Value vs. Growth Investing: Zwei Strategien im direkten Vergleich
Willkommen zur vierzigsten Folge von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. In dieser JubilĂ€umsfolge sprechen Lia und Finanzcoach Maik Marx ĂŒber zwei der grundlegendsten und bekanntesten Anlagestrategien ĂŒberhaupt: Value Investing und Growth Investing. Du erfĂ€hrst, wie ein Value-Investor nach unterbewerteten Perlen jagt, warum ein Growth-Investor auf die Superstars von morgen setzt und welche Risiken hinter beiden Wegen stecken. Am Ende weiĂt du, dass du dich gar nicht fĂŒr eine Seite entscheiden musst, sondern beide AnsĂ€tze clever kombinieren kannst. Diese Folge ist dein Kompass durch zwei fast schon philosophische Börsenwelten.
Wert oder Wachstum: zwei Börsenreligionen
Maik beschreibt Value und Growth fast wie zwei verschiedene Religionen an der Börse: Beide haben ihre Gurus, ihre glĂŒhenden AnhĂ€nger und ihre Erfolgsgeschichten, doch die Wege zum Ziel sind grundverschieden. Im Kern geht es um eine einzige Frage: Wonach suchst du bei einer Aktie? Nach dem, was ein Unternehmen heute schon ist, oder nach dem, was es in Zukunft sein könnte? Der Value-Investor bewertet die vorhandene Substanz, die laufenden Gewinne und die bestehende Ertragskraft. Der Growth-Investor dagegen blickt auf Vision, Wachstumspotenzial und die Möglichkeit, ganze MĂ€rkte zu erobern. Beide Strategien können langfristig zum Erfolg fĂŒhren, aber sie verlangen unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Nerven und unterschiedliche Kennzahlen. Die Grundlagen zu beiden AnsĂ€tzen findest du kompakt aufbereitet in unserem Wissensbereich.
Value Investing: einen Dollar fĂŒr 50 Cent kaufen
Value Investing ist die Ă€ltere der beiden Schulen und wurde durch Benjamin Graham und seinen berĂŒhmtesten SchĂŒler Warren Buffett weltbekannt. Der Value-Investor ist ein SchnĂ€ppchenjĂ€ger auf dem Flohmarkt: Er sucht die Perle im Staub, also solide Unternehmen, die an der Börse weniger wert sind, als ihre Substanz und ihre kĂŒnftige Ertragskraft eigentlich rechtfertigen wĂŒrden. Grahams Ziel lautete, einen Dollar fĂŒr fĂŒnfzig Cent zu kaufen. Es geht also darum, gute Firmen zu einem gedrĂŒckten Preis einzusammeln und geduldig darauf zu warten, dass der Markt ihren wahren Wert wiedererkennt. Diese Strategie belohnt Disziplin und einen langen Atem statt schneller Wetten. Wie sich eine solche Substanzstrategie ĂŒber die Jahre auszahlen kann, kannst du mit unseren Rechnern selbst durchspielen.
Der Werkzeugkasten des Value-Investors
Der Werkzeugkasten des Value-Investors ist gefĂŒllt mit Kennzahlen, die auf eine Unterbewertung hindeuten. Ein niedriges Kurs-Gewinn-VerhĂ€ltnis, etwa ein KGV unter zehn oder zwölf, ist ein klassisches Signal. Ein niedriges Kurs-Buchwert-VerhĂ€ltnis, idealerweise unter eins, zeigt an, dass die Substanz mit einem Abschlag gehandelt wird. Auch eine hohe Dividendenrendite kann auf eine Unterbewertung hindeuten. Der Value-Investor analysiert die Bilanz und sucht nach profitablen Firmen, die der Markt gerade ignoriert oder zu pessimistisch bewertet. Das passiert hĂ€ufiger, als man denkt: Manchmal gerĂ€t eine ganze Branche aus der Mode, manchmal drĂŒcken ein Skandal oder eine schwache Quartalszahl den Kurs ins Bodenlose. Genau dort schlĂ€gt der SchnĂ€ppchenjĂ€ger zu. Die wichtigsten dieser Kennzahlen erklĂ€rt dir unser Finanzlexikon Schritt fĂŒr Schritt.
Antizyklisch handeln und die Sicherheitsmarge
Value Investing verlangt starke Nerven, denn es fĂŒhlt sich an, als wĂŒrde man gegen den Strom schwimmen. Der Value-Investor kauft, wenn andere in Panik verkaufen, und misstraut bewusst dem Urteil der Masse. Warren Buffett brachte diese antizyklische Haltung auf den Punkt: Sei Ă€ngstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere Ă€ngstlich sind. Der Lohn fĂŒr diesen Mut ist die sogenannte Sicherheitsmarge. Wer eine Aktie schon mit einem deutlichen Abschlag auf ihren inneren Wert kauft, hat ein Polster nach unten und ein geringeres Risiko, dauerhaft Geld zu verlieren. Diese stoische, disziplinierte Herangehensweise ist der eigentliche Kern der Strategie: Man muss von der eigenen Analyse ĂŒberzeugt sein und die Geduld haben, bis der Markt nachzieht.
Growth Investing: die Superstars von morgen
Der Growth-Investor ist das genaue Gegenteil des SchnĂ€ppchenjĂ€gers, eher ein Trendscout oder Talent-Manager. Ihn interessiert weniger, was ein Unternehmen heute wert ist, sondern was es in fĂŒnf oder zehn Jahren sein könnte. Er sucht Firmen mit dem Potenzial, Umsatz und Gewinn exponentiell zu steigern, und investiert in Innovation, disruptive Technologien und Megatrends. Ein niedriges KGV spielt hier keine Rolle: Growth-Aktien haben oft ein KGV von fĂŒnfzig, hundert oder gar keins, weil noch keine Gewinne anfallen. Entscheidend sind hohes Umsatzwachstum von zwanzig, dreiĂig oder fĂŒnfzig Prozent pro Jahr, ein riesiger potenzieller Markt und massive Investitionen in Forschung und Entwicklung. Paradebeispiele sind Firmen wie das frĂŒhe Amazon, Tesla oder Nvidia. Wie du diese Wachstumsstory in dein Depot bringst, zeigt dir unsere Anlage-Ăbersicht.
Die Risiken hoher Erwartungen
So verlockend es ist, auf die Gewinner von morgen zu setzen: Growth Investing birgt ein besonderes Risiko. In den Kursen ist bereits eine extrem hohe Erwartungshaltung eingepreist. Wenn ein Wachstumsunternehmen diese Erwartungen auch nur leicht enttĂ€uscht, sich das Wachstum verlangsamt oder ein Konkurrent aufholt, kann der Kurs dramatisch einbrechen. Diese Aktien sind oft hochvolatil. WĂ€hrend der Value-Investor auf seiner Sicherheitsmarge ruht, sitzt der Growth-Investor auf einem Pulverfass hoher Erwartungen. Bekommt die Story Risse, sind Kursverluste von fĂŒnfzig Prozent oder mehr möglich, wie viele Tech-Werte im Jahr zweitausendzweiundzwanzig schmerzhaft gezeigt haben. Wer die typischen Bewertungsfallen vermeiden will, findet Orientierung bei der Verbraucherzentrale, beim Portal Finanztip und bei der Deutschen Bundesbank.
Value sucht solide Firmen zum SchnĂ€ppchenpreis: niedriges KGV, niedriges KBV, hohe Dividende, plus antizyklische Geduld und Sicherheitsmarge. Growth sucht die Wachstumsraketen: hohes Umsatzwachstum, riesige MĂ€rkte, disruptive Technologien, dafĂŒr hohe Bewertungen und starke Schwankungen. Merke: Value schĂŒtzt nach unten, Growth verspricht nach oben â beide brauchen einen langen Atem.
GARP und ETFs: beides clever verbinden
Die gute Nachricht: Du musst dich nicht fĂŒr eine der beiden Religionen entscheiden. Ein sinnvoller Mittelweg ist die GARP-Strategie, kurz fĂŒr Growth at a Reasonable Price. Dabei suchst du Unternehmen, die zwar solide wachsen, deren Bewertung aber noch vernĂŒnftig geblieben ist. So kombinierst du das Beste aus beiden Welten: die Wachstumschance des Growth-Ansatzes und die Preisdisziplin des Value-Ansatzes. FĂŒr die meisten Anlegerinnen und Anleger ist die einfachste Umsetzung ohnehin nicht die Einzelaktie, sondern der breit gestreute ETF. Es gibt gezielte Value-ETFs, Growth-ETFs und breite Weltindizes, die beide Stile automatisch mischen. So profitierst du von beiden Strategien, ohne selbst stĂ€ndig einzelne Bilanzen durchforsten zu mĂŒssen. Welche Produkte sich dafĂŒr eignen, siehst du in unserem Vergleich.
Fazit: Der Weg ist wichtiger als die Religion
Value und Growth sind zwei unterschiedliche Wege zum selben Ziel, dem langfristigen Vermögensaufbau. Entscheidend ist nicht, welche Schule die einzig wahre ist, sondern dass du eine Strategie wÀhlst, die zu deinem Temperament und deinem Zeithorizont passt, und dann diszipliniert dabei bleibst. Mit einer GARP-Idee oder breiten ETFs kannst du beide AnsÀtze bequem verbinden. Hör dir die ganze Folge an, abonniere den Podcast und mach den nÀchsten Schritt auf deiner Finanzreise. In der nÀchsten Folge geht es weiter mit spannenden Einblicken rund um deine Geldanlage.
Shownotes zu dieser Folge +
40 - BESCHREIBUNG - Value vs. Growth Investing â Zwei Strategien im Vergleich
In der vierzigsten JubilĂ€umsfolge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast beleuchten Lia und Maik Marx die zwei groĂen âReligionenâ an der Börse: Value Investing und Growth Investing.
Bist du eher der SchnĂ€ppchenjĂ€ger, der wie Warren Buffett nach unterbewerteten Perlen sucht (Value)? Oder der Trendscout, der auf die nĂ€chsten groĂen Wachstumsraketen wie Tesla oder Amazon setzt (Growth)?
- â Was ist Value Investing? (Die Kunst, einen Dollar fĂŒr 50 Cent zu kaufen)
- â Die Werkzeuge des Value-Investors: Niedriges KGV, niedriges KBV, hohe Dividendenrendite
- â Warum Value-Investoren antizyklisch handeln und eine Sicherheitsmarge lieben.
- â Was ist Growth Investing? (Die Suche nach den Superstars von morgen)
- â Die Werkzeuge des Growth-Investors: Hohes Umsatzwachstum, riesige MĂ€rkte, disruptive Technologien.
- â Die Risiken von Growth-Aktien: Hohe Erwartungen und extreme VolatilitĂ€t.
- â Value vs. Growth: Welche Strategie war historisch erfolgreicher?
- â Warum du dich nicht fĂŒr eine Seite entscheiden musst: Die GARP-Strategie (Growth at a Reasonable Price).
- â Wie du beide Strategien mit ETFs einfach umsetzen kannst.
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Hallo und herzlich willkommen zur 40. Folge von Finanzpost.de, der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Es ist unglaublich, dass wir schon bei Folge 40 sind. Ich bin eure Gastgeberin Lia und an meiner Seite ist wie immer der Mann, der die Landkarte fĂŒr unsere Finanzreise zeichnet. Coach Maik Marx.
Maik Marx: Hallo Lia. Ja, Folge 40, die Zeit vergeht. Ich freue mich, wieder hier zu sein. Nachdem wir uns in den letzten Folgen die Fundamentalanalyse und die technische Analyse angesehen haben, wollen wir heute ĂŒber zwei der grundlegendsten und bekanntesten Anlagestrategien sprechen, die die Börsenwelt seit jeher prĂ€gen. Value Investing und Growth Investing.
Lia: Value and Growth, also Wert und Wachstum. Das klingt ein bisschen wie ein philosophischer Streit. Auf der einen Seite die soliden, bodenstÀndigen Werte, auf der anderen Seite die dynamischen, aufstrebenden Wachstumsraketen. Ist es wirklich so ein Gegensatz?
Maik Marx: Absolut. Man kann es fast als zwei verschiedene Religionen an der Börse bezeichnen. Beide Strategien haben ihre glĂŒhenden AnhĂ€nger, ihre Gurus und ihre Erfolgsgeschichten. Und beide können zum Ziel fĂŒhren. Aber die Wege dorthin sind grundverschieden. Es geht um die zentrale Frage, wonach suche ich bei einer Aktie? Nach dem, was sie heute ist? Oder nach dem, was sie in Zukunft sein könnte?
Lia: Das ist eine tolle Umschreibung. Fangen wir doch mit der Ă€lteren der beiden Religionen an. Dem Value Investing. Das ist doch die Strategie, die durch Investorenlegende Benjamin Graham und seinen berĂŒhmtesten SchĂŒler Warren Buffett weltberĂŒhmt wurde, oder?
Maik Marx: Genau. Value Investing ist die Kunst, unter bewertete Unternehmen zu finden. Der Value Investor ist wie ein SchnĂ€ppchenjĂ€ger auf dem Flohmarkt. Er sucht nach der sprichwörtlichen Perle im Staub, nach Unternehmen, die an der Börse aus irgendeinem Grund weniger wert sind, als ihre Substanz, ihre Gewinne oder ihre zukĂŒnftige Ertragskraft eigentlich rechtfertigen wĂŒrden. Er will, wie Graham es formulierte, einen Dollar fĂŒr 50 Cent kaufen.
Lia: Und wie findet ein Value-Investor solche unterbewerteten Unternehmen? Da kommen doch sicher die Kennzahlen ins Spiel, die wir schon besprochen haben.
Maik Marx: Exakt. Der Werkzeugkasten des Value Investors ist gefĂŒllt mit Kennzahlen, die auf eine Unterbewertung hindeuten. Ein niedriges Kurs-Gewinn-VerhĂ€ltnis, also ein KGV unter 10 oder 12, ist ein klassisches Signal. Ein niedriges Kurs-Buchwert-VerhĂ€ltnis, idealerweise unter 1, zeigt an, dass die Substanz des Unternehmens an der Börse mit einem Abschlag gehandelt wird. Eine hohe Dividendenrendite kann ebenfalls ein Zeichen fĂŒr eine Unterbewertung sein. Der Value-Investor analysiert die Bilanz und sucht nach soliden, profitablen Unternehmen, die vom Markt gerade ignoriert oder zu pessimistisch gesehen werden.
Lia: Warum sollte der Markt ein gutes Unternehmen denn ignorieren? Passiert das wirklich?
Maik Marx: Oh ja, andauernd. Manchmal gerĂ€t eine ganze Branche aus der Mode, denken wir an Ăl- oder Tabakkonzerne. Manchmal hat ein Unternehmen ein vorĂŒbergehendes Problem, einen Skandal oder eine schlechte Quartalszahl. Woraufhin panische Anleger die Aktie abstoĂen und der Kurs ins Bodenlose fĂ€llt. Der Value-Investor hat hier eine antizyklische Denkweise. Er kauft, wenn andere Angst haben. Er hat die Geduld zu warten, bis der Markt erkennt, dass das Unternehmen doch mehr wert ist und der Kurs wieder steigt.
Lia: Das klingt nach einer sehr disziplinierten und fast schon stoischen Herangehensweise. Man braucht also starke Nerven und darf sich nicht von der allgemeinen Panik anstecken lassen. Was ist das fĂŒr ein GefĂŒhl, wenn man eine Aktie kauft, die alle anderen gerade verkaufen?
Maik Marx: Es fĂŒhlt sich an, als wĂŒrde man gegen den Strom schwimmen. Aber genau das ist der Kern der Strategie. Man muss von seiner eigenen Analyse ĂŒberzeugt sein und dem Urteil der Masse misstrauen. Warren Buffett hat es perfekt auf den Punkt gebracht. Sei Ă€ngstlich, wenn andere gierig sind. Und sei gierig, wenn andere Ă€ngstlich sind. Der Lohn fĂŒr diesen Mut ist die sogenannte Sicherheitsmarge. Wenn man eine Aktie schon mit einem deutlichen Abschlag auf ihren inneren Wert kauft, hat man ein Polster nach unten. Das Risiko, dauerhaft Geld zu verlieren, ist geringer.
Lia: Okay, das Konzept des Value Investing ist klar. Kaufe solide Unternehmen zum SchnÀppchenpreis. Kommen wir zum Gegenentwurf, dem Growth Investing. Was macht der Growth Investor anders?
Maik Marx: Der Growth Investor ist das genaue Gegenteil des SchnĂ€ppchenjĂ€gers. Er ist eher ein Trendscout oder ein Talentmanager. Ihn interessiert nicht so sehr, was ein Unternehmen heute wert ist, sondern was es in fĂŒnf oder zehn Jahren wert sein könnte. Er sucht nach Unternehmen, die das Potenzial haben, ihren Umsatz und Gewinn exponentiell zu steigern. Er investiert in die Zukunft, in Innovation, in disruptive Technologien und in Megatrends.
Lia: Welche Kennzahlen sind fĂŒr den Growth-Investor wichtig? Ein niedriges KGV wird es ja wohl nicht sein.
Maik Marx: Definitiv nicht. Growth-Aktien haben oft ein extrem hohes KGV von 50, 100 oder manchmal sogar gar keins, weil sie noch gar keine Gewinne machen. Das schreckt den Growth-Investor aber nicht ab. Er schaut auf andere Dinge. Ein hohes Umsatzwachstum ist das A und O. WĂ€chst der Umsatz um 20, 30 oder sogar 50 Prozent pro Jahr? Hat das Unternehmen einen riesigen potenziellen Markt, den es noch erobern kann? Investiert es massiv in Forschung und Entwicklung, um seine technologische FĂŒhrungsposition auszubauen? Es geht um die Story, die Vision und das Skalierungspotenzial.
Lia: Das sind also die typischen Technologieaktien, die wir aus dem Silicon Valley kennen. Unternehmen wie Tesla. Amazon in seinen frĂŒhen Jahren oder Nvidia.
Maik Marx: Genau das sind Paradebeispiele. Diese Unternehmen haben ganze Branchen revolutioniert. Der Growth Investor ist bereit, einen hohen Preis fĂŒr diese Aktien zu zahlen, weil er davon ausgeht, dass das Unternehmen so schnell in seine Bewertung hineinwĂ€chst, dass der hohe Preis von heute in ein paar Jahren wie ein SchnĂ€ppchen aussehen wird. Er wettet auf die Fortsetzung des Trends und auf die exponentielle Entwicklung.
Lia: Was sind die Risiken dieser Strategie? Es klingt ja auch sehr verlockend, auf die Gewinner von morgen zu setzen.
Maik Marx: Das gröĂte Risiko ist die hohe Erwartungshaltung, die in den Kursen bereits eingepreist ist. Wenn ein Wachstumsunternehmen die extrem hohen Erwartungen auch nur leicht enttĂ€uscht, wenn das Wachstum sich verlangsamt oder ein Konkurrent aufholt, kann der Aktienkurs dramatisch einbrechen. Diese Aktien sind oft extrem volatil. WĂ€hrend der Value-Investor seine Sicherheitsmarge hat, sitzt der Growth-Investor auf einem Pulverfass hoher Erwartungen. Wenn die Story Risse bekommt, kann es schnell zu Kursverlusten von 50% oder mehr kommen, wie wir es bei vielen Tech-Werten im Jahr 2022 gesehen haben.
Lia: Value gegen Growth Die Schildkröte gegen den Hasen StabilitÀt gegen Dynamik. Welche Strategie ist denn langfristig die erfolgreichere? Gibt es darauf eine Antwort?
Maik Marx: Es gibt unzĂ€hlige Studien dazu und die Antwort ist, es kommt darauf an. Es gibt Phasen an der Börse, die ĂŒber mehrere Jahre gehen, in denen Value-Aktien besser laufen. Das ist oft nach dem Platzen von Blasen der Fall, wenn die Anleger sich auf solide Substanz besinnen. Und dann gibt es wieder lange Phasen, oft getrieben von technologischen Revolutionen, in denen Growth-Aktien den Markt deklassieren, so wie in den 10er Jahren dieses Jahrhunderts. Langfristig, ĂŒber viele Jahrzehnte betrachtet, liegen beide Strategien oft erstaunlich nah beieinander. Der wichtigste Faktor ist nicht, welche Strategie man wĂ€hlt, sondern dass man seiner Strategie treu bleibt und sie diszipliniert durchhĂ€lt.
Lia: Muss ich mich denn fĂŒr eine der beiden Seiten entscheiden? Oder kann ich auch beides kombinieren?
Maik Marx: Das ist der beste Ansatz fĂŒr die meisten Privatanleger. Man muss sich nicht fĂŒr eine Religion entscheiden. Man kann pragmatisch sein und das Beste aus beiden Welten kombinieren. Man kann sein Portfolio aufteilen, einen Teil in einen soliden Value-ETF und den anderen in einen dynamischen Growth-ETF. Oder man sucht nach Unternehmen, die beides vereinen, die sogenannte Growth at a Reasonable Price. Strategie, kurz GARB. Das sind QualitĂ€tsunternehmen, die immer noch solide wachsen, aber nicht mehr zu den astronomischen Bewertungen der reinen Growth-Aktien gehandelt werden. Ein Unternehmen wie Microsoft oder Apple könnte man heute in diese Kategorie einordnen.
Lia: Value, Growth und GARP. Das ist eine super Zusammenfassung der drei groĂen AnsĂ€tze. Es hilft enorm, die eigene Anlagestrategie zu verstehen und einzuordnen. Vielen Dank, Maik, fĂŒr diese klare GegenĂŒberstellung.
Maik Marx: Sehr gerne. Es ist wichtig zu verstehen, welche Brille man beim Blick auf den Aktienmarkt aufhat. Ob man der SchnĂ€ppchenjĂ€ger oder der Trendscout ist. Beides kann zum Erfolg fĂŒhren, solange man die Spielregeln kennt und sich seiner Entscheidung treu bleibt.
Lia: Ein perfektes Schlusswort. Damit sind wir am Ende unserer 40. JubilĂ€umsfolge. Wir hoffen, ihr konntet fĂŒr euch klĂ€ren, ob ihr eher Team Value oder Team Growth seid. Oder vielleicht ein pragmatischer Fan von beidem. Wenn euch die Folge gefallen hat, lasst uns eine 5-Sterne-Bewertung da. Wir hören uns nĂ€chste Woche wieder. Bis dann bei Finanzpost.de
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