt?

Lia: Ja, den habe ich. Sechs Monatsausgaben liegen sicher auf dem Tagesgeldkonto.

Maik Marx: 5. Deine Kenntnisse. Auf einer Skala von 1, Anfänger, bis 10, Profi. Wie schätzt du deine Kenntnisse über Geldanlage ein?

Lia: Puh, ich lerne ja jede Woche dazu. Aber ich wäre ehrlich und würde sagen, vielleicht eine 4 oder 5.

Maik Marx: Super, danke. Die Auswertung deiner Risikotragfähigkeit ist eindeutig. Sie ist sehr hoch. Du bist jung, hast einen langen Anlagehorizont, ein sicheres Einkommen, keine Schulden und einen Notgroschen. Du könntest es dir finanziell leisten, hohe Risiken einzugehen. Jetzt kommt Teil 3, die Synthese. Wir haben einen Widerspruch, LIA. Dein Bauch, Risikobereitschaft, ist eher vorsichtig, dein Geldbeutel, Risikotragfähigkeit, ist sehr robust. Was machen wir nun? Die 100-30-Regel würde dir einen Aktienanteil von 70% vorschlagen. Aber dein Bauchgefühl bei Szenario B sagt mir, dass du dich damit nicht wohlfühlen würdest. Du würdest wahrscheinlich bei der nächsten Krise verkaufen und einen riesigen Verlust realisieren. Deshalb schlage ich einen Kompromiss vor. Wir starten mit einer ausgewogenen Strategie. 60% Aktien und 40% sichere Anleihen. Das wäre zum Beispiel ein globaler Aktien-ETF und ein ETF auf europäische Staatsanleihen. Dieses Portfolio wird immer noch schwanken, aber deutlich weniger als ein reines Aktienportfolio. Es ist eine Strategie, die dein Bauch aushalten kann, die aber trotzdem genug Rendite abwirft, um deine hohe Risikotragfähigkeit zu nutzen und deine Ziele zu erreichen. Wie fühlt sich das für dich an?

Lia: 6040 Das fühlt sich gut an. Das fühlt sich machbar an. Es ist nicht zu langweilig, aber auch nicht zu furchteinflößend. Das ist ein perfekter Startpunkt für mich, glaube ich.

Maik Marx: Genau darum geht es, Lia, den perfekten Startpunkt zu finden und wie wir besprochen haben. Diese Strategie ist nicht in Stein gemeißelt. Vielleicht merkst du in fünf Jahren, dass du viel entspannter geworden bist und die Schwankungen dir nichts mehr ausmachen, dann können wir den Aktienanteil immer noch auf 70% erhöhen. Aber für den Anfang ist eine Strategie, die du durchhalten kannst, die beste Strategie der Welt.

Lia: Wow, Maik. Das war unglaublich hilfreich. Ich habe jetzt nicht nur die Theorie verstanden, sondern habe eine konkrete Zahl. Eine konkrete Asset Allocation für mich persönlich. 60, 40. Das ist mein Fahrplan. Vielen, vielen Dank.

Maik Marx: Sehr gerne, Lia. Und ich hoffe, auch ihr, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, konntet diesen Workshop für euch nutzen und habt jetzt eine klarere Vorstellung davon, wo ihr steht. Nehmt euch die Zeit, diese Fragen ehrlich für euch zu beantworten. Es ist die wichtigste Grundlage für euren finanziellen Erfolg.

Lia: Absolut. In unserer nächsten Folge gehen wir den nächsten logischen Schritt. Wir haben unsere Ziele. Wir haben unser Risikoprofil. Jetzt sprechen wir im Detail über Asset Allocation. Die Kunst, euer Vermögen richtig auf die verschiedenen Anlageklassen aufzuteilen, um eure Ziele mit dem für euch passenden Risiko zu erreichen. Seid also unbedingt wieder dabei.

Maik Marx: Die in diesem Podcast enthaltenen Informationen dienen nur zu allgemeinen Informationszwecken und stellen keine Finanzberatung dar. Www.finanzpost.de und die Sprecher übernehmen keine Haftung für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko. Für verbindliche Finanzberatung empfehlen wir, einen zertifizierten Finanzberater zu konsultieren.

Finanzpost.de ist eine Schulungs- und Informationsplattform und bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung im Sinne von RDG, StBerG, KWG oder WpHG. Alle Inhalte dienen der Bildung und ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch.