Dividendenaristokraten: Wie du mit jahrzehntelanger Ausschüttung ein stabiles Einkommen aufbaust
Willkommen zu Folge 38 von Finanzpost.de, dem Finanz- und Vorsorge-Podcast. Lia und Finanzexperte Maik Marx widmen sich diesmal den Königen der Dividendenzahler: den Dividendenaristokraten. Du erfährst, was hinter diesem vornehmen Titel steckt, warum Unternehmen wie Coca-Cola oder Procter & Gamble seit Jahrzehnten ihre Ausschüttungen erhöhen und welche Vorteile eine Dividendenstrategie für dein passives Einkommen bringt. Wir sprechen aber auch ehrlich über die Nachteile und zeigen dir, wie du mit den passenden ETFs ganz einfach in diese Aktien-Elite investieren kannst. Diese Folge ist dein Wegweiser zu mehr Stabilität und Verlässlichkeit im Depot.
Was einen Dividendenaristokraten wirklich ausmacht
Der Titel klingt vornehm, und dahinter steckt tatsächlich viel Tradition, Stabilität und Verlässlichkeit. Ein Unternehmen wird nicht einfach so zum Dividendenaristokraten. Es muss eine sehr strenge Bedingung erfüllen: seine Dividende pro Aktie seit mindestens fünfundzwanzig aufeinanderfolgenden Jahren jedes Jahr erhöhen. Nicht nur zahlen, sondern wirklich jedes einzelne Jahr steigern. Das ist ein starkes Zeichen finanzieller Gesundheit und eines robusten Geschäftsmodells, das sich über viele Konjunkturzyklen bewährt hat. Denk daran, was in den letzten fünfundzwanzig Jahren alles passiert ist: die Dotcom-Blase, die Finanzkrise 2008, die Euro-Krise, die Corona-Pandemie. All das haben diese Unternehmen überstanden und ihre Aktionäre trotzdem mit wachsenden Ausschüttungen belohnt. Die Grundlagen zur Aktienbewertung findest du kompakt in unserem Wissensbereich.
Bekannte Namen aus deinem Alltag
Viele dieser Unternehmen sind absolute Giganten und aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Coca-Cola erhöht seit über sechzig Jahren die Dividende. Procter & Gamble, das Unternehmen hinter Marken wie Pampers, Gillette und Ariel, tut das ebenfalls seit über sechs Jahrzehnten. Johnson & Johnson aus dem Gesundheitssektor ist ein weiteres klassisches Beispiel, genauso wie McDonald's oder der Industrie-Gigant 3M. In Deutschland ist die Liste kürzer, da die Aktienkultur jünger ist und viele Unternehmen nach dem Krieg bei null anfangen mussten. Fresenius Medical Care hat es über zwanzig Jahre geschafft, bevor die Serie unterbrochen werden musste, was zeigt, wie schwer dieser Status zu halten ist. Weitere bekannte Namen sind Colgate-Palmolive, PepsiCo oder der Ölkonzern Chevron. In unserem Finanzlexikon erklären wir dir die wichtigsten Begriffe rund um Dividenden.
Die Dividendenkönige: die absolute Elite
Es gibt sogar eine Steigerung zum Aristokraten. Unternehmen, die es schaffen, ihre Dividende seit fünfzig oder mehr Jahren ununterbrochen zu steigern, werden inoffiziell als Dividendenkönige bezeichnet. Das ist die absolute Elite der Zuverlässigkeit, und die Liste ist noch exklusiver. Hier finden sich Legenden wie Coca-Cola und Johnson & Johnson, aber auch 3M oder Procter & Gamble. Dieser Status ist quasi der Ritterschlag und ein Beweis für ein extrem widerstandsfähiges Geschäftsmodell. Er zeigt, dass das Unternehmen eine fast unangreifbare Marktstellung hat, einen sogenannten Burggraben, wie Warren Buffett es nennen würde. Wie sich solche Ausschüttungen über die Jahre auf dein Vermögen auswirken, kannst du in unserer Anlage-Übersicht nachvollziehen.
Die Vorteile: mehr als nur passives Einkommen
Das passive Einkommen ist der offensichtlichste Vorteil: Du erhältst jedes Quartal oder Jahr eine verlässliche und wachsende Ausschüttung, quasi ein zweites Gehalt, das dein Depot dir zahlt. Doch die Vorteile gehen tiefer. Erstens wirkt die Dividendensteigerung wie ein eingebauter Inflationsschutz. Während die Preise steigen, wächst auch dein passives Einkommen, idealerweise sogar stärker als die Inflation. Zweitens hat die Dividende eine disziplinierende Wirkung auf das Management. Ein Unternehmen, das sich verpflichtet hat, die Dividende jedes Jahr zu steigern, kann nicht leichtfertig Geld für unsinnige Projekte oder überteuerte Übernahmen ausgeben. Jede Investition muss sich daran messen lassen, ob sie die zukünftigen Zahlungen gefährdet. Das führt zu einer sehr konservativen, auf langfristigen Erfolg ausgerichteten Führung. Wie viel passives Einkommen realistisch ist, zeigt dir unser Rechner.
Dividendenaristokraten sind oft weniger volatil als der Gesamtmarkt. In Krisen fallen ihre Kurse tendenziell weniger stark, weil die Dividende wie ein Puffer wirkt: Sinkt der Kurs, steigt die Dividendenrendite und macht die Aktie für neue Käufer attraktiver. Diese Unternehmen verkaufen Produkte, die immer gebraucht werden – Zahnpasta, Getränke, Medikamente, Babynahrung. Die Nachfrage ist weitgehend unabhängig von der Konjunktur. Mit solchen defensiven Geschäftsmodellen schläfst du ruhiger.
Der Haken: Wachstum gegen Stabilität
Eine perfekte Strategie gibt es an der Börse nicht. Der Hauptkritikpunkt an Dividendenaristokraten ist, dass es sich oft um sehr große, etablierte Unternehmen in gesättigten Märkten handelt. Das bedeutet, sie wachsen in der Regel langsamer als junge, dynamische Technologieunternehmen. Mit einem Investment in Coca-Cola wirst du wahrscheinlich keine Kursverzehnfachung in fünf Jahren erleben, die Kursgewinne fallen meist moderater aus. Du tauschst also explosives Wachstumspotenzial gegen Stabilität und berechenbares Einkommen. Du verzichtest auf den Sprint, um sicher ans Ziel zu kommen. Für viele Anleger mit Fokus auf Sicherheit und einen ruhigen Vermögensaufbau ist genau das der richtige Weg. Welche Depots und Broker sich dafür eignen, findest du in unserem Vergleich.
Einfach investieren mit Dividenden-ETFs
Du musst dir nicht mühsam einzelne Aktien heraussuchen, um von dieser Strategie zu profitieren. Es gibt spezielle ETFs, die gezielt in Dividendenaristokraten investieren, etwa auf den S&P 500 Dividend Aristocrats Index. Damit streust du dein Geld breit über viele zuverlässige Zahler und musst nicht auf ein einzelnes Unternehmen wetten. Wichtig ist, dass du bei der Auswahl auf Qualität statt auf reine Renditejagd achtest: Eine extrem hohe Dividendenrendite ist oft ein Warnsignal und kein Kaufgrund, weil sie durch einen abgestürzten Kurs entstehen kann. Setze lieber auf Indizes mit strengen Qualitätskriterien. Seriöse und neutrale Informationen bekommst du bei der Verbraucherzentrale, beim Portal Finanztip sowie bei der Deutschen Bundesbank.
Für wen sich diese Strategie eignet
Dividendenaristokraten sind besonders für Anleger interessant, die Stabilität und ein planbares Einkommen suchen. Wer sich einen wachsenden passiven Zahlungsstrom aufbauen möchte, etwa als Ergänzung zur Altersvorsorge, findet hier verlässliche Partner. Auch wer nervenschonend investieren will und mit den Kursschwankungen von Tech-Werten schlecht schlafen kann, ist mit defensiven Basiskonsumgütern gut aufgehoben. Wichtig ist jedoch, realistische Erwartungen zu haben: Es geht um solides, berechenbares Wachstum, nicht um schnelle Kurssprünge. Eine gesunde Mischung aus Stabilität und Wachstum kann für viele Depots der beste Weg sein. Je klarer du dein eigenes Ziel kennst, desto besser passt du deine Strategie an.
Fazit: Verlässlichkeit als Fundament
Dividendenaristokraten stehen für Tradition, Stabilität und ein wachsendes passives Einkommen, das sich über Jahrzehnte bewährt hat. Sie sind kein Turbo fürs Depot, aber ein solides Fundament für ruhigen, langfristigen Vermögensaufbau. Hör dir die ganze Folge an, um alle Details zu Aristokraten, Königen und ETFs zu erfahren, und abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst. In der nächsten Episode schauen wir uns an, wie du ein ausgewogenes Depot aus Stabilität und Wachstum zusammenstellst.
Shownotes zu dieser Folge +
38 - BESCHREIBUNG - Die besten Dividendenaristokraten – Unternehmen mit jahrzehntelanger Ausschüttung
Passives Einkommen mit den Königen der Dividende! So investierst du in die stabilsten Unternehmen der Welt.
stately_castle In der achtunddreißigsten Folge von Finanzpost.de: Der Finanz- und Vorsorge-Podcast stellen Lia und Finanzexperte Maik Marx die Dividendenaristokraten vor.
- ✓ Was sind Dividendenaristokraten? (Unternehmen, die ihre Dividende seit 25+ Jahren jährlich steigern)
- ✓ Beispiele für berühmte Dividendenaristokraten (Coca-Cola, Procter & Gamble, Johnson & Johnson)
- ✓ Die Vorteile einer Dividendenstrategie: Passives Einkommen, Inflationsschutz & Stabilität
- ✓ Warum die Dividende eine disziplinierende Wirkung auf das Management hat
- ✓ Warum Aristokraten-Aktien in Krisen oft weniger stark fallen (Sicherheitsnetz)
- ✓ Die Nachteile: Moderateres Wachstum im Vergleich zu Tech-Aktien
- ✓ Für wen eignet sich diese Strategie besonders? (Anleger mit Fokus auf Stabilität und Einkommen)
- ✓ Wie du mit speziellen ETFs einfach in Dividendenaristokraten investieren kannst (z.B. S&P 500 Dividend Aristocrats ETFs)
- ✓ Worauf du bei der Auswahl von Dividenden-ETFs achten musst (Qualität vs. reine Renditejagd)
Komplettes Transkript dieser Folge +
Lia: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Finanzpost.de, der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Ich bin eure Gastgeberin Lia und ich freue mich, dass ihr wieder eingeschaltet habt. An meiner Seite ist natürlich wie immer der Mann, der Licht ins Dunkel der Finanzwelt bringt, unser Coach Maik Marx.
Maik Marx: Hallo Lia, hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. In unserer letzten Folge haben wir uns ja die fundamentalen Kennzahlen wie KGV und KBV angesehen. Heute wollen wir auf einem Thema aufbauen, das wir am Ende kurz erwähnt haben und das für viele Anleger, die ein passives Einkommen anstreben, besonders faszinierend ist, die Dividende. Genauer gesagt, die Könige der Dividendenzahler, die Dividendenaristokraten.
Lia: Dividenden-Aristokraten. Das klingt sehr vornehm und exklusiv. Ich stelle mir da direkt Unternehmen in alten, ehrwürdigen Gebäuden mit viel Mahagoni vor. Was genau verbirgt sich hinter diesem adeligen Titel?
Maik Marx: Deine Vorstellung ist gar nicht so verkehrt, denn es geht tatsächlich um Tradition, Stabilität und Verlässlichkeit. Ein Unternehmen erhält den Titel Dividendenaristokrat nicht einfach so. Es muss eine sehr strenge Bedingung erfüllen. Es muss seine Dividende pro Aktie seit mindestens 25 aufeinanderfolgenden Jahren jedes Jahr erhöht haben. Nicht nur gezahlt, sondern wirklich jedes einzelne Jahr gesteigert. Das ist ein unglaublich starkes Zeichen von finanzieller Gesundheit und einem sehr robusten Geschäftsmodell, das sich über viele Konjunkturzyklen bewährt hat. Denkt nur mal darüber nach, was in den letzten 25 Jahren alles passiert ist. Die Dotcom-Blase, die Finanzkrise 2008, die Euro-Krise, die Corona-Pandemie. All das haben diese Unternehmen überstanden und trotzdem ihre Aktionäre mit einer wachsenden Ausschüttung belohnt.
Lia: 25 Jahre in Folge die Dividende erhöhen. Das ist eine halbe Ewigkeit Da muss ein Unternehmen ja einige Wirtschaftskrisen, Rezessionen und technologische Umbrüche überstanden haben, ohne seine Aktionäre im Stich zu lassen Das ist wirklich beeindruckend Kannst du uns ein paar Beispiele für solche Unternehmen nennen?
Maik Marx: Aber sicher, viele dieser Namen sind absolute Giganten und aus unserem Alltag nicht wegzudenken Denken wir an Coca-Cola, die seit über 60 Jahren ihre Dividende erhöhen. Oder Procter & Gamble, das Unternehmen hinter Marken wie Pampers, Gillette und Ariel, die das ebenfalls seit über sechs Jahrzehnten tun. Johnson & Johnson aus dem Gesundheitssektor ist ein weiteres klassisches Beispiel. Auch McDonalds oder der Industriegigant 3M gehören dazu. In Deutschland ist die Liste kürzer, da die Aktienkultur jünger ist und viele Unternehmen nach dem Krieg bei Null anfangen mussten. Ein Unternehmen wie Fresenius Medical Care hat es auch über 20 Jahre geschafft, bevor sie die Serie unterbrechen mussten, was zeigt, wie schwer es ist, diesen Status zu halten. Andere bekannte Namen sind zum Beispiel Colgate Palmolive, PepsiCo oder der Ölkonzern Chevron.
Lia: Du hast gerade von über 60 Jahren gesprochen. Gibt es da noch eine Steigerung zum Aristokraten? Einen Kaiser oder so?
Maik Marx: Eine sehr gute Frage. Ja, die gibt es. Unternehmen, die es schaffen, ihre Dividende seit 50 oder mehr Jahren ununterbrochen zu steigern, werden inoffiziell als Dividendenkönige bezeichnet. Das ist die absolute Elite der Zuverlässigkeit. Die Liste dieser Könige ist natürlich noch exklusiver. Hier finden sich dann Legenden wie die bereits genannten Coca-Cola und Johnson & Johnson, aber auch Unternehmen wie 3M oder Procter & Gamble. Dieser Status ist quasi der Ritterschlag für ein Unternehmen und ein Beweis für ein extrem widerstandsfähiges Geschäftsmodell. Es zeigt, dass das Unternehmen eine fast unangreifbare Marktstellung hat, eine sogenannte Burggrabenposition, wie Warren Buffett es nennen würde.
Lia: Wow, Dividendenkönige, das merke ich mir. Wenn ich in solche Unternehmen investiere, was sind denn die konkreten Vorteile für mich als Anlegerin? Ist es nur das passive Einkommen?
Maik Marx: Das passive Einkommen ist natürlich der offensichtlichste Vorteil. Du erhältst jedes Quartal oder jedes Jahr eine verlässliche und sogar wachsende Ausschüttung, quasi ein zweites Gehalt, das dein Depot dir zahlt. Aber die Vorteile gehen viel tiefer. Erstens, die Dividendensteigerung wirkt wie ein eingebauter Inflationsschutz. Während die Preise steigen, steigt auch dein passives Einkommen. Idealerweise sogar stärker als die Inflation. Zweitens, die Dividende hat eine enorme disziplinierende Wirkung auf das Management. Ein Unternehmen, das sich verpflichtet hat, seine Dividende jedes Jahr zu steigern, kann nicht einfach leichtfertig Geld für unsinnige Projekte oder überteuerte Übernahmen ausgeben. Jede Investition muss sich daran messen lassen, ob sie die zukünftigen Dividendenzahlungen gefährdet. Das führt zu einer sehr konservativen und auf langfristigen Erfolg ausgerichteten Unternehmensführung. Man investiert also nicht nur in eine Aktie, sondern auch in eine bestimmte Unternehmenskultur der Verlässlichkeit.
Lia: Das ist ein sehr interessanter Punkt. Die Dividende als eine Art Qualitätsfilter für unternehmerische Entscheidungen. Und ich nehme an, diese Stabilität zeigt sich auch im Aktienkurs, oder?
Maik Marx: Genau. Dividendenaristokraten sind oft weniger volatil als der Gesamtmarkt. In Börsenkrisen oder unsicheren Zeiten neigen ihre Kurse dazu, weniger stark zu fallen. Das liegt daran, dass die Dividende wie ein Puffer wirkt. Selbst wenn der Kurs fällt, steigt die Dividendenrendite, was die Aktie für neue Käufer attraktiver macht, und den Kurs stabilisiert. Man spricht hier von einer Art natürlichem Sicherheitsnetz. Diese Unternehmen haben bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell so stark ist, dass es auch in einer Rezession noch Gewinne abwirft, die eine Dividendenzahlung ermöglichen. Sie verkaufen Produkte, die immer gebraucht werden. Zahnpasta, Getränke, Medikamente, Babynahrung. Das nennt man auch defensive Geschäftsmodelle oder Basiskonsumgüter. Die Nachfrage nach diesen Produkten ist weitgehend unabhängig von der Konjunktur. Man kann also ruhiger schlafen.
Lia: Das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Stabile Kurse, wachsendes passives Einkommen, Inflationsschutz. Wo ist der Haken? Gibt es auch Nachteile bei einer Strategie, die nur auf Dividenden-Aristokraten setzt?
Maik Marx: Natürlich. Eine absolut perfekte Strategie gibt es an der Börse nicht. Der Hauptkritikpunkt an Dividenden-Aristokraten ist, dass es sich oft um sehr große, etablierte Unternehmen in gesättigten Märkten handelt. Das bedeutet, sie wachsen in der Regel langsamer als junge, dynamische Technologieunternehmen. Man wird mit einem Investment in Coca-Cola wahrscheinlich keine Kursverzehnfachung in fünf Jahren erleben. Die Kursgewinne sind oft moderater. Man tauscht also quasi explosives Wachstumspotenzial gegen Stabilität und berechenbares Einkommen. Man verzichtet auf den Sprint, um sicher den Marathon zu beenden. Ein weiterer Punkt ist die Steuer. Auf Dividenden wird in Deutschland die Abgeltungssteuer fällig, was den Zinseszinseffekt im Vergleich zu thesaurierenden ETFs etwas bremst. Bei einem thesaurierenden ETF werden die Erträge direkt wieder angelegt und erst beim Verkauf versteuert, was über lange Zeit einen deutlichen Unterschied machen kann.
Lia: Das heißt für einen sehr jungen Anleger, der noch 40 Jahre Zeit hat und magmales Wachstum sucht, ist das vielleicht nicht die alleinige Strategie. Für jemanden, der aber Wert auf Stabilität legt oder sich bereits in Richtung Ruhestand bewegt und ein verlässliches Zusatzeinkommen aufbauen will, sind sie ideal.
Maik Marx: Genau so ist es. Es ist eine Frage der persönlichen Ziele und der Risikobereitschaft. Oft ist eine Mischung ideal. Man kann einen Teil seines Portfolios in einen breit gestreuten Welt-ETF für das Wachstum investieren und einen anderen Teil in einen Dividenden-Aristokraten-ETF für Stabilität und laufende Erträge. So kombiniert man das Beste aus beiden Welten. Ein weiterer Punkt ist, dass eine hohe Dividende in der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist. Wir haben das am Beispiel von Fresenius gesehen. Auch ein Aristokrat kann vom Thron gestoßen werden, wenn sich sein Geschäftsmodell fundamental ändert oder eine schwere Krise das Unternehmen trifft. General Electric war auch mal ein solcher Fels in der Brandung und musste seine Dividende drastisch kürzen. Deshalb ist auch hier Diversifikation so wichtig. Man sollte nicht alles auf einen oder zwei Aristokraten setzen, sondern breit streuen.
Lia: Wie kann ich denn als Anlegerin gezielt in Dividenden-Aristokraten investieren? Muss ich mir jetzt alle Aktien einzeln heraussuchen und kaufen? Und wo finde ich überhaupt die Information, wie lange ein Unternehmen seine Dividende schon steigert?
Maik Marx: Das ist eine Möglichkeit, aber sie ist natürlich aufwendig. Man muss die Unternehmen analysieren und sein Portfolio selbst managen. Die Informationen zur Dividendenhistorie findet man oft auf den Investor Relations Websites der Unternehmen selbst oder auf spezialisierten Finanzportalen. Aber es gibt eine viel einfachere und für die meisten Anleger bessere Methode. Spezielle ETFs, die sich genau auf diese Strategie konzentrieren. Es gibt zum Beispiel ETFs auf den S&P 500 Dividend Aristokratz Index. Dieser Index enthält nur die Unternehmen aus dem S&P 500, die die Bedingung von 25 Jahren Dividendenwachstum erfüllen. Mit einem einzigen Kauf investiert man also automatisch in Dutzende dieser Qualitätsunternehmen und ist sofort breit diversifiziert. Der ETF übernimmt zudem das Rebalancing und prüft regelmäßig, welche Unternehmen die Kriterien noch erfüllen und welche vielleicht aus dem Index fliegen.
Lia: Das ist natürlich genial einfach. Ein ETF, der mir die ganze Arbeit abnimmt und sicherstellt, dass nur die besten Dividendenzahler im Korb landen. Das ist ja fast wie ein Gütesiegel für mein Investment. Gibt es da auch europäische oder globale Varianten?
Maik Marx: Ja, die gibt es. Es gibt Pendants, die sich auf europäische Unternehmen konzentrieren, wobei die Kriterien hier oft etwas lockerer sind, zum Beispiel 10 Jahre Dividendenwachstum statt 25, weil die Historie hier kürzer ist. Ein bekannter Index ist hier der S&P Europe 350 Dividend Aristocrats. Es gibt auch globale Dividenden-ETFs. Hier muss man aber genau ins Factsheet schauen, welche Kriterien der ETF anlegt. Nicht jeder ETF, der Dividende im Namen hat, verfolgt eine so strenge Qualitätsstrategie wie ein echter Aristokraten-ETF. Manchmal werden auch einfach nur die Unternehmen mit der höchsten aktuellen Rendite ausgewählt, was, wie wir wissen, riskant sein kann.
Lia: Das ist ein wichtiger Hinweis. Man muss also genau prüfen, ob der ETF auf Qualität und Dividendenwachstum setzt oder einfach nur auf eine hohe aktuelle Dividendenrendite, was ja, wie wir in der letzten Folge gelernt haben, auch eine Falle sein kann.
Maik Marx: Exakt. Die Spreu vom Weizen zu trennen, ist entscheidend. Ein echter Aristokratenansatz fokussiert sich auf die Nachhaltigkeit und das Wachstum der Dividende, nicht nur auf die absolute Höhe im Hier und Jetzt. Das ist der feine, aber entscheidende Unterschied zwischen einer Qualitätsstrategie und einer reinen Renditejagd. Man sucht nicht den schnellsten Sprinter, sondern den ausdauerndsten Marathonläufer. Ein gutes Zeichen ist, wenn der ETF-Name Aristokrats oder Dividend Growth enthält. Das signalisiert meist den Fokus auf das Wachstum.
Lia: Super Maik, das hat mir die Welt der Dividenden-Aristokraten wirklich nahegebracht. Es ist eine faszinierende Strategie für alle, die auf der Suche nach Stabilität und einem verlässlichen, wachsenden Einkommensstrom sind. Und dank der ETFs ist es auch für jeden von uns ganz einfach umsetzbar. Es fühlt sich an wie eine sehr erwachsene, ruhige Art zu investieren.
Maik Marx: Genau darum geht es. Es sind diese bewährten, verständlichen und zugänglichen Strategien, die langfristig den Erfolg an der Börse ausmachen. Kein wildes Gezocke, sondern solides Handwerk. Und die Dividenden-Aristokraten sind die Meister dieses Handwerks. Sie verkörpern die Idee des langfristigen geduldigen Vermögensaufbaus wie kaum eine andere Anlageklasse. Es ist eine Strategie, mit der man nachts gut schlafen kann, selbst wenn die Börsen mal wieder verrückt spielen. Man wacht morgens auf und weiß, dass wieder ein paar Cent oder Euro an Dividenden auf dem Konto gelandet sind, egal was die Kurse gerade machen.
Lia: Ein wunderbares Schlusswort. Damit sind wir am Ende unserer heutigen Folge. Wenn ihr mehr über Dividendenstrategien erfahren wollt oder Fragen habt, schreibt uns gerne. Und wenn euch der Podcast gefällt, hinterlasst uns eine positive Bewertung. Wir hören uns nächste Woche wieder, wenn es heißt Finanzpost.de Der Finanz- und Vorsorge-Podcast. Bis dann.
Maik Marx: Rechtlicher Hinweis. Die Inhalte dieses Podcasts dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Die dargestellten Meinungen sind die der Podcaster und nicht notwendigerweise die von Finanzpost.de. Jedes Investment ist mit riesigen Verhältnissen. verbunden. Informieren Sie sich bitte umfassend, bevor Sie eine Anlageentscheidung treffen.